Der Ring – Das Musical – Der Chlorunfall

„Der Fluch des Rings“

oder

Wie aus einer Chlortablette ein Großeinsatz für 120 Einsatzkräfte wurde

Füssen, Freitag, der 12.10.2018, Tatort Festspielhaus Füssen. Die 800 Besucher des Musicals „Der Ring“ sind in freudiger Erwartung. Noch wird im Foyer fröhlich geplaudert, getrunken und über die gleich beginnende Vorstellung diskutiert. Man genießt den großartigen Blick auf den, inzwischen wieder fast vollen, Forggensee und das Schloss Neuschwanstein. Dann ist es endlich soweit. Der Saal füllt sich, das Opening beginnt, eine Stimme erzählt von der Geschichte des „Rings“. Hinter dem durchsichtigen Vorhang aus Gaze sieht man drei Rheinamazonen sich lässig auf ihren Inseln räkeln. Gott Wotan versenkt den Schatz der Nibelungen im Rhein.

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Die drei Rheinamazonen fangen an zu erzählen, dass sie seit 1.000 Jahren den Schatz der Nibelungen und den Ring der Macht bewachen. Nun sollte da eigentlich Zwerg Alberich kommen und ihn stehlen, doch stattdessen geht der Bühnenvorhang herunter und das Licht an. Intendant Benjamin Sahler bittet die Zuschauer zunächst sitzen zu bleiben, ein bisschen später erklärt er jedoch, dass es einen Chloralarm gab und die Zuschauer bitte den Saal verlassen sollten. Noch ahnt im Zuschauerbereich niemand, was sich hinter dem Haus abspielt.

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Was das Publikum nicht gesehen hat – ein Foto von Chris Murray vom hinteren Bereich des Theaters hinaus auf die Straße (c) Chris Murray

Denn dort herrscht Ausnahmezustand. Insgesamt mehr als 20 Einsatzwagen stehen hinter dem Festspielhaus. Feuerwehr, Polizei, Krankenwagen und sogar ein Team für einen Giftalarm sind vor Ort. Auslöser des ganzen Großeinsatzes war, wie sich später herausstellte, eine einzelne Chlortablette, die sich nicht richtig aufgelöst hatte. Diese Chlortabletten, die man auch in Schwimmbädern oder in privaten Pools einsetzt, reinigen das Wasser. Das Festspielhaus mit einer der größten Bühnen Europas besitzt einen 90.000 Liter fassenden „See“.

Doch während die über 120 Einsatzkräfte, die aus den umliegenden Gemeinden zusammengezogen wurden, im hinteren Bereich des Festspielhauses fleißig daran arbeiten, die Ursache zu finden und den Chlorgeruch aus dem Saal zu vertreiben, geht es im Vorderhaus fröhlich weiter. In einer spontanen Aktion entschlossen sich Frank Nimsgern, Komponist und Co-Produzent von „Der Ring“, und seine Künstler, das Publikum mit einem improvisierten Konzert zu unterhalten. Eilig wurde ein Klavier herbeigeschafft, auf dem Frank Nimsgern Chris Murray, der den Zwerg Alberich spielt, Kathy Savannah Krause und Kristin Backes, zwei der drei Rheinamazonen, begleitete. Unglaublich, wie diese großartigen Künstler es ohne Probe schafften, das Publikum zu unterhalten.

 

Chris Murray begann mit „Dies ist die Stunde“ aus “Jekyll und Hyde”, gefolgt von “Spieglein, Spieglein” aus dem Musical “SnoWhite”, gesungen von Kathy Savannah Krause, die damit richtig abrockte. „Kleiner Mann“ aus „Der Ring“ , gesungen von Chris Murray, stimmte die Zuschauer auf die Show ein. Zum Schluss gab es dann noch ein Duett aus “SnoWhite” “Frei wie der Wind”, das Kathy Savannah Krause und Kristin Backes gemeinsam sangen.

Im Improvisieren hatte man leider schon Erfahrung, denn am Sonntag zuvor musste wegen einer technischen Panne die Show konzertant gespielt werden. Aber auch das wurde dank allen Künstlern ein riesiger Erfolg. So ein bisschen wurde schon gewitzelt, ob es der „Fluch des Zwerges Alberich“ oder das „Phantom des Festspielhauses“ sei.

Den Zuschauern, die nicht bleiben konnten oder wollten, wurde das Geld zurückerstattet oder ein Tausch für eine andere Vorstellung angeboten. Doch alle die, die geblieben waren, hatten an dem ungeplanten Konzert ihre Freude, bekamen auch Freigetränke und konnten zwei Stunden später das Musical in voller Länge genießen. Niemand, weder die Darsteller noch die Zuschauer, hatten nach der Vorstellung gesundheitliche Probleme. Vorsorglich hatte ein Notarzt vor der Vorstellung noch die Symptome einer Chlorgasvergiftung geschildert.

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Loben muss man hier wirklich alle: die Einsatzkräfte, die umsichtig und ohne die Zuschauer zu verschrecken, agierten, die Leitung des Festspielhauses mit Intendant Benjamin Sahler und Geschäftsführerin Birgit Karle, die den Zuschauern alle Möglichkeiten der Erstattung anboten, aber vor allem auch die großartigen Darstellerinnen und Darsteller rund um Komponist Frank Nimsgern, die ohne zu zögern spontan das Konzert im Foyer und auch später die Show sangen.

Ludwigs Festspielhaus, wie es inzwischen heißt, ist wirklich eines der schönsten Theater Europas, hat neben dem großen Pool auch eine der größten Drehbühnen Europas und mit die neuesten technischen Möglichkeiten. Nach der Neueröffnung 2016 stehen nun viele unterschiedliche Events auf dem Spielplan: Exklusiv nun auch „DER RING“ DAS NIBELUNGEN MUSICAL, geplant für die nächsten 5 Jahre!

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OKAY! Die Show kann weitergehen!

 

Bericht und Bilder: Ingrid Kernbach