Revanche – ein Krimi von Anthony Schaffer

Grenzlandtheater Aachen

Vorstellung: 14. November 2018

 

(c) Kerstin Brandt
(c) Kerstin Brandt

Das Grenzlandtheater in Aachen bringt nach zwei Komödien als drittes einen Krimi von Anthony Schaffer, Deutsch von Wolff Parr, auf die Bühne: „Revanche“.

Re-van-che [die] – Substantiv, feminin
Der Begriff „Revanche“ steht für Vielerlei, läuft aber irgendwie immer wieder auf dasselbe hinaus. Sei es die Vergeltung für eine Niederlage, sich für Gemeinheiten zu rächen oder aber die Chance, eine bei einem Wettkampf erlittene Niederlage in einer Wiederholung wieder wettzumachen. Es geht immer um einen Kampf, ums Gewinnen oder Verlieren.

(c) Kerstin Brandt
(c) Kerstin Brandt

Der exzentrische Kriminalautor Andrew Wyke lädt den Friseur Milo Tindle, der eine Affäre mit seiner Frau Marguerite unterhält, zu einem klärenden Gespräch in sein Haus ein. Tindle und Marguerite wollen heiraten, wogegen Wyke wenig Einwände hätte, wäre da nicht seine Furcht vor den drohenden Scheidungskosten. Tindle ist ziemlich mittellos und Marguerite von ihrer bisherigen Ehe einen anderen Lebensstandard gewohnt, als der, den der neue Mann an ihrer Seite ihr bieten könnte. Aber als Autor ganz erfindungsreich, schwebt ihm schon ein Plan durch den Kopf – Tindle solle zum Schein bei ihm einbrechen und seine Diamanten stehlen, die dieser anschließend zum freien Verkauf behalten könne und Wyke selbst würde die Versicherungssumme zugesprochen. Wyke ist seinem Gegner intellektuell mehr als überlegen und zieht in brillanten Wortgefechten die Fäden.

Als Tindle bei der Ausführung des Plans scheinbar spurlos verschwindet, nimmt sich Inspektor Doppler der Aufklärung an. Wyke ahnt nicht, dass es sich bei dem Polizisten in Wahrheit um Tindle in Verkleidung handelt, der nun den Spieß geschickt umdreht – als Ordnungshüter gelingt es ihm, seinen Widersacher gekonnt in die Ecke zu drängen. Es entwickelt sich ein faszinierendes, verbales Duell auf höchstem Niveau zwischen den beiden Streithähnen, welches schließlich in einer dramatischen Schlusspointe ein doch überraschendes Ende findet.

(c) Kerstin Brandt
(c) Kerstin Brandt

Der für die Regie verantwortlichen Dramaturgin des Theaters, Anja Junski, gelingt mit ihrer Inszenierung eine elegant-pointierte Darstellung des Zwei-Personen-Stücks. Der erste Akt wirkt im Gegensatz zum zweiten, der die Spannung atemanhaltend zuzuspitzen weiß, ein wenig langatmig, aber die intelligenten Dialoge erlauben eine differenzierte Sichtweise auf die sich zwischen intellektuellem Spiel und mörderischem Ernst befindliche Gratwanderung. Die Kulisse formt die kleine Bühne detailverliebt zu einem runden Ganzen.

(c) Kerstin Brandt
(c) Kerstin Brandt

Den beiden Schauspielern Philip Schlomm (Andrew Wyke) und Chris Max Nachtigall (Milo Tindle) nimmt man zu jeder Zeit ihren gespielten Charakter voll ab. Die Wandlung des mittellosen Heiratswilligen vom ängstlichen Unterwürfigen zum höllisch starken Inspektor lässt die Zuschauer interessiert aufhorchen. Es gibt für sie kein Entrinnen, bei der Schlussszene ist die Verblüffung, die sich über den Saal legt, fast körperlich spürbar und man verlässt diesen mit staunenden Gedanken.

Dem atemberaubenden Revanche-Spiel kann man noch bis zum 4. Dezember 2018 auf der Hauptbühne und vom 8. bis 19. Dezember 2018 an den verschiedenen Spielorten der Städteregion Aachen folgen.


Text: Astrid