Martin Herzberg – bewegende Klaviermusik

„Liebe & Tasten“ Tour

Konzert in Aachen 13. Oktober 2018

 

(c) Oliver Doll
(c) Oliver Doll

Der Herbst malt diesen Samstag, den 13. Oktober 2018, in seinen schönsten Farben. Die Blätter an den Bäumen färben sich bunt, die Sonne scheint, es ist warm und die Passanten verweilen an den noch immer bereitstehenden Tischen und Stühlen vor den gastronomischen Lokalen der Aachener Innenstadt.

Der Pianist und Komponist Martin Herzberg, ein 37jähriger promovierter Musikwissenschaftler, kann sich für sein Konzert in der Kaiserstadt keinen schöneren Rahmen wünschen. Das Publikum, welches er zu seiner „Liebe & Tasten“ Tour an diesem Abend in der Aachener Klangbrücke empfängt, ist größtenteils mit seiner Musik vertraut und dementsprechend schon vor Öffnung der Saaltüren ruhig und besonnen. Wie von selbst bildet sich eine geordnete Schlange und so scheint es in einer solch entspannten Atmosphäre wenig verwunderlich, dass der Ansturm auf die 199 im Halbkreis angeordneten Stühle, die unter freier Platzwahl vergeben wurden, ohne größere Schwierigkeiten von statten geht. Das ein solches Klavierkonzert nicht nur beim Einlass anders anmutet als viele andere, wird man an diesem Abend noch häufiger zu spüren bekommen.

Bei der vom Protagonisten gewählten Location handelt es sich tatsächlich, wie der Name eigentlich schon vermuten lässt, um eine Brücke, die sich wie ein in der Luft schwebendes Gebäude, an beiden Seiten angedockt über eine große Straße in der Stadtmitte spannt. Dieser neue Teil des traditionsträchtigen „Alten Kurhauses“ wird durch seine besondere Lage zu einem außergewöhnlichen Ort für kulturelle Veranstaltungen und bietet eine ausgezeichnete Akustik.

(c) Petja Gohr
(c) Petja Gohr

Bereits zum zweiten Mal kann man den sympathischen und charismatischen Pianisten in Aachen erleben. Seine Konzerte sind eine Hommage an sein Leben mit und an die Liebe zur Musik. In Berlin geboren und aufgewachsen holte er bereits als 8jähriger Opas Violine vom Dachboden, nahm Unterricht und tauschte sein Instrument alsbald gegen sein heutiges Leib- und Seeleninstrument, das Klavier ein. Bereits kurze Zeit später veröffentlichte er sein erstes Album, gründete das Label „Cloudbreak Records“ und ist seitdem hauptberuflich Musiker. Songs aus seiner Feder füllen mittlerweile vier eigene Alben (Silent Mirror Inside -2003- / No Fear Required -2008- / Lifelines of Musik -2014- / Liebe & Tasten -2017-) und ein weiteres, welches „Stars“ heißen wird, steht in den Startlöchern.

Der Konzertsaal ist in eine heimelige, stille Atmosphäre getaucht, nahezu dunkel wird er lediglich sanft erhellt von drei, ein warmes Licht schaffenden Glühbirnen, einer Lichterkette und der indirekt beleuchteten Tastatur des E-Pianos. Eine Gitarre sowie der große schwarze Flügel stehen geöffnet und bereit Töne in die Nacht zu hauchen daneben.

Lediglich leises Gemurmel begleitet die Einnahme der Sitzplätze, die, wie Martin Herzberg später noch schmunzelnd erklären wird, von zwei Lager Menschen besetzt werden – den „Freiwilligen“ und den „Mitgeschliffenen“. Sein Programm eröffnet er mit „Everything“ einer Ballade, die die ruhige Umgebung aufnimmt und das Publikum über leise Töne in die Welt der Tasten zu entführen beginnt. Dass der Musiker seine Arbeit liebt, zeigt sich in jedem seiner Stücke – er geht in seiner Musik auf und drückt dies nicht nur im Spiel und Gesang, sondern in seiner ganzen Persönlichkeit aus.

(c) Petja Gohr
(c) Petja Gohr

Mehrfach an diesem Abend bedankt er sich für den Vertrauensvorschuss, den ihm sein Publikum immer wieder entgegenbringt und erzählt, dass viele der „Mitgeschliffenen“ meist nicht damit rechnen, an seinen Konzertabenden auch tatsächlich Gesang zu hören, was ihn von anderen „reinen“ Pianisten deutlich abhebt. Sein Bedürfnis, sich auch über seine Stimme auszudrücken wuchs inspiriert von Sängern wie Mads Langer und Ed Sheeran und hinterlässt die Zuhörer immer wieder begeistert von seiner sanften und melodischen Stimme, welche nun auch wieder mit dem aktuellen Album „Liebe & Tasten“ den Weg in viele Wohnzimmer findet. Mit „Alles gesagt“ und „Etwas bleibt“ seien hier zwei dieser tiefgründigen und gefühlsträchtigen Lieder erwähnt, die eine besondere Aufmerksamkeit verdienen und emotionaler nicht sein könnten.

Begleitet wird Herzberg auf seinen Reisen nur von Familie und kreativen Freunden, aber er liebt es ebenso neue Menschen kennenzulernen – manche gehen wieder aus seinem Leben, andere bleiben an seiner Seite und machen seine Touren zu überaus schönen Lebensphasen mit großen zwischenmenschlichen Beziehungen. Hieraus entstünden auch schon mal Übernachtungsmöglichkeiten für die gesamte Crew in Privathäusern mit grünen Gärten und erleichterten damit das Tour Leben ungemein, da sie nicht nur auf kalte unpersönliche Hotelzimmer angewiesen seien, wie er freudig berichtet. Gerade diese Erfahrungen inspirieren ihn zu neuen Stücken, geben ihm einen musikalischen Rahmen für Erinnerungen und machen damit die Musik zum Soundtrack des eigenen Lebens. Seit sechs Jahren geht Martin, auch mehrfach jährlich, auf Tournee und solche Freundschaften seien wichtige Eckpunkte zur Entspannung und zum Luft holen. Bereits seit Beginn dieser Zeit begleitet ihn sein Freund Sören Syreality – normal mit seiner Band „Suns of Syreality“ unterwegs. Sie komponieren gemeinsam, planen Konzerte und verbringen viel Zeit miteinander und so ist nicht verwunderlich, dass Sören auch heute wieder an dessen Seite steht, und die Herzberg-Musik mit seiner Gitarre bereichert.

(c) Oliver Doll
(c) Oliver Doll

Nach der Pause werden die dargebotenen Stücke anders. Sie werden größer und im gesamten lauter, sind aber nicht weniger gefühlsbetont – die Handschrift bleibt dieselbe, nur der Bogen spannt sich passend von ruhig, sentimental und melancholisch zu tief, kraftvoll und eingängig, nur damit er am Ende wieder sanftere Töne anschlagen kann. Das von Sören geschriebene Stück „Black Lake – der Seesong“ sowie Martins großes, zuweilen lautes Schlaflied „Lullaby“ bleiben ebenso besonders in Erinnerung wie „Janas Song“, mit seiner bewegenden Hintergrundgeschichte. Mit „Sleep“, dem Berlin-Lied – einer Hymne an seine Heimat, beschließt sich ein bewegendes Konzerterlebnis.

Martin Herzbergs Musik ist weit entfernt von dem, was man meist unter Klassik, die man in der Regel mit dem Titel Klavierkonzert sofort verbinden mag, versteht. Er beschreibt einen Grad zwischen Filmmusik und Pop, Klassik und Moderne, schafft tatsächlich Musik zum Davonträumen, Nachdenken und sich Dahintreiben lassen – seine Konzerte laden dazu ein, den Alltag für einige Stunden zu vergessen. Die Lieder entstehen spürbar aus seinen Emotionen, Begegnungen und Erfahrungen, die ihm das Leben in die überaus talentierten Finger spielt. Er lässt sein Publikum an der Entstehung seiner Songs teilhaben, wie beim noch „unnamed Song“, wo er die Zuhörer auffordert, ihm zu verraten, welche Gedanken ihnen bei diesen Klängen durch den Kopf gehen, um daraus vielleicht einen Titel für das neue Lied, welches einen Vorgeschmack zum kommenden Album „Stars“ bietet, zu kreieren.

(c) Petja Gohr
(c) Petja Gohr

Der unabhängige Selfmade-Musiker probiert aus, ändert oder behält Ideen und hat es so geschafft, sich ein Publikum zu erspielen, mit welchem er wachsen möchte. Seine „Martin Herzberg & Ensemble Tour“ führt ihn im nächsten Jahr wieder an größere Locations mit geplanten sieben Konzerten, für die Tickets bereits verfügbar sind. Wer ihn noch unplugged und in Wohnzimmeratmosphäre bei seiner „Liebe & Tasten Tour“ sehen möchte, kann dies bis zum 7. April 2019 in zahlreichen deutschen Städten, sowie anschließend noch bis zum 28. April 2019 im angrenzenden Ausland. Karten gibt es über seine Homepage www.martinherzberg.com oder bei den bekannten Verkaufsstellen.


Text: Astrid