Kiss me Kate

Theater Bonn – 30.09.2018

bunt – fantastisch – gelungen

(c) Thilo Beu
(c) Thilo Beu

Das Theater Bonn bringt „Kiss me Kate“, in Kooperation mit dem Theater Dortmund, mit deutschem Text, aber der englischen Original Musik – mit Übertiteln übersetzt – auf die großzügige Bühne ins Opernhaus, mit direktem Blick auf den Rhein. Die Uraufführung des bekanntesten und erfolgreichsten Musicals von Cole Porter, das Buch stammt von Samuel und Bella Spewack, fand am 30. Dezember 1948 im Century Theatre in New York statt. Seither geht die Geschichte um die Welt und wird trotz erfolgreicher TV Verfilmung aus den 50er Jahren immer wieder gern auf den Theaterbühnen gezeigt.

„Küss mich, Kätchen“ erzählt die Geschichte einer Theatergruppe, die kurz vor der ersten Aufführung ihrer Inszenierung einer musikalischen Fassung von Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ – die liebliche Tochter darf erst heiraten, wenn sich ein Partner für die widerspenstige gefunden hat – steht. Der Produzent Fred Graham (Oliver Arno), der sich selbst in der männlichen Hauptrolle, Petrucchio, besetzt – hat der Nachtklub-Schönheit Lois Lane (Kara Kemeny), als „Dankeschön“ für ihre Dienste, die Rolle der Bianca – der lieblichen Schwester – zugeschachert. Die Rolle der widerspenstigen Katharina allerdings gibt er seiner Ex-Frau Lilli Vanessi (Bettina Mönch) und dem Publikum wird binnen kürzester Zeit klar, dass die Beziehung der Beiden mitnichten wirklich beendet ist. Die Verwicklungen sind bei einer solchen Konstellation natürlich schon vorprogrammiert und beginnen mit der Versendung eines Blumenstraußes kurz vor Start der Premierenaufführung von Fred an Lois, der eine kleine Botschaft enthält. Allerdings landet dieser nicht bei der gewünschten Empfängerin, sondern irrtümlich in Lillis Händen, was dieser zunächst sichtbar große Freude ins Gesicht zaubert. Die beigefügte Karte wandert zur besonderen Verwahrung – natürlich versucht Fred den unglücklichen Fauxpas noch rechtzeitig wieder ungeschehen zu machen – in ihr Dekolleté und findet erst in einer Spielpause wieder ihre Beachtung.

(c) Thilo Beu
(c) Thilo Beu

Ihren Zorn über den Briefinhalt kann sie nirgends besser über ihren Ex-Mann ausschütten, als auf der Bühne während sie die berühmte Szene in Shakespeares Stück, in welcher Petrucchio und Katharina das erste Mal aufeinandertreffen und „der Widerspenstigen Zähmung“ spielen. Es kommt zum Eklat, Lilli wandelt das eigentlich Geprobte kurzerhand ab, beißt, tritt und ohrfeigt Fred um ihrer Wut Luft zu machen und wird schließlich im Gegenzug von diesem ungeplant, ebenfalls vor den Augen des Publikums, übers Knie gelegt. Nach dieser Demütigung ist Lilli nicht mehr bereit auch nur eine Minute weiter zu spielen und telefoniert hilfesuchend nach ihrem Verlobten, der sich sofort auf den Weg macht sie unverzüglich abzuholen.

Einer von Freds Darstellern bezahlt, dem Glücksspiel verfallen, seine diesbezüglichen Schulden gerne mit gefälschten Schuldscheinen auf die Namen von anderen. Der letzte so getürkte Schein war mit dem Namen seines Chefs versehen, welcher sich nach der Auseinandersetzung mit seiner Ex-Frau zurück in seiner Garderobe zwei Geldeintreibern (u. a. Michael Schanze) gegenübersieht, die auf Zahlung des angeblich von ihm geschuldeten Betrages drängen. Schnell entwickelt er einen Plan, wie er seine zickige ehemals Angetraute mit Hilfe der beiden Ganoven doch noch zum Weiterspielen bewegen könnte. Er erkennt ihnen gegenüber die Schuld als die tatsächlich seine an, erklärt den Beiden, dass er den Betrag nur aufbringen könne, wenn Lilli weiter im Ensemble verweilt und bittet sie ihm bei der Umsetzung seines Plans zu helfen.

(c) Thilo Beu
(c) Thilo Beu

Durch Waffengewalt lässt Lilli sich notgedrungen überzeugen und spielt weiter. Kurz vor der Schlussszene dieser etwas anderen Premiere, erfahren die beiden Ganoven jedoch vom Ableben ihres Auftraggebers, somit vom Verfall der Schuld und lassen Lilli doch noch mit ihrem zwischenzeitlich herbeigeeilten Bräutigam das Theater verlassen. Zur letzten Szene des Stückes, der Hochzeit beider Schwestern steht Petrucchio zwar als Bräutigam, aber allein auf der Bühne – dass Ende scheint besiegelt. Ein erleichtertes Raunen geht durch die Menge, als Katharina doch noch abgehetzt auf der Bühne erscheint und sich somit ein Happy End nicht nur für Petrucchio und Katharina, sondern auch für Lilli und Fred anbahnt.

(c) Thilo Beu
(c) Thilo Beu

Die Cast des bunt inszenierten Musicals hält mit Oliver Arno, Bettina Mönch und Michael Schanze durchaus bekannte Namen bereit und brilliert auf ganzer Linie – nicht nur durch ein hervorragendes Schauspiel. Oliver Arno kann mit seinem satten Stimmvolumen und unbändiger Sangeskraft nicht nur seine Fans in den Bann ziehen, sondern holt sich am Ende absolut verdient stehende Ovationen und großen Jubel aller Zuschauer ab. Ebenso Bettina Mönch, deren klare Stimme sowohl die tiefen als auch die hohen Töne gekonnt charmant in Szene setzt. Michael Schanze erreicht die Herzen des Publikums nicht nur durch sein lustiges, auf seine Rolle abgestimmtes Schauspiel, sondern versteht es beim einzigen in Deutsch gesungen Song des Stückes – hier hätte man sich vielleicht gewünscht, doch alle Lieder in der hiesigen Landessprache hören zu dürfen – „Schlag nach bei Shakespeare“ genauso zu überzeugen.

Das aufwendige Bühnenbild begeistert dabei ebenso verliebt und detailgetreu, wie die perfekt zum Inhalt passenden Kostüme (Francis O’Connor) und lässt das Zusehen Freude bereiten. Positiv erwähnt werden müssen der Chor und das Beethoven Orchester Bonn, die dem Ganzen mit ihrem fantastischen Spiel und Gesang einen passenden und glamourösen Rahmen verleihen.

(c) Thilo Beu
(c) Thilo Beu

Es lohnt sich, dieser von Martin Duncan liebevoll inszenierten Umsetzung des Stückes zu folgen, mit der man einen Abend lang durchaus seine Sorgen vergessen kann. Karten für die unregelmäßig noch bis zum 5. Januar 2019 stattfindenden Aufführungen gibt es online oder direkt am Theater Bonn, welches für sich schon eine Reise wert ist. Wird das Opernhaus derzeit auch umfangreich renoviert, so ist der Spielbetrieb dadurch nicht beeinträchtigt. Die verkehrsgünstige Lage mitten in der Innenstadt und direkt am Rheinufer lädt zum Verweilen ein. Mit seinen bei schönem Wetter geöffneten Balkonen hat der Gast einen klaren Blick über die Umgebung. Doch viel wichtiger – und von jedem Platz im Parkett und den Rängen absolut gegeben – ist, dass die Sicht auf die Bühne im historischen Saal absolut hervorragend ist, und die Akustik in nichts nachsteht.


Text: Astrid