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Heute Abend: Lola Blau – Hannover 2020

Ein Musical für eine Schauspielerin

Premiere: 29. Februar 2020

Besuchte Vorstellung: 03. März 2020

“Im Theater ist was los! Ich weiß nicht, wie man einen ander’n Beruf haben kann – Die Musik, der Geruch, der Applaus – da ist schon was dran!“

Ein regnerischer Dienstagabend in der niedersächsischen Landeshauptstadt und doch war das kleine Theater im Ballhof 1 bis auf den letzten Platz gefüllt. Um Punkt 19:30 Uhr war der Zuschauerraum mit einem Publikum aller Altersklassen besetzt, das gespannt auf die 90-minütige Inszenierung von Georg Kreislers Paradestück wartete.

Inhalt:

1938: Ein Weg, ein Ziel. Die lebensfrohe jüdische Künstlerin Lola Blau (Carmen Fuggiss) packt ihre Sachen, um aus Wien nach Linz zu reisen und dort ihren ersten Job als Schauspielerin und Sängerin am Landestheater anzutreten. So euphorisch der Plan, so niederschmetternder die Gewissheit um den Einmarsch der Nationalsozialisten und die damit verbundenen Schwierigkeiten.

Euphorisch vom Traum einer Karriere auf den Bühnen der Welt getragen, findet sich Lola Blau in Schweizer Bars wieder und hält sich mit mittelmäßigen Jobs über Wasser. Auch ihren letzten Rückhalt, in Form ihres Verlobten Leo, verliert sie während der Flucht aus den Augen.

Mehr aus der Not geboren gelangt sie letztlich in die USA und fokussiert erfolgreich ihre Karriere als Showgirl. Mit der Zeit merkt sie jedoch, dass die Karriere sie nicht glücklich macht. Sie ekelt sich vor den Zudringlichkeiten ihrer Verehrer und flüchtet sich in ihrer Sehnsucht nach Leo in den Alkohol.

Nach einigen Jahren im Exil kehrt sie aufgrund eines Schicksalsschlags zurück und muss feststellen, dass sich außer dem Kriegsende nichts verändert hat. Frustriert und trotz ihres Wechsels vom Theater zum Kabarett bleibt sie letztlich resigniert zurück und realisiert, dass sie das Bewusstsein des Publikums nicht verändern kann.

Carmen Fuggiss hat charaktervoll die Ohnmacht der Lola Blau erzählt, an der es von der ersten Minute an keinen Zweifel gab. Sie wirkte zu jeder Zeit natürlich, gar zerbrechlich – sowohl stimmlich als auch mimisch. Aufstieg und Fall der Lola beherrschte sie leichtfüßig und ließ die Zuschauer in ihre Odyssee eintauchen. Hin- und hergerissen vom Streben nach dem großen Erfolg und ihrer Liebe zu Leo Glücksmann interpretierte Fuggiss dramatisch wie auch humorvoll zugleich. Fuggiss ließ in ihrer Rolle der Lola Blau keinen Zweifel daran, dass das Künstlerleben seinen Tribut zollt und jeder Abend auf der Bühne ein Kraftakt ist.

Unterstützt wurde sie hierbei von Maxim Böckelmann, der einen sagenhaften Job gemacht hat. Humorvoll und auf den Punkt unterstützte er die Darbietung von Fuggiss instrumental. Harmonisch und einfühlsam agierte Böckelmann im Hintergrund und schuf überragende Rahmenbedingungen für eine einzigartige Interpretation Fuggiss‘.

Beeindruckend an diesem Abend war vor allem, wie zwei Menschen es mit ganz wenigen Requisiten schafften, das Publikum derart in ihren Bann zu ziehen, dass es minutenlange Standing ovations gab.

Der Abend war ein wahrer Beweis dafür, dass das Stück Kreislers trotz seines Alters nicht an Aktualität verloren hat und Interessierte aller Altersklassen begeistert. Chapeau an diese Inszenierung des Staatstheaters Hannover, die die Zuschauer sprachlos machte.

„Im Theater war was los…“

In der Spielzeit 2020 ist das Musical noch bis zum 03. Juli im Ballhof zu erleben. Termine und Tickets unter www.oper-hannover.de


Artikel von Lena

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