Ein Interview mit Mark Seibert

„Ich mag die Herausforderung. Immer!“ 

img_8695nathalie_brandt_2016_mark_seibertSchon während seiner Ausbildung am Wiener Konservatorium [heute Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK)] stand er als „Pygar“ in „Barbarella“ (unter anderem mit Drew Sarich) auf der Bühne des Wiener Raimund Theater. Im Jahr 2005 schloss er seine Ausbildung ab. Der in Frankfurt am Main gebürtige Schauspieler war seither in verschiedenen Produktionen zu sehen. Nach seinem Engagement als „Tybalt“ in „Romeo und Julia“ in Wien wechselte er mit der Rolle des „Radames“ schnell in die Riege der Erstbesetzungen. So folgten „Fiyero“ in „Wicked – Die Hexen von Oz“, „Ranger“ in der „Der Schuh des Manitu“ und „Galileo“ in „We will rock you“. Über einen längeren Zeitraum war er der „Tod“ in dem Erfolgsmusical „Elisabeth“. Zuletzt konnte man ihn als „Colloredo“ in Wien bei „Mozart!“ erleben: Mark Seibert.

Zusammen mit Roberta Valentini und Maximilian Mann beim Presscall zur Hamburg Premiere von "Elisabeth" im Frühjahr 2016

Zusammen mit Roberta Valentini und Maximilian Mann beim Presscall zur Hamburg Premiere von „Elisabeth“ im Frühjahr 2016

Im Rahmen von zwei Pressekonferenzen im Jahr 2016 bekam ich die Möglichkeit, ein paar Worte mit Mark Seibert zu seinen letzten drei Rollen zu wechseln.
Ein wenig warten musste ich schon, denn er war als Interviewpartner sehr beliebt und auch die Fernsehstationen waren an ihm interessiert. In Hamburg gab es zwischen Pressekonferenz und Premiere sogar noch eine Sendung im Hamburg Journal des NDR. Live. Um 18 Uhr.

Als ich dann endlich die Möglichkeit bekam, mit Mark zu sprechen, begann ich mit der Floskel „Unverhofft kommt oft“, denn eigentlich sollte Máté Kamarás bei der „Elisabeth“-Tournee in Hamburg den „Tod“ als Erstbesetzung spielen. Mark war dafür nicht vorgesehen – er stand zu der Zeit eigentlich als „Colloredo“ in Wien auf der Bühne und unter Vertrag. Nun war Máté aber krank geworden und so wurde Mark zur Premiere nach Hamburg geholt.

 

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Mark als „Hieronymus Colloredo“ (hier zusammen mit Jon Geoffroy Goldsworthy, der „Graf Arco“ spielte) in dem Musical MOZART! in Wien 2015/16 (c_VBW_Deen_van_Meer)

Unverhofft kommt oft…

Mark: Ja, wirklich (lacht). Unverhofft kommt oft. Weihnachten 2015 hatte ich eigentlich meine letzte Vorstellung bei Elisabeth gespielt, aber sag niemals nie, wie es so schön heißt.

Wenn ich Deine Karriere richtig verfolg habe, hast Du bisher noch nie in Hamburg in einem Musical auf der Bühne gestanden?

Mark: Ich war mit Best of Musical vor vielen Jahren ein Mal hier in Hamburg. Aber das war ein Galaabend von der Stage Entertainment in der Arena, also ein anderes Konzept. Elisabeth ist nun wahrlich meine erste Musicalpremiere hier in Hamburg. Das glaubt man gar nicht nach fast 14 Jahren in dem Job (grinst und strahlt).

Kommst Du bei so vielen unterschiedlichen Engagements gleichzeitig mit dem Text noch klar, oder schleichen sich Fehler ein?

Mark: Das sind zwei unterschiedliche paar Schuhe. Das eine ist Mozart, da kommt man nicht durcheinander. Eigentlich. Ich hoffe, dass heute Abend alles gespeichert ist und insofern wird das schon schiefgehen.

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Im Interview mit Anke Harnack vom NDR Hamburg Journal

Was macht für Dich den Reiz an der Rolle des Todes aus?

Mark: Es ist eine sehr, sehr dankbare und schöne Rolle. Es ist schon Arbeit. Es ist jetzt nicht sowas, was man eben mal im Vorbeigehen macht. Das merke ich vor allem jetzt mit ein bisschen Abstand. Es ist immer wieder ein bisschen mehr Arbeit, diese Vorstellung zu machen. Aber es ist eine sehr schöne, dankbare Rolle, man bekommt einen irrsinnigen, schönen Auftritt gemeistert. Wenn man auf die Bühne kommt, fallen fast alle um (er lacht) und man darf sein Lied singen und dann geht man wieder. Also es ist wirklich schön, ich mag die Musik nach wie vor. Ich finde die Geschichte nach wie vor wunderbar. Ganz klar, sonst würde dieses Stück nicht seit über 20 Jahren schon existieren.

Konntest Du Deinen eigenen Stempel in die Rolle reindrücken oder die Vorgaben genau so umsetzten wie sie waren?

Mark: Ich bin zwar nicht unbedingt ein Fan davon, das Rad immer wieder neu zu erfinden. Also wenn Dinge meiner Vorgänger funktioniert haben, warum soll ich sie dann nicht übernehmen? Man hat natürlich und sowieso ein gewisses Gerüst durch das Kostüm, die Regieanweisungen, das Stageing, usw., aber  ich hab schon das Gefühl, dass mein Tod schon mein ganz eigener Tod ist. Jeder einzelne Darsteller hatte seine Version vom Tod und jedes Cover und jede Zweitbesetzung hat auch seine Interpretation. Da weiß man auch, dass da die Meinungen, besonders die der Fans, sehr weit auseinander gehen und ich finde, es ist völlig legitim und in Ordnung. Es gibt nicht den ultimativen Darsteller, der alles erfüllt. Es gibt immer Leute, die sagen, mir gefällt der Eine besser als der Andere. Das ist völlig okay so.

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Am 10. Mai 2016 trat Mark Seibert im Wiener Akzent Theater mit seinem Solo-Programm „Where Do I go“ auf.

Eine Frage, die in den ganzen Diskussionen mal auftauchte war: Warum ist der Tod immer blond?

Mark (große Augen, ungläubiges Lächeln): Stimmt nicht ganz, es gibt und es gab auch schon dunkelhaarige. Thomas Borchert hat auch mal den Tod gespielt. Vor vielen Jahren, der war auch nicht blond und unser Christoph Apfelbeck auch nicht. Also insofern (überlegt kurz) eigentlich müssten wir jetzt eher den Harry Kupfer (Regisseur) fragen. Ich denke, der hat da so ein gewisses Bild im Auge. Vielleicht halt einfach die blonden Männer als Kontrast zum Lucheni, vielleicht ist es manchmal so eine einfache Antwort. Ich glaube, das ist der Gegenpart zum Lucheni und dadurch, dass Lucheni ein Italiener sein muss, so von der Optik, gibt es dann quasi einen dunklen und einen hellen Typ. Vielleicht ist es das.

Wie sieht Dein liebster Part vom Tod aus? Gibt es da eine liebste Szene, einen liebsten Song?

Mark: Das ändert sich eigentlich. Also ich finde „Die Schatten werden länger“ mit Rudolf ist immer eine ziemlich gute Nummer, die gut ankommt, weil es einfach auch musikalisch sehr zur Sache geht. Aber es ändert sich im Laufe eines Engagements. Man kann jetzt nicht sagen, dass einem der Song am besten gefällt, da gibt es manche Phasen wo man sagt, das ist im Moment nicht so ganz meins und dann ist es wieder etwas anderes. Aber „Die Schatten werden länger“ ist schon eine ziemlich gelungene Nummer.

Wie ist die Arbeit mit den Kindern?

Mark: Die Kinder sind eigentlich im Theater wirklich hochprofessionell, das ist toll und manchmal vergisst man (lächelt), dass sie doch noch Kinder sind. Dann muss ich mich selber noch mal daran erinnern, dass es noch Kinder sind und nicht nur Kollegen. Aber sie sind in der Regel sehr lieb und ich finde, sie bringen immer einen frischen Wind mit ein. Auch bei Mozart in Wien sind Kinder dabei. Das ist eigentlich manchmal sogar ganz putzig. Wenn man sich mit ihnen unterhält sieht man, dass sie halt eben doch noch Kinder sind, obwohl sie auf der Bühne schon sehr erwachsen wirken.

img_8009nathalie_brandt_2016_mark_seibertKurz nach der Premiere in Hamburg am 19.02.16 wurde bekannt gegeben, das Mark Seibert die Rolle des Grafen von Krolock bei der Wiederaufnahme von „Tanz der Vampire“ (in der Tourneeversion) im Theater des Westens übernehmen würde. Von Ende April bis Mitte Juli sollte er diese Rolle spielen. Warum nur so kurz, sollte sich im selben Monat noch auflösen. Die Vereinigten Bühnen Wien gaben die Inszenierung eines neuen Musicals bekannt, das den Namen „Schikaneder“ tragen sollte – mit Mark Seibert in der Hauptrolle. Es gab zwar auch bei den Vampiren eine Pressekonferenz, jedoch ohne Möglichkeit die Hauptdarsteller zu interviewen – so nutzte ich die Chance bei der Präsentierung der gesamten Schikaneder Cast in Wien, um Mark zu „von Krolock“ und zur noch nie da gewesenen Rolle des Emanuel Schikaneder zu befragen, die er ab dem 30.09.16 in der Welturaufführung von „Schikaneder“ spielen wird:

Was macht den großen Reiz am „Graf von Krolock“ aus?

Mark: Das ist das Mystische, das die Rolle hat. Man wird da einfach sehr gefeatured in der Rolle und es ist das Geheimnisvolle, das Mystische, das Gefährliche mit Sicherheit auch, was die Rolle des Krolock ausmacht. Es ist für mich vor allem eine neue Schublade, die ich da öffne und, ich bin sehr glücklich, weil ich mag die Herausforderung. Immer.
Wenn ich immer nur das spiele, was ich kann und was die Leute von mir kennen, dann passiert kein Wachstum. Man will als Sänger und Schauspieler ja immer wieder Neues entdecken und Neues zeigen.

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„Totale Finsternis“ in Berlin 2016 mit Veronica Appeddu, die die „Sarah“ spielte.

Würdest Du den Grafen dann immer mal wieder spielen wollen?

Mark: Ja, auf jeden Fall. Also ich glaube, dass „Krolock“ eine Rolle ist, der eine Pause manchmal ganz gut tut. Ich habe das, was ich da für 2 Monate oder 2 ½ Monate gemacht habe als Start gesehen und ich glaube, die Rückkehr, die auch vom Alter her gut passt bei mir, ist möglich. Also momentan könnte ich das immer wieder machen. Es ist jetzt nichts geplant, weil alles, was ich in Zukunft mache, hängt nun erst natürlich auch von „Schikaneder“ ab und dem was da eventuell ansteht und es muss immer die Zeit da sein. Jedoch der Wunsch, es nochmal zu machen, der ist auf jeden Fall da. Ich liebe die Show, ich liebe die Rolle.

War es schwer, die anzutreten, weil es da auch so viele, große Vorgänger gibt, also ähnlich wie beim Tod?

Mark: Das hab ich erwartet, gerade bei „Tanz der Vampire“ weiß man das. Es hätte jeden getroffen, egal ob jetzt neu oder alt. Wenn jetzt einer von den Alten die Premiere in Berlin gespielt hätte, dann hätten andere auch wieder geschimpft und gesagt: „Warum denn der und nicht der?!“. Das gehört dazu, davon darf man sich nicht unbedingt sehr beeindrucken lassen – und wie gesagt, ich liebe die Herausforderung und wenn ich am Ende des Tages sagen kann, ich hab die Herausforderung gemeistert, dann bin ich ein bisschen resistenter gegen die Kritik von außen. Man kann es nicht immer allen recht machen. Ich muss sagen, ich hab jetzt sehr, sehr viel positives Feedback bekommen, seitdem ich die Rolle spiele – insofern hab ich wohl scheinbar einige andere auch überzeugt.

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2016 in „Schikaneder“ als „Emanuel Schikaneder“

Was verbindest Du jetzt schon allgemein mit „Schikaneder“?

Mark: Ich glaube, ich hab das Stück nun ein bisschen kennenlernen dürfen, letzte Woche (erste Maiwoche 2016) und ich glaube, dass es vor allem eine neue Art von Musical ist. Es ist eine sehr heitere Geschichte, aber auf sehr anspruchsvolle Art und Weise. Die Musik ist sehr, sehr kompliziert, aber toll zum Hören, orientiert sich sehr an der Zauberflöte, der Musik von Mozart insgesamt und ich glaube, dass das eine Art von Musical ist, die der Markt wieder braucht. Sie ist aber auch gleichzeitig wieder etwas Neues, ist nichts Düsteres, sehr heiter, aber doch anspruchsvoll.

Freust Du Dich denn schon auf die angekündigten Streitereien mit Deiner Frau Eleonore (gespielt von Milica Jovanovich)?

Mark: Ja, das ist vor allem für das Publikum sehr lustig. Ich glaube, je ernster man selber in den Schwierigkeiten steckt, um so lustiger wird es für das Publikum. Das ist, glaube ich, genau, was die Show soll.

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Mit Milica Jovanović, sie spielt die „Eleonore Schikaneder“ in „Schikaneder“ – das Musical feiert am 30. September 2016 Welturaufführung im Wiener Raimund Theater.

Was war bisher bei den ganzen Vorbereitungen das Aufregendste?

Mark: Die Arbeit mit diesen ganzen Größen aus der Theater- und Musicalwelt einfach (Buch: Christian Struppeck, Musik & Liedtexte: Stephen Schwartz, Regie: Trevor Nunn). Wenn man mal auf den internationalen Markt schaut, haben wir wirklich einige von den größten Musicalmachern hier am Start. Und das ist für einen Darsteller schon eine große Herausforderung, aber eine riesen Ehre und ich habe mich sehr gefreut, mit ihnen arbeiten zu können.

Während der Pressekonferenz im Mai sollte das Leading Team „Schikaneder“ mit einem Wort beschreiben. Wie lautet Dein Wort?

Mark (nach einer kurzen Pause): Turbulent! Ich halte mich an den Untertitel der Show.

Seit Ende Juli wird nun eifrig am Stück gearbeitet, mittlerweile wurde die Probebühne verlassen und das Raimund Theater erlebt bereits das Musical in vollen Zügen. Am 30. September ist nun die Welturaufführung. Am selben Tag feierte auch Mozarts „Zauberflöte“ Premiere, die es ohne das Libretto von Schikaneder und die Gesichte dahinter so nicht gegeben hätte.

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Schikaneder Plakat (c) VBW, Foto (c) Rafaela Pröll

Wir bedanken uns bei Mark Seibert für seine Zeit und wünschen ihm und dem gesamten Team im Raimund Theater alles Gute für die Welturaufführung! (NB2909)