Bat out of Hell – das Musical mit den Welthits von Meat Loaf

Fledermäuse aus der Hölle rocken ab heute das Metronom Theater in Oberhausen

 

(c) Astrid Mohren
(c) Astrid Mohren

Nachdem Tarzans lustiges Urwaldgrün aus dem Metronom Theater in Oberhausen nun endgültig verschwunden ist, darf man nicht nur auf die Kulisse der Deutschlandpremiere von „Bat out of Hell“ durchaus gespannt sein. Wir befinden uns im Jahre 2030 im verseuchten Obsidian, dem Lebensmittelpunkt der unsterblichen Lost – der Verlorenen – angeführt von Strat (Robin Reitsma). Auf der Bühne, ebenso wie im gesamten Saal, dominiert die Farbe grau und strahlt eine dunkle, triste Endzeitstimmung aus. Geht man näher heran, erkennt man Geröll, auf der linken Seite eine dampfende Wasserstelle und einen alten, verrosteten und abgebrochenen Telegrafenmast sowie ein überdimensioniertes Kanalrohr. In der Mitte wartet eine Harley Davidson und die rechte Bühnenseite dominiert der „Falco Tower“, das exklusive Haus von Falco (Alex Melcher), seiner Frau Sloane (Willemijn Verkaik) und ihrer Tochter Raven (Sarah Kornfeld). Gerahmt wird das riesig wirkende Bühnenbild seitlich und oben von riesigen metallischen anmutenden Gitterkonstruktionen.

Schon vor Showbeginn sieht man die Darsteller sich über die Bühne bewegen, eine lose Gruppe, die den Anschein macht, dort zu wohnen. Auf die Ansage eines Theatersprechers wartet man hier vergeblich, lediglich ein ohrenbetäubender Knall zwingt die Aufmerksamkeit der Zuschauer unmittelbar auf die Bühne, bevor Raven den ersten Song des Abends anstimmt. Wer sich an Tarzan erinnert und hofft „Bat out of Hell“ bedient ebenfalls die leisere, ruhigere und melodischere Musikschiene, weiß spätestens zum jetzigen Zeitpunkt, dass diese Hoffnung nicht erfüllt wird. Natürlich finden sich auch schöne Balladen unter den Songs, aber generell geht’s laut und rockig zu, eben genau so, wie man es von Jim Steinman (Komponist) und Meat Loaf (Sänger) erwartet, deren Musik das Musical nicht nur untermalt, sondern es leben und funktionieren lässt.

(c) Stage Entertainment
(c) Stage Entertainment

Der Inhalt ist eher verworren – es geht um eine junge Liebe, eine sich im Scheitern befindliche Liebe, um zwischenmenschliche Beziehungen generell, sowie um die Problematik von Standesunterschieden. Das Stück greift rebellische Paare wie Romeo und Julia oder Tony und Maria aus der „West Side Story“ ebenso auf, wie den ewig jungen Freigeist Peter Pan und Wendy – sie alle standen Pate für „Bat out of Hell“. Um das Stück zu mögen, muss man sich darauf einlassen können, dass es nicht unbedingt bekannte Musicalklischees bedient. „Bat out of Hell“ ist bombastisch – nicht nur das Bühnenbild, nicht nur die Kostüme und nicht nur die Musik – alles ist groß und riesig, wie uns Alex Melcher schon bei der offenen Probe (Link) passend erklärte: „Es ist viel größer, überdimensional größer als das Leben – wie eine eigene Welt!“

Eine solche Show benötigt unabdingbar Darsteller mit rockigen, großen und kraftvollen Stimmen, um leben und atmen zu können, um die gesungenen Aussagen ins Publikum zu transportieren, es zu berühren, nachdenklich zu machen, weinen und lachen zu lassen. Diese Mission ist dem Veranstalter, der Stage-Entertainment, mit dieser Inszenierung absolut geglückt. Selbst die jungen und noch unbekannteren Sarah Kornfeld und Robin Reitsma brauchen sich nicht hinter ihren erfahrenen und überaus bekannten Kollegen Willemijn Verkaik und Alex Melcher zu verstecken. Es bleibt die Frage offen, ob es nicht besser gewesen wäre, die Songs im englischen zu belassen und nicht in die Übersetzung mit einzubeziehen – wobei die Vermischung beider Sprachen den Liedern nur zuträglich ist. Hier entscheidet der Geschmack – die deutschen Texte sind aber größtenteils gelungen. Positiv zu vermerken bleibt, dass das titelgebende Lied nicht übersetzt und damit in der Aussage womöglich verändert wurde.

(c) Stage Entertainment
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Der junge Niederländer Reitsma schafft es gesangstechnisch seinen Akzent zu verbergen, was ihm beim gesprochenen Text noch nicht ganz gelingen will. Melcher dürfte das tyrannische Familienoberhaupt gerne noch härter darstellen, wohingegen seine Gesangsperformance keinerlei Wünsche offenlässt, ebenso wie die von Verkaik, die zudem die liebende Mutter und unterdrückte Ehefrau mit trockenem Humor glaubhaft mimt.

Fans des Musicals „Tanz der Vampire“ werden auch bei „Bat out of Hell“ auf ihre Kosten kommen. Schmunzelnd erkennt man typische Rhythmen dieses Stücks, wie „Die unstillbare Gier“ oder „In der Gruft“ wieder und kann kaum umhin, wegen Tink, einem der Lost-Freunde Strats, einen unmittelbaren Vergleich zum Vampir-Alfred zu ziehen. Beide Charaktere weisen durchaus Gemeinsamkeiten auf, die nicht nur im selben Darsteller, Tom van der Ven, dem beide Rollen bestens zu Gesicht stehen, zu suchen sind.

(c) Stage Entertainment
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Wer nun nicht verpassen möchte, einen tyrannischen Herrscher pitschenass und in pinkfarbener Unterhose zu sehen, oder erleben möchte, was es für Auswirkungen hat, wenn Orchestermusiker von einem Auto überfahren werden, der sollte sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen. Alle Emotionen werden bedient – lachen wie weinen, staunen wie nachdenken und Liebe wie Streit. Die Show wird sicher polarisieren, sie wird spalten, aber auch einen. Die zeitlosen Songs aus dem gleichnamigen Hit-Album von Rock-Legende Meat Loaf – wie beispielsweise „I’d do anything for love“, „It’s all coming back to me now“ oder „Bat out of Hell“ – kennt nahezu jeder und sie bieten die Grundlage für ein grandioses Musical-Spektaktel. Man sollte allerdings bereit sein, sich mit offenen Augen auf etwas Neues, vielleicht Ungewöhnliches ein-, um sich dann von vielen Kleinigkeiten und großen Ideen überraschen zu lassen. Karten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen.


Text: Astrid