Alex Melcher – Im Bauch

Konzert am 25.09.2017 im First Stage Theater Hamburg

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Als wir vor einiger Zeit in Hamburg das dort derzeit unter anderem laufende Musical „Hinterm Horizont“ besuchen konnten, gefiel uns der Hauptdarsteller Alex Melcher außerordentlich gut. Großes Interesse hatten wir an seinem Konzert „Im Bauch“, das vor kurzem im First Stage Theater in Hamburg stattfand und in dessen Rahmen wir Alex Melcher und seiner Lebensgefährtin Vera Bolten ein paar Fragen stellen durften (Interview: Alex Melcher/ Interview: Vera Bolten).

Alex(ander) Melcher wurde am 19.03.1970 in Karlsruhe geboren, lebt heute in Korschenbroich und ist ein deutscher Sänger und Musicaldarsteller. Seine Ausbildung absolvierte er an der Stage School in Hamburg und übernahm 1993 in derselben Stadt seine ersten Rollen. Während seiner Laufbahn spielte er unter anderem in diversen Musicals wie „Tanz der Vampire“, „Tabaluga und Lilli“, „Jesus Christ Superstar“ oder „Elisabeth“, um nur einige zu nennen. In „We will rock you“ oder „Die Tagebücher von Adam und Eva“ stand er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin auf der Bühne. Seit 2014 verkörpert er Udo Lindenberg in „Hinterm Horizont“, zuerst in Berlin, zurzeit in Hamburg.

Seit vielen Jahren engagiert er sich in Rock-/Pop-Projekten und konnte schon die Queen-Musiker Brian May und Roger Taylor von sich überzeugen und mit ihnen gemeinsam einen Auftritt als Queen-Frontman bei „Wetten, dass…“ absolvieren. Udo Lindenberg wurde für ihn, bereits in seiner Hamburger Zeit, zum Mentor, Vorbild und Freund, schlug ihn zum „Panik Ritter“ und inspirierte ihn, seine neuen, eigenen Songs, nach zwei englischen Alben, mit deutschen Texten zu versehen. Eben diese neuen Songs präsentierte uns Alex Melcher nun zum ersten Mal live im First Stage Theater in Hamburg.

Da wir Musik jeglichen Genres lieben und immer interessiert auch an Neuem sind, ließen wir es uns nicht nehmen, diesem kleinen Konzert beizuwohnen. Zwar steht, trotz unserer Passion, Rock nicht ganz oben auf unserer Playlist, doch der auf Melchers Facebook-Seite zu findende Trailer, der zwei der zu hörenden Songs anspielt, machte unsere Neugierde perfekt. Ebenso das von ihm online gestellte Video zu „Clown“.

Das First Stage Theater ist eine eher kleinere Location mit etwa 300 Sitzplätzen. Der früheren Verwendung als Kino geschuldet, sieht man von jedem Platz hervorragend, da die Sitzreihen stärker als üblich ansteigen.

Kurz vor Konzertbeginn, als beinahe letzter Zuschauer, lässt auch Melchers Freund und Mentor, Udo Lindenberg persönlich, es sich nicht nehmen, dem Konzert als Gast im Zuschauerraum beizuwohnen. Als Muse für die an jenem Abend erstmals öffentlich vor Publikum gespielten Songs, sicher auch für den Künstler eine fantastische Unterstützung und Überraschung.

Ein Mitarbeiter des Theaters eröffnet den Abend und begrüßt uns zu einem Konzert im Rahmen der Stage Tage. Dieses Format gibt ehemaligen Absolventen der Stage School die Möglichkeit, mit einem eigenen Programm an das mittlerweile schuleigene Theater zurückzukehren. Er begrüßt den heutigen Showact Alex Melcher, der nach einer Pause mit seinem Konzert starten wird. Im Vorprogramm dürfen wir uns über ein kleines Konzert seiner Lebensgefährtin Vera Bolten freuen.

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Bolten, als ehemalige Frontfrau der Band Chaosbaby, stellt einige Songs der zwischenzeitlich aufgelösten Band vor, was sie uns in der Anmoderation erklärt. In der Vorbereitung zu Alex‘ Konzert haben sie ihre damaligen Songs als passend zu seinen empfunden. Schnell stand der Entschluss, diese Lieder über den Voract zu integrieren.

Aber nicht nur Songs der Band stellt Bolten vor, sondern beispielsweise auch ein Lied Cindy Laupers, „True Colors“, dessen Text sie selber für ihren heute auch anwesenden Sohn geschrieben hat. Boltens Anmoderation dieses Liedes geht genauso unter die Haut wie es der Text anschließend tut. Sie transportiert mit ruhiger Art und Stimme eine klare Aussage mit ihren „Wahren Farben“. Auch ein Stück, welches ein Freund als Diplomarbeit rein für Gitarre geschaffen hat, konnte sie mit einem Text versehen. Herausgekommen ist eine wunderbare Ballade, die das Publikum einige Tränen verdrücken lässt.

Ihren Konzertteil beschließt sie mit ihrem Lieblingslied der Kölner Gruppe BAP „Zaubere“. Das Publikum feiert Vera frenetisch und geht anschließend erst einmal in die angekündigte Pause.

Nach dieser Pause beginnt Alex sein Konzert zunächst mit einem eingespielten Herzschlag, bevor die Musik langsam einsetzt. Auf dem Bühnenhintergrund werden während des gesamten Konzertes Videos eingespielt. Zu seinem ersten Stück „Auf diesem Weg“ zeigt er zum Beispiel auf der Leinwand ein Baby noch im Bauch seiner Mutter. Im Konzertverlauf werden wir noch einige Dinge zu sehen bekommen, unter anderem einen Jogger, der zunächst alleine läuft, später gesellen sich andere hinzu, oder ein Paar, welches durch sein Leben geht, genauso wie sein Video zu „Clown“.

Mit dem ersten Song schlägt Alex leise Töne an. Eine Ballade, deren Text bereits Tiefgang zeigt. Später wird der Rock-Einfluss, unter dem er sicherlich steht, überaus deutlich, wobei sich laute und sanfte Töne immer die Waage halten. Seine Musik zeigt eine klare Linie ohne jemals aufdringlich zu werden. Sie regt zum Mitgehen an, macht gute Laune, packt emotional und die Texte sind eingängig sowie teils bestimmt in der Aussage.

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Sehr in Erinnerung bleiben uns, nicht zuletzt aufgrund der nachdenklich stimmenden Texte, „Auf diesem Weg“, wo der Name eindeutig Programm ist, ebenso wie „Clown“, welcher von Abweisung und Sehnsucht handelt, aber auch – nach Alex‘ eigener Aussage – eine Homage an die großen Clowns unserer Zeit bedeutet. Im Titelsong seines Programmes „Im Bauch“ beschreibt er die Situation eines Jungen, der sich seinem Weg verschließen möchte, weil er nicht richtig weiß, in welche Richtung er ihn gehen soll. Er beschreibt dies als Metapher „feststecken im Bauch eines Wals“. Alex erklärt hierzu, dass dieser Song auch sein Wesen wiederspiegelt. Auch er könne sich schwer entscheiden, weil ihn gewissen Ängste auch schon mal zweifeln lassen, obwohl er seinen Weg eigentlich immer klar vor sich sieht.

Er erklärt uns, die Ersten zu sein, die sein neues, in deutscher Sprache geschriebenes Programm, zu hören bekommen. In seiner Moderation ebenso wie in seinen Texten bezieht er außerdem deutlich Stellung zu politischen Themen, die unmittelbar nach der gerade durchgeführten Bundestagswahl auftauchen. Dies tut er nicht zuletzt mit seinem Lied „Sprücheklopfer“. Er möchte uns fröhlich aus seinem Konzert entlassen und greift dazu das Thema Liebe auf. Den letzten Song des Abends stimmt er daher gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Vera an „Wenn nicht wir, wer denn dann“, was so eingängig ist, dass es vom ersten Moment an zum Mitsingen animiert. In seiner finalen Moderation bedankt er sich bei seinen hervorragenden Musikern, die ihn am heutigen Abend unterstützt haben: Freddy Hau (Gitarre), Bora Öksuz (Bass) und Alex Nies (Drums), ebenso bei dem weiteren Gitarristen Freddy, der Vera begleitete.

Alex Melcher zeigt in diesem Konzert einen breiten Querschnitt durch viele Themen, die ihn beschäftigen. Auch wenn die Musik meist rockig ist, so sind die Texte oft leise und hallen in ihrer Aussage auch später noch nach. Der ein oder andere Ohrwurm bleibt in jedem Fall erhalten und dass das Publikum gern mitmacht, zeigt sich bei seiner Zugabe „Sprücheklopfer“, in der eifrig nicht nur geklatscht, sondern auch bereits erste Textteile mitgesungen werden. Der Applaus an diesem Abend hallt lange und laut, auch wenn gut die Hälfte der Plätze des Theaters leer geblieben sind. Für die Anwesenden hat es sich gelohnt, ob als eingefleischte Fans von Alex Melcher, als Liebhaber von Udo Lindenberg und seiner Musik oder als Neugierige, die einfach einmal etwas Neues probieren wollten.

Alex Melcher, ebenso wie Vera Bolten, zeigt sich den ganzen Abend über sehr sympathisch und sicher in seinen Aussagen und Liedern. Ob es von diesem Programm eine CD geben wird, sieht Alex noch nicht so klar. Zum einen muss eine CD erst einmal auch finanziert werden und ob dieser Weg der Bessere ist, oder es mehr Sinn macht, die Lieder einzeln zu veröffentlichen, wird sich sicherlich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.

Impressionen des Abends


Artikel von Andrea und Astrid, Fotos von Astrid