Zurück in die Zukunft – das Musical zum Kultfilm erobert Hamburg

Am 22. März 2026 feierte „Zurück in die Zukunft – Das Musical“ seine lang erwartete Deutschlandpremiere im Stage Operettenhaus – wir durften einen Tag zuvor bei der Medienpremiere dabei sein. Bereits seit 2020 gibt es die Musicaladaption der kultigen Zeitreise-Story aus dem Jahr 1985. Zuvor war das Stück am Londoner West End und am Broadway zu sehen und feierte dort große Erfolge. Die Erwartungen an die deutschsprachige Erstaufführung waren hoch – und wurden mehr als erfüllt.

Raphael Groß als Marty McFly (c)JohanPersson

Wer den Film nicht kennt: Die Hauptfigur ist Marty McFly, ein High School Schüler, der durch eine Zeitmaschine, welche in einen DeLorean eingebaut ist, ungewollt vom Jahr 1985 nach 1955 in der Zeit zurückspringt. Wie es so kommt, verhindert er ungewollt das erste Treffen seiner Eltern. Somit ist seine Existenz gefährdet, denn wenn seine Eltern sich nicht verlieben, kommt Marty nie auf die Welt. Bevor er mit der Hilfe von Doc Brown, dem Erbauer der Zeitmaschine, dessen jüngeres Ich er ausfindig machen konnte, zurück nach 1985 reisen kann, muss Mary seine Eltern zusammenbringen. Dies ist eine turbulente Geschichte, mit viel Witz, rasant und ein Hit, nicht zuletzt durch die Darsteller und den guten Plot.

Im Musical bleibt die Grundgeschichte erhalten. Einige Kultmomente des Films konnten für die Bühne nicht eins zu eins umgesetzt werden, jedoch tut dies dem Stück nichts ab. Es gib zum Beispiel keine Skateboard-Verfolgungsjagd und die Zeitmaschine funktioniert nur über eine Sprachsteuerung. Stattdessen setzt die Inszenierung hier auf kreative choreografische Elemente und humorvolle Lösungen, die gut in das Gesamtkonzept passen. Es finden aber auch viele der Dialoge, welche auch in der deutschen Synchronfassung des Films vorkommen, auf der Musicalbühne wieder. Ein guter Schachzug von Heiko Wohlgemuth sich für die Übersetzung an schon bekannten Phrasen zu orientieren und diese mit diese mit den neuen Elementen zu kombinieren.

Das künstlerische Team

Das kreative Team hinter dem Musical ist hochkarätig besetzt. Das Buch stammt von Bob Gale, der bereits am Originalfilm beteiligt war, wodurch die Geschichte authentisch und nah an der Vorlage bleibt. Gale war schon vor der ersten Preview vor Ort und begleitete die ersten Vorstellungen und zeigte sich voller Begeisterung über die Professionalität und die Qualität des Teams der Stage am Operettenhaus.

RaphaelGroß (c)JohanPersson

Die Musik wurde von Alan Silvestri und Glen Ballard komponiert und verbindet bekannte Filmmelodien mit neuen Songs. Immer wieder tauchen die bekannten Teile des Themes im Stück im Hintergrund auf. Mal als leises Glitzern, dann wieder etwas kräftiger. Zum Finale wird es im Theater dann richtig laut – für empfindliche Ohren teilweise zu laut. Wir hatten Plätze in Reihe 24 am rechten Rand und ab dem Moment, wenn es darum geht Marty zurück in die Zukunft zu schicken, hat man das Gefühl, die Boxen platzen bald, wie am Anfang in Doc Browns Werkstatt. Dies wurde in das Stück übernommen. Die Hits von Huey Lewis and the News „Power of Love“ und „Back in Time“ werden im englischen Original gesungen. Ebenso die Songs, welche beim „Enchantment under the Sea“ – Ball (im Film „Verzauberung unter dem See“, im Musical „Magie unter dem Meer“) gespielt werden, sind im Original. 

Die Regie übernahm John Rando, der die Inszenierung mit viel Tempo, Humor und Gefühl umsetzt. Besonders beeindruckend ist die technische Umsetzung. Das Bühnenbild zeigt detailreiche Kulissen, die verschiedene Orte wie die Stadt Hill Valley oder die Schule darstellen. Durch schnelle Szenenwechsel und moderne Projektionstechnik entsteht ein fließender Übergang zwischen den einzelnen Schauplätzen. Das Lichtdesign unterstützt die Stimmung der Szenen und hebt insbesondere die Zeitreise-Momente eindrucksvoll hervor. Der Ton ist sonst sehr klar, sodass sowohl Dialoge als auch Musik jederzeit gut verständlich sind. 

RaphaelGroß (c)Matt Crockett

Die Effekte rund um die Zeitreisen sind die spektakulärsten Momente des Abends. Der Wagen ist eine kleinere Nachbildung des Originals aus den Filmen, aber das merkt man nicht. Der Fluxkompensator, der Zeitreisen erst möglich macht, lässt sich ausbauen, damit man diesen sehen kann, wenn Doc Marty davon erzählt. Die Bilder in welchen der Wagen auf der Bühne erscheint, sind einfach kultig. Am Ende werden die Blitze des Unwetters, welches Marty die Rückreise erlaubt, durch grelles Licht unterstrichen, hier müssen lichtempfindliche Personen aufpassen. 

Die Rollen und Ihre Darsteller in der Medienpremiere

Twin Pines Mall – RaphaelGroß, JanKersjes (c)Johan Persson

Als Hauptfigur ist Marty McFly in fast jedem Bild auf der Bühne zu sehen und trägt somit sehr viel Verantwortung zum Erfolg des Abends. Raphael Groß bringt seine eigene Version des 1980er Jahre Teenager auf die Bühne. Im Verlauf des Abends gewann seine Darstellung deutlich an Profil, wo am Anfang noch so der gewisse Kick fehlte. Dies lieg sicherlich an der Chemie mit Jan Kerjes. Zwischen den beiden entsteht auf der Bühne eine Dynamik, die fast schon etwas Familiäres hat – eine Mischung aus Mentor und Freund, aus Chaos und Staunen. Die Figuren wirken nicht wie zwei Einzelperformances, sondern wie ein perfekt aufeinander abgestimmtes Duo, das sich gegenseitig antreibt und trägt. 

Uhrturm JanKersjes als_Doc Brown (c)Johan Persson

Jan Kersjes verkörpert Doc Brown auf sehr unterhaltsame Weise. Er ist genial, chaotisch und hat die Fähigkeit, auf unerwartete Momente einzugehen, Situationen aufzufangen und mit spielerischer Leichtigkeit zu überbrücken. Dabei bleibt er nicht an der Oberfläche der bekannten Filmfigur hängen, sondern entwickelt seine eigene Version von Doc Brown. Hinzu kommt seine persönliche Verbindung zur Figur: Kersjes ist selbst mit der Geschichte aufgewachsen und beschreibt, wie emotional es für ihn ist, Doc Brown nun selbst zu verkörpern. Diese Begeisterung ist spürbar – sie durchzieht jede Szene und verleiht seinem Spiel eine Authentizität, die man nicht lernen kann.

Die Familie McFly wurde von Sandra Leitner als Lorraine, Terence van der Loo als George, Teresa Krall als Martys Schwestern Linda und Michiel Janssens als Martys Bruder Dave dargestellt. Am Anfang wird zunächst das tägliche Zusammenleben der Familie im Jahr 1985 gezeigt. Hier bleiben Martys Geschwister und die Phrase „Kommen da Pommes zu?“ am meisten im Gedächtnis. Leider sickert die Frustrierung über Ihr Leben von Martys Mutter Lorraine nicht so stark durch wie im Film. Der Wunsch nach einem Date von Tochter Linda überlagert die Situation. Sandra Leitner kann später jedoch als junge Lorraine auftrumpfen.

(c) Matt Crockett

George McFly ist eine wunderbar dankbare Rolle für Terence van der Loo. Er macht eine beeindruckende Entwicklung vom unsicheren Außenseiter zum selbstbewussteren jungen Mann durch. Diese Umsetzung der Figur vom Film zur Bühne ist besonders gut gelungen. Ikonisch die unbeholfenen Bewegungen und die abgehackte Lache. 

Biff Tannen wirkt im Musical nur am Anfang abstoßend, wenn er George in der Küche des Hauses McFly herunterputzt. Im weiteren Verlauf will der Funke bei der Figur einfach nicht überspringen. Gesanglich schlägt Florian Sigmund sich gut, auch die Stumpfsinnigkeit welche Biff inne steckt kommt gut rüber. Aber leider ist der Biff Tannen im Musical irgendwie nichtssagend. 

Hope Maine übernimmt eine Doppelrolle als Goldie Wilson und Marvin Berry und sorgt insbesondere in den musikalischen Szenen für besondere Highlights. Bitte mehr davon.

Siegmar Tonk spielt den strengen Schuldirektor Strickland, steht als Martys Großvater auf der Bühne und übernimmt noch ein paar weitere kleine Rollen. 

(c)Matt Crockett

Indy Luna Correa ist Martys Freundin Jennifer Parker. Zwar eine kleine Rolle, aber sehr wichtig. Jennifer spricht Marty Mut zu, sich mit seiner Band immer weiter zu bewerben. Zudem ist ihr Onkel ein Musikproduzent. Dieser entpuppt sich am Ende als Huey Lewis. So findet auch er im Musical seinen Platz, denn der Lehrer, welcher die Band im Film am Anfang für den Schulball ablehnt, ist eben jener Huey Lewis.

Insgesamt sorgt ein großes Ensemble für eine lebendige Darstellung der Stadt Hill Valley. Viele Kleidungsstile der 1980er sind auf dem High School Gelände zu finden. In den 1950 Jahren werden Stile berühmter Plakate aus der Zeit umgesetzt. Der Service an der Tankstelle wird erwähnt, Rauchen war damals schick und es findet das heute allseits gehasste Asbest als wunderbare neue Dämmung seinen Weg auf die Bühne. Wie es eben in den 1950er Jahren angepriesen wurde.

Fazit

Die Show ist schon jetzt ein voller Erfolg und wird Film-Fans so wie Neulinge des Genres komplett überzeugen. Das Publikum zeigte sich begeistert von der Mischung aus Nostalgie, moderner Bühnentechnik und starken Darstellerleistungen. Das Musical schafft es, die Atmosphäre des Films einzufangen und gleichzeitig neue Akzente zu setzen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Zurück in die Zukunft – Das Musical“ ein sehr gelungener Abend ist. Die Kombination aus einer spannenden Geschichte, überzeugenden Darstellern, mitreißender Musik und beeindruckender Technik macht die Produktion zu einem besonderen Erlebnis. Sowohl Fans des Films als auch Musical-Neulinge kommen hier voll auf ihre Kosten.

Jan Kersjes und RaphaelGroß (c)Matt Crockett

Credits

  • Raphael Groß – Marty McFly
  • Jan Kersjes – Doc Brown
  • Sandra Leitner – Lorraine Baines
  • Terence van der Loo – George McFly
  • Florian Sigmund – Biff Tannen
  • Hope Maine – Goldie Wilson / Marvin Berry
  • Siegmar Tonk – Strickland / Cover Doc Brown
  • Lino Kalich – Marty McFly (alternierend)
  • Teresa Krall – Ensemble / Linda McFly / Cover Lorraine Baines
  • Indy Luna Correa – Ensemble / Cover Jennifer Parker
  • Marko Formanek, Teresa Krall, Indy Correa, Camilla Esposito, Julia Fechter, Sonya Lachmann, Nicole Reeves, Samuel Chung, Sacha Setubun, Benjamin Igens, Paolo Ciferri, Flavio Marullo, Michiel Janssens, Charles Mitchell, Denys Magda, Matteo Vigna, Eiko Keller, Louise Newson, Lisa Neitzke, Brooke Ramsay, Grace Simmons – Ensemble

Insgesamt stehen rund 20–30 Darstellerinnen und Darsteller auf der Bühne. Dazu kommen ein eigenes Ensemble sowie Covers für mehrere Rollen.

Umfang der Produktion & Proben

Insgesamt stehen rund 29 Darstellerinnen und Darsteller auf der Bühne. Zusätzlich wirkt ein 10-köpfiges Orchester live an der Produktion mit.  Die Proben fanden in Hamburg (Speicherstadt) statt und umfassten: Gesang, Dialoge, Choreografien, Szenenarbeit. 

Die Produktion ist sehr aufwendig und groß angelegt. 

  • Buch (Story & Drehbuch) Bob Gale (Originalautor der Filme)
  • Musik Alan Silvestri Glen Ballard
  • Regie John Rando 

Diese kreative Leitung sorgt dafür, dass das Musical gleichzeitig nah am Film bleibt und trotzdem eigenständig funktioniert.

(c)Matt Crockett

Songs im Musical (Reihenfolge)

ACT 1 (Erster Akt) 

It’s Only a Matter of Time 

Got No Future (Audition) 

Wherever We’re Going 

Hello – Is Anybody Home? 

It Works 

Cake Got No Future (Reprise) #

Gotta Start Somewhere 

My Myopia 

Pretty Baby 

Future Boy 

Hill Valley High School Fight Song 

Something About That Boy 

ACT 2 (Zweiter Akt) 21st Century 

Something About That Boy (Reprise) 

Put Your Mind to It 

For the Dreamers 

Teach Him a Lesson The Letter / It’s Only a Matter of Time (Reprise) 

Pretty Baby (Reprise) 

Earth Angel 

Johnny B. Goode 

The Clocktower / For the Dreamers (Reprise) 

The Power of Love 

Doc Returns / Finale Back in Time 

Phot credit and copyright: Helen Murray www.helenmurrayphotos.com @helenmurraypix

Wir bedanken uns bei Stage Entertainment für die Einladung zur Medienpremiere!


Infos: 

Dauer & Aufführung Gesamtdauer: ca. 2 Stunden und 40 Minuten inklusive Pause

Spielort: Stage Operettenhaus auf der Reeperbahn in Hamburg 

Das Musical lief bereits erfolgreich im Londoner West End am Broadway in New York sowie in Tokio und Sydney

Text: Nathalie 

Bilder: Stage Entertainment/(c)JohanPersson/(c)MattCrockett/(c)Helen Murray