Weihnachtliche Stimmung im Metronomtheater Oberhausen: Der Geist der Weihnacht 2025

© Harald Hempel

Premiere & rezensierte Vorstellung: 30. November 2025

Während die meisten Kinder der Weihnachtszeit entgegenfiebern, fällt es so manchem Erwachsenen eher schwer, in vorweihnachtliche Stimmung zu finden. Nachdem wir die fulminante Premiere von „Der Geist der Weihnacht“, der diesjährigen Weihnachtsproduktion im Metronom Theater Oberhausen, besucht haben, wurde aber auch in unseren Herzen das Licht der Weihnachtentfacht.

Am 30. November – genau ein Jahr nach der gefeierten Wiedereröffnung des Metronom Theaters – lud Limelight Live Entertainment Jung und Alt dazu ein, gemeinsam den Zauber der Weihnacht zu erleben und sich der wahren Bedeutung des Festes zu besinnen.

Charles Dickens‘ berühmte Erzählung „A Christmas Carol“ verzaubert bereits seit 1843 Menschen auf der ganzen Welt. Sie erzählt die Geschichte eines Weihnachtshassers, dessen Persönlichkeit sich mit der Unterstützung des Geistes seines alten Freundes Jacob Marley und seines persönlichen Weihnachtsengels zum Besseren verändert. Am Ende kommt dem einstigen Griesgram statt seines gewohnten „Weihnachten ist Rattendreck“ sogar ein „Frohe Weihnachten“ über die Lippen.

Unter der Regie von Benjamin Sahler und Dirk Schattner entstand erneut eine ebenso eindrucksvolle wie berührende Inszenierung. Wir haben bereits ausführlich berichtet und verweisen für eine detaillierte Inhaltsangabe sowie eine Auflistung des gesamten Kreativteams auf unseren Vorbericht. Metronom Theater: Der Geist der Weihnacht – Musical nach Charles Dickens – Bühnenlichter.de

Denn was interessiert uns neben der Handlung bei der Wahl des nächsten zu besuchenden Musicals am meisten? Genau – das, was wir auf der Bühne erleben und im Verlauf des Abends in unseren Herzen spüren. Welche Stellen uns berührten und uns zum Lachen brachten. In diesem Jahr möchten wir unsere Aufmerksamkeit deshalb hauptsächlich diesen Aspekten widmen.

© Benedikt Siegert

Was macht das Stück zu einem echten Familienmusical?

Schon das Bühnenbild in all seinen bunten Farben ist ein echter Blickfang. Durch den geschickten Einsatz verschiedener Elemente konnte aus dem belebten Marktplatz innerhalb von Sekunden Scrooges Büro, das Wohnzimmer der Familie Cratchit oder Scrooges Schlafzimmer gezaubert werden. Dank des gelungenen Zusammenspiels bunter Farbenpracht, geschickt eingesetzter Requisiten und des wandlungsfähigen Bühnenbilds kam nie Langeweile auf. Das Publikum konnte immer wieder Neues entdecken und wurde so von der ersten Szene an in eine andere Welt geführt. Wem das Metronom Theater noch aus der Zeit der Vampire bekannt ist, wird vielleicht ein kleines Déjà-vu-Erlebnis haben. Wie damals laufen Cast-Mitglieder durch die Mittelgänge und interagieren mit dem Publikum.

Die deutschsprachigen Songtexte klangen nicht bloß gut, sondern waren zudem einprägsam. In unserer unmittelbaren Nähe saßen zwei Kinder, die singend in die Pause gingen.

„Es ist ‚ne Kleinigkeit, nur eine Kleinigkeit. Nur eine klitzekleine Kleinigkeit!“

Der eingängige Rap ist uns bereits im letzten Jahr positiv in Erinnerung geblieben – und wie es scheint, nicht nur uns.

Warum „Der Geist der Weihnacht“ den Zahn der Zeit trifft

In unserer schnelllebigen Zeit, in der die Geschenke immer opulenter, der Stress in der Vorweihnachtszeit immer erdrückender und die Zeit für besinnliche Momente immer knapper wird, ruft uns das Musical in Erinnerung, worauf es wirklich ankommt. Nicht das Geld oder der bloße Austausch von Geschenken stehen im Mittelpunkt. Wahrer Reichtum liegt vielmehr in der Liebe, die wir uns gegenseitig schenken. Das Musical erzählt eine Geschichte vom Mut zur Veränderung, Hoffnung und der Bedeutung echter (Nächsten)liebe.

Die Menschen auf der Bühne brillieren durchweg und überzeugen mit großer Spielfreude

Wir durften in diesem Jahr einige Änderungen in der Besetzung erleben.

© Harald Hempel

Mit ihrer klaren und warmen Stimmfarbe begeisterte Sandy Mölling als Engel der Weihnacht. Die Sängerin der erfolgreichen „No Angels“ überzeugte bereits in zahlreichen Musicalrollen und konnte auch an diesem Abend eindrucksvoll unter Beweis stellen, dass sie zu Recht ein fester Bestandteil unserer Musicalszene ist. Aber nicht nur stimmlich, sondern auch optisch passte sie perfekt in die Rolle des Engels und strahlte eine immense Bühnenpräsenz aus.

In der Rolle des Ebenezer Scrooge stand Chris Murray auf der Bühne. Er verkörperte den zunächst muffeligen Weihnachtshasser genauso überzeugend, wie den am Schluss vom Weihnachtsgeist bekehrten Scrooge. Stimmlich konnte er in jedem Song seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellen. Seine Mimik war selbst unter der aufwändigen Maske gut zu erkennen und unterstrich seine Worte gelungen.

Martin Mulders verzauberte als Marley mit Charme und Witz. Die Neckereien seines griesgrämigen Freundes waren pointiert und sorgten über den gesamten Abend hinweg für Lacher. Doch auch Marleys Verzweiflung stellte er eindrucksvoll dar: Schließlich hängt es allein von Scrooges Bereitschaft zur Veränderung ab, ob Marley von seinen Ketten befreit werden und endlich in den Himmel aufsteigen kann. Anfangs witzig, entwickelt Marley Mitgefühl mit dem tief verletzten Scrooge, den er ganz anders in Erinnerung hatte. Martin Mulders meisterte seine komplexe Rolle mit unterschiedlichen Persönlichkeitsanteilen, die er alle überzeugend darzustellen wusste.

Belle spielte an diesem Abend Mascha Kamenskikh, den jungen Scrooge Andre Naujoks. Sowohl stimmlich als auch schauspielerisch harmonierten beide perfekt und sorgten für unvergessliche Gänsehautmomente.

Mit ihrer grandiosen Akrobatik begeisterten Selina Kohl und Johannes Breitsamter das Publikum. Neben ihrer beeindruckenden Körperbeherrschung fesselte Selina Kohl uns zusätzlich mit ihrer Ausstrahlung. Ausnahmslos jeder im Cast hat eine herausragende Leistung geboten, sodass es unmöglich ist, auf jeden Einzelnen einzugehen – sie alle hätten eine Erwähnung verdient.

Besonders hervorheben möchten wir noch die Kinder, die einen wichtigen Bestandteil des Musicals ausmachen und uns durchweg begeisterten. Aus dem Ensemble fiel Carolin Rossow durch ihre besondere Ausstrahlung und Bühnenpräsenz auf.

Muss man ein Weihnachtsfan sein, um einen schönen Theaterabend verbringen zu können?

Selbstverständlich schadet es nicht, ein Weihnachtsfan zu sein, ist aber gewiss keine Voraussetzung. Und wer weiß: Vielleicht kommt sogar der ein oder andere Grinch während des Showbesuchs doch noch in Weihnachtsstimmung.

Gibt es eine Altersempfehlung?

Der Veranstalter spricht eine Altersempfehlung ab fünf Jahren aus – nach oben hin gibt es keine Grenze. Das Publikum am Premierenabend war durch alle Altersgruppen gemischt. Damit auch die kleinen Besucher dem Spiel auf der Bühne folgen können, gibt es für Kinder zudem Sitzerhöhungen.

© Harald Hempel

Unser Fazit

„Der Geist der Weihnacht“ präsentiert sich als buntes Musical mit tollen, eingängigen Melodien und Songtexten. Die Stimmung im Saal war grandios, die Botschaft des Stücks bis heute aktuell. Die spektakulären Kostüme, energiegeladenen Choreografien sowie eine starke Besetzung machen das Stück zu einem Musical-Highlight für die ganze Familie.

Der Geist der Weihnacht ist noch bis zum 26.12.2025 im Metronom Theater Oberhausen zu sehen. Aufgrund des Weihnachtsmarktes sowie verschiedener Veranstaltungen rund um die Neue Mitte Oberhausen kann es zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen kommen kann. Wir empfehlen daher, zusätzliche Zeit für die Anreise einzuplanen oder den ÖPNV zu nutzen. Tickets gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Cast:

  • Ebenezer Scrooge: Chris Murray
  • Engel der Weihnacht: Sandy Mölling
  • Jakob Marley: Martin Muders
  • Belle: Mascha Kamenskikh
  • Mr. Cratchit: Maico Claßen
  • Mrs. Cratchit / Pillbox: Aileen-Chantal Rothkegel
  • Mr. Fezziwig / Beavis: Benoit Pitre
  • Mrs. Fezziwig / Shellock: Anja Wessel
  • Junger Scooge / Buthead: Andre Naujoks
  • Juger Marley: Christoph Loebelt
  • Timmy Cratchit: Dominik Tiefgraber
  • Mr. Highprice / Mr. Betsy: Pascal Giebel
  • Mr. Lowprice / Mr. Kent: Daniel Hause
  • Mrs. Pommeroy / Amme: Mareike Dieluweit
  • Liz Pommeroy: Lea Kurbijun
  • Debbie: Marie Hendel
  • Akrobatik: Selina Kohl & Johannes Breitsamter
  • Kinder: Jamie (Sternensinger), Henry (Bob), Linnea (Fan), Lotta (Anne)
  • Tanzensemble/Ensemble: Selina Kohl, Nicole Schöppe, Jana Mayer, Michelle Landsmann, Jacqueline Krell, Mareike Dieluweit, Carolin Rossow, Julia Wunderlich, Lea Kurbijun, Stefanie Wesser, Majlis Juskan, Pascal Giebel, Daniel Hauser, Christoph Loebelt, Max Kikken, Johannes Breitsamter

Kreativteam:

  • Buch und Liedtexte: Dirk Michael Steffan & Michael Tasche
  • Regie: Benjamin Sahler
  • Co-Regie: Dirk Schattner
  • Musikalische Leitung: Mark Wiedersprecher
  • Choreographie: Stefanie Gröning
  • Co-Choreographie: Alina Groder & Anna Martens
  • Musik: Dirk Michael Steffan

 

Wir bedanken uns für die freundliche Einladung und wünschen allen eine friedvolle und besinnliche Weihnachtszeit.


Artikel von Sandra