Themenwoche Inklusion: Wie inklusiv sind die Theater?
Alles nur barrierefrei im Sinne von „für Rollstühle geeignet“?
Theaterstücke, die inklusive Themen behandeln sind das eine. Wie sieht es aber direkt in den Theatern aus? Was wird beeinträchtigten Menschen angeboten? Ein erster Blick in die Theater, die wir häufig besuchen zeigt: Da ist noch Luft nach oben und somit dürfen erst Recht keine Mittel in den Bereichen Inklusion und Kultur gestrichen werden.
Barrierefreiheit
Barrierefreiheit hat viele verschiedene Bedeutungen. So sollen alle Menschen Zugang zu Informationen haben, weshalb es z.B. im Kontext von Social Media wichtig ist, Videos mit Untertiteln zu versehen. Barrierefreiheit bedeutet aber auch, dass Menschen mit einer Behinderung Zugang zu öffentlichen Räumen haben. Auf den meisten Homepages der Theater findet man tatsächlich nur den barrierefreien Zugang zu den Theatern.
In der Regel sind die barrierefreien oder barrierearmen Bereiche im Parkett zu finden. Die Plätze für Rollstuhlfahrer sind je nach Theater in den mittleren Reihen am Rand, hinten in Logen (z.B. Staatsoper Hannover) oder sogar in der ersten Reihe (z.B. Hersfelder Festspiele, Freilichtspiele Tecklenburg). Wenige Theater können aufgrund ihrer Bauweise keine geeigneten Plätze anbieten oder wie im Fall der Karl May Spiele Bad Segeberg nur im oberen Tribünenrang. Dafür aber gleich 48 Stück, da können andere Theater wieder nicht mithalten.
Für Personen mit Gehbeeinträchtigung empfehlen wir frühzeitig die Saalpläne zu studieren und sich Randplätze zu sichern.
Assistenzhunde
Assistenzhunde unterstützen Menschen mit körperlichen, psychischen oder chronischen Erkrankungen im Alltag. Sie warnen, helfen oder beruhigen ihre Zweibeiner. Der Gang mit eben diesen Hunden ins Theater ist bisher noch nicht ganz so einfach. Wichtig ist, dass der Hund ein ausgewiesener Assistenzhund ist. Wir haben eine kleine Übersicht zusammengestellt, wo es aber bereits möglich ist:
- ATG Entertainment: Assistenzhunde sind in Theatern von ATG Entertainment erlaubt. Da die Theater alle unterschiedliche Regelungen haben, gibt es ein spezielles Anfrageformular für die Buchung der Tickets.
- Stage Entertainment: In allen Stage Theatern sind Assistenzhunde herzlich willkommen. Auch hier gilt die vorherige Anmeldung!
- Theater Bielefeld: Mit einem „selbstverständlich“ wird auf der Homepage darauf hingewiesen, dass Assistenzhunde mit dürfen. Ticketkauf per Anruf, damit es geeignete Plätze gibt.
- Gandersheimer Domfestspiele: Blindenführ- und Partnerhunde dürfen bei Vorstellungen mit Audiodeskription an der Leine & mit Maulkorb mit in den Zuschauerraum. Buchung über die Kartenzentrale.
- Theater Münster: Der Hund darf mit. Vorher bitte Bescheid geben.
- Stadttheater Fürth: Nach vorheriger einvernehmlicher Vereinbarung dürfen sie mit. Am besten Kontaktaufnahme bei Ticketbuchung.
- Theater Hameln: Blindenhunde dürfen mit, um vorherige Anmeldung wird gebeten.
Vorstellungen mit Audiodeskription
Audiodeskriptionen machen Theatervorstellungen für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich. In der Audiodeskription während der Vorstellung werden die Vorgänge auf der Bühne beschrieben. Darüber wird blinden Personen und Menschen mit Sehbehinderung der Zugang zu den visuellen Elementen eines Stückes ermöglicht: Geschildert werden u.a. Bewegung, Gesten, Mimik, Bühnenbild, Kostüme und Requisiten.

Stage Entertainment bietet für MJ, DIE EISKÖNIGIN und dem KÖNIG DER LÖWEN eine Audiodeskription über die App „Earcatch“ an. So kann jeder mit seinem eigenen Smartphone und Kopfhörern die Vorstellung erleben. Eingesprochen wurde die Deskription von Benito Bause.
Die Initiative „Hörmal Audiodeskription“ unterstützt Veranstalter im Bereich Kultur und Sport bei der Durchführung von Live-Audiodeskriptionen.
Tastführungen
Ausgewählte Theater, wie z.B. Dortmund oder Magdeburg bieten sehbeeinträchtigten Publikum etwa 2 Stunden vor Vorstellungsbeginn an bestimmten Tagen eine Tastführung an. Hier kann sich das Publikum auf der Bühne im Bühnenbild orientieren und alles ertasten.
Vorstellungen mit Gebärdensprache – Sound Shirts
Für gehörlose Menschen ist der Gang ins (Musik-)theater vor besondere Herausforderungen gestellt. Benjamin Piwko zeigte 2019 bei LET´S DANCE, wie er Musik wahrnehmen kann. Die Innovation der Sound Shirts macht einen immersiven Theaterbesuch möglich. Eine komfortable Jacke mit integrierten System überträgt nuancierte, physische Schwingungen der Musik und Stimmen. Die Oper Wuppertal bietet diese Möglichkeit für ausgewählte Vorstellungen an.
Darüber hinaus bieten fast alle Theater vereinzelt Vorstellungen mit Gebärdendolmetschern an. Ebenso helfen in der Oper und manchmal auch im Musical die Übertitel für eine Orientierung als gehörlose oder gehörbeeinträchtigte Person.
Relaxed Performances
Bei einer Relaxed Performance wird zu Beginn der Vorstellung die Performance angekündigt. Geräusche und Bewegungen aus dem Publikum sind willkommen und jeder im Publikum hat die Möglichkeit den Saal zu verlassen und wiederzukommen. Die Saaltüren bleiben ggf. offen, ebenso wird das Licht nicht vollständig gedimmt. Die Relaxed Performance richtet sich an ein Publikum, welches eine entspanntere Theater- und Veranstaltungsatmosphäre wünscht. Stage Entertainment und das Theater Dortmund haben solche Vorstellungen bereits angeboten.
Triggerwarnungen – Hinweise auf sensible Themen & sensorische Reize
Diese Hinweise sind mittlerweile auch in den meisten Theatern eingezogen. So bieten Theater wie Dortmund und Bielefeld auf ihren Homepages zu jedem Stück potenzielle sensible Themen an, auf die man sich im Vorfeld einstellen kann. Spätestens aber im Foyer der Theater sollten solche Hinweise zu finden sein.
Zu sensiblen Inhalten zählen körperliche, seelische oder sexualisierte Gewalt, Selbstverletzung/Suizid, Kindesmissbrauch, schwere Krankheit, Krieg/Tod, Sucht/Drogenmissbrauch, Diskriminierung (Rassismus, Sexismus, Homo-/Inter-/Transfeindlichkeit, Ableismus, Antisemitismus etc.), Mobbing, Bodyshaming, Tierquälerei oder Nacktheit. Als sensorische Reize sind vor allem Lichteffekte (Stroboskop oder extreme Helligkeit), Lautstärke (z.B. Schüsse) oder der Einsatz von Nebel, Blut oder vergleichbaren Effekte zu verstehen.
Zusammengestellt von Anna-Virginia