Theater Hagen: Soultrain – A journey to the heart 2026

Premiere & rezensierte Vorstellung: 28. März 2026
Søren Schuhmacher (Inszenierung) und Andres Reukauf (Musikalische Leitung, Arrangements), die Macher des Soultrain – A Journey to the Heart, versprechen eine emotionale Reise durch Funk, Blues, R’n’B, Gospel, Rock und Pop-Musik im Sinne eines Aufbruchs in die große Welt, wie bei den meisten der sogenannten Coming-of-Age-Erzählungen. Dabei bewegt sich die Songauswahl dieses Roadtrips nicht chronologisch, aber doch zwischen 1962 (Bring it on Home to Me) und 2019 (Zug nach Hagen) bzw. 2026 (Zugabe: „Where the Hell is My Husband?“). Sie deckt somit nahezu 60 Jahre Musikgeschichte ab – ganz nach dem Vorbild der zu ihrer Zeit hoch erfolgreichen US-Fernsehsendung „Soul Train“, die von 1971-2006 der oben genannten Black Musik eine breite Bühne gab und zu einem nationalen Phänomen avancierte. Es lohnt sich sehr, das hierzu gestaltete Programmheft von Thomas Rufin (Texte) und Philipp Baier (Grafik-Design) zur Hand zu nehmen. Viele interessante Details zu den einzelnen Songs liefern die ein oder andere Erklärung zum Verlauf des Konzertes und ergänzen den roten Faden der Show, der beim aktiven Zuhören, Zusehen und immer mal wieder Mitsingen im Moment vielleicht unentdeckt bleibt.

Das Cross Over-Konzertformat unterstützt die einzelnen Songs mithilfe von Kostümen (Anja Müller u.a.), Bühnenbild (Thomas Rufin, Uwe Marx, Thorsten Schulz, Karl-Edmund Übelacker), Beleuchtung (topp gemacht durch Martin Gehrke) sowie hervorragendem Ton (Magnus Laurich, Matthias Woelk, Michael Danielak).
Hannah Usemann, Sebastian Klug, Nino Müller und David Pamin von der Statisterie des Theater Hagen sowie die eindeutig klassisch versierten Mover*innen Noemi Emanuela Martone, Riccardo Maria Detogni und Cheng-Yang Peng bringen Bewegung in die Szenen, sodass die jeweils entstehende Bildsprache sich immer wieder an die originalen Musikvideos einzelner Songs anlehnt. Neele Petting, Elizabeth Pilon und Carolin Rossow unterstützen die Choreografien von Nicole Eckenigk sowie die Vokalisten mit energetischen Backings und stimmigem Harmoniegesang.
Engelbert Humperdincks instrumental gespielter Abendsegen aus der Oper Hänsel und Gretel, der als Intro zu Konzertbeginn erklingt und u.a. mit klassischem Spitzentanz optisch unterlegt wird, führt vielleicht zunächst ein wenig in die Irre. So zündet der erste Song „Rave Against the Machine*“, im Original von Jan Delay, noch nicht wirklich, obwohl sich die Hagener Lokalmatadorin Vanessa Henning als erste Solistin alle Mühe gibt, das Premieren Publikum im nahezu ausverkauften Großen Haus zum Mitmachen zu animieren. „All I wanna do“ und „Celebration“ sind da wohl die bekannteren Songs, zu denen man hervorragend Spaß haben kann. Der Saal lässt sich nach und nach darauf ein und spätestens bei „Dancing Queen“ sind alle Hände winkend oben. Robin Reitsma, von dem man seit seiner Hauptrolle in Meat Loaf’s „Bat out of Hell“ weiß, dass er enorm rocken kann, präsentiert sich nonchalant als „Just a Gigolo/ Ain’t nobody“, grandios stimmgewaltig und lässig swingend, wobei er von diversen Figuren der Muppet Show sowie dem Außerirdischen Alf umtanzt wird – in Anlehnung an das skurrile Originalvideo von Van Halen Sänger David Lee Roth aus dem Jahr 1984. Noch im Alf-Kostüm gibt gleich danach Daniel Ferrer „Hard to Handle“ zum Besten, …action speaks louder than words…

Inzwischen hat der Soultrain eindeutig Fahrt aufgenommen und völlig zu Recht gerät Vanessas „The Greatest Love of All“ von Whitney Houston zum nächsten Showstopper des Abends. Das Band Solo „Pick up the Pieces“ unterstreicht das enorme Können der Musiker um Andres Reukauf am Keyboard: Arjuna de Souza – er liefert sich gleich mal ein Gitarren-Battle der Extraklasse mit Sänger Daniel Ferrer. Andreas Laux, Axel Riesenweber als ausgezeichnete Bläser-Combo, Jörn Brackelsberg und Volker Reichling großartig an Bass und den Drums. Stimmig, wie sich die Band auf der mehrstöckig bespielten Bühne ins Gesamtbild einfügt und immer wieder eigene Momente in der Szenerie einnimmt. In einem Medley, welches fulminant in „Purple Rain“ mündet und „It’s Raining Men“ als Folgesong geradezu herausfordert, hält es die Leute kaum noch auf den Sitzen. Der erste Akt endet mit dem grandiosen Duett „Don’t Let the Sun Go Down on Me“, welches von Daniel und Robin zum Dahinschmelzen gesungen wird.
Der zweite Akt lässt keine Wünsche mehr offen: es gibt spektakuläre Pyrotechnik, Protagonisten erscheinen aus dem Orchestergraben und lassen die Bühnenkante mithilfe des über den Graben führenden Steges vergessen. „You Never Walk Alone“ wird so in einem großen Chor gemeinsam mit dem Publikum inhaltlich stimmig, je nach Sitznachbarschaft im Publikum vielleicht eher inbrünstig gemeinsam intoniert. Umso ton- und textsicherer schmettert Vanessa noch ein „Don’t Stop Believing“ während sie in einem Kran auf Höhe des 2. Ranges emporgehoben wird und sorgt später noch mithilfe des offensichtlich bisher wenig bekannten Liedes „Zug nach Hagen“ für Lacher. Daniel rührt mit „Bridge Over Troubled Water“ zu Tränen und empfiehlt sich ein weiteres Mal im Duett mit Robin mit einem wunderbar interpretierten „Man in the Mirror“. Der Abschluss „November Rain“ wird mit einer dem originalen Musikvideo entlehnten Hochzeitsszene untermalt – ein dreifacher Ringtausch, der die Ebenbürtigkeit der drei SolistInnen hervorhebt und in der von Vanessa energetisch vorgetragenen Zugabe „Where the Hell is My husband?“ mündet. Völlig zu Recht spendet das Hagener Premierenpublikum langanhaltenden, stehenden Applaus!

Soultrain – A Journey to the Heart erweist sich als ein musikalisch stimmiger, launiger Abend, der sehr viel Spaß macht. Weniger bekannte Songs verschmelzen mit beliebten und mitsingbaren Hits, wobei alles mit belebten Szenen, tollen Tänzern und detailverliebten Bühnenbildern untermalt wird. Somit gibt es viel zu sehen und viel zu hören, sodass sich eigentlich auch eine zweite Zugfahrt durchaus lohnen würde – mit Sicherheit hat man beim ersten Besuch noch nicht alles entdeckt. Chapeau an das gesamte Team des Hagener Theaters für eine weitere lohnenswerte Veranstaltung!
Weitere Termine und Infos unter www.theaterhagen.de
Künstlerische Besetzung (Soultrain – Theater Hagen)
- Vocals: Vanessa Henning, Robin Reitsma, Daniel Ferrer
- Backing-Vocals: Neele Pettig, Elizabeth Pilon, Carolin Rossow
- Mover*innen: Noemi Emanuela Martone, Riccardo Maria Detogni, Cheng-Yang Peng
- Statisterie: Hannah Usemann, Sebastian Klug, Nino Müller und David Pamin
- Band: Andres Reukauf (Keyboards), Arjuna de Souza (Guitar), Matthias Jahner & Andreas Laux (Reeds), Jörn Brackelsberg (Bass), Axel Riesenweber (Trompete), Volker Reichling (Drums)
Kreativteam
- Musikalische Leitung, Arrangements: Andres Reukauf
- Inszenierung: Søren Schuhmacher
- Choreografie: Nicole Eckenigk
- Bühne: Norbert Bellen
- Kostüme: Anja Müller
- Dramaturgie und Programmheft Texte: Thomas Rufin
- Programmheft Design: Philipp Baier
Herzlichen Dank für die Einladung!
*Bei den im Text genannten Songs handelt es sich um eine Auswahl. Das Konzert umfasst 30 Songs inkl. Zugabe und hat eine Länge von ca. 2Std 15Min inkl. Pause.