Theater Hagen – FLASHDANCE 2025/2026

Carla Peters, Clara Maria Determann, Katharina Wollmann, Maja Dickmann © Björn Hickmann

Premiere & rezensierte Vorstellung: 06. Dezember 2025

Am 6. Dezember feierte das Musical „Flashdance” seine umjubelte Premiere im Theater Hagen. Ein beeindruckender Abend, der nicht nur das hohe Niveau des Theaters zeigte, sondern ebenfalls bewies, dass es locker auf Augenhöhe mit größeren Häusern steht. Insbesondere das eindrucksvolle Bühnenbild von Norbert Bellen, die durch die Drehbühne ermöglichten fließenden Szenenwechsel und das starke Lichtdesign von Hans Joachim Köster trugen dazu bei, eine Inszenierung zu schaffen, die für mich zu einem meiner persönlichen Highlights zählt.

Wer kennt sie nicht? Die Geschichte der toughen Alex Owens, die tagsüber als Schweißerin arbeitet – tief in ihrem Inneren aber davon träumt, an der renommierten Shipley Academy studieren zu dürfen.  

Tagsüber schuftet Alex in der Stahlfabrik von Hurley Steel. Doch heimlich träumt sie seit Jahren davon, eine professionelle Tänzerin zu werden. Bisher haben ihre Selbstzweifel sie davon abgehalten, sich an der Shipley Academy zu bewerben. Bestärkt durch ihre Freunde und die ehemalige Balletttänzerin Hannah fasst sie schließlich den Mut, sich für die Aufnahmeprüfung anzumelden.

Eines Tages taucht Nick Hurley, der Sohn des Besitzers, an ihrem Arbeitsplatz auf. Alex lehnt jeglichen Wohlstand kategorisch ab – sie ist es gewohnt, sich allein durchs Leben zu kämpfen. Obwohl sie sich mit aller Kraft gegen ihre Gefühle für den attraktiven Nick Hurley wehrt, muss sie sich irgendwann eingestehen, dass sie Gefühle für ihn entwickelt hat. Die beiden überbrücken ihre Differenzen und werden trotz der schwierigen Umstände ein Paar.

Trotz Alex‘ eindringlicher Bitte, seinen Einfluss an der Shipley Academy nicht zu nutzen, tätigt Nick Hurley einen Anruf und verschafft Alex somit die Möglichkeit, ihr Können beim Vortanzen unter Beweis zu stellen. Als sie davon erfährt, tobt sie vor Wut und es wird deutlich, dass die unterschiedlichen Lebensentwürfe der beiden immer wieder zu Konflikten führen. Werden die beiden trotzdem zueinander zurückfinden? Wagt Alex trotz Nick Hurleys „ungebetener” Hilfe den Schritt, am Vortanzen teilzunehmen? Oder lässt sie sich die Chance, eine professionelle Tanzkarriere zu starten, entgehen?

 

Mit über 20 Millionen verkaufte Tonträger, unzähligen begeisterte Kinobesucher*innen und ein Oscar für den besten Song hat Flashdance sich einen wahren Kultstatus erarbeitet! Nach dem Erscheinen 1983 entwickelte sich der Film aufgrund der Megahits wie „Flashdance – What a Feeling“ und „Maniac“ zum absoluten Blockbuster. Das 2008 uraufgeführte Musical lässt den Synthie-Pop der 80er Jahre als spektakuläre Bühnenshow wieder hochleben.

In der großen 80er Jahre Tanzparty gesellen sich neben die berühmten Filmhits noch weitere Klassiker wie „Gloria“, „Manhunt“ oder „I Love Rock ’n’ Roll“. Der junge Regisseur Florian Mahlberg bringt das mitreißende Musical auf die Bühne des Theater Hagen. Mit Choreografien von Nicole Eckenigk und der Ausstattung von Norbert Bellen (Bühne) und Lisa-Jasmin Tomm (Kostüme) wird Flashdance zum Hit, der nicht nur Nostalgiker*innen begeistert.

Die grandiose Umsetzung und die perfekt eingefangene Atmosphäre der 80er Jahre sind vor allem dem grandiosen Kreativteam zu verdanken.

Unter der Regie von Florian Mahlberg gelang dem Theater Hagen eine modern inszenierte, atmosphärisch mitreißende und tief emotionale Umsetzung. Die Story ist bekannt – und doch gelang es dem Theater, neue Akzente zu setzen. Für mich einer der besten Umsetzungen und definitiv eine meiner Lieblingsinszenierungen des Erfolgsfilms. 

Mein persönliches Highlight der Inszenierung war, wie eingangs erwähnt, das grandiose Bühnenbild von Norbert Bellen. Die Szenenwechsel verliefen mithilfe der Drehbühne fließend, sodass keine sichtbaren Umbauten die Show störten. Es gibt nicht viele Theater, die überhaupt die Möglichkeit haben, eine Drehbühne zu nutzen, umso schöner ist es, wie sie hier integriert wurde. Die Shipley Academy, Alex‘ Zuhause, der Club oder auch die Stahlfabrik – jedes einzelne Bühnenbild bestach durch Detailverliebtheit und eine enorm aufwändig gestaltete Kulisse. 

© Björn Hickmann

Was ist bei einem Musical mit 80er-Jahre-Vibes außerdem wichtig? Natürlich die Kostüme – und wow: Diese Kostüme waren perfekt! Manch einer mag vielleicht über den Modestil die Nase gerümpft haben. Weil er eben nicht mehr unserem heutigen Modegeschmack entspricht. Bedenkt man dann aber, dass die Kostüme die Zuschauenden in die 80er Jahre zurückversetzen sollen, haben sie perfekte Akzente gesetzt, die das Bühnenbild hervorragend ergänzen. Lisa-Jasmin Tomm hat in dieser Hinsicht definitiv ein gutes Händchen bewiesen.

Als tanzbegeisterte Zuschauerin habe ich mich ganz besonders auf die Tanzszenen gefreut. Die Choreografien von Nicole Eckenigks waren kreativ, energiegeladen und zeigten eine große stilistische Vielfalt. Für meinen Geschmack hätte es gern noch mehr Tanzszenen geben können – das soll jedoch weniger Kritik als vielmehr ein Kompliment für die gute Arbeit sein. An dieser Stelle möchte ich noch ein großes Lob an die Balletttänzer und -tänzerinnen des Theaters aussprechen, die dem Ganzen eine enorm hohe tänzerische Qualität verliehen.

Hans-Joachim Kösters Lichtdesign setzte das Bühnenbild optimal in Szene. Farben und Licht waren stets perfekt aufeinander abgestimmt. So wurde das Bühnenbild und die Charakterentwicklung wirkungsvoll unterstrichen. Ebenso stimmig war die Dramaturgie von Thomas Rufin.

Bedauerlicherweise war der Ton am Premierenabend in der ersten Hälfte nicht optimal abgestimmt. So hatten wir insbesondere bei Juliette Lapouthe als Alex Owens Probleme den Text zu verstehen, wohingegen die Musik oft sehr laut war. In der zweiten Hälfte war die Tonqualität dann aber wieder viel besser und wir gehen davon aus, dass das Hörerlebnis in den weiteren Vorstellungen nicht mehr beeinträchtigt wird. Schließlich war es eine Premiere und da kann es immer mal zu kleinen technischen Problemen kommen.

© Björn Hickmann

Nun zu den Menschen auf der Bühne, die allesamt geglänzt haben.

Juliette Lapouthe verkörpert eine sensible Alex Owens. Eine, die zwar auch Wut in sich trägt, sich allein durchs Leben zu schlagen weiß, aber eben auch tief verletzt ist und sich für Gerechtigkeit einsetzt. Diese Verletzlichkeit konnte ich bisher in keiner anderen Produktion so deutlich spüren – nicht zuletzt dank der Natürlichkeit, die Juliette Lapouthe auf die Bühne brachte. Auch stimmlich und tänzerisch konnte sie überzeugen. Eines der Highlights des Abends war ganz klar das Duett mit Marius Bingel als Nick Hurley. Die beiden harmonierten sowohl stimmlich als auch im Zusammenspiel perfekt.

Marius Bingel verkörperte einen einfühlsamen, engagierten, aber auch äußerst charmanten Nick Hurley. Er bestach durch seine Ausstrahlung und verlieh den inneren Zweifeln – insbesondere im Song „Genug“ – Glaubwürdigkeit.  Stimmlich war er ebenfalls herausragend. Es gelang ihm durchweg, viel Gefühl in seine Songs zu legen.  Vor allem seine tiefen Töne hinterließen einen bleibenden Eindruck.

Jimmy ist eine Figur, auf die ich mich immer ganz besonders freue: Er bringt viel Humor und gleichzeitig wichtige Botschaften auf die Bühne. Tim Stolberg konnte an diesem Abend in der Rolle des Jimmy vom ersten bis zum letzten Moment restlos überzeugen. Er hatte das Publikum vom ersten Moment an auf seiner Seite – nicht zuletzt dank seiner humorvollen Art. Tim Stolberg platzierte alle Witze on Point rüber. Mit dem Song „Wo ich hingehör“ setzte er einen weiteren Höhepunkt des Abends. Er schlüpfte authentisch in die Rolle des großen Träumers, der vom Sprung auf die große Bühne angetrieben wird, und stellte seine Wandlung zu einem Mann, der weiß, wo er hingehört und erkennt, dass er zu Hause alles hat, was er braucht, eindrucksvoll dar.

Für die Rolle der Gloria konnte Nike Tiecke gewonnen werden. Es gelang ihr scheinbar mühelos, den Spagat zwischen der inneren Fragilität ihrer Figur und der jungen, leicht naiven Frau mit einem großen Traum, zu bewältigen. Gesanglich überzeugte sie durch ihre Power.

Pierpaolo Scida, Joyce Diedrich, Riccardo Maria Detogni, Ensemble © Björn Hickmann

Joyce Diedrich war eine phänomenale Tess. Ihr „I Love Rock ’n’ Roll” strotzte nur so vor Kraft und Sexappeal. Darüber hinaus verkörperte sie aber auch die Seite der Freundin, die ihrer Clique immer zur Seite steht, überzeugend. Katharina Wollmann als Kiki legte eine unglaubliche Power an den Tag. In ihren Songs konnte sie durchweg überzeugen, ebenso fiel sie durch ihre enorme Bühnenpräsenz auf.

Anja Frank-Engelhaupt hat mich mit ihrer Darstellung der Hannah tief berührt. Ihr unbändiger Glaube an Alex und ihr weicher Kern spielten eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der Geschichte. Die Liebe zum Ballett war in jedem ihrer Worte und jeder ihrer Bewegungen spürbar.

Nicoletta Luna Iparraguirre de las Casas bewies als Louise/Mrs. Wilde ihre tolle Wandlungsfähigkeit. Götz Vogelgesang strahlte als Harry eine väterliche Wärme aus – er verkörperte einen liebenswerten Charakter.

Kammersänger Richard van Gemert füllte die Rolle des C. C. genau entsprechend den Anforderungen aus: Er wirkte skrupellos, kalkulierend, auf unangenehme Weise schmierig und unsympathisch. Eine solche Rolle zu spielen, den Mut aufzubringen, nicht der Sympathieträger des Abends zu sein und dies so überzeugend umzusetzen, ist hohe Kunst.

Tänzerisch stach Noemi Emanuela Martone heraus, eine Balletttänzerin, die seit Jahren am Theater Hagen zu sehen ist und immer wieder meinen Blick auf sich zieht. Ihre Eleganz ist herausragend. Ebenso Riccardo Maria Detogni als Tänzer.

Mit „Flashdance“ ist dem Theater Hagen eine zeitgemäße und mitreißende Inszenierung gelungen. Neben der Botschaft, sich für seine Träume einzusetzen, hat mich auch der unbändige Zusammenhalt der Frauen untereinander beeindruckt. Das Bühnenbild, die raschen Szenenwechsel und die herausragende Besetzung zeigen: Wir sollten das Theater künftig unbedingt im Auge behalten.

Wir haben einen grandiosen Premierenabend erlebt – wer weiß, vielleicht besuchen wir noch eine weitere Vorstellung, um zu sehen, wie sich die Show mit etwas mehr Routine weiterentwickelt. 

Besetzung am Premierenabend

  • Alex Owens: Juliette Lapouthe
  • Nick: Marius Bingel
  • Gloria: Nike Tiecke
  • Kiki: Katharina Wollmann
  • Tess: Joyce Diederich
  • Jimmy: Tim Stolberg
  • Louise/Mrs. Wilde: Nicoletta Luna Iparraguirre de las Casas
  • C.C.: KS Richard van Gemert
  • Hannah: Anja Frank-Engelhaupt
  • Harry: Götz Vogelgesang
  • Ensemble/Joe: John Baldoz
  • Ensemble/Andy: Manuel Lopez
  • Ensemble: Pierpaolo Scida
  • Ensemble: Maja Dickmann
  • Ensemble/Dance Captain: Clara Maria Determann
  • Ensemble: Sarah Steinemer
  • Ensemble Swing: Carla Peters
  • Tänzerin: Noemi Emanuela Martone
  • Tänzer: Riccardo Maria Detogni
  • Statisterie des Theaters Hagen

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Flashdance-Band

  • Keyboard / Conductor: Andreas Vogelsberger
  • Keyboard: Michael Weiss
  • Guitar: Arjuna de Souza, Jakob Lübke
  • Bass: Ian Stewart
  • Reeds: Andreas Laux
  • Drums: Volker Reichling

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  • Musikalische Leitung: Andreas Vogelsberger
  • Inszenierung: Florian Mahlberg
  • Bühne: Norbert Bellen
  • Kostüme: Lisa-Jasmin Tomm
  • Choreografie: Nicole Eckenigk
  • Licht und Video: Hans-Joachim Köster
  • Dramaturgie: Thomas Rufin
  • Regieassistenz / Abendspielleitung: Mareike Teichgräber
  • Hospitanz Regie: Chantal Milena Coutinho
  • Hospitanz Ausstattung: Alma Sofia Neteler
  • Inspizienz: Bettina Grüger

„Flashdance” ist noch bis zum 12. März 2026 im Theater Hagen zu sehen. Am 18. Januar gastiert das Stück zudem im Konzert Theater Coesfeld. Tickets sind direkt beim Theater Hagen oder an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.

Wir bedanken uns bei dem Theater Hagen für die Einladung.


Artikel von Sandra