Theater Dortmund: Fulminante Premiere von REBECCA 2026/27
Ich hab geträumt von Manderley …

Die Oper Dortmund präsentiert in Zusammenarbeit mit den Vereinigten Bühnen Wien: Rebecca. Seit der Ankündigung im Dezember letzten Jahres konnten wir es kaum erwarten, endlich nach Manderley zurückzukehren.
Unsere Erwartungen waren nach der offenen Probe am 8. September, anhand derer wir bereits erste Impressionen gewinnen konnten, enorm hoch. Am 19. September war es dann so weit: Rebecca – Das Musical von Michael Kunze und Sylvester Levay feierte unter großem Andrang Premiere. Als zum Schlussapplaus auch noch Michael Kunze und Sylvester Levay gemeinsam mit dem Cast auf der Bühne standen, bebte der ausverkaufte Saal des Dortmunder Opernhauses. Für einen ausführlichen inhaltlichen Überblick verweisen wir auf unsere Infoseite: Rebecca – Bühnenlichter.de
Kreativteam
Das Bühnenbild von Karl Fehringer und Judith Leikauf fügt sich fantastisch in die riesige Bühne des Dortmunder Theaters ein. In Kombination mit dem grandiosen Lichtdesign von Michael Grundner entstehen eindrucksvolle und teilweise mystische Bilder. Ein besonderes Highlight der Inszenierung ist die Drehbühne, dank der sich kontinuierlich neue Räumlichkeiten mit variierenden Perspektiven ergeben, ohne dass hierfür Auf- und Abbauarbeiten bzw. Unterbrechungen notwendig sind. So gelangen die Theaterbesuchenden rasch von Monte Carlo nach Manderley oder aus Rebecca de Winters ehemaligem Arbeitszimmer in die sagenumwobene Bucht Manderleys. Außerdem wurde die Drehbühne gekonnt in die Choreografien integriert.

Gil Mehmert beweist einmal mehr sein Gespür für klare Strukturen und stimmungsvolle Kulissen. Trotz einiger Kürzungen im Handlungsverlauf, sind wesentliche Eckpunkte nachvollziehbar herausgearbeitet und der Übergang von humorvollen und düsteren, geheimnisvollen Szenen perfekt inszeniert. Durch Details, wie beispielsweise Rebecca de Winters Nachthemd, das am Ende erneut mit großem Effekt eingesetzt wird, oder geschickt eingesetzte Laternen, gewinnt die Handlung zusätzlich an Tiefe.
Michael Grundners Lichtdesign ist für mich eines der herausragendsten Elemente der Inszenierung. Durch die gezielt eingesetzten Lichteffekte gewinnen die Handlungen optisch an Intensität. Mal wirkt die Szenerie farbenfroh, dann wieder düster, ja sogar mystisch und klaustrophobisch. Diese Effekte sowie gezielt eingesetzte Nebelschwaden intensivieren die Stimmung zusätzlich.

Die durchdachten Kostüme von Falk Bauer fügen sich harmonisch in das Gesamtbild ein und unterstreichen die Entwicklung des jeweiligen Charakters. So tritt die Ich beispielsweise statt in gewohnt zurückhaltender Kleidung zum Song „Mrs. de Winter bin ich“ als selbstbewusste Frau in auffälliger, violetter Garderobe auf. Auch DAS weiße Kleid anlässlich des Kostümballs weiß zu beeindrucken. Aufsehen erregen zudem die opulenten und extravaganten Roben der Mrs. van Hopper.
Yara Hassans Choreografien wirken dynamisch und energiegeladen und kommen besonders in den Ensemblenummern gut zur Geltung. Auch hier wird die Drehbühne effektvoll eingebunden, was einerseits sicherlich herausfordernd gewesen ist, dafür allerdings umso beeindruckendere Bilder erzeugt. Details wie die erstarrten Gäste als die ICH die Treppe hinunterschreitet, während Mrs. van Hopper begeistert jubelt, verdeutlichen, welch hervorragend charakteristische Wirkung eine Choreografie entfalten kann.
Wir möchten den Dortmunder Philharmonikern unter der Leitung von Carlos Vázquez ein Sonderlob aussprechen. Sie haben maßgeblich zum Erfolg beigetragen. Heutzutage ist es eine Ausnahme, ein derart großes Orchester live zu erleben. Der Schlussapplaus des Abends verdeutlicht, wie wertvoll jeder Musiker und jede Musikerin für den Gesamterfolg ist. Besonders berührend wirken die getragenen Melodien sowie charakteristischen Reprisen. Den klaren Ton verdanken wir Joerg Gruensfelder.
Besetzung
Antonia Kalinowski haucht der Ich eine ganz eigene Note ein, insbesondere ihre einzigartigen Phrasierungen verleihen den bekannten Songs einen modernen und unverwechselbaren Charme. Bereits im Eröffnungssong „Ich habe geträumt von Manderley” variiert Kalinowski meisterhaft zwischen gehauchten Tönen und lauten, kraftvollen Passagen. Hier ein einziges Highlight auszumachen, ist schier unmöglich, weil ausnahmslos alle Songs überragend waren. Zu meinen Top 3-Favoriten zählen unangefochten „Mrs. de Winter bin ich”, „Hilf mir durch die Nacht” im Duett mit Mark Seibert sowie „Ich hab geträumt von Manderley”. Darstellerisch zeichnet sie mit Fingerspitzengefühl den Wandel von einer zurückhaltenden, freiheitsliebenden jungen Frau zur toughen Powerfrau, die sich weder einschüchtern lässt noch davor zurückschreckt, sich mit allem, was sie hat, für ihren Ehemann einzusetzen, glaubwürdig und authentisch.

Das Premierenpublikum durfte sich über eine herausragende Leistung von Mark Seibert als Maxim de Winter freuen, der trotz angeschlagener Gesundheit eine beeindruckende Performance ablieferte. Neben seiner stilsicheren gesanglichen Leistung sticht Mark Seibert jedoch ganz besonders durch sein intensives und ausdrucksstarkes Schauspiel heraus. In Sekundenschnelle wechselt er zwischen Zärtlichkeit auf der einen und unbändiger Wut auf der anderen Seite – und das so authentisch, dass die Emotionen direkt ins Publikum überschwappen. Highlights sind hier definitiv „Kein Lächeln war je so kalt” und „Hilf mir durch die Nacht”. Harmonischer hätte das Zusammenspiel mit Antonia Kalinowski sowohl stimmlich als auch darstellerisch nicht sein können. Eine absolute Glanzleistung!
Bettina Mönch als zwielichtige Haushälterin Mrs. Danvers überzeugt sowohl gesanglich als auch darstellerisch. Sie präsentiert neben der bösen Seite ihrer Figur auch deren tief verletzte Seele und verleiht der Rolle dadurch eine beeindruckende Vielschichtigkeit, die ich so noch nicht gesehen habe. Vor allem DEN zentralen Song „Rebecca” schmetterte sie mit einer Mischung aus Sehnsucht und Verbissenheit.
Ein besonderes Lob gebührt außerdem Amani Robinson, die als Funny-Side-Charakter Edith van Hopper der düsteren Gesamtgeschichte einen Hauch von Komik und Leichtigkeit verleiht. Stimmlich ist Robinson ohnehin eine Wucht – ihr „I’m Here” bei „A Musical Christmas” im Dezember des vergangenen Jahres gehört für mich bis heute zu einer der besten Performances überhaupt. Kein Wunder also, dass sie die herausfordernden Songs ihrer Rolle stimmlich brillant und ausdrucksstark darbietet.

David Jakobs überzeugt als Jack Favell sowohl gesanglich als auch darstellerisch.
Wenig auf der Bühne und doch herausragend: Max Lochmüller als Ben. Er verkörpert die Rolle unglaublich authentisch. Jede Kleinigkeit ist stimmig: das nervöse Fingerspiel, die Zurückhaltung, seine Furcht, die Blicke, der Gesang, die Körperhaltung … Das Zusammenspiel aus Mimik und Gestik ist derart überzeugend, dass ich Ben am liebsten in den Arm genommen und ihm versprochen hätte, dass alles wieder gut wird und er nicht ins Heim muss.
Alexandra Farkic als Beatrice brachte mit ihrer warmherzigen Art einen Hauch von Menschlichkeit in das sonst eher kühle Manderley-Anwesen. Auch Florian Soyka als Giles verlieh der Geschichte Wärme und überzeugte im harmonischen Zusammenspielt mit Alexandra Farkic.
Das gesamte Ensemble meisterte nicht nur den Wechsel zwischen den unterschiedlichen Rollen, sondern glänzte auch mit seiner präzisen tänzerischen Darbietung der Choreografien.
Fazit

„Rebecca“ im Opernhaus Dortmund ist für alle Musicalfans ein absolutes Muss. Die stimmige Inszenierung, gepaart mit einem hochkarätigen Cast sowie riesigem Orchester, hat mich von der ersten bis zur letzten Sekunde in den Bann gezogen. Kein Wunder also, dass fast alle Shows ausverkauft sind.
Aber keine Sorge: Es sind bereits Zusatzvorstellungen geplant, bei denen auch Markus Schneider, der während der Proben die Rolle des Maxim de Winter verkörperte und bereits bei der offenen Probe restlos begeisterte, eine geplante Show bekommen wird – eine hervorragende Entscheidung, wie wir finden.
Ich komme auf jeden Fall wieder!
Informationen zu den weiteren Vorstellungen sowie Hinweise zur geplanten Besetzung der einzelnen Termine gibt es auf der Homepage: Rebecca: Theater Dortmund
Geplant wird Jan Ammann seine Premiere als Maxim de Winter am 13. November 2026 haben.
Besetzung am 19. September 2026
- Ich: Antonia Kalinowski
- Maxim de Winter: Mark Seibert
- Mrs. Danvers: Bettina Mönch
- Jack Favell: David Jakobs
- Edith van Hopper: Amani Robinson
- Beatrice Lacy: Alexandra Farkic
- Giles Lacy: Florian Soyka
- Ben: Max Lochmüller
- Frank Crawley: Andreas Schneider
- Oberst Julyan: Martin Plenz
- Ensemble: Anna Elisa Abt, Alina Adam, Jeremy Dieter Allen, Jerome-Joseph Clemons, Sofia Elena Coretti, Isabella Kanini Fischer, Ivan Keim, Jan-Marten Gerve, Eveline Gorter, Tamino Herzog, Marie Ploner, Lucia Prader-Pscheidl, Adriano Sanzó, Christina Verrieth
- Dortmunder Philharmoniker unter der Musikalischen Leitung von Carlos Vázquez
- Regie: Gil Mehmert
- Bühne: Karl Fehringer, Judith Leikauf
- Kostüme: Falk Bauer
- Choreografie: Yara Hassan
- Lichtdesign: Michael Grundner
- Sounddesign: Jörg Gruensfelder
- Dramaturgie: Nikita Dubov
- Studienleitung: Thomas Hannig
- Produktionsleitung: Fabian Schäfer
- Regieassistenz: Dominik Kastl
- Regiehospitanz: Laura König
- Inspizienz: Ivana Aeschbacher, Ulas Nagler
- Dance Captain: Ivan Keim
- Bühnenbildassistenz: Laila Ibrahim
- Kostümassistenz: Tatjana Overdick, Souheila Benhassen
- Regiehospitanz: Laura König, Leonie Hagen
Herzlichen Dank dem Theater Dortmund für die Einladung zur Premiere von „Rebecca“.
Artikel von Sandra