Stage School: Into the woods – Semesterprojekt 2026, Jahrgang 2

Premiere & rezensierte Vorstellung: 29. Juli 2026
Into the Woods von James Lapine und Stephen Sondheim (deutsche Fassung von Michael Kunze) verbindet auf raffinierte Weise bekannte Märchen der Brüder Grimm zu einer neuen, spannenden Geschichte. Im Mittelpunkt stehen ein kinderloser Bäcker und seine Frau, die einen Fluch brechen wollen. Auf ihrem Weg durch den geheimnisvollen Wald begegnen sie unter anderem Rotkäppchen, Aschenputtel, Rapunzel und Hans, die ebenfalls ihren größten Wünschen nachjagen.
Doch schon bald zeigt sich, dass erfüllte Träume nicht immer glücklich machen. Mit viel Humor, berührenden Momenten und einer außergewöhnlichen Musik erzählt Into the Woods von Hoffnung, Verantwortung und den Folgen unserer Entscheidungen – ein märchenhaftes Musical, das weit über die bekannten Geschichten hinausgeht und zum Nachdenken anregt. Das Stück wird derzeit im First Stage Theater in Hamburg von den Schülerinnen und Schülern des zukünftigen dritten Schuljahrganges der Stage School Hamburg aufgeführt. Geplant und erarbeitet wurde das Stück aber bereits schon seit Monaten, handelt es sich doch in diesem Fall um das Semesterprojekt des zweiten Jahrgangs der Stage School. Alles was auf der Bühne zu sehen ist, haben die Schülerinnen und Schüler selbstständig erarbeitet und auch die wichtigen Rollen wie Regie oder Choreographie aus den eigenen Reihen besetzt. Unterstützung erhielten sie hierbei von Maximilian Käding, der die musikalische Supervision übernommen hat. Entstanden ist ein großartiges Musical, bei dem wirklich alles stimmt. Die Kostüme (Marek Blass, Emma Kosmanek) passen ebenso perfekt wie das selbst gestaltete Bühnenbild (Emma Beckmann, Nina Oeter) und jeder Ton (Musikalische Leitung Paula Gorek, Deborah Joss) und jeder Satz treffen genau ins Schwarze. Das Ensemble macht die märchenhafte Welt mit großer Spielfreude und beeindruckendem Können lebendig.

Regie führt Timon Strick, der mit Into the Woods seine erste Regiearbeit vorlegt und dabei auf ganzer Linie überzeugt. Kaum zu glauben, dass dies sein Regiedebüt ist. Unterstützung erhielt er dabei von Marla Günther, die die Regieassistenz und die Choreografie übernahm. Mit viel Gespür für die Geschichte, ihre Figuren und den feinen Wechsel zwischen Humor, Spannung und nachdenklichen Momenten, führt Timon Strick das Ensemble sicher durch die komplexe Handlung und es gelingt ihm, die vielschichtige Geschichte klar und mitreißend auf die Bühne zu bringen. Seine durchdachte Inszenierung lässt das Ensemble glänzen und macht den Abend zu einem rundum gelungenen Musicalerlebnis, dass von Anfang bis Ende fesselt und Lust auf mehr macht. Schon beim Betreten des Theatersaals fällt das grüne Licht ins Auge und versetzt das Publikum sofort in die geheimnisvolle Stimmung des Musicals und wer hätte es gedacht, auch für das Lichtdesign zeichnet sich Timon Strick verantwortlich. Von der Planung, über die Programmierung bis hin zur allabendlichen Umsetzung hat Strick hier ebenfalls grandiose Arbeit geleistet. Sein Lichtdesign führt nicht nur die Charaktere, es schafft auch neue Räume wenn mehrere Personen zeitgleich agieren und unterstützt das inhaltliche Verständnis.
Das Bühnenbild ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet, wirkt dabei aber nie überladen. Stattdessen überzeugt es durch seine Schlichtheit und Funktionalität. Mit nur wenigen Handgriffen verwandelt sich die Bühne immer wieder und lässt das kleine Dorf im nächsten Moment zum tiefen, dunklen Wald werden – schnell, stimmig und ganz ohne den Spielfluss zu unterbrechen.

Into the Woods ist ein komplexes Musical, das nur funktioniert, wenn auf der Bühne jedes Detail stimmt. Die vielen ineinandergreifenden Geschichten verlangen den Darstellerinnen und Darstellern höchste Präzision ab – sei es im Schauspiel, in den Dialogen oder in den musikalischen Einsätzen. Das Ensemble meistert diese Herausforderung mit beeindruckender Souveränität und macht die vielschichtige Handlung für das Publikum jederzeit greifbar. Auch wurden die Schwierigkeiten (z.B. fliegende Vögel, lebende Riesen) gekonnt und mit sehr viel Ideenreichtum umgesetzt. So wird z.B. die Riesin nicht als Figur auf der Bühne gezeigt, sondern kann nur als Stimme aus dem Off (sehr überzeugend: Assa Tomas) und als donnernde Fußstampfer gehört werden und die Vögel werden, wie beim König der Löwen, von Schauspielerinnen an Stangen schwingend auf die Bühne getragen.
Tobias Remmel führt als Erzähler gekonnt durch den Abend und übernimmt die wichtige Aufgabe, die Handlung voranzutreiben und die verschiedenen Märchen miteinander zu verbinden. Dies erfordert ein hohes Maß an Konzentration, Schauspiel und Präzision, damit alles stimmig ineinander übergeht. Elias Niesner als Bäcker überzeugt als sympathischer Mittelpunkt der Geschichte. Mit großer Natürlichkeit zeigt er die innere Zerrissenheit seiner Figur und macht deren Entwicklung glaubwürdig nachvollziehbar. Auch gesanglich begeistert er mit einer warmen, ausdrucksstarken Stimme, die sowohl in den ruhigen als auch in den emotionalen Momenten voll zur Geltung kommt.
Nina Oeter verleiht der Frau des Bäckers viel Charme, Witz und Herzlichkeit. Ihr gelingt es, die starke und zugleich verletzliche Seite ihrer Figur authentisch darzustellen. Gesanglich überzeugt sie mit einer klaren, sicheren Stimme und einer beeindruckenden Bühnenpräsenz, die in jeder Szene spürbar ist.
Als Hexe zieht Nurya Bascio vom ersten Auftritt an alle Blicke auf sich. Mit ihrer kraftvollen Ausstrahlung und ihrem intensiven Spiel verkörpert sie die Figur gleichermaßen bedrohlich wie faszinierend. Ihre stimmliche Leistung ist dabei ebenso eindrucksvoll: kraftvoll, präzise und voller Ausdruck.

Anna Sofia Bäuer gibt eine berührende Aschenputtel, deren leise Stärke und Unsicherheit sie mit viel Feingefühl auf die Bühne bringt. Ihr nuanciertes Schauspiel macht die Figur besonders nahbar. Auch gesanglich überzeugt sie mit einer ausdrucksvollen Stimme, die den emotionalen Momenten des Musicals eine besondere Tiefe verleiht.
Caroline Pötzelsberger begeistert als Rotkäppchen mit ansteckender Spielfreude und viel Energie. Sie trifft den Wandel vom unbeschwerten Mädchen zu einer selbstbewussteren jungen Figur mit großer Überzeugungskraft. Ihre frische, klare Stimme passt hervorragend zur Rolle und macht ihre musikalischen Momente zu einem echten Vergnügen.
Als Hans sorgt Leopard Riegger immer wieder für heitere Momente. Mit seinem natürlichen Spiel und seinem feinen Gespür für komödiantisches Timing gewinnt er schnell die Sympathien des Publikums. Auch gesanglich überzeugt er mit einer sicheren Leistung und fügt sich harmonisch in das starke Ensemble ein.
Jan Paschelke nutzt seinen kurzen Auftritt als Wolf eindrucksvoll aus. Mit charismatischer Bühnenpräsenz, spürbarer Spielfreude und einer kraftvollen Stimme verleiht er der Figur genau die richtige Mischung aus Bedrohlichkeit und Charme und sorgt damit für einen der markantesten Auftritte des Abends. Für zahlreiche Lacher sorgen Chase Tolbert als Aschenputtels Prinz und Max Nikolaos Karafotias als Rapunzels Prinz. Mit viel Selbstironie und sichtbarer Spielfreude nehmen sie die überhebliche Märchenprinzen-Rolle herrlich auf die Schippe. Besonders ihr gemeinsamer Auftritt ist ein komödiantisches Highlight des Abends. Gleichzeitig zeigen beide auch gesanglich ihr Können und meistern ihre anspruchsvollen Partien mit Leichtigkeit und großer Präsenz.
Ein besonderes Lob verdient auch Sophie Teller, die der Kuh Milky White mit viel Feingefühl Leben einhaucht. Obwohl sie die Puppe führt, ist sie weit mehr als nur ihre Puppenspielerin. Mit präziser Mimik, ausdrucksstarker Gestik und großem Gespür für jede Situation unterstützt sie das Spiel der Kuh auf beeindruckende Weise und verleiht der Figur eine ganz eigene Persönlichkeit. So wurde Milky White zu einem echten Publikumsliebling, zumindest bei uns und unseren beiden Testkindern (5 und 9 Jahre alt).
Leider ist es nicht möglich, jeden einzelnen des grandiosen Ensembles hier namentlich zu erwähnen und so richtet sich an dieser Stelle ein ganz besonderes Lob abschließend an alle Schülerinnen und Schüler des zweiten Jahrgangs. Was die Darstellerinnen und Darsteller an diesem Abend auf die Bühne gebracht haben, war schlichtweg beeindruckend. Gesanglich wie schauspielerisch boten sie eine Leistung auf höchstem Niveau und überzeugten mit großer Spielfreude, Ausdrucksstärke und spürbarer Leidenschaft. Jeder einzelne fügte sich perfekt in das Gesamtbild ein, sodass ein harmonisches Miteinander entstand, bei dem einfach alles stimmte. Bis ins kleinste Detail war zu erkennen, mit wie viel Engagement und Herzblut an dieser Produktion gearbeitet wurde. Das Publikum dankte diese außergewöhnliche Leistung mit langanhaltendem Applaus – vollkommen verdient. Wer das Stück erleben möchte, muss schnell sein. Es ist nur noch bis zum 09.08.2026 im First Stage zu sehen.
Kreativteam
- Regie/Lichtdesign: Timon Strick
- Regieassistenz/Choreografie: Marla Günther
- Musikalische Leitung: Paula Gorek, Deborah Joss
- Kostüm/Maske: Marek Blass, Emma Kosmanek
- Bühnenbild: Emma Beckmann, Nina Oeter
- Marketing/Social-Media: Assa Tomas, Ann-Kathrin Bognar
Besetzung
- Bäcker: Elias Niesner
- Frau des Bäckers: Nina Oeter
- Hexe: Nurya Bascio
- Aschenputtel: Anna Sofia Bäuer
- Rotkäppchen: Caroline Pötzelsberger
- Hans: Leopard Riegger
- Erzähler/Cover Rapunzels Prinz: Tobias Remmel
- Geheimnisvoller Mann: Yannick Nicolás Worbs
- Wolf/Cover Hans: Jan Paschelke
- Aschenputtels Prinz: Chase Tolbert
- Rapunzels Prinz: Max Nikolaos Karafotias
- Stiefmutter: Selina Decho
- Florinda: Michaela Witz
- Lucinda: Tabea Günther
- Aschenputtels Vater/Cover Wolf: Paul Erik Haverland
- Aschenputtels Mutter: Jennifer Neubauer
- Rapunzel: Lilian Müller
- Hans Mutter: Ann-Kathrin Bognar
- Kammerdiener/Cover ghmnsv. Mann: Frederik Ristow
- Großmutter: Lena Esser
- Riesin: Assa Tomas
- Schneewittchen: Romy Hausner
- Dornröschen: Mirja Leuenberger
- Milky White: Sophie Teller
- On Stage Swing: Annika Blasberg
- Ensemble/Cover Rotkäppchen: Marie Alram
- Ensemble/Cover Bäckers Frau: Sarah Banz
- Ensemble/Cover Lucinda: Christin Dorsch
- Ensemble/Cover Florinda: Friederike Kreisel
- Ensemble/Cover Hans Mutter: Pia Lindemann
- Walk-in Cover Bäcker: Tim Berrisch
- Walk-in Cover Aschenputtel: Annalena Doppler
- Walk-in Cover Hexe: Julia Schütz
- Walk-in Cover Aschenputtels Prinz: Maximilian Dosk
- Walk-in Cover Erzähler: Damiano Weilenmann
- Cover Rapunzel/Stiefmutter: Fiona Skuppin
Wir bedanken uns beim First Stage Theater/der Stage School Hamburg für die Einladung!
Artikel von Mareike & Heidi