Stadttheater Fürth – Briefe von Ruth 2025
Co-Produktion mit dem Musicalfrühling Gmunden

Deutschlandpremiere und rezensierte Vorstellung: 27. September 2025
Gemeinsam mit dem Musical Frühling in Gmunden hat das Stadttheater Fürth das Musical BRIEFE VON RUTH, von Aksel-Otto Bull und Gisele Kverndokk, als Deutsche Erstaufführung, in der Fassung von Elisabeth Sikora auf die Bühne gebracht. Das Stück basiert auf „Es wartet doch so viel auf mich…“- Ruth Maiers Tagebücher und Briefe Wien 1933 – Oslo 1942. Nach seiner Premiere im März 2023 in Gmunden wurde das Stück mehrfach mit dem Deutschen Musical Theater Preis ausgezeichnet, u.a. als Bestes Musical. Am 27. September feierte das Stück nun seine Deutschlandpremiere im Stadttheater Fürth.
Handlung
Das Stück erzählt die Geschichte der jungen Jüdin Ruth Maier (Jasmina Sakr) von 1933 bis 1942, basierend auf ihren Tagebüchern und dem Briefverkehr mit ihrer Familie, als diese im Exil in England lebt. Ruth wird in Wien geboren und wächst dort mit ihrer Familie auf. Das junge Mädchen ist voller Hoffnung, Träume und Lebenswillen und beginnt schon früh Tagebücher zu schreiben und so ihre Gedanken und auch Beobachtungen der Gesellschaft festzuhalten. Sie interessiert sich sehr für das Schreiben und auch Kunst im Allgemeinen, liebt zum Beispiel das Theater und später auch die Malerei. Doch ihr Leben gerät stark aus den Fugen, als die Nazis die Macht übernehmen und mit der Verfolgung der Juden beginnen. Ihre Schwester Judith (Michaela Thurner) konnte über einen Kindertransport ins Exil nach England gerettet werden, Ruth war dafür schon zu alt, konnte aber mit der Hilfe Arne Strøm (Yngve Gasoy-Romdal), eines alten Bekannten ihres Vaters, nach Norwegen fliehen und dort erstmal unterkommen. Anfangs fühlt sie sich im liberalen Norwegen auch noch wohl, bis auch dort immer mehr von den Nazis besetzt wird.

Ruths Tagebücher handeln aber auch viel vom Erwachsenwerden und der Liebe, nach der sie sich immer wieder so sehr sehnt, außerdem gesteht sie ihrer Schwester auch schon früh, dass sie sich auch zu Frauen hingezogen fühlt. In Norwegen lernt sie dann auch nach einer Weile beim Arbeitsdienst die Dichterin Gunvor Hofmor (Tamara Pascual) kennen und lieben, die ihr neuen Halt und Hoffnung gibt. Gunvor bewahrte auch Ruths Tagebücher und Briefe auf und kämpfte schon in den 50er Jahren für eine Veröffentlichung dieser als Ruths Vermächtnis, dies wurde aber erstmal abgelehnt und geschah erst viel später. Gunvor fungiert im Stück im ersten Akt auch als eine Art Erzählerin, die mit Ausschnitten und Zitaten aus Ruths Tagebüchern rückblickend deren Geschichte erzählt.
Ruth Maier selbst musste leider schon im Alter von 22 Jahren sterben, sie teilte das Schicksal so vieler Juden in der Nazizeit, wurde 1942 nach Ausschwitz deportiert und dort in der Gaskammer hingerichtet.
Besetzung
Jasmina Sakr spielt Ruth Maier beeindruckend und vielschichtig. Sowohl die hoffnungsvolle, jugendliche, motivierte und lebensfrohe Seite der Rolle, als auch die resignierenden, verzweifelten Phasen stellt sie stehts äußerst authentisch dar und zieht das Publikum in ihren Bann. Ihre warme und aber auch kraftvolle Stimme unterstreicht und transportiert die Emotionen Ruths perfekt.

Tamara Pascual ist als Gunvor Hofmor ein gewisser Gegenpol zu Ruth. Sie spielt ihre Rolle als eher zurückhaltenden, nüchternen und nachdenklichen Charakter. Wenn sie aus Ruths Tagebüchern und Briefen liest, schafft sie es eine emotionale Atmosphäre und Nähe zu kreieren und wirkt in diesen Momenten auch verletzlicher.
Michaela Thurner spielt Ruths Schwester Judith auch als eher zurückhaltenden Charakter. Sie ist für Ruth aber eine Vertrauensperson, die stets Halt gibt, selbst als die beiden Schwestern räumlich getrennt sind und nur noch über Briefe kommunizieren können.
Yngve Gasoy-Romdal verkörpert mehrere Rollen im Stück. Er schafft es allen seinen Charakteren eine ganz eigene Note zu verleihen und überzeugt auch mit seiner warmen Stimme, vor allem als Arne Strøm, der Ruth die erste Zeit in Norwegen bei sich aufnimmt und wie eine väterliche Figur wirkt, aber auch Gefühle in Ruth weckt.
Zudem ergänzen Carmen Wiederstein, Previn Moore, Marcel-Philip Kraml, Kun Jing und Konstantin Zander das Ensemble stimmig und schlüpfen immer wieder überzeugend in verschiedene kleinere Rollen.

Musik
Die Musik von Gisle Kverndokk ist sehr klassisch mit überwiegend warmen, schönen und stetig fließenden Melodien, aber manchmal auch bedrohlich klingenden Momenten oder in einer Szene sogar fröhlicher, schwungvoller Stimmung. Es sind zwar keine Songs dabei, die Einem stark im Ohr bleiben, aber die Musik trägt das ganze Stück über gut die Handlung und transportiert wundervoll die Gefühlslage der Protagonisten. Das Orchester, unter der Leitung von Jürgen Goriup, sorgt für einen gut abgestimmten Klang, der kraftvoll und präsent ist, ohne zu dominant zu sein.
Bühnenbild und Kostüme
Das Bühnenbild von Markus Olzinger ist schlicht gehalten und stellt so die Handlung und die Personen in den Vordergrund. Es besteht aus drei großen Wänden, eine in der Mitte, zwei seitlich und zwei unterschiedlich hohen Podestelementen mittig, die verschiedene Ebenen schaffen. Die Elemente sind alle in hellgrün gehalten und auf den großen Wänden werden während des Stückes immer wieder per Videoprojektion verschiedene Szenerien oder zeitdokumentarische Videos aufgespielt. Es wird auch mit relativ wenigen Requisiten gearbeitet. Das Lichtdesign von Ingo Kelp ist dem Bühnenbild angepasst auch recht pur gehalten, es wird meist nur der momentane Ort des Geschehens auf der Bühne per Strahler hervorgehoben. Zusätzlich gibt es auch noch 2 schwarze Vorhänge, die auf die Podestelemente herabgelassen werden können und der Handlung zeitweise einen zusätzlichen Rahmen geben. Die Kostüme (frei nach Angelika Pichler) sind ebenso schlicht und komplett in unauffälligen, gedeckten Farben wie Schwarz, Grau- und Brauntönen gehalten und fügen sich so stimmig in das zurückhaltende Gesamtbild der Inszenierung ein.
Ein Stück, das trotz seiner schlichten Aufmachung Eindruck hinterlässt und emotional aufwühlt, weil es sehr feinfühlig und authentisch das Leben und Schicksal der jungen Ruth erzählt. Die Wirkung des Stückes auf das Publikum war bei der Premiere deutlich zu spüren, als nach dem Schlussapplaus nicht wie sonst direkt Alle in Aufbruchstimmung waren, sondern nahezu das gesamte Publikum nochmal Platz nahm und dem Orchester bis zum aller letzten Ton andächtig lauschte.
Wer Briefe von Ruth auch noch sehen möchte, hat bis zum 19.10. noch in ein paar Vorstellungen am Stadttheater Fürth die Gelegenheit dazu. Tickets gibt es direkt über das Theater unter www.stadttheater.de!
Wir bedanken uns beim Stadttheater Fürth für die Einladung!
Artikel von Claudia