Staatstheater Augsburg Open Air 2026 – Spamalot

Premiere: 27. Juni 2026 – rezensierte Vorstellung: 25. Juli 2026
Das Staatstheater Augsburg zeigt im Rahmen seines diesjährigen Sommer Open Airs das Musical Spamalot von Eric Idle und John du Prez, in der Übersetzung von Daniel Grosse Boymann. Das Stück ist angelehnt an den Monty Python Klassiker „Die Ritter der Kokosnuss“ und ist eine großartige Parodie auf die Artus Sage und das Genre Musical als solches, mit Lachern am laufenden Band und Songs die im Ohr bleiben. Die eindrucksvolle Inszenierung in Augsburg stammt von Anna Weber. Da die Freilichtbühne am Roten Tor vorübergehend nicht mehr zur Verfügung steht (erheblicher Sanierungsbedarf) wurde kurzerhand mit der Sommerbühne am Gaswerk eine neue Möglichkeit geschaffen.
Inhalt:

England, im Mittelalter, die Fee aus dem See (Katja Berg) sucht zusammen mit Patsy (Johan Vandamme) nach einem Heiratswilligen, bevorzugt ein König, mit dem sie das Land regieren kann. Nach langer erfolgloser Suche ernennt sie einfach einen Kandidaten zum König und nennt ihn fortan Artus. Der neue König Artus (Patrick L.Schmitz) reitet zusammen mit Patsy durch sein Reich, aber nicht mal ein echtes Pferd hat er, deswegen muss Patsy mit Kokosnusshälften aneinanderschlagen, um das Geräusch von Hufen zu imitieren. Artus ist auf der Suche nach tapferen Rittern, die er in Camelot an seiner Tafelrunde versammeln will. Er begegnet unterwegs allerhand seltsamen Gestalten, bevor es ihm zuletzt gelingt Sir Lancelot (Marina Lötschert), Sir Robin (Florian Gerteis), Sir Galahad (Hannes Staffler) und Sir Bedevere (Mehdi Salim) für seine Mission zu gewinnen. Auch Sir Frauenquote möchte sich der Gruppe anschließen, wird aber von den Anderen nicht akzeptiert und aussortiert. Dann erhält die illustre Truppe von Gott (Stimme von Rolf Störmann) persönlich den Auftrag, den heiligen Gral zu suchen.
Die Suche verläuft zunächst recht erfolglos. Die Gruppe teilt sich auf, um das Suchgebiet zu erweitern und während Artus immer mehr an den Erfolgsaussichten der Mission zweifelt, stellt sich Sir Robin seinen Ängsten und Sir Lancelot findet eine Botschaft mit einem Hilferuf von Herbert (Stephanie Marin) und findet beim Rettungsversuch unerwartet die Liebe. Die Fee aus dem See ermutigt und unterstützt Artus weiter und so treffen die Ritter auf der weiteren Suche nach dem Gral auf allerhand skurrile Figuren, wie den schwarzen Ritter (Hannes Staffler), den spottenden Franzosen (Stephanie Marin), den Zauberer Tim (Stephanie Marin) und das berüchtigte Killerkaninchen. Sie lassen sich von Nichts von Alldem aufhalten und finden am Ende heraus, dass der Gral die ganze Zeit wesentlich näher war als vermutet, nämlich direkt hinter der sogenannten vierten Wand. Und so gibt es ein Happy End, in dem festgestellt wird, dass die Liebe, Freundschaft und Humor das Wichtigste im Leben sind.
Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme:
Die Inszenierung von Anna Weber verleiht dem Stück eine Frischekur und einen modernen Twist, indem sie geschickt Thematiken der heutigen Zeit einbaut, wie veraltete Rollenbilder oder Frauenquote, immer mit einem gewissen Augenzwinkern.
Die Kostüme von Laura Kirst wirken sehr modern, auffällig und farbenfroh und erinnern an Comics, verstärkt durch das krasse Make Up mit weißen Gesichtern und knallrot umrandeten Augen und Lippen. Auch das Bühnenbild von Sina Manthey unterstreicht den Comicstil und ist ein großer Ritterhelm aus dessen Mund ein langer Steg ragt, der an eine rausgestreckte Zunge erinnert. Drumherum befindet eine Hügel- und Pflanzenlandschaft, in kräftigen Farben gehalten. Am Ende des Stegs findet sich auch noch der See der Fee.

Musik des Stückes und Choreografie:
Die Musik des Stückes ist eine bunte Mischung aus verschieden Genres, es gibt Jazz, Swing, Pop, große Broadway Shownummern, aber auch Kirchenchoräle und Fanfaren. Die bekannteste Nummer ist wohl „Always Look on the bright side of life“, bei der im Stück das Publikum auch mit Freude einstimmte. Die Augsburger Philharmoniker unter der Leitung von Sebastian van Yperen bieten all diese unterschiedlichen Sounds und Genres mit viel Spielfreude und immer auf den Punkt dar, perfekt abgestimmt auf die Solisten.
Ebenso vielfältig sind die Choreografien (von Helena Sturm), hier gibt es u.a. Jazz-, Step- und große Show-Elemente und auch die ein oder andere Kampfzene gibt es zu sehen. Die Choreografien wirken beeindruckend und kraftvoll, nicht zuletzt dank des großen Ensembles und passend zum Stück oft auch überzogen und witzig.
Viele der Songtexte nehmen das Genre Musical als Solches auf die Schippe. Daniel Grosse Boymann ist es bei der Übersetzung ins Deutsche gut gelungen den typischen Humor zu erhalten.
Cast:
Patrick L. Schmitz als Artus ist alles andere als das typische heldenhafte Bild der Figur. Er spielt die Rolle eher etwas unbeholfen mit einer großen Portion Selbstironie. Stimmlich hat er aber eine starke Präsenz.

Katja Berg als Fee aus dem See schafft einen interessanten Spagat zwischen manchmal etwas schusselig und aber auch richtig divenhaft. Sie überzeugt sowohl im Schauspiel, ihrer Komik, als auch stimmlich auf ganzer Linie.
Johan Vandamme verkörpert Patsy lebensfroh und sympathisch und gewinnt damit das Publikum von Beginn an für sich, spätestens wenn er den größten Running Gag des Films, die Kokosnusshälften als Pferde Hufgetrappel, wieder aufleben lässt.
Florian Gerteis spielt Sir Robin als liebenswerten, lustigen Angsthasen, der sich in seiner Rolle als Ritter von Beginn an nicht wirklich wohl fühlt und mit dem man manchmal fast schon Mitleid haben könnte.
Marina Lötschert bringt als Sir Lancelot starke Präsenz, Selbstbewusstsein und Kampfgeist auf die Bühne und unterstreicht so eindrucksvoll die Idee in dieser Inszenierung mit veralteten Geschlechterrollen zu brechen.
Hannes Staffler spielt den Wandel vom nörgelnden, kritischen Dennis zum divenhaften Sir Galahad richtig klasse und keiner schwingt die blonde Haarpracht mit so viel Eleganz wie er. Stimmlich hinterlässt er ebenso Eindruck. Als schwarzer Ritter sorgt er für so einige Lacher.
Mehdi Salim als Sir Bedevere verleiht der skurrilen Rittertruppe zusätzliche Komik mit seiner Mimik und seinem Spiel.
Stephanie Marin zeigt große Wandlungsfähigkeit, wenn sie in die unterschiedlichsten Rollen, wie z.B. den Historiker oder Herbert schlüpft und verleiht jeder ihrer Rollen einen ganz eigenen Charakter.

Zusätzlich zu den Solisten sorgt noch ein großes Ensemble bestehend aus dem Ballett Augsburg, Opernchor des Staatstheater Augsburg, Statisterie des Staatstheater Augsburg und einem Musicalensemble für tollen Sound und kraftvolle Bilder auf der Bühne.
Dem Staatstheater Augsburg ist mit Spamalot mal wieder eine sehenswerte Inszenierung gelungen, die einem einen sehr kurzweiligen und lustigen Abend beschert. SPAMALOT ist noch am 30. und 31. Juli 2026 auf der Sommerbühne am Gaswerk zu erleben!
Wir bedanken uns beim Staatstheater Augsburg für die Einladung!
Artikel von Claudia S