Staatsoperette Dresden: Pippin – Die Kunst zu Leben

© Pawel Sosnowski

Premiere: 28. Januar 2023 – rezensierte Vorstellung: 14. März 2026

Die Staatsoperette Dresden zeigt in dieser Spielzeit nochmals das ehemalige Broadway Musical „Pippin-Die Kunst des Lebens“ von Stephen Schwartz und Roger O. Hirson, in der deutschen Übersetzung von Frank Thannhäuser, Iris Schumacher und Nico Rabenwald. 

Handlung und Inszenierung 

Im Stück geht es um den jungen, naiven Pippin (Gero Wendorff), ältester Sohn Karls des Großen (Marcus Günzel), der angeführt von einer mysteriösen Prinzipalin (Kerry Jean) und ihrer Gauklergruppe auf der Suche nach seiner Erfüllung im Leben ist. Erst wirkt die Figur der Prinzipalin wie eine Erzählerin der Geschichte, doch schnell stellt sich heraus, dass sie immer wieder versucht Pippins Schicksal zu lenken. Dabei durchläuft Pippin verschiedene Stationen. Er versucht sich nach dem Studium recht erfolglos als Krieger, vergnügt sich danach in sexuellen Ausschweifungen, die ihn aber auch nicht erfüllen und tötet dann sogar seinen Vater, nur um als Herrscher auch überfordert zu sein und zu scheitern. So zieht er sich auch auch als solcher wieder zurück. Er findet Unterschlupf auf einem Bauernhof und verliebt sich dort nach anfänglichen Differenzen in die verwitwete Catherine (Sybille Lambrich) und erlebt mit ihr und ihrem Sohn Theo das normale, einfache Leben. Aber auch das erscheint ihm nach einer Weile wieder nicht besonders genug. Die Prinzipalin versucht Pippin zum Selbstmord zu drängen, um doch noch den Ruhm zu erlangen, den er immer gesucht hat und damit auch sie ein spektakuläres Finale für die Geschichte bekommt. Doch in diesem Moment wird Pippin bewusst, dass das einfache Leben mit Catherine wohl doch das ist, was er immer gesucht hat und seinem Leben den gewünschten Sinn gibt.

© Pawel Sosnowski

Die Inszenierung in Dresden, unter der Regie von Simon Eichenberger, ist in sich aufgebaut wie ein überdrehtes Theaterstück, in der die Prinzipalin Regie zu führen scheint und ihre Gaukler in die unterschiedlichen Rollen rund um Pippin schlüpfen. Beim Finale wird Pippin und Catherine dann all der Theaterglanz in Form von Bühnenbild, Kostümen, Licht und Gauklern von der erbosten Prinzipalin weggenommen, was den Fokus ganz auf das Paar gelenkt hat und bildlich nochmal unterstrichen hat, dass Pippin sich am Ende doch auf das ganz Wesentliche besonnen hat und auf all den Ruhm und Glanz verzichten möchte für ein erfülltes Leben mit Catherine. Das Stück endet dann damit, dass Theo, der Sohn Catherines, die ersten Zeilen aus Pippins Song „Mein Platz in dieser Welt“ wiederholt und sich mit der Gauklergruppe auf den Weg macht seinen Sinn im Leben zu suchen.

Musik

Die Musik des Stückes von Stephen Schwartz ist geprägt von eingängigen, schönen und schwungvollen Melodien, die im Ohr bleiben. Es ist eine gute Mischung aus ruhigeren Balladen und mitreißenden Nummern. Die erweiterte Orchestrierung von Koen Schoots für Dresden wirkt mit dem großen Orchester der Staatsoperette Dresden, unter der Leitung von Peter Christian Feigel, sehr kraftvoll und beeindruckend und ist ein Genuss für den Zuschauer.

Bühnenbild, Kostüme und Choreographien:

Das Bühnenbild von Charles Quiggin ist imposant und aufwendig gestaltet, es erinnert an die große Halle eines mittelalterlichen Schlosses. Im Hintergrund dominiert eine große Treppe, an den Seiten wachsen Bäume herein und es gibt einen großen Kamin. Durch verschiedene Requisiten wie Tisch, Stühle, ein Thron, Holzbalkengerüst etc. werden immer wieder andere Schauorte im Raum dargestellt. 

Die Kostüme des Stückes von Aleš Valášek sind detailreich, phantasievoll und exzentrisch. Vorallem bei den Gauklern gibt es viele kleine Details, die auf unterschiedliche Kunstsparten hindeuten, wie eine Hand auf dem Kopf des Puppenspielers, die ihn scheinbar lenkt, während er selbst eine Marionette spielt, die aussieht wie sein Ebenbild. Oder ein Kleid, das aussieht wie aus einem großen Notenblatt gefaltet und an einem Kostüm sind verschiedene Masken mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken angebracht.

© Pawel Sosnowski

Die Choreographien ebenfalls von Simon Eichenberger wirken meist etwas klischeehaft und überzogen, was aber in diesem Fall wunderbar in die ganze Inszenierung passt. Sie sind auch oft sehr mitreißend und energiegeladen.

Besetzung

Gero Wendorff verkörpert die verschiedenen Facetten der Titelrolle Pippin absolut glaubhaft. Seine jugendliche Naivität, die Unbeholfenheit, aber auch die wachsende Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Seine warme, jugendlich klingende Stimme passt perfekt in diese Rolle.

Kerry Jean ist als Prinzipalin selbstbewusst, verführerisch, dominant. Sie hat eine starke Bühnenpräsenz und hinterlässt auch tänzerisch und mit ihrer starken Stimme Eindruck.

Marcus Günzel als sehr gelangweilt wirkender König Karl, Sascha Luder als Ludwig, selbstverliebter Stiefbruder Pippins, Silke Richter als exzentrische Stiefmutter Fastrada und Bettina Weichert als Pippins Großmutter Bertha bringen einigen Humor in das Stück mit ihren Darbietungen. Vor allem Bettina Weichert sorgt für ein Highlight im Stück, wenn sie während ihres Songs „Zeit zu leben“ als erst gebrechlich wirkende Großmutter plötzlich aufspringt, ihre Kleidung von sich reißt und dann in Rollschuhen und Minikleid über die Bühne wirbelt.

Sybille Lambrich spielt die Rolle der Witwe Cathrine auch mit viel Humor und immer etwas drüber, aber trotzdem sympathisch. Auch stimmlich weiß sie bei ihrem Solo zu überzeugen.

Auch die anderen Ensemblemitglieder spielen ihre vielen kleinen Rollen mit viel Liebe zum Detail.

PIPPIN in Dresden ist für mich ein gelungenes, außergewöhnliches Stück mit einer schönen Botschaft. Definitiv sehenswert und hörenswert. Wer das nicht verpassen möchte hat noch bis zum 22.05.26 an ein paar Terminen die Gelegenheit die Show zu besuchen. Tickets gibt es auf der Homepage der Staatsoperette Dresden. Wer es nicht nach Dresden schafft hat mit der Live-Aufnahme auf Doppel-CD die Möglichkeit sich den Abend ins Wohnzimmer zu holen.

 

Cast & Crew

  • Musikalische Leitung: Peter Christian Feigel
  • Regie und Choreographie: Simon Eichenberger
  • Bühne: Charles Quiggin
  • Kostüme: Aleš Valášek
  • Dramaturgie: Valeska Stern, Mark Schachtsiek
  • Sound Design: Martin Wingerath
  • Light Design: Michael Grundner
  • Prinzipalin: Kerry Jean
  • Pippin: Gero Wendorff
  • Karl, Pippins Vater: Marcus Günzel
  • Ludwig, Pippins Stiefbruder: Sascha Luder
  • Fastrada, Pippins Stiefmutter: Silke Richter
  • Bertha, Pippins Großmutter: Bettina Weichert
  • Katharina, eine junge Witwe: Sybille Lambrich
  • Theo (Kind): Johann Lässig, Maria Macovei, Esther Rümker
  • Alle anderen Figuren: Florentine Beyer, Stefanie BeyerEliton da Silva de BarrosFriedemann Condé, Julia-Elena Heinrich, Dominica Herrero GimenoAyaka IgarashiElizabeth IwaskoAleksandr Kochkin, Michael Kuhn, Inka Lange, Melania MazzaferroDaniel MüllerAndreas PesterKarolina Piontek, Dániel Rákász, Katja RosenbergSergiy TonevitskyyChristian VitielloBarbara WalaszewskaMarica RestaMaxim Varrin
  • Orchester der Staatsoperette Dresden

Ich bedanke mich bei der Staatsoperette für die Einladung.


Artikel von Claudia S