St. Pauli Theater Hamburg: Geheimnisse

Premiere: 20. Februar 2026 – rezensierte Vorstellung: 22. Februar 2026
Was als traditionsreicher Tennisabend geplant ist, gerät in „Geheimnisse“ von Sébastien Blanc völlig aus dem Ruder. Eigentlich möchte Fabien wie jedes Jahr mit seinen besten Freunden, den Zwillingen Eric und Jérôme, das Finale der French Open verfolgen. Doch noch bevor das Match beginnt, nimmt der Abend eine unerwartete Wendung.
Eric erscheint bewusst zu früh, um Fabien unter vier Augen ein folgenschweres Geheimnis anzuvertrauen – eines, das sein eigenes Leben und das seines Zwillingsbruders grundlegend verändern könnte. Kaum hat er die Wohnung verlassen, steht auch Jérôme vor der Tür – aufgelöst und ebenfalls mit einem drängenden Geständnis. Auch er will sein Gewissen erleichtern, und auch sein Geheimnis betrifft den Bruder.
Für Fabien beginnt damit ein Drahtseilakt. Durch ein Versprechen zur Verschwiegenheit verpflichtet, versucht er, beide Wahrheiten für sich zu behalten und das drohende Zerwürfnis zwischen den Brüdern zu verhindern. Doch je mehr er sich bemüht, die Situation zu entschärfen, desto mehr verstrickt er sich selbst in Widersprüche und Ausflüchte – und der Abend gerät zunehmend außer Kontrolle.

Das Bühnenbild von „Geheimnisse“ ist bewusst schlicht gehalten, wirkt aber dadurch umso überzeugender. Ein Sofa, ein Beistelltisch und ein angedeutetes Treppenhaus mit Tür zum Bad reichen aus, um die Wohnung von Fabien glaubhaft darzustellen. Die reduzierte Ausstattung lenkt den Blick ganz auf die Charaktere und ihre Konflikte und unterstützt so die intensive, psychologische Spannung des Stücks. Auch Licht und Ton unterstützen die Handlung maßgeblich durch Präzision und feine Nuancen, die Stimmung und Spannungsaufbau wirkungsvoll unterstreichen.
Die Komödie lebt vor allem auch von ihrem rasanten Tempo, scharfem Wortwitz und präzise gesetzten Pointen. Götz Otto überzeugt als Fabien mit einem ruhigen, konzentrierten Spiel. Er setzt nicht auf große Ausbrüche, sondern auf kleine, genaue Momente – und gerade das wirkt sehr glaubwürdig. Mit feiner Mimik zeigt er die inneren Konflikte seiner Figur: Ein kurzer Blick, ein Zögern oder ein veränderter Gesichtsausdruck machen deutlich, wie sehr Fabien unter Druck steht. Auch körperlich bleibt Otto präzise. Mal wirkt er angespannt und suchend, mal bemüht ruhig, wenn er zwischen den Brüdern vermitteln will. Seine Präsenz auf der Bühne ist dabei durchgehend spürbar, ohne aufdringlich zu sein. Otto spielt Fabien als nahbaren, glaubwürdigen Menschen – und trägt damit wesentlich dazu bei, dass der Abend beim Publikum nachwirkt.

In der Doppelrolle der zerstrittenen Zwillinge überzeugt Sebastian Bezzel mit einer beeindruckenden Vielseitigkeit. Er schafft es, die beiden Brüder klar zu unterscheiden. Bezzel arbeitet dabei fein mit Mimik und Gestik, sodass selbst kleinste Reaktionen die Unterschiede zwischen den Figuren deutlich machen. Seine Präsenz ist auf der Bühne durchgehend spürbar, und er trägt entscheidend dazu bei, dass die Spannungen zwischen den Brüdern glaubhaft und mitreißend vermittelt werden. Ein eindrucksvolles Schauspiel, das Humor, Timing und emotionale Tiefe perfekt vereint.
Wer jetzt neugierig geworden ist, welche Geheimnisse die Brüder verbergen und ob Fabien sich aus diesem Schlamassel retten kann, hat die Möglichkeit das Stück an folgenden Terminen im St. Pauli Theater in Hamburg zu erleben: 21. und 22. sowie 24. bis 29. März.
Wir bedanken uns beim St. Pauli Theater für die Einladung!
Artikel von Mareike & Heidi