Showslot – DRACULA 2026 – Ein zweiter Blick

Ist DRACULA die bisher beste Produktion von Showslot?

Prolog © Nico Moser

Rezensierte Vorstellung: 12. März 2026

Nachdem wir bereits im Februar eine Vorstellung in Frankfurt besucht und rezensiert haben, ging es für uns in Hannover noch einmal nach Transsilvanien. Der Plan war, einen zweiten Blick auf die Produktion zu werfen und dabei den ein oder anderen in seiner Cover-Position zu erleben, denn das Jan Ammann in Hannover nicht auf der Bühne stehen wird, war kein Geheimnis und der erprobte GREATEST SHOW Besucher, weiß dass Ammann bei diesem Tourstopp anderweitig beschäftigt ist. Der Plan ging auf und während des Prologs stellte sich bereits die Frage „Wird das die bisher beste Produktion aus dem Hause Showslot?“.

Wir haben in den letzten Jahren zahlreiche Produktionen der Firma gesehen. Mal in Theatern, mal in Mehrzweckhallen und oft gab es noch Potenzial nach oben und auch in den Fachkreisen, sowie den sozialen Medien sind die Kommentare nach wie vor zwiegespalten, wenn es um Showslot geht. Aber ist die Skepsis berechtigt? Jein! Denn die Köpfe hinter der Produktionsfirma haben sich so manche Kritik zu Herzen genommen und geändert.

So gibt es ab diesem Jahr keine Programmhefte zum Kauf mehr, sondern kostenlose Playbill-Flyer mit den wichtigsten Infos zum Stück, wie die Cast, die Songs und eine kurze Inhaltsbeschreibung. Zusätzlich hängen die tagesaktuellen Besetzungslisten aus. 

Außerdem gibt es bei Showslot nun Livebands. Die erste haben wir in der CHER-Show erlebt, nun gibt es auch bei DRACULA eine 8-köpfige Band und keine Playbacks mehr vom Band. Es sind zwar nur acht Musiker*innen, aber unter der Leitung von Simon Münzmay schöpfen sie aus ihren Vollen und bringen die Partitur von Frank Wildhorn zum besten.

In Wildhorns DRACULA reiht sich eine Ballade an die nächste und wird von rockigen Ensemblenummern oder Terzetten immer wieder unterbrochen. Ob man die Musik mag oder nicht hängt vom individuellen Geschmack ab. Trotz der vielen Balladen kommt aber bei uns keine Langeweile auf und das Publikum begibt sich auf eine mystische Reise.

© Nico Moser

Regie führte Alex Balga, welcher auch 2021 DRACULA auf der Wilhelmsburg in Ulm inszenierte. Wer in der Zwischenzeit die DVD geguckt hat, dem dürfte bei der Tour-Inszenierung aufgefallen sein, dass Balga sein Grundgerüst aus Ulm übernommen hat und das vollkommen zu Recht. Wozu sich etwas Neues überlegen, wenn man bereits eine Punktlandung in der Vergangenheit gelandet hat? Dies zeigt sich im angepassten Bühnenbild ebenso wie im Kostümbild. Für das mehr als stimmige Lichtdesign wurde ebenfalls ein Kollege (Michael Grundner) aus Ulm hinzugezogen, sodass jene Lichtstimmungen vom Open Air nun auch in den Theatern Anwendung finden. ACHTUNG! Wer Stroposkop-Effekte nicht so gut verträgt, sollte sich Randplätze buchen.

Die Szenenübergänge sind rund und zügig, sodass dem Publikum in den ersten 20 Minuten gar keine Zeit zum applaudieren blieb. Erst im weiteren Verlauf nach den großen Solo- oder Duettstücken konnte Szenenapplaus erklingen. 

Die Inszenierung des Prologs ist maßgeblich in Erinnerung geblieben. Während die Band die ersten musikalischen Motive des Abends anspielt und von den Vampirbräuten unterstützt wird, gibt es bereits szenische Handlung. Jonathan verabschiedet sich von seiner Mina, um zur Geschäftsreise nach Transsilvanien aufzubrechen. Mina erreichen bereits erste Visionen der Stimmen im Kopf. Die Choreografie von Natalie Holtom rundet die Szenerie ab und beschert die erste Gänsehaut des Abends.

Als Graf Dracula durften wir Thomas Schreier erleben. Ein klassischer Bariton, der durch sein ausdrucksstarkes Spiel überzeugen konnte. Der böse Vampir auf der einen Seite und auf der anderen Seite ist er doch zerbrechlich und findet durch Mina endlich seine Erlösung. Schreiers Dracula ist man spätestens nach dem ersten Ton verfallen. Stimmlich harmoniert er perfekt mit Navina Heyne als Mina, aber auch mit dem übrigen Ensemble. Die rockigen Nummern liegen Schreier ebenso, wie die gefühlvollen Balladen. Absolute Highlights bilden das Terzett „Ich lebe nur weil es dich gibt/Whitby Bay Reprise“ am Ende des ersten Aktes, sowie „Die Verführung“ im zweiten Akt.

Noch bevor Graf Dracula sein Unwesen treiben konnte, durfte Johannes Pinkel als Jonathan Harker seine Cover Premiere feiern. Für uns eine Neuentdeckung des Abends. Pinkel setzte seine eigenen Akzente und harmonierte grandios mit Navina Heyne. Schade, dass es für Jonathan nicht noch ein paar Lieder mehr gab. 

© Nico Moser

Navina Heyne haben wir in den letzten Jahren schon in den verschiedensten Rollenprofilen erleben dürfen und jede einzelne hat sie zu ihrer eigenen gemacht, so auch Mina nachdem sie in Ulm bereits als Lucy zu erleben war. Heynes Spiel in Gestik und Mimik ist wahnsinnig fein und präzise. Kommt der Gesang noch dazu, egal ob rockig oder in der klassischen Musicalballade, dann bleibt auch gerne mal kein Auge trocken. Die Energien in ihrem Spiel und vor allem mit den Kollegen Schreier und Pinkel suchten ihres gleichen. 

Vincent Van Gorp als Arthur, Christopher Wernecke als Quincey und Felix Heller als Dr. Jack Seward bilden einen urkomisches Trio ab, wenn es für Lucy um die Frage geht, wen sie denn nun heiraten soll. Das Spiel untereinander ist auf den Punkt und sorgt für manches Grinsen im Publikum. Bei aller Dramatik, darf eine leichte Prise Komik eben auch nicht fehlen. Die Charaktere sind überspitzt angelegt, neigen aber nicht zum übertreiben und tragen so zu einer gewissen Leichtigkeit bei. „Zu Ende“ gemeinsam mit Van Helsing (Nico Went) ist der gesangliche Höhepunkt dieser drei Charaktere.

Fazit

Mit DRACULA hat Showslot einen wahren Coup gelandet und so ist die Produktion in unseren Augen bisher eine der besten. Die Tour 2026 ist fast komplett ausverkauft, in einzelnen Städten gibt es nur noch Resttickets und das zurecht! In dieser Inszenierung stimmt einfach alles. Eine Liveband, grandiose Darstellerinnen und Darsteller, gutes Licht- und Sounddesign, ein detailliertes- und tourtaugliches Bühnenbild sowie eine absolut stimmige Regie lassen einen in die dunkle Welt von Transsilvanien eintauchen.

2027 geht Showslot erneut mit DRACULA auf Tournee. Der VVK für die ersten Städte hat bereits begonnen. Weitere sollen noch folgen! Tickets und weitere Infos direkt unter www.showslot.de!

Cast & Band der Vorstellung

  • Dracula: Thomas Schreier
  • Mina: Navina Heyne
  • Jonathan: Johannes Pinkel
  • Lucy: Munja Viktoria Meier
  • Van Helsing: Nico Went
  • Renfield: Matthias Trattner
  • Arthur: Vincent van Gorp
  • Dr. Jack Seward: Felix Heller
  • Quincey: Christopher Wernecke
  • Vamipirbräute: Carolina Murg, Noraleen Amhausend, Franziska Schuster
  • Ensemble: Sandra Bitterli, Stephanie Löblich
  • Keyboard 1/Musikalische Leitung: Simon Münzmay
  • Keyboard 2: Antonia Kessler
  • Geige: Barbara Schilcher
  • Cello: Anja-Susann Hammer
  • Reed: Magdalena Busler
  • Gitarre: Simon Schneid
  • Bass: Alex Scheller
  • Drums: Johannes Funk

Wir bedanken uns bei ShowSlot für die Kooperation!


Artikel von Anna-Virginia