Schmidt Theater: Es war einmal – Sieben Märchen auf einen Streich

Uraufführung: 2012 – rezensierte Vorstellung: 03. Januar 2025
Im Schmidt Theater in Hamburg läuft noch in dieser Spielzeit bis zum 17.01.2026 das Kinder- und Familienmusical „Es war einmal – Sieben Märchen auf einen Streich“ mit Musik von Martin Lingnau und dem Buch von Heiko Wohlgemuth unter der Regie von Carolin Spieß. Doch bevor unser musikalischer Ausflug in die Märchenwelt begann, durften wir hinter die Kulissen bzw. auf die Bühne gucken.

Christian Petru (u.a. Großer Bruder, Diener des Königs, Böser Wolf, …) entführte kleine und große Zuschauer mit viel Witz und Einfühlungsvermögen auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Es wurde kindgerecht und spannend erklärt, welche Berufe es im Theater denn so gibt und was die da den ganzen Tag so machen. Immer wieder wurden die Kinder in die Erzählung miteingebunden und gemeinsam wurde nach und nach das Theater entdeckt – sitzend im Theatersaal. Durch seine lustige Art hat Christian Petru die Kinder und auch die Erwachsenen schnell in seinen Bann gezogen und lehrreich war es außerdem.
Es wurden verschiedene Berufe vorgestellt und so sind z.B. auch die beiden Techniker Jenne Trötschel und Dave Wenderoth (Licht- und Tontechnik) zu Wort gekommen. Es wurde erklärt und auch immer wieder gezeigt, wie z.B. das Licht die Stimmung auf der Bühne verändern kann. Natürlich durften wir auch schon einen Blick auf das Bühnenbild werfen. Die Kulisse für das Märchenmusical bildet ein Kinderzimmer mit Hochbett, Schrank und kleinen Sitzwürfeln. Alle Möbel sind jedoch multifunktional und mit wenigen Handgriffen verwandelt sich das Hochbett in den Turm von Rapunzel und der Schrank wird zur Dornenhecke.

Um den Kindern und Eltern alles genau zu erklären und zu zeigen, durfte eine kleine Zuschauerin zu Christian Petru auf die Bühne kommen. Gemeinsam entdeckten die beiden dann die zahlreichen Umbaumöglichkeiten des Kinderzimmers. Nachdem die Kulisse ausgiebig begutachtet wurde, bekam Christian Petru Unterstützung von seinem Kollegen Karim Plett (Kleiner Bruder, Tapferes Schneiderlein). Gemeinsam verdeutlichten die zwei, wie sich ein Stück von der ersten Probe bis zur Aufführung hin entwickelt. Es wurde in diesem Zusammenhang eine kleine Szene aus dem Musical vorgespielt. Hierbei wurde dann verdeutlicht, wie wichtig Betonung, Ausdruck und Sprechweise für eine Handlung und die Glaubhaftigkeit einer Szene sind. Ebenfalls wurde gezeigt, wie Licht, Musik und Nebel die Spielszenen beeinflussen.
Es war wirklich eine sehr lehrreiche Stunde und beide Darsteller haben es verstanden, die Aufmerksamkeit der kleinen und großen Zuschauerinnen und Zuschauer auf sich zu lenken. Beide waren sehr sympathisch und authentisch. Mit diesem spannenden Einblick hinter die Kulissen freuten wir uns noch mehr auf die daran anschließende Aufführung.
Worum geht es in dem Kinder- und Familienmusical?
Großer Stress am Abend. Mama muss zum Elternabend, die Kinder sollen ins Bett doch das Märchenbuch lässt sich einfach nicht finden. Dann halt ohne Märchen ins Bett findet Papa. Da hat er allerdings die Rechnung ohne seine Kinder gemacht. Die beschließen kurzerhand: Papa soll ein Märchen erzählen, dumm nur, dass Papa nicht mal seine eigene Handynummer weiß. Wie soll er sich da an ein Märchen erinnern? Es kommt, wie es kommen muss: Papa schmeißt alle „Märchenzutaten“ zusammen, an die er sich noch erinnern kann und heraus kommt ein turbulenter „Märcheneintopf“, bei dem dann Rotkäppchen gemeinsame Sache mit Rapunzel macht und der Froschkönig gar kein verzauberter Prinz, sondern ein Wolf ist.

Die Geschichte des Musicals zieht die Zuschauer gleich zu Beginn in ihren Bann. Die fünf Darsteller Christian Petru, Karim Plett, Veit Schäfermeier, Kristin Schulze und Ann-Charlotte Wittmann spielen ihre verschiedenen Rollen mit so viel Herzblut und Leidenschaft, das man ihnen gebannt zusieht. Die Musik von Martin Lingnau ist eingängig, schmissig und geht sofort ins Ohr. Als Zuschauer wippt man instinktiv gleich innerlich mit.
Das Buch von Heiko Wohlgemuth ist clever geschrieben. Mit viel Witz und Humor spricht es Kinder und Erwachsene gleichermaßen an und Lacher sind garantiert, wenn auch nicht immer an denselben Stellen. Für die Erwachsenen wurden in den Dialogen der Musicaldarsteller immer wieder versteckte Hinweise und Witze eingebaut, die Kinder so noch nicht unbedingt verstehen. Bestes Beispiel hierfür ist die Szene mit den 7 Zwergen. Wir zwei Erwachsenen haben Tränen gelacht, während unsere neunjährige Begleitung einfach nur gefangen von der spannenden Handlung war und die versteckten Witze und Anspielungen nicht oder nur teilweise verstanden hat.
An dieser Stelle möchten wir der gesamten Cast des Musicals ein großes Lob aussprechen. Es war deutlich zu sehen, wie viel Spaß es ihnen gemacht hat für die Kinder zu spielen. Gerade Kinder sind ein sehr kritisches Publikum und wenn ihnen etwas nicht gefällt, scheuen sie sich nicht davor, dies auch kundzutun. Unsere kleine Begleitung war jedenfalls ab Minute eins von der Story, der Musik und den Darstellern gefangen und folgte der Handlung staunend und sehr aufmerksam.
Gesanglich und schauspielerisch überzeugten alle fünf in vollem Umfang. Jede Rolle und jeder Charakter bekam seine eigene Note und auch seine eigene Stimme. Oft mussten die Darsteller schnell zwischen den einzelnen Rollen wechseln, was ihnen ohne Probleme gelang.
Karim Plett, als tapferes Schneiderlein, musste zwar nicht in viele verschiedene Rollen schlüpfen, jedoch als Hauptfigur die Geschichte unaufhörlich vorantreiben. Gerade in seinen Soloparts kam seine warme und klangvolle Stimme besonders gut zur Geltung. Mit seiner Stimme verleiht Karim Plett der Figur viel Charme und musikalisches Gespür und führt sie mühelos durch das Stück. Nichts wirkt dabei gekünstelt oder übertrieben. Gesang und Spiel ergänzen sich stimmig und lassen ein tapferes Schneiderlein entstehen, das lebendig, nahbar und ausgesprochen sympathisch wirkt – eine Darstellung, die besonders bei den Kindern auf große Begeisterung gestoßen ist. Unsere kleine Begleitung hat zumindest sehr mit dem tapferen Schneiderlein mit gefiebert.

Veit Schäfermeier (u.a. als Vater und König) überzeugte mit beeindruckender Bühnenpräsenz und einer wunderschönen, klangvollen Stimme. Sein Spiel wirkte souverän und zugleich angenehm menschlich, wodurch er z.B. als König nicht nur herrschaftlich, sondern auch sympathisch erschien.
Kristin Schulze verkörperte natürlich ebenfalls mehrere Rollen, doch gerade ihre Darstellung der bösen Fee kam beim Publikum sehr gut an. Mit viel Ausdruckskraft und einer starken Bühnenpräsenz verlieh sie der Figur eine düstere, zugleich faszinierende Ausstrahlung. Ihr Spiel war präzise und wirkungsvoll, sodass die Boshaftigkeit der Fee jederzeit spürbar wurde, trotzdem aber keine Angst bei den Kindern erzeugte. Mit ihrer kraftvollen und zugleich fein nuancierten Stimme verlieh sie der bösen Fee eine eindrucksvolle Tiefe. Ihr Gesang unterstrich die düstere Aura der Figur und machte ihre Auftritte im Musical noch intensiver.
Christian Petru, den wir ja bereits aus der Schnupperstunde kannten, bewies auch während des Stückes wie vielseitig und talentiert er ist. Mühelos wechselte er zwischen seinen einzelnen Rollen. Auf der Bühne wirkte er sehr präsent und lebendig, mit einem guten Gefühl für Ausdruck, Timing und den Kontakt zum Publikum. Auch gesanglich konnte er voll überzeugen: Seine Stimme klang sicher, klar und trug die musikalischen Passagen mühelos.
Ann-Charlotte Wittmann zeigte in ihren mehreren Rollen ein starkes schauspielerisches Gespür und schaffte es mühelos, den Figuren jeweils einen eigenen Charakter zu verleihen. Auch gesanglich war sie durchweg überzeugend: sicher, ausdrucksstark und sehr musikalisch. Ihr Wechsel zwischen den unterschiedlichen Rollen wirkte selbstverständlich und klar, was ihre Auftritte besonders lebendig machte.
Alles in allem ist das Stück „Es war einmal“ ein sehr gelungenes Familienmusical, welches Kindern und Erwachsenen gleichermaßen gefällt. Die Charaktere sind liebevoll inszeniert, das Bühnenbild ist übersichtlich, kindgerecht und mit stimmigen Farben gestaltet, die Musik ist sehr eingängig und bleibt im Ohr. Bis zum 17.01.2026 besteht noch die Möglichkeit das Stück im Schmidt Theater zu sehen, bevor es dann sicherlich in der Spielzeit 2026/27 weitergeht.
Vielen Dank ans Schmidt Theater für die Einladung!
Artikel von Mareike & Heidi