Schmidt Theater: Die Königs schenken nach

Photo: Morris Mac Matzen/mmacm.com

Uraufführung: 02. Juni 2022 – rezensierte Vorstellung: 04. Juni 2026

Das Musical „Die Königs schenken nach!“ erzählt die Geschichte der chaotischen Familie König aus dem Hamburger Stadtteil St. Pauli. Als die Oma der Familie bei der GlücksSpirale eine lebenslange Sofortrente gewinnt, scheint das große Glück endlich auf ihrer Seite zu sein. Plötzlich ist genug Geld da, um sich viele lang gehegte Wünsche zu erfüllen.

Doch der plötzliche Reichtum bringt unerwartete Probleme mit sich. Schon bald gerät die Familie von einem turbulenten Abenteuer ins nächste und muss erkennen, dass Geld nicht alle Probleme lösen kann.

Mit viel Humor, liebenswerten Figuren und jeder Menge St.-Pauli-Flair erzählt das Musical eine unterhaltsame Geschichte über Familie, Zusammenhalt und die Erkenntnis, dass die wirklich wichtigen Dinge im Leben nicht zu kaufen sind.

Das Bühnenbild präsentiert sich bewusst schlicht und funktional, erweist sich dabei jedoch als äußerst wirkungsvoll. Mit wenigen Handgriffen verwandelt sich eine einfache Küchenzeile in die Lieblingskneipe des Käpt`n und schafft so fließende Übergänge zwischen den einzelnen Szenen. Bewegliche Bühnenelemente werden schnell auf die Bühne gerollt und ermöglichen einen raschen Wechsel der Spielorte – etwa wenn die verhasste HSV-Kneipe dargestellt wird. Andere Räume werden nur angedeutet, was der Fantasie des Publikums genügend Raum lässt. So reichen wenige Requisiten aus, um beispielsweise das Badezimmer oder Omas Zimmer erkennbar werden zu lassen. Das Bühnenbild unterstützt die temporeiche Handlung hervorragend und sorgt dafür, dass die zahlreichen Szenenwechsel ohne lange Umbaupausen gelingen. Auch die Kostüme tragen viel zum Unterhaltungswert des Musicals bei. Sie sind genauso schräg, bunt und manchmal ein wenig überdreht wie die Figuren selbst und passen damit hervorragend zur Geschichte. Jede Rolle erhält durch ihr Kostüm einen ganz eigenen Charakter, sodass man viele Figuren schon auf den ersten Blick einordnen kann. Die abwechslungsreiche Kostümauswahl sorgt immer wieder für neue Blickfänge und spiegelt das schrullige St.-Pauli-Milieu gekonnt wider. Besonders hervorzuheben ist der extravagante Mantel des Mafia-Bosses, der mit seinem auffälligen Design sofort ins Auge fällt und die exzentrische Ausstrahlung der Figur eindrucksvoll unterstreicht. Insgesamt sorgen die abwechslungsreichen Kostüme immer wieder für kleine Hingucker und fangen den typisch schrulligen und liebenswert-chaotischen Charme der Geschichte wunderbar ein.

Photo: Morris Mac Matzen/mmacm.com

Doch was wäre ein Musical ohne Sängerinnen und Sänger? Richtig – nichts. Die Darstellerinnen und Darsteller überzeugten durchweg mit großer Spielfreude und starken gesanglichen Leistungen. Lina Gerlitz verlieh Marie König viel Authentizität und Natürlichkeit und wusste sowohl in den ruhigen als auch in den emotionaleren Momenten zu überzeugen. Gesanglich begeisterte sie mit einer klaren und ausdrucksstarken Stimme. Auch im Duett mit Alessandro Gebhart konnte sie das Publikum begeistern.

Alessandro Gebhart sorgte als Alex und Wirt der Stammkneipe für viele humorvolle Momente. Besonders der ohrwurmverdächtige Hit „Keiner hat Arschlöcher gern“ brachte das Publikum in Schwung und zum Mitsingen. Mit seiner lockeren Bühnenpräsenz und mit präzisem Timing brachte Alessandro Gebhart seine Figuren glaubwürdig und unterhaltsam auf die Bühne. Auch gesanglich fügte er sich hervorragend in das Ensemble ein. Mit einer besonderen Klangfarbe in der Stimme und viel Gefühl verlieh er seinen Liedern besondere Wirkung und begeisterte das Publikum.

Photo: Morris Mac Matzen/mmacm.com

Carolin Spiess überzeugte als Berta mit viel Herz und einer sympathischen Ausstrahlung. Sie verlieh ihrer Rolle Persönlichkeit und überzeugte dabei sowohl schauspielerisch als auch mit ihrer starken Gesangsleistung. Mit ihrem vorlauten Mundwerk und ihren anzüglichen Sprüchen brachte sie das Publikum oft zum Lachen. Mit seiner Darstellung des Käpt’n fügte sich Heiko Wohlgemuth hervorragend in das starke Ensemble ein. Mit viel Charisma, Humor und einer großen Portion Bühnenpräsenz verkörperte er den liebenswert-chaotischen Familienvater äußerst authentisch. Auch gesanglich setzte er immer wieder Akzente und trug die Handlung souverän durch den Abend.

Benjamin Zobrys zeigte in seinen Rollen als Benny König und Björn König große Wandlungsfähigkeit. Mit sichtbarer Spielfreude wechselte er mühelos zwischen den sehr unterschiedlichen Charakteren und überzeugte dabei mit ausdrucksstarkem Spiel und einer starken Gesangsstimme. Besonders die Rolle des homosexuellen Bennys sorgte immer wieder für beste Unterhaltung. Mit viel Witz, einer gehörigen Portion Schrillheit und einer wunderbar extrovertierten Bühnenpräsenz machte Benjamin Zobrys seine Figur zu einem echten Publikumsliebling.

© Morris Mac Matzen

Selina Kullmann brachte als Pamela König viel Energie und Temperament auf die Bühne. Sie gestaltete ihre Rolle lebendig und facettenreich und überzeugte zudem mit einer kraftvollen gesanglichen Leistung. Sowohl in ihren solistischen Passagen als auch in den Duetten konnte sie ihre klangvolle Stimme eindrucksvoll zur Geltung bringen. Eine besondere Leistung zeigte Veit Schäfermeier, der gleich mehrere Rollen übernahm. Ob als Lottofee, Bagatsch Dropoff, Bauarbeiter, Ilka oder Oma – jede Figur erhielt ihren eigenen Charakter und wurde mit viel Witz und Kreativität gestaltet. Die schnellen Rollenwechsel meisterte er mit beeindruckender Leichtigkeit und bewies dabei nicht nur großes schauspielerisches Können, sondern auch gesangliche Vielseitigkeit. Besonders gut gelang ihm die Darstellung des Mafiabosses Bagatsch Dropoff. Er verkörperte diese Rolle mit so viel Überzeugung, dass man sich im Zuschauerraum glatt mit bedroht fühlte.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass das Ensemble gemeinsam eine hervorragend harmonierende Einheit bildete, die den Humor, die Herzlichkeit und den besonderen St.-Pauli-Charme des Musicals mit großer Leidenschaft auf die Bühne brachte.

Wer das Stück noch einmal sehen möchte, muss schnell sein. Die finale Spielzeit geht nur noch bis zum 18.07.2026. Karten gibt es online unter www.tivoli.de oder an der Tageskasse im Schmidt Theater.

Cast (am 04.06.2026)

  • Lina Gerlitz: Marie König
  • Alessandro Gebhart: Alex, Wirt
  • Carolin Spiess: Berta
  • Heiko Wohlgemuth: Käpt`n
  • Benjamin Zobrys: Benny König, Björn König
  • Selina Kullmann: Pamela König
  • Veit Schäfermeier: Lotto Fee, Bagatsch Dropoff, Bauarbeiter, Ilka, Oma

Kreativteam

  • Buch: Martin Lingnau, Heiko Wohlgemuth, Mark Needham
  • Komposition: Martin Lingnau
  • Songtexte: Heiko Wohlgemuth
  • Regie: Heiko Wohlgemuth
  • Choreografie: Benjamin Zobrys
  • Musikalische Leitung & Gesangsarrangements: Markus Voigt
  • Musikproduktion: Martin Lingnau, Joachim Schlueter
  • Kostüm: Frank Kuder, Viktoria Hase
  • Maske: Sophia Mey
  • Bühnenbild: Heiko de Boer
  • Requisite: Anja Majeski
  • Regieassistenz & Abendspielleitung: Andreas Bierkamp
  • Produktionsleitung: Martina Mück
  • Inspizienz: Justus Pasternak, Ray Syarifuddin, Marcelo Larralde
  • Ton: Torben Kahland, Jan Philipp Hanko
  • Licht: Christina Gallasch, Jörg Peters, Dirk Wierwille
  • Spezialeffekte & Visualisierungen: Veit Schäfermeier
  • Bühnentechnik: Andreas Nörthemann
  • Haustechnik: Ingo Gnadt, Peter Schirmer, Enrico Staaden, Marvin Mock

Wir bedanken uns bei der Schmidt-Familie für die Einladung!


Artikel von Mareike & Heidi