Schmidt Theater: Der kleine Störtebeker – Wiederaufnahme 2026

© Morris Mac Matzen

Wiederaufnahmepremiere & rezensierte Vorstellung: 01. Mai 2026

Das Kindermusical DER KLEINE STÖRTEBEKER mit Musik von Martin Lingnau und Text/Buch von Heiko Wohlgemuth erzählt die abenteuerliche Geschichte des jungen Klaus Störtebeker, der später einmal als berühmter Pirat bekannt wird. Bereits bei der Uraufführung waren wir zu Besuch, nun haben wir uns erneut auf ein Abenteuer begeben.

Klaus, der eigentlich Nikolaus heißt und in einfachen Verhältnissen aufwächst, träumt davon, ein freier und mutiger Seefahrer zu werden. Mit viel Neugier und einem starken Gerechtigkeitssinn gerät er in eine Welt voller Gefahren und spannenden Begegnungen. Als er Ungerechtigkeiten und Machtmissbrauch erlebt, beschließt er, sich gegen die Obrigkeit zu stellen. Gemeinsam mit neuen Freunden begibt er sich auf ein Abenteuer, welches ihn schließlich aufs Meer führt. Auf seiner Reise erkennt Klaus, dass nicht alle Menschen fair behandelt werden. Besonders die einfachen Leute leiden unter der Willkür der Mächtigen. Gemeinsam mit seinen Freunden beginnt er, sich gegen diese Ungerechtigkeit zu stellen. Dabei wächst er über sich hinaus und entwickelt sich vom neugierigen Jungen zu einem echten Anführer, der für die Schwachen eintritt.

Das Musical verbindet spannende Abenteuer mit humorvollen und gefühlvollen Momenten. Dabei werden Themen wie Freundschaft, Mut, Zusammenhalt und der Wunsch nach Gerechtigkeit kindgerecht und mitreißend vermittelt. Die eingängige Musik und die lebendige Handlung machen die Geschichte zu einem unterhaltsamen Erlebnis für die ganze Familie. Das Musical zeigt, dass auch ein „kleiner“ Held Großes bewirken kann.

Das Bühnenbild ist sehr schlicht gehalten. So gibt es während des ganzen Stücks kein Hintergrundbild. Alles, was man für das Erzählen der Geschichte braucht, wird entweder durch Darsteller inszeniert (z.B. eine Treppe, Wände, Gänge und Türen) oder mit Requisiten (z.B. kleine Kisten, ein Miniaturschiff, ein blaues Tuch, ein Ausschnitt eines Segelschiffs) unterstützt. Dies ist gerade für jüngere Kinder sehr übersichtlich und besser verständlich, da kein Hintergrundbild von der eigentlichen Handlung ablenkt.

 

Zusätzlich werden immer wieder Teile des Musicals in den Zuschauerraum verlegt. So wird Klaus z.B. mehrmals durch den Saal gejagt und auch das Schiff von Heinrich Pfeffersack, die „Schnelle Libelle“, schwimmt durch das Publikum nach vorn zur Bühne. Die Musik vom KLEINEN STÖRTEBEKER ist eingängig, mittelalterlich, maritim und entführt gekonnt in die Vergangenheit. Schon bei den ersten Tönen wippt man unwillkürlich mit.

Das Kindermusical DER KLEINE STÖRTEBEKER überzeugt aber nicht nur durch seine mitreißende Geschichte und die tolle Musik, sondern vor allem durch ein herausragendes Ensemble, das mit viel Herzblut auf der Bühne steht. Frederik Stuhllemmer überzeugt als kleiner Störtebeker mit einer Darstellung, die gleichermaßen engagiert wie authentisch wirkt. Man merkt ihm deutlich an, mit wie viel Leidenschaft er in dieser Rolle steckt, ohne dass es übertrieben oder aufgesetzt erscheint. Seine Spielfreude ist präsent, bleibt dabei aber stets kontrolliert und fügt sich stimmig in das Gesamtbild der Inszenierung ein. Auch gesanglich liefert er eine überzeugende Leistung ab. Seine Stimme ist klar, sicher geführt und transportiert die Emotionen der Figur sehr gut. Insgesamt entsteht so ein rundes, glaubwürdiges Rollenporträt, das sich harmonisch in das Gesamtbild der Inszenierung einfügt und diese spürbar bereichert.

Udo Eickelmann überzeugt in seinen Rollen – unter anderem als Piratenkapitän Gödeke Michels – mit großer Präsenz und Vielseitigkeit. Als Anführer bringt er Stärke und Entschlossenheit glaubwürdig auf die Bühne, lässt aber zugleich die verletzliche Seite der Figur durch den Verlust seiner Familie erkennen. Besonders hervorzuheben ist seine Wandelbarkeit, da er mehrere Rollen übernimmt und diese jeweils klar voneinander abgrenzt. Er wechselt mühelos zwischen unterschiedlichen Charakteren und Stimmungen, ohne dabei an Authentizität zu verlieren. Auch gesanglich ist seine Leistung solide und emotional getragen. Humorvolle Momente, etwa durch Sprüche wie „Man muss nur mit der Wurst auf den Schinken werfen“, lockern das Spiel zusätzlich auf. Insgesamt eine vielseitige und überzeugende Darbietung.

Götz Fuhrmann überzeugt unter anderem als Heinrich Pfeffersack, dem Antagonisten des Stücks, mit einer sehr präsenten und stimmigen Darstellung. Er spielt die Figur klar und entschlossen, ohne sie zu überzeichnen, und schafft es gleichzeitig, ihre berechnende und machtbewusste Seite deutlich herauszuarbeiten. Auch gesanglich liefert er eine starke Leistung ab. Seine Stimme ist ausdrucksvoll, gut geführt und trägt die Szenen wirkungsvoll. Insgesamt eine gelungene und überzeugende Darstellung, die der Rolle viel Profil verleiht. Es ist immer wieder schön, bekannte Gesichter auf der Bühne zu entdecken und ihre Entwicklung zu sehen: Aliosha Jorge Ungur ist für uns kein Unbekannter – bereits während seiner Ausbildung an der Stage School ist er uns positiv aufgefallen. In der Rolle des Fieslings Hieronymus überzeugt er nun mit einer sehr stimmigen und glaubwürdigen Darstellung. Er spielt die Figur mit der nötigen Schärfe und Präsenz, ohne dabei überzogen zu wirken. Auch in seiner zweiten Rolle als Steuermann Hauke zeigt er seine Vielseitigkeit und passt sich dem jeweiligen Charakter sehr gut an. Besonders hervorzuheben sind seine starke Bühnenpräsenz und seine tolle Gesangsstimme. Dabei ist ihm die Spielfreude in jeder Szene deutlich anzumerken, was seine Auftritte zusätzlich lebendig und mitreißend macht.

© Morris Mac Matzen

Der heimliche Star des Musicals ist zweifelsohne die Ratte Justin, die von Christian Petru mit viel Leben gefüllt wird. Mit großem Witz und Charme gelingt es ihm, sich schnell in die Herzen des Publikums zu spielen. Besonders beeindruckend ist dabei sein Timing und Gespür für die Bühne: Auch wenn die Figur der Ratte oft von anderen Ensemblemitgliedern gespielt wird, setzt Petru seine Einsätze präzise und wirkungsvoll. Dazu kommt eine tolle Gesangsstimme und eine starke Bühnenpräsenz, die seine jeweiligen Auftritte seiner unterschiedlichen Rollen zusätzlich hervorheben. Insgesamt eine sehr überzeugende und rundum gelungene Performance.

Der „Bildungsbeauftragte“ des Stücks ist eindeutig Alessandro Gebhardt in seiner Rolle als Pirat Onno. Mit viel Konsequenz und Charme „schnackt“ er Plattdeutsch und sorgt damit nicht nur für Authentizität, sondern auch für einige lehrreiche und zugleich unterhaltsame Momente. Dabei wirkt seine Darstellung durchweg sympathisch und nahbar. Auch das Publikum bekommt ganz nebenbei eine kleine „Nachhilfestunde“, während er seine Rolle mit großer Sicherheit ausfüllt. Sowohl gesanglich als auch schauspielerisch liefert Gebhardt eine überzeugende und runde Leistung ab.

Jasmin Fihlon überzeugt in der Rolle der Theodora auf ganzer Linie. Sie spielt die Figur sehr glaubwürdig und schafft es, ihr eine angenehme emotionale Tiefe zu geben, die sofort ankommt. Auch gesanglich ist sie wirklich stark unterwegs – Ihre Stimme klingt klar, sicher und ausdrucksstark und transportiert die Emotionen der Figur sehr glaubwürdig. Dabei verbindet sie saubere Gesangstechnik mit viel Gefühl, was ihrer Darstellung zusätzliche Tiefe verleiht. Insgesamt eine sehr stimmige und gelungene Leistung.

© Morris Mac Matzen

Alles in allem wirkt das ganze Ensemble sehr eingespielt und harmonisch. Man merkt, dass hier nicht nur jeder für sich gut ist, sondern dass alle zusammen wirklich als Team funktionieren – und genau das macht die Vorstellung so besonders. Die Geschichte vom kleinen Störtebeker eignet sich wirklich für Groß und Klein. Sowohl die großen Bühnenlichter als auch unser neunjähriges Bühnenlämpchen waren ganz verzaubert von dem Musical.

Wer sich nun einmal selbst in die Vergangenheit entführen lassen will, hat dazu vorerst noch bis zum 07.06.2026 von Donnerstag bis Sonntag die Gelegenheit. Karten gibt es online unter www.tivoli.de

Cast:

  • Nikolaus, genannt Klaus (Störtebeker): Frederik Stuhllemmer
  • Kapitän Gödeke Michels u.a. : Udo Eickelmann
  • Heinrich Pfeffersack / Zimmermann Jan, u.a.: Götz Fuhrmann
  • Gaukler Hieronymus / Steuermann Hauke, u.a.: Aliosha Jorge Ungur
  • Ratte Justin / Smutje Grobhard, u.a.: Christian Petru
  • Pirat Onno u.a.: Alessandro Gebhart
  • Theodora, genannt Theo: Jasmin Fihlon

Kreativteam:

  • Musik: Martin Lingnau
  • Buch: Heiko Wohlgemuth
  • Regie: Carolin Spieß
  • Choreografie: Benjamin Zobrys
  • Bühnenbild: Heiko de Boer
  • Kostümbild: Frank Kuder
  • Kostüme: Ricarda Lutz
  • Maske: Sophia Mey, Pascal Kneisel
  • Choreografische Einstudierung &
  • Regieassistenz: Lisa-Marie Seidler
  • Musikalische Einstudierung: Markus Jan Weber
  • Licht: Christina Gallasch, Dirk Wierwille, Jenne Trötschel
  • Tontechnik: Torben Kahland, Timo Hintz
  • Projektionen: Veit Schäfermeier
  • Inspizienz: Justus Pasternak, Jule Herrmann, Ray Syrafuddin, Marcelo Larrralde
  • Bühnentechnik: Andreas Nörthemann
  • Haustechnik: Ingo Gnadt, Peter Schirmer
  • Produktionsleitung: Wibke Oehmsen

Wir bedanken uns beim Schmidts für die Einladung und die rundum tolle Organisation der Premiere!


Artikel von Mareike & Heidi


Das könnte dich auch noch interessieren:

Der kleine Störtebeker aus Kindersicht