Romeo & Julia – Liebe ist alles – Berlin

Ein zeitloser Klassiker im Jahr 2023

© Musicals Berlin

Premiere: 19. März 2023 – rezensierte Vorstellung: 21. November 2023

Wenn man das Theater des Westens in Berlin betritt, trifft einen ein Hauch Geschichte. Der Innenraum ist bei jedem Besuch beeindruckend und wunderschön. Wo passt die Story von Romeo und Julia besser hin, als in solch historisches Ambiente?

Die von William Shakespeare geschriebene weltberühmte Liebesgeschichte von Romeo und Julia ist ja bekannt und so nimmt sich das Musical auch den klassischen Texten an. Zwischen den Songs von Plate/Sommer sprechen die Darsteller die originalen Dialoge der Schlegel Übersetzung. Was zunächst wie ein Widerspruch erscheint und sicher für den ein oder anderen doch beschwerlich klingt und zum genauen hinhören zwingt, vereinigt sich auf der Bühne zu einem tollen Werk. So wechseln die Darsteller mit einer Leichtigkeit zwischen den anspruchsvollen Texten, zu den modernen Songs mit ebenso starkem Inhalt. Dem Zuschauer verlangen die Textpassagen volle Aufmerksamkeit ab, um dann mit dem Fuß im Rhythmus wippend, die absolut passenden Songs in Melodie und Text zu genießen. Dabei unterstützen die Lichttechnik und die Choreografie die Handlung auf der Bühne perfekt.

Kurz zur Story- Romeo und Julia leben im 16. Jahrhundert in der Stadt Verona und gehören verfeindeten Familien an. Diese Fehde geht soweit, dass der Streit zu blutigen Kämpfen führt. Beide verlieben sich ineinander und werden durch Pater Lorenzo heimlich getraut. Als Romeo im Kampf Tybalt (ein Mitglied aus Julias Familie) tötet, wird er verbannt und flieht aus der Stadt. Julia ist verzweifelt, weil ihre Eltern für sie einen Ehemann ausgesucht haben und sie verheiraten wollen. In ihrer Not wendet sie sich an Pater Lorenzo. Dieser schlägt vor, dass Julia einen Schlaftrunk zu sich nimmt und damit in einen todesähnlichen Schlaf fällt. Damit soll die Hochzeit verhindert werden. Als ein Freund Romeos Julia in der Gruft sieht, eilt er zu Romeo, um diesem von Tod seiner Geliebten zu berichten. Der Brief mit der Aufklärung der List durch Pater Lorenzo erreicht Romeo nicht und so glaubt er, die tote Julia vor sich zu sehen. In seiner Verzweiflung nimmt er Gift und stirbt neben seiner Julia. Als diese erwacht und ihren toten Geliebten neben sich sieht, gibt es für sie nur einen Ausweg. Auch sie tötet sich selbst und im Tod sind die Liebenden wieder vereint.

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Das Bühnenbild schafft es, dass die Szenen flüssig zwischen den Straßen Veronas, dem Hause Capulet, dem Hause Montague sowie der Kirche und einzelnen Zimmern springen. Der Wechsel des Lichtes unterstreicht die Örtlichkeiten und kann besonders in den Ensemblenummern punkten.

Der Regisseur zeichnet seine Figuren sehr vielschichtig. In den klassischen Textpassagen wirken sie, wie aus dem Drama entsprungen, um bei den modernen Songs viele Gefühle wie in heutiger Zeit darzustellen. Das gelingt vor allem den beiden Hauptdarstellern des Abends Yasmina Hempel (Julia) und Nico Went(Romeo) ganz hervorragend.

Die Kostüme passen in die Zeit und unterstreichen den Stand der jeweiligen Person. Am Ende des Stückes legen alle Darsteller ihre Kostüme ab und tragen Alltagssachen aus der heutigen Zeit zum großen Finale und Schlussapplaus.

Neben den beiden Hauptdarstellern tragen zwei weitere Figuren das Stück durch den Abend. Das ist einerseits Pater Lorenzo (Anthony Curtis Kirby), welcher als Romeos Anlaufpunkt dient, ihn immer wieder zurück auf den Weg bringt und am Ende des Stückes die List mit dem vorgetäuschten Tod Julias entsinnt. Andererseits ist es Julias Amme (Steffi Irmen) die in ihren Songs so großartig gegen den Strom schwimmt und oft deutliche Worte findet. Zu Recht gibt es den ein oder anderen starken Szenenapplaus für ihre Darbietungen.

© Musicals Berlin

Doch zurück zu den beiden Protagonisten Romeo und Julia- sie entwickeln sich im Laufe der Handlung zu Figuren, die starke Entscheidungen treffen und für die Liebe letztendlich bereit sind alles zu opfern – auch ihr Leben. Yasmina Hempel schafft den Sprung vom unbekümmerten Mädchen zu einer jungen Frau die starke Gefühle empfindet und bereit ist Familie und selbst ihr Leben für die Liebe zu opfern. Ihre Stimme ist stark und harmoniert wunderbar mit Nico Went. Dieser war am besuchten Abend als Romeo zu erleben und brachte eine ganz starke Leistung auf die Bühne. Die Gefühle als Romeo nimmt man ihm absolut ab, sei es die Verliebtheit in Julia, als auch die Gefühle nachdem Tod Tybalts und seiner Verbannung. Für mich eine absolute Entdeckung, mit der Hoffnung ihn in weiteren Rollen erleben zu dürfen. Zu recht war er in diesem Jahr Preisträger für die beste Nebenrolle im Stück „Romeo und Julia“ als Mercutio beim Deutschen Musicaltheaterpreis.

Das Stück konnte auch in zwei weiteren Kategorien beim Deutschen Musicaltheaterpreis 2023 punkten: Beste Choreografie von Jonathan Huor und Bestes Sounddesign von Florenthin Adolf. Das beste Beispiel dafür ist die Szene mit dem Song „Herzschlag laut“ – diese ist was Choreografie, Song und Sound angeht ganz großes Kino.

Es war ein wunderbarer Musicalabend der Lust auf einen oder mehrere weitere Besuche gemacht hat. Und auch einzelne Songs blieben im Ohr hängen und fanden den Weg auf die eigene Playlist.  Insbesondere „Liebe ist alles” und “Es lebe der Tod” haben absoluten Ohrwurmcharakter.

ROMEO & JULIA – LIEBE IST ALLES ist im Theater des Westens noch bis Anfang Januar 2024 zu erleben. Danach wird es von KU´DAMM 59 abgelöst. Es ist ROMEO & JULIA zu wünschen, dass sie genauso wie KU´DAMM 56 auf Tournee gehen dürfen und dieses Musical noch lange zu erleben ist. Tickets gibt es an allen bekannten VVK-Stellen!

Veranstaltungstipp: Die Amme bekommt ein eigenes Musical. Am 19. März 2024 gibt es unter dem Motto “Haube richten, weiter geht´s” eine musikalische Selbstfindung der Amme. Natürlich mit Steffi Irmen. Der VVK startet in Kürze, unter www.musicalsberlin.de kann man sich bereits auf einer digitalen Liste eintragen lassen, um den VVK-Start nicht zu verpassen. 

CAST & CREW der Vorstellung

  • Julia: Yasmina Hempel
  • Romeo: Nico Went
  • Amme: Steffi Irmen
  • Mercutio: Edward R. Serban
  • Tybalt: Marius Bingel
  • Benvolio: Marco Fahrland-jadue
  • Pater Lorenzo: Anthony Curtis Kirby
  • Lady Capulet: Lisa-Marie Sumner
  • Lord Capulet: Alexander Auler
  • Todesengel: Joel Zupan
  • Ensemble: Miriam Wershofen, Linda Reithoff, Safiyah Galvani, Kiara Brunken, Benedetta D´Omafria, Riccardo Pastore, Ilario Marco Russo
  • Dirigent: Shay Cohen

Artikel von Claudia K.