Oper Dortmund 2025/26 – Grease
Der Rock ´n´ Roll Musical Klassiker begeistert Dortmund

Premiere & rezensierte Vorstellung: 08. November 2025
Wer kennt sie nicht? Die Geschichte von Danny Zuko und Sandy, hat weltweit die Herzen erobert.
Danny Zuko ist ein harter Bursche und der coole Anführer der Highschool-Gang „Burger Palace Boys“. In den Sommerferien erlebt er eine Romanze mit Sandy, einer jungen Frau, mit einer romantischen Ader aus wohlbehütetem Haus, die davon träumt, eines Tages ihre große Liebe zu finden. Als die Ferien enden, scheinen sich die Wege der beiden für immer zu trennen. Zurück daheim trifft Danny an der Schule auf eine neue Schülerin – wie könnte es anders sein, es ist Sandy. Zwar ist sie süß, entspricht aber nicht seinem Typ. Zunächst stellt er ihre Sommerbeziehung bloß als unbedeutende Affäre dar. Die Situation spitzt sich zu. Doch kann die Liebe am Ende stärker sein als Groll und Eitelkeit?

1971 als Amateurshow gestartet, hat es Grease nicht nur auf die großen Bühnen des New Yorker Broadway geschafft, sondern auch die Herzen von Musicalfans auf der ganzen Welt erobert. Die freche Geschichte über die erste Liebe in Rock’n’Roll-Rhythmen wurde bereits mehrfach verfilmt und begeistert das Publikum aktuell in Dortmund – gesungen in englischer Sprache und mit deutschen Dialogen – in einer grandiosen Inszenierung von Musical-Spezialist Gil Mehmert mit einer absoluten Topbesetzung. Eines wurde an dem Abend klar: „Grease is still the word!“
Das Dortmunder Opernhaus beweist bereits seit Jahren, welch großartige Produktionen aus der Zusammenarbeit mit der Folkwang Universität der Künste in Essen entstehen können. Neben ehemaligen Studierenden waren an diesem Abend auch aktuelle Studierende auf der Bühne zu sehen und zeigten eindrucksvoll, welch hohes Niveau an der Folkwang Universität herrscht.
Gil Mehmert, der seit Jahren als Regisseur für die unterschiedlichsten Theaterproduktionen tätig ist, setzte mit seinem modern gestalteten Anfang direkt ein ausdrucksstarkes künstlerisches Zeichen. Der Sprung in die heutige Zeit gelang, als statt der jungen Schülerschaft ältere Paare das Schulgebäude betraten. Ein Gebäude, dem der Abriss droht. Sie beginnen, sich an ihre Schulzeit zu erinnern, und läuten damit eine energiegeladene Show voller mitreißender Tänze und bekannter Songs ein. Mit seinen klaren Strukturen und modernen Ansätzen konnte Gil Mehmert erneut unter Beweis stellen, dass sich klassische Stücke und Moderne keinesfalls ausschließen – ganz im Gegenteil.
Ebenfalls positiv hervorzuheben, sind zudem die eingeblendeten Songtexte in deutscher Sprache. Dadurch war der Inhalt der Songtexte für jeden zugänglich, unabhängig davon, inwieweit er die englische Sprache versteht. Vermutlich kannten alle Zuschauenden die bekannten Songs, wie „Grease Lightning”, „You’re the One That I Want” oder die herzergreifende Ballade „Hopelessly Devoted to You”.

Ebenfalls von großer Bedeutung für diese Produktion, waren die Frisuren und Kostüme – nur so konnte das Publikum in die 50er Jahre zurückversetzt werden. Bei der Auswahl bewiesen Falk Bauer und Renè Neumann ein ausgezeichnetes Stilgefühl. Wir durften nicht nur die typischen Lederjacken, Röcke und Kleider bewundern, sondern auch ausgefallene Perücken, Cheerleader-Outfits und im Finale natürlich DEN Look: Sandy in ihrer hautengen, hochgeschnittenen Lederhose samt breitem Gürtel, sexy High Heels, engem Top, blondgelockter Mähne und perfekt geschminkten roten Lippen.
Das wechselbare Bühnenbild von Jens Kilian konnte ebenfalls überzeugen. Er setzte auf klare Linien und sorgte dafür, dass die Aula der Highschool im Handumdrehen umgewandelt werden konnte. Und als sei das nicht genug, standen sogar die berühmten Autos auf der Bühne. So etwas erlebt man nun wirklich nicht alle Tage im Theater.
Was darf – neben all dem – keinesfalls fehlen? Die rockigen, energiegeladenen Choreografien! Mit ihren fabelhaften Choreografien begeisterte Andrea Danae Kingston uns vom ersten Moment an, sodass es für uns teilweise eine echte Herausforderung darstellte, brav und ruhig auf unseren Sitzplätzen zu bleiben. Dank ihrer Choreografien gelang es ihr, das Rock-’n’-Roll-Gefühl auf wunderbare Weise zu vermitteln. Lob gebührt an dieser Stelle dem gesamten Cast, dessen tänzerisches Niveau an diesem Abend außergewöhnlich hoch war. Chapeau!
Unter der musikalischen Leitung von Stephan Kanyar führte die gesamte Band grandios durch den Abend. Besonderes Highlight: Im zweiten Akt stand die Band mit auf der Bühne!

Philipp Büttner begeisterte in der Rolle des Danny Zuko auf ganzer Linie. Sowohl seine gefühlvolle Stimme mit hohem Wiedererkennungswert als auch sein perfekter Wechsel zwischen dem „coolen“ Zuko und dem echten, warmherzigen Kern des Charakters konnten durchweg überzeugen. Zudem war es eine Freude, Philipp Büttner tanzen zu sehen und seine Ausstrahlung sowie unfassbare Präsenz in den Szenen zu bewundern. Bitte mehr davon! Sein Zusammenspiel mit Antonia Kalinowski (Sandy) war grandios aufeinander abgestimmt, auch stimmlich harmonierten die beiden in gemeinsamen Songs wie beispielsweise „Summer Nights“ perfekt.
Antonia Kalinowski fesselte das Publikum in ihrer Rolle als Sandy Dumbrowski. Mit ihrer unfassbaren Wandlungsfähigkeit brachte sie sowohl die Unsicherheit als auch die Entschlossenheit ihrer Rolle überzeugend rüber. Darüber hinaus sorgte sie stimmlich für unzählige Höhepunkte und verstand es, die Emotionen der einzelnen Songs herauszuarbeiten. Besonders beeindruckend war ihr Auftritt in dem Lied „Hopelessly Devoted to You“, das sie mit einer Mischung aus zarten, leisen Tönen und kraftvollem Gesang im Refrain zu einem echten Gänsehautmoment machte. Antonia Kalinowski bewies vom ersten Moment an ihr tänzerisches Talent, beispielsweise in der Szene als neue Cheerleaderin, während des Dance Contests – aber über allem thronte ihre Darbietung von „You’re the One That I Want“. Spätestens hier hielt es kaum noch jemanden auf den Sitzen, sodass es (völlig zu Recht) noch vor dem Schlussapplaus Standing Ovations gab.
Die Pink Ladies wurden von Friederike Zeidler, Katalin Rohse und Anna Teodora Donosa-Danila gespielt. Sie alle konnten in ihren jeweiligen Rollen restlos überzeugen. Insbesondere Maria-Danaé Bansen stach in ihrer Rolle als vielschichtige Betty Rizzo mehrfach positiv heraus. Zunächst herablassend und arrogant wirkend, zeigte sie gegen Ende die tiefe Einsamkeit und Sehnsucht nach wahrer Zugehörigkeit und Liebe. Stimmlich konnte sie in jedem ihrer Songs glänzen. Katalin Rohse, die in der Rolle der Marty Maraschino zu sehen war, zog mit ihrer charismatischen Ausstrahlung das Publikum in ihren Bann und sorgte für manch lustige Szene. Eine grandiose Sängerin – wie wir bereits in der Eigenproduktion „Caroussel“ erleben durften – und zudem eine hervorragende Charakterschauspielerin.

David Jakobs stand als Vince Fontaine auf der Bühne und spielte die Rolle grandios. Es war uns eine Freude, ihn erneut auf der Bühne des Dortmunder Theaters erleben zu dürfen.
Markus Schneiders Darstellung des Kenickie Murdoc war ein Genuss für die Ohren – und die Augen. Doch auch die anderen drei Burger Palace Boys, Pedro Reichert, Julius Störmer und Jonathan Guth, lieferten über den gesamten Abend hinweg eine grandiose Leistung ab.
Angesichts der vielen großartigen Tänzer und Tänzerinnen des Abends ist es kaum möglich, individuelle Leistungen gesondert zu erwähnen. Zwei Tänzer haben jedoch mit ihrer Ausstrahlung, ihrem Tanz und ihrer Dynamik in ausnahmslos jeder Nummer so herausragend brilliert, dass wir nicht umhin kommen, sie gesondert zu erwähnen. Andrew Chadwick, zudem als choreografische Assistenz tätig, tanzte nicht nur mit einer beeindruckenden Dynamik, sondern auch mit einer starken Ausstrahlung, sodass unsere Blicke immer wieder an ihm hängenblieben. Ein herausragender Tänzer, den wir in der Vergangenheit nicht nur in seiner Rolle als Tänzer auf der Bühne, sondern auch als Choreograf „hinter den Kulissen” zu schätzen gelernt haben. Ein weiterer Tänzer, der unsere Aufmerksamkeit regelmäßig auf sich zog, war Ivan Keim (Dance Captain). Ein Tänzer, dessen Leidenschaft in jeder seiner Bewegungen deutlich wurde. Spätestens als er sein spektakuläres „Aerial“ vorführte, waren wir hin und weg. Aber was genau versteht man darunter? Am einfachsten kann man sich unter der Beschreibung „Rad ohne Hände“ ein Bild machen – das Beste bekommt man jedoch vermutlich bei einem Besuch des Musicals.
Fazit
Ein mitreißendes Musical, das Zuschauer jeden Alters in seinen Bann zieht. Die mitreißende Energie jedes einzelnen Cast-Mitglieds ist vom ersten bis zum letzten Moment deutlich zu spüren.
Eine zeitlose Geschichte übers Erwachsenwerden: Die Charaktere stehen vor der Herausforderung, zu den eigenen Gefühlen, Wertvorstellungen und Leidenschaften zu stehen. Sie müssen den Mut finden, sich nicht hinter einer Maske – sei es eine der Coolness oder einer Schicht Make-up – zu verstecken. Letztendlich sind wir alle so, wie wir sind, genau richtig und liebenswert.
Grease ist noch bis zum 12. April 2026 im Dortmunder Opernhaus zu sehen. Tickets sind bei allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Weitere Informationen sind auf der Homepage des Dortmund Theaters zu finden: Grease: Theater Dortmund.
Besetzung am Premierenabend
- Danny Zuko Philipp Büttner,
- Sandy Dumbrowski Antonia Kalinowski
- Betty Rizzo (Pink Ladies) Maria-Danaé Bansen
- Frenchy (Pink Ladies) Friederike Zeidler
- Marty Maraschino (Pink Ladies) Katalin Rohse
- Jan (Pink Ladies) Anna Teodora Donosa-Danila
- Kenickie Murdock (Burger Palace Boys) Markus Schneider
- Doody (Burger Palace Boys) Pedro Reichert
- Roger (Burger Palace Boys) Julius Störmer
- Dominic „Sonny“ LaTierri (Burger Palace Boys) Jonathan Guth
- Patty Simcox Kelly Panier
- Eugene Florczyk Albert Gaßmann
- Charlene „Cha-Cha“ DiGregorio Giulia Vazzoler
- Vince Fontaine David Jakobs
- Miss Lynch Brigitte Schirlinger
- Teen Angel Andrew Chadwick
- Johnny Casino Leonard Linzer
- Ensemble Alina Adam, Sofia Elena Coretti, Carina Leopold, Marie Ploner, Lucia Prader-Pscheidl, Christina Verrieth, Andrew Chadwick, Jan-Marten Gerve, Tamino Herzog, Ivan Keim, Leonard Linzer, Timm Moritz Marquardt
- Grease-Band: Keyboard Stephan Kanyar, Gitarre I Julien Castanie, Gitarre II Bastian Ruppert, Bass Malte Winter, Drums Stefan Schott, Sax I Wim Wollner, Sax II Nappo (Klaus) Bernatzky
- Musikalische Leitung Stephan Kanyar, Carlos Vázquez, Michael Shannon
- Inszenierung Gil Mehmert
- Bühne Jens Kilian
- Kostüme Falk Bauer
- Choreografie Andrea Danae Kingston
- Licht Michael Grundner
- Dramaturgie Nikita Dubov
- Sounddesign Joerg Grünsfelder
- Produktionsleitung Fabian Schäfer
- Regieassistenz David Kim
- Dance Captain Ivan Keim
- Choreografische Assistenz Andrew Chadwick
- Inspizienz Ulas Nagler, Alexander Becker
- Bühnenbildassistenz Marie Schönenborn
- Kostümassistenz Renè Neumann
Wir bedanken uns bei der Oper Dortmund für die Einladung!
Artikel von Sandra