Mrs. Doubtfire – Deutschlandpremiere 2025

Neues Musical begeistert Düsseldorfer Publikum

© Joshua Hoffmann

Premiere: 06. November 2025 – rezensierte Medienpremiere: 05. November 2025

Insbesondere in Musicals mit vielen humorvollen Szenen, stellt der schmale Grat zwischen übertrieben lustigen, albernen und künstlich, wirkenden Szenen auf der einen Seite und authentisch wirkenden, nicht übertriebenen Szenen auf der anderen Seite eine enorme Herausforderung dar. Wenn ein Musical diesen Balanceakt mit Bravour gemeistert, uns den ganzen Abend hindurch herzlich zum Lachen gebracht und unsere Herzen im Sturm erobert hat, gibt es nur einen Namen: Mrs. Doubtfire.

Die Geschichte des wohl berühmtesten Kindermädchens, neben Mary Poppins, eroberte vor über dreißig Jahren die Kinoleinwände der Welt – nicht zuletzt dank Robin Williams‘ Darstellung des „stacheligen Kindermädchens“ Euphegenia Doubtfire. Mal tanzt sie mit dem Staubsauger Tango, dann löscht sie ihren ausgestopften Büstenhalter, der am Herd Feuer fängt, mit Topfdeckeln. Mit den Kindern spielt sie E-Gitarre auf dem Besen – und scheut sich nicht einmal, sich eine Torte ins Gesicht zu klatschen, um bloß nicht enttarnt zu werden. Von wem ist hier die Rede? Natürlich von Mrs. Doubtfire!

Die Botschaft des Films ist zeitlos: Es kann Familien in jeder Ausprägung und Größe geben, „solange es Liebe gibt, wirst Du immer eine Familie in Deinem Herzen haben!”

Doch auch abseits der Leinwand berührt die Geschichte des arbeitslosen Schauspielers Daniel, der allen Widrigkeiten zum Trotz mit viel Herzblut dafür kämpft, in der Nähe seiner geliebten Kinder zu sein. Die Musical-Adaption des Erfolgsfilms begeistert das Publikum auf den großen Theaterbühnen der Welt. Nachdem das mitreißende Stück bereits im Dezember 2021 am New Yorker Broadway seine umjubelte Premiere feierte, folgte im Mai 2023 die ebenso erfolgreiche Premiere am Londoner West End.

Endlich kommt der neue Musical-Hit auch zu uns nach Deutschland: Am 6. November 2025 feierte Mrs. Doubtfire im Capitol Theater Düsseldorf seine Deutschlandpremiere. Wir durften dem Stück bereits vorab anlässlich der Medienpremiere am 5. November einen Besuch abstatten und waren von der ersten Sekunde an verzaubert. Selten haben wir so herzlich gelacht, dabei Tränen in den Augen gehabt und die unbändige Liebe eines Vaters intensiver gespürt.

Normalerweise erwähnen wir im ersten Teil unserer Berichte das gesamte Produktions- und Kreativteam. Nach diesem Abend kreist jedoch ein Name unaufhörlich wie ein Karussell durch meinen Kopf. Und zwar eines Darstellers, der unentwegt auf der Bühne stand, zwei Rollen gleichzeitig verkörperte und sich vor den Augen des Publikums von Daniel Hillard in Mrs. Doubtfire verwandeln musste. Der nicht nur die Stimme von Kermit dem Frosch und zahlreichen anderen bekannten Figuren perfekt imitierte und uns mit seiner herausragenden Leistung beeindruckte. Die Rede ist natürlich von Thomas Hohler.

© Joshua Hoffmann

Seine Leistung wirkte in keiner Sekunde wie harte Arbeit. Stattdessen strahlte er durchweg pure Spiel- und Lebensfreude aus – hierfür die passenden Worte zu finden, ist kaum möglich. Denn manchmal berühren die Menschen auf der Bühne einen so tief, dass kaum eine Formulierung all das angemessen auszudrücken vermag. Zuletzt erlebten wir Thomas Hohler als den Bösewicht Guy von Gisbourne im Musical „Robin Hood“. Der Kontrast zu seiner neuen Rolle könnte größer nicht sein und doch wirkt sie wie DIE Rolle. Diese eine Rolle, die man für immer mit dem Künstler in Verbindung bringen wird.

Vom ersten Moment an versprühte Thomas Hohler pure Lebensfreude. Ein Vater, der in seinem Inneren das kindliche Wesen nie verloren hat und eine Stimme nach der anderen zu imitieren versteht. Allein die Anfangsszene, in der er all die Stimmen präsentiert, die er imitieren kann, ließ uns innerhalb weniger Minuten die Welt draußen vergessen und voll und ganz in seine Welt eintauchen. An dieser Stelle sei auch die gelungene Anpassung für das deutsche Publikum gelobt. Neben Kermit dem Frosch können die Zuschauenden sich auf zahlreiche weitere Imitationen bekannter Stimmen freuen, die keinen Besucher ohne ein Lachen auf seinem Theatersitz verweilen ließen.

Wie ein Wirbelwind saust er mit einem Tretroller über die Bühne und versprüht Leichtigkeit und Lebensfreude, nur um einen Atemzug später tiefe Emotionen zu transportieren. Die brillanten Wechsel zwischen dem lustigen Daniel Hillard einerseits und dem tief verzweifelten Vater andererseits meisterte er perfekt. Nicht bloß durch seine Worte, sondern vor allem durch seine Mimik. Ebenfalls hervorzuheben sind die Tanzszenen. Neben den energiegeladenen Darbietungen als Daniel Hillard sind insbesondere die Tanzeinlagen, in denen Thomas Hohler als Mrs. Doubtfire über die Bühne flitzt, hervorzuheben.

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Aber auch gesanglich überzeugte er in ausnahmslos jedem Song. Emotionale Höhepunkte waren zum einen das Duett „Einfach so tun“ mit seiner Tochter Lydia (Alina Simon) und zum anderen „Ich wäre gern da“. Herausragend und einzigartig war hingegen seine Darbietung des Songs „Wie spät ist es?“. Thomas Hohler kann nicht nur singen, sondern auch rappen und lässt selbst die anspruchsvollsten Passagen mühelos erscheinen.

Jessica Kessler verkörperte Miranda Hillard, seine Ehefrau. Anfangs überzeugte sie als bemühte, von Verzweiflung getriebene Ehefrau, die sich vor allem eines wünscht: das Beste für ihre Kinder. Doch nicht immer ist das, was Eltern für „das Beste“ halten, auch im Sinne der Kinder. Im weiteren Verlauf zeigte sie die starke Seite ihrer Rolle: eine Frau, die sich danach sehnt, gesehen zu werden, erfolgreich zu sein – und bestenfalls alles unter einen Hut zu bekommen. Wir lernen aber auch die verletzte und unsichere Seite Miranda Hillards kennen. Ihr Zusammenspiel mit Mrs. Doubtfire war grandios, die Pointen saßen perfekt. Auch gesanglich wusste sie durchweg zu überzeugen. Insbesondere ihre Darbietung des Songs „Lass los“ berührte das Publikum zutiefst.

Ihre gemeinsame Tochter, Lydia Hillard, verkörperte Alina Simon. Welch grandiose Leistung! Sie verstand es, intensive Gefühle zu transportieren und in den Songs nicht nur tonal, sondern insbesondere emotional zu glänzen. Lydia, die älteste Tochter Daniel Hillards, steckt mitten in der Entwicklung von einem Teenager zur jungen Frau. Mal brachte Alina Simon den vernünftigen, erwachsenen Anteil ihrer Rolle überzeugend rüber, nur um in der nächsten Szene wieder die tief verletzte Tochter zu sein, die sich fragt, ob ihr Vater sie überhaupt noch liebt. Eine starke Darbietung eines vielschichtigen Charakters – eines Teenagers auf der Schwelle zum Erwachsenwerden.

Christopher und Natalie, ihre beiden kleinen Geschwister, wurden von Mika und Greta gespielt. Kinder bringen immer etwas ganz Besonderes auf die Bühne. Insbesondere, wenn sie – wie in diesem Stück – die ganze Zeit präsent sein müssen und einen zentralen Aspekt der Handlung ausmachen. Mit ihrer natürlichen Art sowie ihren starken tänzerischen und schauspielerischen Darbietungen brachten beide Kinder uns immer wieder zum Staunen.

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Frank Hillard, gespielt von Nicolas Tenerani, und sein Partner Andre Mayem, gespielt von Malick Afocio, harmonierten perfekt als Duo. Es amüsierte das Publikum, wann immer Nicolas Tenerani schrie und sich damit selbst der Lüge überführte. Malick Afocio begeisterte durch seine enorme Bühnenpräsenz und charaktertiefe Stimme.

In seiner Rolle als Stuart Dunmire, dem neuen Partner von Miranda Hillard, war Christian Funk eigentlich kein Sympathieträger. Und doch gelang es ihm, uns restlos zu überzeugen. Die überhebliche Seite seiner Figur, aber zugleich das Bemühen, Mrs. Doubtfire trotz all ihrer spitzen Bemerkungen zu integrieren, brachte er großartig auf die Bühne.

Mark van Beelen hatte es nicht leicht: Er stand nicht nur als strenger Richter, sondern auch als lustiger Jolly auf der Bühne. Zudem tauchte er immer wieder im Ensemble auf und spielte jede seiner Rollen überzeugend.

Ebenfalls auf der Bühne standen Julian Schier (Chef Louis und Ensemble), der wie gewohnt durch seine beeindruckende Bühnenpräsenz überzeugte, Daisy Quainton (Cher, Stripper und Ensemble), mit ihrer ausdrucksstarken Mimik und ihrem herausragenden tänzerischen Talent, sowie Lilan Nikolic (Flamenco- Sängerin und Ensemble), mit ihrem perfekten Zusammenspiel von Mimik und Gesang in ihrer Flamenco-Nummer.

Eigentlich müssten wir jeden Namen einzeln aufführen – schließlich wird das Stück vor allem durch das perfekte Zusammenspiel aller getragen. Allerdings möchten wir unbedingt das herausragende Produktions- und Kreativteam vorstellen.

Kevin McCollum stellte ein hochkarätiges Kreativteam zusammen – darunter die Autoren Wayne und Karey Kirkpatrick sowie John O’Farrell. Als ausführender Produzent war niemand geringeres als Michael Driemler-Falk zuständig. Ein Name, der den meisten Musicalsbegeisterten ein Begriff ist. Er war nicht nur für die Erstaufführung von Moulin Rouge! Das Musical in Köln verantwortlich, sondern in vielen weiteren namenhaften Produktionen.

Die Regie übernahm der in Stuttgart geborene Jerry Zaks, der, ohne zu zögern dem Projekt beitrat. Er betonte, wie wichtig die harmonische Zusammenarbeit mit den Autoren war: „Man verbringt viel Zeit miteinander,– die Chemie muss stimmen.“

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Auch die bekannte Choreografin Lorin Latarro war sofort begeistert: „Ich liebe den Film und wollte schon immer mit Jerry zusammenarbeiten. Er ist ein Genie und die Autoren sind einfach brillant.“ Ihre spritzigen und energiegeladenen Choreografien überzeugen insbesondere durch ihre Vielfalt. Vom Stepptanz über coole Hip-Hop-Moves bis hin zu anspruchsvollen, klassischeren Passagen ist alles dabei. Selbst Mrs. Doubtfire bekam eine Hebefigur – eine Szene, die live besonders wirkte und in Erinnerung blieb.

Die künstlerische Leitung in Düsseldorf oblag Michelle Escaño .

Einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg dieses Projekts haben zweifellos die Übersetzenden geleistet. Um die Witze auf Deutsch wirken zu lassen und die Songs sowohl auf inhaltlicher als auch melodischer Ebene überzeugend zu gestalten, bedarf es viel Erfahrung und Kreativität. Johannes und Ruth Denvy haben die Dialoge und Liedtexte übersetzt und sich damit unsere volle Anerkennung verdient. Mrs. Doubtfire – Das Musical zeichnet sich durch Wortwitze und die wichtigen Botschaften im Liedtext aus. Ihre Umsetzung ist großartig und mehr als gelungen. Zusätzliche Liedtexte übersetzte Kevin Schroeder.

Die Musikalische Leitung übernahm Heribert Feckler – ein weiterer großer Name. Mit seiner Arbeit trug er maßgeblich zum grandiosen Ergebnis der Produktion bei und konnte durchweg überzeugen.

Selbstverständlich haben die Kostüme hier einen hohen Stellenwert. Immerhin muss Daniel Hillard innerhalb kürzester Zeit vom liebenden Vater zum Kindermädchen Mrs. Doubtfire werden. Die Kostüme, die Maske, die schnellen Wechsel – alles passte perfekt zusammen und ließ uns fühlen, als seien wir Teil des Films. Als würde Mrs. Doubtfire wahrhaftig vor uns stehen. Doch auch die anderen Kostüme waren stimmig und ergänzten das Bühnenbild perfekt sowie die Lichteffekte perfekt.

Fazit

Mrs. Doubtfire ist ein Musical für die ganze Familie. Egal ob jung oder alt, hier kommt jeder auf seine Kosten. Selten haben wir so viel gelacht und eine solche Bandbreite an Szenen gesehen, die uns staunen ließen. Thomas Hohler ist die perfekte Besetzung für die Titelrolle. Ein Musical, das wir definitiv ein weiteres Mal besuchen werden.

 
Wir verließen den Theatersaal mit einer der wichtigsten Botschaften:
„Familien sehen unterschiedlich aus. Manche haben eine Mama oder einen Papa,
manche zwei Elternteile desselben Geschlechts. Manche leben bei Großeltern, andere
bei Pflegeeltern. Und manche sehen sich selten. Doch solange Liebe da ist, bleibt die
Familie bestehen.“
Besetzung der Medienpremiere
  • Mrs. Doubtfire / Daniel Hillard – Thomas Hohler
  • Miranda Hillard – Jessica Kessler
  • Lvdia Hillard – Alina Simon
  • Frank Hillard – Nicolas Tenerani
  • Andre Mayem – Malick Afocozi
  • Wanda Sellner – Tamara Wörner
  • Stuart Dunmire – Christian Funk
  • Christopher Hillard – Mika
  • Natalie Hillard – Greta
  • Janet Lundy/ Ensemble/ Therapist – Anneka Dacres
  • Flamenco Singer/ Ensemble – Lilian Nikolic
  • Chef Amy/ Ensemble – Tiziana Turano
  • Grace Kelley/ Ensemble – Marlen Praxmarer
  • Cher/ Striper/ Ensemble – Daisy Quainton
  • Donna Summer/Ensemble – Anna Tarcy
  • Jolly/Judge/ Ensemble – Mark van Beelen
  • Chef Louis/ Ensemble – Julian Schier
  • Loopy Lenny/ Ensemble – Daniel Délyon
  • Flamenco 1/ Ensemble – Jack Walker
  • Flamenco 2/ Ensemble – Francesco Alimonti
  • Oscar Wilde/ Ensemble – Giovanni Corrado
  • Dirigent – Joe Schmitz
  • Band: Joe Schmitz, Tim Davies, Hansjörg Fink, Carsten Gronwald, Matthias Jahner, Oliver Kerstan, Oliver Poschmann, Drazen Zalac

Mrs. Doubtfire – Das Musical ist noch bis zum 12. April im Capitol Theater Düsseldorf zu sehen. Hinweis unsererseits: Aufgrund der schwierigen Parksituation vor Ort empfehlen wir eine Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder die Nutzung eines der Parkhäuser in der Bahnhofsgegend.

Tickets gibt es online unter www.atgtickets.de und über die Tickethotline 01806-101011 (0,20 Euro/Min. aus dem dt. Festnetz, Mobilfunk max. 0,60 Euro/Min. inkl. MwSt.) sowie an allen bekannten VVK-Stellen.
 
Wir bedanken uns bei ATG Entertainment für die Einladung und die tolle Organisation!

Artikel von Sandra