Monty Python´s NOT THE MESSIAH – Musiktheater im Revier Gelsenkirchen 2026

© Pedro Malinowski

Premiere: 13. Dezember 2025 – rezensierte Vorstellung: 05. April 2026

Am 05.04.26 war ich bereits zum zweiten Mal zu „Not the Messiah“ im Musiktheater im Revier (MiR). Bei diesem Werk handelt es sich um ein komisches Oratorium in fünf Teilen mit der Musik von Eric Idle und John Du Prez, Text von Eric Idle, in der deutschen Übersetzung von Thomas Pigor.

Handlung

Palästina, 0 vor Christus. In benachbarten Ställen werden zwei Jungen geboren – Jesus Christus und Brian Cohen. Die Lebensgeschichte des Ersten wurde oft in Musik gesetzt (am bekanntesten ist wohl Händels Oratorium „Der Messias“) – das MiR präsentiert das erste Oratorium über das Leben des Brian!

Der erwachsene Brian schließt sich dem Widerstand gegen die Römer an und wird fälschlich für den Messias gehalten. Das Missverständnis lässt sich nicht mehr klären und Brian gerät in die Fänge der römischen Justiz… Monty-Python-Mitglied Eric Idle hat den Kultfilm von 1979 in eine überaus komische Oratorienform gebracht. Darin treffen barocke Chöre und Arien à la Händel auf ganz andere Musikstile – Gospel, Tango, Mariachi, große Shownummern und herzergreifende Balladen – und vermischen sich mit ihnen zu einer quietschvergnüglichen Parodie. Am Ende hängt der unfreiwillige Messias am Kreuz und kriegt den guten Rat: „Always look on the bright side of life…“

© Pedro Malinowski

Ein paar Zeilen vorab zum Theater

Im Theater im Revier (MiR) gibt es immer wieder überraschende Produktionen zu sehen. Auch ein Besuch im Kleinen Haus lohnt sich. Besonders positiv finde ich, dass man sich dort vor dem eigentlichen Einlass in einem Vorraum aufhalten kann und nicht draußen im Regen stehen muss. Im sehr geräumigen Foyer werden vor der Vorstellung und in der Pause neben den klassischen Bretzeln und den üblichen Getränken auch Currywurst, Frikadellen, Kartoffelsalat und andere Häppchen angeboten. Die Türen zum Saal sind sinnvoll beschriftet, so dass jeder seinen gebuchten Platz leicht findet, die Toilettensituation ist zweckmäßig und die Garderobe ist kostenlos. Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist perfekt.

Mein ganz persönlicher Eindruck zum gesehenen Stück

Das MiR zeigt, dass ein witziges Oratorium durchaus auch anspruchsvolle Kunst sein kann. Ein sehr gelungenes Werk mit sehr vielen lustigen Elementen, perfekten Übergängen und einem sehr spielfreudigen Ensemble. Der Chor begeistert mit einer hohen Präzision und Stimmgewalt – eines Oratorienchors durchaus würdig. Das Orchester unterstreicht den Gesang präzise ohne zu dominant zu sein. Alle Solisten beherrschen ihren Part exzellent und Betty als Erzählerin verbindet das Geschehen sehr geschickt zu einem stimmigen Ganzen. Selbst der Übertitel ist so gestaltet, dass er zu einer eigenen Rolle mutiert – er kommentiert sich quasi teilweise selbst oder bekräftigt das gesungene nochmal. Dosiert eingesetzte Requisiten und Technik unterstreichen das Geschehen auf der Bühne.

Die Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche ist ebenfalls gelungen. Es gibt hier und da ein paar äußerst pfiffige Anpassungen an den Spielort (z. B. bei dem Lied „Wir wollen Heim“).

Alles in allem war es ein sehr rundes Erlebnis in einem zu Recht ausverkauftem Haus. Sollte sich die Gelegenheit ergeben, würde ich es mir gerne noch ein weiteres mal ansehen. Mein persönlicher Tipp: bei diesem Stück lieber einen Platz im oberen Rang wählen, da man von dort die gesamte Bühne überblicken. Sitzt man vorne im Parkett, sieht man z. B. den Chor nicht in Gänze, was schade ist.

Cast & Crew

  • Judith: Katherine Allen (Sopran)
  • Mandy: Almuth Herbst (Alt)
  • Brian: Adam Temple-Smith (Tenor)
  • Reg/Ben: Dirk Weiler (Bariton)
  • Stan/Schwanzus Longus: Philipp Kranjc (Bass)
  • Betty: Daniel Jeroma
  • Opernchor des MiR
  • Neue Philharmonie Westfalen
  • Musikalische Leitung: Mateo Penaloza Cecconi
  • Szenische Einrichtung: Carsten Kirchmeier
  • Kostüm: Anna von der Heide
  • Ton: Max Kallien
  • Chor: Alexander Eberle
  • Dramaturgie: Samuel Zinsli
  • Musikalische Studienleitung: Annette Reifig
  • Musikalische Einstudierung: Karolina Halbig, Ryo Nakanishi
  • Regieassistenz und Abendspielleitung: Benedikt Stoltefuß
  • Inspizienz: Sandra Wissmann
  • Übertitelredaktion: Samuel Zinsli
  • Übertitelrepetition: Lydia Karnolska

Wir bedanken uns für die Einladung!


Gastbeitrag von Simon in Vertretung für Corinna