MALLE OLÈ – Erste Previews

Endlich hat unser 17. Bundesland sein eigenes Jukebox-Musical!

© Corinna Strick

Besuchte Preview am 4.01.2026, Matinee um 14:00 Uhr

Werbung für dieses brandneue, als inhabergeführtes Startup aus der Taufe gehobene Stück tauchte auf bekannten Musical Seiten, in den sozialen Medien, sowie lokal in Duisburg zwar auf, wurde aber offensichtlich noch kaum wahrgenommen. Die weniger als 500 Menschen im Saal, die als „drittes Publikum überhaupt“ das vom Produzententeam rund um Harald Reitinger und Sven-Oliver Müller neu kreierte Malle-Musical erleben, dürfen im Theater am Marientor in Duisburg zusammen rückend die ersten zehn Reihen besetzen. So kommt schnell Stimmung in den Saal, denn einige Gäste sind bestens mit Malle-Motto-Shirts, Blumenkränzen im Haar oder sonst passenden Accessoires ausgestattet und durchaus gewillt, die Show unter der Regie von Erik Petersen mit viel Spaß und aktiv feiernd zu genießen.

Schon im Theaterfoyer wird klar, dass hier ein gut gedachtes Gesamtkonzept angeboten wird. Es gibt einen Merchandise-Stand, der passende T-Shirts, Sonnenbrillen als „schnelle Brillen“ (Showzitat) und passend zum Kaufinteresse ein spendiertes Schnäpschen anbietet. Auf der Rang Etage stehen Liegestühle, die das Mallorca-Sommer-Urlaubsfeeling unterstreichen. Einzig Sangria-Eimer erwartet man im Angebot der Bars (noch?) vergebens. Zu Beginn findet man sich in der Ankunftshalle des Mallorquinischen Flughafens wieder. Es gibt Lautsprecherdurchsagen die versichern, dass man sich um verlorene Gepäckstücke nicht kümmern wird, das im Gepäckraum mitgereiste Baby im Maxi Cosi wohlauf ist und sich der Besitzer seine im Flieger vergessenen 420 Euro am Schalter abholen könne. Dass es ein spaßiges Ereignis wird, ist also schon vorab mal klar.

Der Flughafen sowie die im Verlauf oft wechselnden Szenen im Lokal „Bierpark“, im Gefängnis oder auf einer Luxus Yacht werden durch hohe LED-Wände in Verbindung mit physischen Bühnenelementen und Requisiten dargestellt. So wirkt das Bühnenbild insgesamt professionell, hochwertig, sehr ansprechend und wandelbar. Das Platzieren der bespielten Bühnenelemente gelingt in der gesehenen Preview noch nicht immer flüssig, sodass noch zu oft kleine, aber den Erzählfluss unterbrechende Pausen entstehen. So „ver-puff-en“ (Achtung: anzügliche Wortspiele gibt‘s zuhauf) leider teilweise gut herausgespielte Pointen im Nichts.

Die Darstellenden spielen sowohl miteinander, als auch mit dem Publikum. Der unmittelbare Kontakt kommt gut an. Hierbei darf insbesondere Stefan Reil in der Rolle des Viktor, sein tolles Potential noch mehr ausspielen. Er, der sich zunächst als der eloquent distinguierte, superreiche Yachtbesitzer vorstellt, entpuppt sich rasch als böser Antagonist, der die Schinkenstraße übernehmen und den Ballermann vom asozialen Partyvolk befreien will. Hierzu manipuliert er sogar den Bierzufluss. Warum er dafür drei nach Mallorca gereiste Mädels mit dem Versprechen nach Luxus, Alkohol und Sex auf seine Yacht lockt, erschließt sich im Nachhinein nicht mehr wirklich und zeigt eine Schwäche im Buch auf.

Die Damen–Combo, bestehend aus der sexy Schönheit Olivia mit wallendem roten Haar (großartig Jennifer Siemann), der für jeden Spaß und jede – bierlastige – Aktion zu habenden Michelle (Jessica Kessler mit bekannt hervorragendem Comedy-Timing) sowie der frisch getrennten Laura (Lisa Kimberley Schöppl), trifft gleich zu Beginn ihres Urlaubes auf den passenden Ex-Partner (Peter Knauder), der sich mithilfe von Bier und willigen Frauen von der von wem auch immer ausgegangenen Trennung ablenken will. Er hat ebenfalls seine Freunde im Schlepptau, nämlich den sexy muskulösen Peter (vom zuletzt noch als Mercurio in Romeo und Julia grandios erlebten Anthony Curtis Kirby verkörpert) und den bis dahin jungfräulichen und noch nicht trinkfesten, aber gewillten Jonas (sehr naiv-lustig agierend Till Jochheim), sodass typische Urlauber-Klischees wunderbar bedient werden. Keine Frage, dass man sich im „Bierpark“ trifft, dem angesagtesten Lokal auf der berühmten Schinkenstraße. Unter einigem Alkoholeinfluss trennt sich die Beziehung endgültig, die drei Jungs landen in der Ausnüchterungszelle, die Mädels auf der edlen Yacht des besagten reichen Schönlings „Fick-tor“.

Die doch arg konstruierte und in Viktors Outing als „der Böse“ bzw. beim Auftauchen des „Geistes von Mallorca“ (Adrian Infeld) ins diabolisch-außerirdisch-transzendente abdriftende Story nimmt ihren Lauf. Ob am Ende alles gut wird, das alkoholhaltige Bier im „Bierpark“ wieder fließt und nichts Geringeres eintritt als die Rettung des gesamten Ballermann, ist eigentlich nie eine wirkliche Frage. Dafür sorgen neu geschriebene Songs von Harald Reitinger, typische und tatsächlich auch abseits der unmittelbaren Urlaubsszene bekannten Partysongs von namhaften Ballermann-Interpreten auf das Allerbeste. Immer wieder begleitet von großen Tanznummern und einem wunderbar aufgelegten und energetisch agierenden Ensemble (Choreografien von Sabine Arthold). Überhaupt sorgt der Cast mit ausnahmslos guten bis hervorragenden Stimmen und engagiert spielenden und tanzenden jungen sowie etablierten, erfahrenen Darstellerinnen und Darstellern dafür, dass das in Summe kurzweilige Stück insgesamt tatsächlich gelingt und richtig Spaß macht.

© Corinna Strick

Waren zu Beginn noch deutliche Schwierigkeiten mit dem Ton der vorproduzierten Musik, der es insgesamt etwas an Tiefe fehlt, zu hören, funktionierte dagegen die Lichtregie durchweg gut. Sie tritt allerdings neben den bestens eingesetzten LED-Wänden etwas in den Hintergrund der Aufmerksamkeit. Schon zur Pause sind begeisterte Kommentare des Publikums zu hören. Spätestens im zweiten Teil hält es die Theatergäste bei den dann auch deutlich besser abgemischten Songs nicht mehr auf den Sitzen. Nahezu alle klatschen und singen mit, was durchaus offensiv angeleitet und absolut erwünscht ist. Nach lang anhaltendem Schlussapplaus, selbstverständlich mit Standing Ovations und einem letzten Mega-Mix, lädt der Veranstalter ein, die Abend Show mit demselben Ticket nochmals zu besuchen und nachfolgend an der Ballermann Party im Theater Foyer teilzunehmen – am Vortag soll die jeweils nach den Abendshows dazugehörende After-Show bis halb 2 getobt haben.

Somit beweist das Stück auch aufgrund des dazugehörenden Gesamtkonzeptes durchaus „Potenz-ial“ für das richtige Publikum. Ob dies tatsächlich klassische Musical-Liebhaber sein werden, bleibt trotz bekannter Namen im Cast noch abzuwarten. Für Party-People, Freundesgruppen und Menschen, die fröhlich-vulgäre Anzüglichkeiten nicht nur in Songtexten, sondern auch in den Dialogen sowie den Tanzszenen abfeiern möchten, funktionieren zweieinhalb Stunden beste Unterhaltung einer bierseligen Party, die sie schon während des Stückes von den Sitzen reißen wird.

 
Cast vom 4.01.2026, 14 Uhr Vorstellung:
  • Laura – Lisa Kimberly Schöppl
  • Michelle – Jessica Kessler
  • Olivia – Jennifer Siemann
  • Alex – Peter Knauder
  • Peter – Anthony Curtis Kirby
  • Jonas – Til Jochheim
  • Viktor – Stefan Reil
  • Sabrina, Christina, Carmen – Fiorina Bogatu
  • Ensemble Damen – Anna Rachbauer, Victoria Lisowski, Lisa-Victoria Ebner, Martina Vinazza, Anna Reeves (On Stage Swing)
  • Ensemble Herren – Adrian Infeld, Liam Tiesteel, Johannes Graz, Iman Khaleghi, Antonello Papagno (On Stage Swing)
Kreativteam:
  • Musik – Harald Reitinger
  • Buch – Sven-Oliver Müller
  • Matthias Dinter, Martin Ritzenhoff
  • Regie – Erik Petersen
  • Choreografie – Sabine Arthold
  • Bühnendesign – Belle Reicheneder

Artikel von Corinna