Little Red Riding Hood – English Theatre Hamburg 2025
Ein Weihnachts-Panto für alle Altersgruppen

Premiere: 27. November 2025 – rezensierte Vorstellung: 07. Dezember 2025, 18 Uhr
Am 07. Dezember konnten wir nach einigen Irrungen und Wirrungen die Vorstellung von Little Red Riding Hood im English Theatre of Hamburg ansehen. Das Stück ist als Weihnachtsmärchen ausgeschrieben und erzählt im Grunde die bekannte Geschichte von Rotkäppchen, allerdings doch mit einigen Unterschieden, die wir an dieser Stelle nicht verraten. Wie es sich im English Theatre gehört, wird das gesamte Stück in englischer Sprache aufgeführt und das sogar wo das arme Rotkäppchen zu Anfang noch kein Englisch kann und daher Deutsch spricht. Diese Mischung von Deutsch und Englisch kam bei unserem Testkind (9 Jahre, Englischunterricht seit knapp einem halben Jahr) sehr gut an, so konnte sie doch gerade am Anfang gut in die Geschichte finden, da das Gesagte immer wieder auch auf Deutsch erklärt wurde.
Im Laufe der Geschichte lernt Rotkäppchen dann aber durch ein magisches Reh plötzlich doch Englisch und der Deutschanteil wird allmählich immer weniger, was gar keine weiteren Probleme im Verständnis darstellt. Auf der Bühne werden die wesentlichen Dinge übertrieben szenisch umgesetzt, sodass man trotzdem versteht, um was es geht. Ein paar Kleinigkeiten haben wir aber während des Stücks trotzdem übersetzen müssen, denn die kleinen Feinheiten lassen sich halt doch nur mit ausreichenden Englischkenntnissen verstehen.
Das Publikum wird von den drei Schauspielern auch immer wieder zum Mitmachen animiert, sodass das Stück aufgelockert wird und man sich (gerade als Kind) von dem konzentrierten Zuhören etwas entspannen kann. Die Aufführung von Little Red Riding Hood lebt in hohem Maße von den drei großartigen Darsteller*innen Lennora Esi, Nik Breidenbach und Petter Bjällö, die das Musical mit spürbarer Freude und echter Bühnenmagie tragen.
Lennora Esi als Rotkäppchen ist einfach hinreißend. Sie spielt die Rolle mit so viel Leichtigkeit, Humor und echtem Herzen, dass man ihr sofort verfällt. Ihre Offenheit auf der Bühne und die feinen Nuancen in ihrem Spiel holen das Publikum – besonders die Kinder – sofort ab.

Nik Breidenbach sorgt mit seiner komödiantischen Ader für einige der schönsten Momente des Abends. Sein Timing ist perfekt, seine Energie ansteckend und man merkt, wie viel Spaß er selbst an jeder Szene hat. Das überträgt sich unmittelbar auf den Saal. Seine Gestik und Mimik ist herrlich übertrieben und er spielt den Wolf so liebevoll böse, dass man ihn einfach nur ins Herz schließen kann und keine Angst vor ihm haben muss.
Petter Bjällö wiederum beeindruckt mit seiner Wandelbarkeit, übernimmt er doch in dem Musical gleich vier Rollen: Mutter, Großmutter, Prinz und Mary Lou (magisches Reh). Er bringt genau die richtige Mischung aus Ausstrahlung, Wärme und Spielfreude mit, die seine Rollen zum echten Blickfang machen.

Zusammen funktionieren die drei unglaublich gut: Man spürt die Harmonie, das gegenseitige Vertrauen und die Lust am gemeinsamen Spiel. Genau diese Mischung macht die Produktion zu einem Erlebnis, das nicht nur Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubert, sondern auch Erwachsene richtig begeistert. Ein besonderes Highlight ist außerdem das Puppenspiel von Petter Bjällö, der das kleine Reh Mary Lou zum Leben erweckt. Mit viel Feingefühl, Humor und genauer Beobachtung lässt er die Puppe so lebendig erscheinen, dass man fast vergisst, dass da ein Mensch dahintersteckt. Jede Bewegung wirkt liebevoll abgestimmt, jeder Blick der Puppe hat Ausdruck – mal schüchtern, mal neugierig, mal frech. Petter Bjällö schafft es, Mary Lou eine eigene Persönlichkeit zu geben, die das Publikum sofort ins Herz schließt. Dieses Zusammenspiel aus Technik, Timing und echter Spielfreude macht seine Puppenarbeit zu einem der charmantesten Momente des Musicals.
Das Bühnenbild und die Requisiten sind bewusst klein gehalten. Rotkäppchen trägt statt eines Korbes eine Plastiktüte mit Brokkoli, Apfel und Bagel zur Großmutter, denn Wein und Kuchen sind out. Es lebe die Brokkolisuppe. Im Hintergrund begleitet ein LED Bildschirm die Handlung der Geschichte und projiziert mal einen Wald, mal das Haus der Großmutter auf die Bühne (Projektionen von Paul Glaser). Auf der Bühne selbst befinden sich die meiste Zeit die drei Schauspieler selbst, nur in sehr wenigen Szenen werden Requisiten wie etwa ein Stuhl, eine Kiste oder ein Tannenbaum verwendet.
Ein zusätzlicher Blickfang sind die wunderschön gestalteten Kostüme von Patricia Royo, die das Märchen nicht nur farbenfroh, sondern auch erstaunlich detailverliebt zum Leben erwecken. Jede Figur bekommt durch ihr Outfit eine eigene, klare Persönlichkeit – vom leuchtenden Rot des Rotkäppchen-Umhangs bis hin zu den liebevoll ausgearbeiteten Elementen der übrigen Rollen. Man merkt, wie viel Herzblut und Kreativität in die Gestaltung geflossen sind. Die Kostüme unterstützen das Spiel der Darsteller*innen auf so natürliche Weise, dass sie zu einem wichtigen Teil der Erzählung werden und die ganze Bühne in ein lebendiges Bilderbuch verwandeln.

Auch die Musik des Musicals Little Red Riding Hood (Paul Glaser) hat richtig viel zu bieten. Die Songs sind fröhlich, mitreißend und voller Schwung – genau das Richtige für ein Familienmusical, das gute Laune verbreiten will. Schon nach wenigen Takten beginnt das Publikum unwillkürlich mit den Füßen zu wippen. Die Melodien bleiben im Ohr, ohne sich aufzudrängen, und schaffen eine wunderbar warme, lebendige Atmosphäre. Vor allem in Kombination mit der Spielfreude des Ensembles entfaltet die Musik ihre ganze Kraft und macht viele Szenen zu echten Höhepunkten, die man am liebsten gleich noch einmal hören möchte und so ist nach der Vorstellung dann auch eine CD in unseren Besitz über gegangen (da hat unser Testkind drauf bestanden 😊).
Gesanglich überzeugen Lennora Esi, Nik Breidenbach und Petter Bjällö auf ganzer Linie. Lennora Esi bringt mit ihrer warmen, klaren Stimme eine berührende Leichtigkeit ein, die perfekt zu ihrer Rolle passt und die fröhlichen Songs zum Strahlen bringt. Nik Breidenbach überrascht mit einer erstaunlichen stimmlichen Vielseitigkeit und viel Ausdruck, sodass selbst humorvolle Nummern musikalisch kraftvoll und präzise wirken. Petter Bjällö liefert mit seiner markanten, starken Stimme echte Gänsehautmomente und gibt dem Musical musikalische Tiefe. Zusammen ergeben sie ein harmonisches Trio, dessen Stimmen wunderbar ineinandergreifen und die Musik des Stücks noch einmal auf ein höheres Niveau heben.
Fazit:
The Little Red Riding Hood im English Theatre in Hamburg ist ein vergnügliches Familienstück mit mitreißenden Songs und einer witzigen Geschichte, die etwas von dem bekannten Märchen abweicht und an dieser Stelle nicht verraten werden soll. Ein paar Englischkenntnisse wären gut, doch auch mit wenigen Wörtern kann man der Handlung folgen. Empfehlen würden wir das Stück an Familien mit Kindern im Grundschulalter, deren Kinder bereits erste Erfahrungen mit der Englischen Sprache gemacht haben. Muttersprachler oder Kinder, die bereits früh Kontakt mit Englisch gemacht haben, können der Geschichte natürlich auch schon in einem jüngeren Alter folgen. Das Stück läuft noch bis zum 28. Dezember 2025.
Cast & Kreative
- Lennora Esi
- Nik Breidenbach
- Petter Bjällö
- Buch und Musik: Paul Glaser
- Regie: Paul Glaser
- Musical Direktor: Jon Mortimer
- Projektionen: Paul Glaser
- Kostüme: Patricia Royo
- Licht & Sound: Heiko Böttner/Carina Rieper
- Stage Management: Rebecca Delmas/Barbara Tartaglia
Wir bedanken uns für die Einladung beim English Theatre!
Artikel von Mareike & Heidi