Kulisse Eimke: Von Vampiren und anderen Kreaturen

Wir waren erneut in der Kulisse in Eimke zu Gast. Doch dieses Mal begrüßten uns keine Nonnen, sondern Medusa höchstpersönlich, denn das Thema an diesem Abend: Vampire und andere Kreaturen. Und mit anderen Kreaturen ging es auch gleich los. Valentino Karl und Fiorina Bogatu begrüßten das Publikum als Gomez und Morticia Addams und legten eine flotte Sohle aufs Parkett (Bist du ein Addams). Gleich zwei weitere Lieder ließen uns die Familie Addams näher kennen lernen. Johanna Haas als Wednesday besang „Neue Wege“ und Fiorina Bogatu freute sich über den Tod, der um die Ecke steht.
Dass sich sehr viel Gedanken über die Setliste gemacht wurde, zeigte sich bereits zu Beginn. Eben noch wartete der Tod noch an der Ecke, da betritt er auch schon im nächsten Lied die Bühne. Mit „Wenn ich tanzen will“ zeigen Valentino Karl und Johanna Haas als Tod und Elisabeth ihre stimmliche Vielfalt: zwei Stimmen, die sich gegenseitig herausfordern, umspielen und am Ende perfekt miteinander verschmelzen. Johanna Haas als Elisabeth war schlicht beeindruckend. Ihre Stimme hat eine unglaubliche Klarheit und Stärke, die Elisabeths Freiheitsdrang und Selbstbewusstsein wunderbar spürbar macht. Gleichzeitig schwingt in jedem Ton eine Verletzlichkeit mit, die die Figur so menschlich und nahbar werden lässt. Wenn sie singt, glaubt man ihr jedes Wort – jede Emotion trifft mitten ins Herz. Valentino Karl schafft es mit seiner ausdrucksstarken Stimme den Tod nicht nur bedrohlich, sondern auch verführerisch und faszinierend wirken zu lassen. Da ist diese geheimnisvolle Ruhe, dieses kontrollierte Feuer in seiner Stimme, das einen sofort in den Bann zieht. Man merkt: Er spielt nicht einfach eine Rolle, er ist der Tod – elegant, gefährlich, unwiderstehlich. Das Wechselspiel aus Nähe und Distanz, aus Macht und Sehnsucht war so intensiv, dass man fast vergaß zu atmen. Ihre Stimmen ergänzen sich perfekt. Es war ein emotionaler Tanz zwischen Leben und Tod, zwischen Freiheit und Verführung – und Valentino Karl sowie Johanna Haas haben diesen Moment mit so viel Gefühl und stimmlicher Brillanz erfüllt, dass er einem noch lange im Gedächtnis bleibt.
Das Lied „Zahnarzt“ war einer der Höhepunkte des Abends – voller schwarzem Humor, Energie und köstlichem Grusel. Daniel Holtz glänzte in der Rolle des verrückten Zahnarztes mit einer starken Stimme, überdrehtem Charme und perfekt dosiertem Wahnsinn. Man merkte ihm die Spielfreude in jeder Sekunde an. Fiorina Bogatu überzeugte als sein verängstigtes Gegenüber mit komödiantischem Feingefühl und einer wunderbar lebendigen Darstellung, die das Publikum sofort auf ihre Seite zog. Gemeinsam sorgten die beiden für Lacher, Staunen und ein leichtes Schaudern – schließlich ging es um einen Zahnarztbesuch, der vielen Zuschauern sicher einen kleinen Schreck eingejagt hat. Ein rundum gelungener, witzig-gruseliger Moment mit zwei großartigen Darstellern und ganz viel Watterollen.

Nach einem kurzen Abstecher in ein heruntergekommenes Gasthaus („Seeräuber Jenny“ aus „Die Dreigroschenoper“) und ins Paris der 1860er Jahre („Musik der Nacht aus „Das Phantom der Oper“) wurde das Publikum erneut nach London „entführt“ um dort keinen geringeren zu treffen als Dr. Jekyll. Mit „Dies ist die Stunde“ berührte Valentino Karl das Publikum tief. Seine Stimme war kraftvoll und voller Emotion, jeder Ton getragen von Leidenschaft und innerer Zerrissenheit. Er ließ Jekylls Kampf mit sich selbst spürbar werden – intensiv, mitreißend und absolut authentisch. Anders als im Musical „Jekyll und Hyde“ wurde das Stück „Komm schaff die Männer ran“ nicht nur von einer Lucy gesungen sondern gleich von zweien: Johanna Haas und Fiorina Bogatu begeisterten mit sprühender Energie, komödiantischem Timing und einer beeindruckenden Bühnenpräsenz. Ihre Stimmen harmonierten perfekt, mal spielerisch neckend, mal kraftvoll und temperamentvoll, sodass jede Passage des Liedes lebendig und mitreißend wirkte. Das Zusammenspiel der beiden Künstlerinnen war perfekt: man spürte den Spaß, den sie selbst auf der Bühne hatten, und das übertrug sich sofort auf das Publikum. Ein kurzweiliger, witziger und stimmlich brillanter Moment, der sowohl musikalisch als auch schauspielerisch voll überzeugte. Die erste Halbzeit des Abends wird getragen von den vier Sängerinnen und Sängern. Das Bühnenbild ist hierbei sehr schlicht gehalten. Manchmal unterstützt ein Stuhl die Szene oder ein paar Gläser und ein Geschirrtuch, doch meist reichen ein paar Lampen, die Fenster an die Wand projizieren, um das Publikum in eine andere Welt zu entführen. Viel Schnickschnack ist auch gar nicht nötig. Als Abschluss des ersten Aktes folgte der Höhepunkt: Daniel Holtz mit dem Stück „Die Konfrontation“. In „Die Konfrontation“ zeigt der Sänger als Dr. Jekyll eine beeindruckende stimmliche und darstellerische Leistung. Mit kraftvoller, ausdrucksstarker Stimme und perfektem Timing bringt er den inneren Konflikt der Figur – zwischen Rationalität, Verzweiflung und aufkeimender Dunkelheit – mitreißend auf die Bühne. Seine Interpretation ist emotional intensiv und packend, jede Nuance wirkt durchdacht, jede Phrase lässt die Spannung spürbar steigen. Daniel Holtz zieht das Publikum vollständig in Jekylls turbulentes Gefühlschaos hinein und schafft dabei einen Moment voller Dramatik, Tiefe und Gänsehaut, Ihm gelang es, das Publikum von der ersten bis zur letzten Sekunde zu fesseln– „Die Konfrontation“ wurde in seiner Interpretation zu einem emotionalen Höhepunkt, der noch lange nachwirkte.
Nach der Pause übernahmen die Vampire das Zepter. Johanna Haas und Daniel Holtz präsentierten das epische Duett zwischen Sarah und Graf von Krolock: „Totale Finsternis“. Das Zusammenspiel der beiden war voller Spannung und Gefühl – ein Wechselspiel aus Nähe und Distanz, zwischen Angst, Verlangen und Faszination. Man spürte in jeder Sekunde die Intensität dieser Szene. Die Stimmen harmonierten auf eindrucksvolle Weise – Johanna Haas mit ihrem klaren, emotionalen Sopran, der zwischen Sehnsucht und innerem Aufbegehren schwebte, und Daniel Holtz mit seiner warmen, kraftvollen Stimme, die den verführerischen, geheimnisvollen Charakter perfekt traf. Ein wirklich sehr gelungener Auftakt in die zweite Hälfte des Abends.
Das Bühnenbild für den zweiten Akt bestand aus einem runden Kirchenfenster, einer Treppe, die durch Säulen gesäumt war und stimmungsvollem Licht. Auch hier zeigte sich einmal mehr, dass es gar nicht viele Requisiten braucht, um eine Geschichte zu erzählen. Die vier Darsteller zeigten auch im zweiten Teil ihr ganzes Können und begeisterten das Publikum. In „Tot zu sein ist komisch“ zeigte Fiorina Bogatu als Magda eine eindrucksvoll emotionale Darstellung. Mit warmer, klarer Stimme und spürbarer Tiefe brachte sie die zwiespältigen Gefühle über Chagalls Tod zum Ausdruck – Schmerz, Erleichterung und Frieden zugleich. Ein stiller, berührender Moment, der das Publikum bewegte.
Gleich im Anschluss lieferte Daniel Holtz als Graf von Krolock mit „Die unstillbare Gier“ einen wahrhaft überwältigenden Moment. Seine Stimme war kraftvoll, warm und gleichzeitig von einer tiefen Melancholie durchzogen – jedes Wort trug Bedeutung, jede Note Gefühl. Er verkörperte die Zerrissenheit und Einsamkeit des Grafen mit beeindruckender Intensität und gab der Figur eine berührende, fast menschliche Tiefe. Die Mischung aus majestätischer Präsenz und verletzlicher Sehnsucht machte seinen Auftritt zu einem echten Gänsehaut-Erlebnis, der mit tosendem Applaus vom Publikum gewürdigt wurde.
Valentino Karl zeigte mit „Frost an einem Sommertag“ eine gefühlvolle und stimmlich beeindruckende Leistung. Seine warme, ausdrucksstarke Stimme und die spürbare Emotion machten das Lied zu einem bewegenden Moment voller Tiefe und Schönheit – still, ehrlich und berührend. Johanna Haas und Daniel Holtz erschufen mit „Ein Leben mehr“ aus dem Musical „Dracula“ einen wunderschönen Moment auf der Bühne. Ihre Stimmen passten perfekt zusammen. Gemeinsam erzählten sie die tragische Liebe zwischen Mensch und Vampir mit großer Hingabe und spürbarer Verbindung.

Mit dem nächsten Lied verließen wir die Vampire, blieben jedoch den Schlössern treu. Valentino Karl sang sehr gefühlvoll „Wie kann ich sie lieben“ aus „Die Schöne und das Biest“. Mit dem Lied „Rebecca“ zeigte Fiorina Bogatu eine starke und fesselnde Darstellung. Sie brachte den zunehmenden Wahnsinn der Mrs. Danvers mit intensiver Mimik, kraftvoller Stimme und großer Bühnenpräsenz überzeugend zum Ausdruck. Ihre Interpretation war düster, leidenschaftlich und mitreißend was mit viel Applaus vom Publikum belohnt wurde.
Krönender Abschluss des Abends war für viele Zuschauerinnen und Zuschauer mit Sicherheit der Songblock aus dem Musical „The Rocky Horror Show“. Stilecht gekleidet in Strapse und Mieder mit Pumps an den Füßen sangen und tanzten sich die vier Darsteller durch eine Minizusammenfassung der Story. Bekannte Hits wie „Damn it Janet“ und „Over at the Frankenstein Place“ fehlten ebenso wenig wie „Touch-a Touch- a Touch Me“ oder „Sweet Transvestite“. Spätestens beim „Time Warp“ gab es dann für die Zuschauer kein Halten mehr auf den Sitzplätzen und so wurde eifrig mitgesungen und getanzt.
Wer das Konzert über die eher düsteren Gestalten der beliebten Musicals selbst einmal live erleben möchte, kann dies noch an folgenden Terminen tun: 20.02.2026 und 21.02.2026. Es lohnt sich definitiv! Tickets gibt es direkt über die Kulisse Eimke.
- Valentino Karl
- Fiorina Bogatu
- Johanna Haas
- Daniel Holtz
Wir bedanken uns beim Team der Kulisse Eimke für die Einladung!
Artikel von Mareike & Heidi