Kulisse Eimke: VANYA – So war die Premiere

(c) Olaf Potent

Premiere & rezensierte Vorstellung: 20. März 2026

Nach vielen Stunden gemeinsamer Probenarbeit und unzähligen Kulissenbauarbeiten war sie nun endlich da: die Premiere des Theaterstücks VANYA. Noch bevor Valentino Karl überhaupt die Bühne betreten hat, ist man bereits vom Bühnenbild gefangen. Mit ein paar wenigen Ausnahmen (drei Stühle und eine Kommode) ist die komplette Kulisse aus Pappe gebaut – eine Entscheidung, die auf den ersten Blick schlicht wirkt, sich jedoch als äußerst wirkungsvoll erweist. Die reduzierte Verwendung von unterschiedlichem Material verleiht der Inszenierung eine besondere Leichtigkeit und unterstreicht zugleich die Zerbrechlichkeit der dargestellten Welt.

Besonders hervorzuheben ist die liebevolle Detailarbeit: Trotz des einfachen Materials wirken Tisch, Stühle und Requisiten keineswegs grob oder improvisiert, sondern sorgfältig durchdacht und präzise gestaltet. Die Pappe wird hier nicht als Einschränkung, sondern als künstlerisches Mittel genutzt, das dem Bühnenraum eine eigene Ästhetik verleiht. Es gibt unter anderem Türen, einen Gasherd, mehrere Becher und eine Teekanne. Und obwohl beim Kulissenbau keine teuren Materialien sondern nur Pappe verwendet wurde, ist das Bühnenbild mehr als beeindruckend.

Ein überraschendes und fast spielerisches Element liegt in den „funktionierenden“ Requisiten. So erzeugen der Teekessel und das Radio die Illusion tatsächlicher Funktionalität – ein Moment, der beim Publikum Staunen und ein leises Schmunzeln hervorruft. Diese Details beleben die Szene und schaffen eine charmante Verbindung zwischen Illusion und Realität.

Man sieht, mit wie viel Liebe zum Detail und Leidenschaft diese Produktion vorbereitet wurde. Regisseurin Johanna Haas hat gemeinsam mit ihrem Team eine wirklich originelle Kulisse geschaffen. Insgesamt gelingt es dem Bühnenbild, mit einfachen Mitteln eine starke visuelle Wirkung zu entfalten. Es unterstützt nicht nur die Atmosphäre des Stücks, sondern setzt auch einen eigenständigen künstlerischen Akzent, der lange im Gedächtnis bleibt.

Immer wieder wird die Inszenierung musikalisch von Klängen aus den 1980er-Jahren begleitet. Diese stehen in einem interessanten Kontrast zum schlichten und fast zeitlosen Bühnenbild. Die Musik läuft dabei nicht nur im Hintergrund, sondern trägt dazu bei, die einzelnen Szenen zu gliedern, Stimmungen zu verstärken und neue Assoziationen beim Publikum zu wecken. Durch die Kombination aus nostalgischer Popmusik und der minimalistischen Pappkulisse entsteht insgesamt eine besondere, leicht entrückte Atmosphäre.

(c) Olaf Potent

Doch worum geht es nun eigentlich? Das Stück VANYA von Simon Stephens ist eine moderne Neuinterpretation von Anton Tschechows Klassiker „Onkel Wanja“. Im Zentrum steht Ivan, genannt Vanya, der beginnt, sein bisheriges Leben zu hinterfragen. Dabei wird ihm bewusst, dass er viele Jahre für Ideale gelebt hat, die sich im Nachhinein als trügerisch herausstellen. Diese Erkenntnis stürzt ihn in eine persönliche Krise. Gefühle, die er lange verdrängt hat – wie Enttäuschung, Wut und Sehnsucht – brechen plötzlich hervor und bestimmen sein Denken und Handeln. Insgesamt geht es in dem Stück um verpasste Chancen und unerfüllte Träume, aber auch um die Frage, ob es möglich ist, noch einmal neu anzufangen.

Neben Ivan sind die Protagonisten der Geschichte Michael (Arzt), Maureen (Haushälterin), Sonja (Ivans Nichte), Alexander (Ivans Schwager, war verheiratet mit Ivans verstorbenen Schwester), Liam (Knecht), Helena (neue Ehefrau von Alexander) und Elisabeth (Ivans Mutter). Grandios verkörpert wurden all diese Personen von Valentino Karl.

Mit großer Wandelbarkeit und bemerkenswerter Präsenz schafft er es, jeder einzelnen Rolle eine eigene Persönlichkeit zu verleihen. Es ist erstaunlich, wie es ihm gelingt, so viele unterschiedliche Figuren darzustellen, jeder einzelnen etwas Eigenes zu geben und dann auch noch zwischen den einzelnen Charakteren hin und her zu tauschen. Trotz der schnellen Rollenwechsel verliert man als Zuschauer nie den Überblick. Durch kleine Veränderungen in Stimme, Haltung und Mimik schafft er es, die Charaktere klar voneinander zu unterscheiden.

Zusätzlich arbeitet er mit eindeutigen Erkennungsmerkmalen: Sonja nestelt zum Beispiel immer an einem Geschirrtuch herum, Helena spielt mit ihrer Kette und Michael fährt sich ständig mit der Hand durch die Haare. Solche wiederkehrenden Gesten helfen dabei, die Figuren sofort zu erkennen und geben ihnen noch mehr Persönlichkeit.

Valentino Karls Spiel ist sehr lebendig und emotional. Die Gefühle der Figuren kommen glaubwürdig rüber, sodass man sich gut in sie hineinversetzen kann. Seiner herausragenden schauspielerischen Leistung ist es zu verdanken, dass das Stück VANYA so eindrucksvoll wirkt und den Zuschauer tief bewegt in den Abend entlässt.

Wer sich nun einmal selbst von dem kreativen Bühnenbild und dem grandiosen Schauspieltalent von Valentino Karl ein Bild machen möchte, hat an folgenden Terminen erneut die Gelegenheit dazu: 22./23./24. Mai. Karten gibt es unter www.kulisseeimke.de oder direkt an der Abendkasse.

Cast
Valentino Karl
Regie
Johanna Haas
Kulissenbau und Requisiten
Alle, die gerade Zeit hatten 😉 (Zitat Johanna Haas)

Wir bedanken uns bei der Kulisse Eimke für die Einladung!


Artikel von Mareike & Heidi


VANYA auf Bühnenlichter.de

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