KINKY BOOTS: UK-Tour macht Halt in Oberhausen 2026
Sexy Stiefeln, Drag Queens und Songs von Pop-Ikone Cindy Lauper

Oberhausenpremiere & rezensierte Vorstellung: 21. Januar 2026
Nach Jahren des Wartens ist es endlich so weit: „Kinky Boots” ist zurück in Deutschland. Die englischsprachige UK-Tour begeistert seit Ende Oktober 2025 das Publikum in Deutschland und der Schweiz und präsentiert eine packende Neuinszenierung. Nach Stopps in München, Zürich und zuletzt Berlin, darf sich ab sofort auch das Ruhrgebiet auf eine mitreißende Show voller WOW-Momente, mitreißender Tanzszenen sowie einer berührenden Botschaft freuen.
Wovon handelt sie Show?
Es ist eine einzigartige Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht: Charlie Price erbt die traditionsreiche Herren-Schuhfabrik seines Vaters Price & Son in Northampton. Allerdings ist die Liebe zu Schuhen nie auf ihn übergesprungen und er weiß nicht, dass die Firma kurz vor dem Bankrott steht. In London begegnet er der Drag Queen Lola. Sie zeigt ihm ein grundlegendes Problem: Für Drag-Queen-Performer existiert kein hochhackiges Schuhwerk, das sowohl stabil genug für ihre schillernden Showauftritte als auch „sexy” ist.

Daraus entsteht Charlies zündende Idee: sexy Schuhe für Drag Queens – eben echte „Kinky Boots“. Allerdings warten auf Charlie und Lola zahlreiche Herausforderungen und Widerstände. Auf ihrem gemeinsamen Weg lernen sie, ihre alten Vorurteile abzulegen und sich selbst – in all ihren Facetten – anzunehmen. Denn am Ende des Tages sind wir alle liebenswert und genauso richtig, wie wir sind – unabhängig von unserer Hautfarbe, dem Aussehen, Prestige oder unserer Sexualität.
Das Musical „Kinky Boots“ feierte zunächst große Erfolge am berühmten New Yorker Broadway, bevor es 2015 auch das Londoner West End begeisterte. „Kinky Boots“ gewann unter anderem sechs Tony- und drei Olivier-Awards sowie einen Grammy Award.
Was zeichnet die Show aus?
„Kinky Boots“ bietet ein Rundum-Paket der Spitzenklasse. Grandiose Kostüme, ein stimmiges – für eine Tourproduktion bemerkenswert aufwändiges – Bühnenbild gepaart mit einer Vielzahl unterschiedlichster Persönlichkeiten, lassen zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommen.
Dank der eingängigen Songs von Pop-Ikone Cyndi Lauper kamen nicht nur stimmungsvolle, sondern wiederholt auch echte Gänsehautmomente auf. Mein ganz persönliches Highlight des Abends – neben den Songs – waren definitiv die Choreografien. Ausnahmslos alle Darsteller*innen begeisterten durch ihren ausdrucksstarken sowie technisch perfekten Tanz. Auf der Bühne herrschte durchweg ein buntes Treiben, war nicht ausschließlich an den vielfältigen Persönlichkeiten lag, sondern sich zusätzlich in den schillernden Kostümen der Drag-Queens, die im starken Kontrast zu den unauffälligen Outfits der Mitarbeitenden von Price & Son stehen zeigte. Der Abend bot eine Vielzahl lustiger Momente, die immer wieder durch emotionale Szenen abgelöst wurden.

Konnten Lichtdesign, Bühnenbild und Ton überzeugen?
Kurz und knapp: Ja! Das stimmige Lichtdesign unterstrich das Spiel auf der Bühne. Die Show wurde musikalisch von einer Live-Band begleitet, der gut abgemischte Ton sorgte für klar verständliche Stimmen. Die besondere Relevanz einer guten Tonalität liegt darin, dass der gesamte Musical-Abend in englischer Sprache präsentiert wurde. Positiv hervorzuheben ist außerdem die durchweg deutliche Artikulation, sodass es mit einem gewissen Grundverständnis der englischen Sprache problemlos möglich war, der Handlung zu folgen. Darüber hinaus erschienen am Bühnenrand deutsche Zusammenfassungen des Geschehens, sodass die Handlung jederzeit nachvollziehbar blieb.
Die Besetzung
Das Niveau des Abends lag extrem weit oben. Wie bereits erwähnt, wussten alle Mitwirkenden gleichermaßen durch präzise und energiegeladene tänzerische Darbietungen sowie eine beeindruckende Bühnenpräsenz zu überzeugen. Außerdem harmonierte der Cast hervorragend und wirkte gut eingespielt.
Besonders hervorzuheben ist selbstverständlich Tosh Wanogho-Maud, dem es gelang, sowohl die Rolle der schillernden Drag-Queen Lola als auch des unsicheren Simon zu verkörpern. Genau diese Gegensätzlichkeit brachte er gekonnt auf die Bühne. Während Tosh Wanogho-Maud als Lola selbstsicher und extrovertiert agierte, brachte er Simons fragile Seite eindrucksvoll zum Vorschein. Hier ist vor allem der Song „Not My Father’s Son“ zu erwähnen, den er mit so viel Hingabe und Gefühl interpretierte, dass nicht nur ich die eine oder andere Träne verdrücken musste.
Was macht diesen Song so besonders? Zunächst natürlich der Inhalt: Beide, sowohl Simon/Lola als auch Charlie, teilen die schmerzhafte Erfahrung, nie der Sohn gewesen zu sein, der sie hätten sein sollen. Die zarten, souligen Passagen sorgen für tiefe Emotionen, wohingegen die kraftvollen Momente den inneren Schmerz verstärken – eine emotionale Achterbahnfahrt. Gleichzeitig leitet der Song einen Wendepunkt ein: Gemeinsam beschließen sie, „Kinky Boots” zu designen und die Firma damit zu retten. Im Finale des Songs stellt Lola sich erstmals als Simon vor – eine großer Schritt.

Stimmlich übertraf er alle Erwartungen. Mit viel Gefühl und Soul sorgte Wanogho-Maud für tiefe Emotionen. In den Tanz-Nummern offenbarte er dann seine kraftvolle Stimme. Es waren vor allem seine tiefen Töne, die mich zutiefst berührten. Was die Tanzeinlagen betrifft, standen Tosh Wanogho-Maud und die „Angels” vor der mit Abstand größten Herausforderung des Abends. Auf hochhackigen Schuhen tanzten sie über die Bühne, als sei es eine Leichtigkeit. Kein Wunder also, dass einzelne Songs während der Show mehrfach bejubelt wurden.
Übrigens ist Tosh Wanogho-Maud, neben seiner Arbeit auf der Bühne, auch regelmäßig in Film- und Fernsehproduktionen zu sehen . Er hatte Rollen in Serien wie „Still Up“ (Apple TV+), „Bridgerton“ (Netflix), „Roadkill“ (BBC One) und „A Discovery of Witches“. Im Netflix-Weihnachtsfilm „Jingle Jangle“ spielte er Pip.
Dan Partridge verkörperte die Rolle des Charlie Price. Stimmlich wusste auch er durchweg zu überzeugen und beeindruckte außerdem durch sein facettenreiches Schauspiel. Entschlossen und energiegeladen zeigte er sich im Song „Step One”, ließ zugleich aber auch die tief verzweifelte Seite seiner Rolle sichtbar werden. Besonderes Highlight seiner gesanglichen Darbietung: „Soul of a Man”.

In weiteren Rollen konnten unter anderem Courtney Bowman als Lauren und Billy Roberts als Don überzeugen. Bowman bewies ein beeindruckendes Mienenspiel und komödiantisches Talent. Mit ihrer kräftigen Stimme und charakteristischen Darbietung fesselte sie das Publikum. Ihr Song „The History of Wrong Guys” begeisterte und sorgte für tosenden Applaus.
Kritik?
Der Abend hat all meine Erwartungen übertroffen, sodass ich keine Kritikpunkte habe. Da wir die Vorstellung zu zweit besucht haben, ergeben sich selbstverständlich zwei unterschiedliche Blickwinkel. Ich konnte der Handlung problemlos folgen – es wird jedoch nur eine grobe Zusammenfassung des jeweiligen Szenenverlaufs eingeblendet, sodass humorvolle Dialoge für Zuschauende mit weniger guten Englischkenntnissen möglicherweise nicht verständlich sind. Der Handlung und dem Show-Erlebnis selbst tut das allerdings keinen großen Abbruch.
Fazit
„Kinky Boots“ begeistert mit spektakulären Tanzeinlagen sowie einer berührenden Story, die aktueller nicht sein könnte: Es geht um Vielfalt, Toleranz, wahre Freundschaft und den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen – unabhängig vom Druck externer Erwartungen.
„Kinky Boots“ ist noch bis zum 1. Februar im Metronom Theater in Oberhausen zu sehen. Tickets gibt es online unter www.eventim.de sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen.
Besetzung: Mittwoch 21.01.2026
- Lola – Tosh Wanogho-Maud
- Charlie Price – Dan Partridge
- Lauren – Courtney Bowman
- Nicola – Joanna O’Hare
- Don – Billy Roberts
- Pat – Kathryn Barnes
- Trish – Jessica Daley
- Mr. Price & Angel – Jonathan Dryden Taylor
- George – Scott Paige
- Harry – Liam Doyle
- Simon Sr. & Angel – Ashley-Jordan Packer
- Angels: Nathan Daly, Ru-Fisher, Jordan Isaac, Kofi Dennis, Craig Watson
- Ensemble: Cerys Burton, Kaya Farrugia, Tori McDougall, Annell Odartey
- Band: Musical Director – Grant Walsh, Assistant Musical Director – Millie Davies, Guitar 1 – Jack Hartigan, Guitar 2 – Conor Gallagher, Bass Guitar – Dave Rice, Drums – Noah Key
Wir bedanken uns bei Limelight Entertainment & Semmel Concerts für die Einladung!
Artikel von Sandra