Karl May Spiele 2025: Hinter den Kulissen von Halbblut

Zuständig für die Requisite und die Ausstattung ist schon seit Jahren Katja Paprzik. Der Schmuck an den Waffen, die Requisiten im Saloon, die Geigen, die Fahnen – dies alles liegt in ihrer Verantwortung. Selbst das „Opossum“, welches Winnetou zum Lagerfeuer mitbringt, stammt aus der Requisiten-Werkstatt.

Man möchte sich gar nicht das Gewusel auf der Hinterbühne vorstellen. Wenn dies nicht gut koordiniert wäre, ist Chaos vorprogrammiert. Damit dies nicht passiert, sorgt zum einen Inspizient Marc Francisco dafür, dass auf der Hinterbühne alles reibungslos abläuft. Durch eigene Erfahrung als Statist, gehört er doch schon rund 25 Jahre zum Karl May Team, kennt er die Hinterbühne in und auswendig. Alles hört auf sein Kommando – Schauspieler, Reiter, Statisten. Natürlich weiß jeder, was er wann zu tun hat, aber es kann immer etwas unvorhergesehenes passieren, ob nun auf der Hinterbühne oder vorne in der Arena selbst. Daher ist der Inspizient im stetigen Kontakt mit dem Leitstand und Stefan Tietgen, der die Bühne von vorne sieht und schnell mit Durchsagen reagieren kann. Tietgen ist ebenfalls seit langem mit den Spielen verbunden. Er zählt gut und gerne schon mehr als 30 Jahre zum Kalkberg-Team.

Kleider machen Leute – und am Kalkberg tragen sie dazu bei, dass die Darsteller noch mehr in ihre Rollen schlüpfen. Die Kostüme sind ein echter Blickfang und gleichzeitig Ausdruck handwerklicher Meisterleistung und der Leidenschaft für Westernromantik. Zudem sollen sie nicht nur eindrucksvoll aussehen, sie müssen wind- und wetterfest sein und dabei Bewegungsfreiheit für waghalsige Stunts und spannende Kämpfe bieten.

In „Halbblut“ sind besonders die Kostüme der Indianer im Fokus, die so nah wie möglich kultureller Authentizität gestaltet wurden. Leder, Fransen, Perlen und Naturmaterialien kommen ebenso zum Einsatz wie symbolträchtige Farben und handgefertigte Details. 

Die Kostüme des Ehepaares Leveret sind fein aufeinander abgestimmt (Einzelheiten nachzulesen in unserem Bericht zur Gaststarpräsentation) und zeigen den alten Prunk der Südstaaten. Auch das zweite Kostüm von Sonja Kirchberger als Donna Leveret passt sich gut in das Geschehen und bietet wahrlich mehr Bewegungsfreiheit als ihr Kleid.

Ein besonderes Merkmal bei den Karl-May-Spielen: Die Darsteller dürfen bei den Kostümproben eigene Vorschläge einbringen, was verbessert werden könnte und auch Regisseur Nicolas König beteiligt sich aktiv am kreativen Prozess. So entstehen Figurenbilder, die nicht nur optisch überzeugen, sondern auch das Spielgefühl der Schauspieler unterstützen.

Martina Kanehl, die bereits zum dritten Mal für die Karl-May-Spiele als Kostümbildnerin und Werkstattleiterin tätig ist, bringt ihre jahrzehntelange Erfahrung aus Film, Theater und Show mit an den Kalkberg. Seit 2020 verantwortet sie nicht nur die Leitung der Schneiderei, sondern auch die kreativen Entwürfe – und begeistert mit einem Gespür für Authentizität und Funktionalität. Zusammen mit ihrem Team kümmern sie sich auch während den Vorstellungen um die Kostüme, falls mal etwas kaputt geht. Selbst die Pausen zwischen den Vorstellungen werden zum aufbereiten der Kostüme genutzt.

Die Anforderungen an die Maske bei den Karl-May-Spielen sind ebenfalls sehr hoch: Wind, Wetter, Schweiß, Pyrotechnik und körperliche Action gehören zur Tagesordnung. Dennoch müssen die Darsteller widerstandsfähig geschminkt sein – aber natürlich und lebendig wirken. Die Maske muss auf das Kostüm und die Rolle abgestimmt sein. So trägt zum Beispiel Sascha Hödl als „Halbblut“ eine hellere Perücke als alle anderen Indianer, um seine Herkunft so noch weiter zu untermalen und ihn auch bildlich von den anderen zu unterscheiden. Selbst jeder einzelne Lidstrich oder Kayal entscheidet über gut oder böse oder einfach nur dem Ausdruck mehr Intensität zu verleihen. Zum 13. Mal übernimmt Pia Norberg 2025 die Verantwortung für die Maske.

Das Bühnenbild stammt von Erik Rüffler, der selbst einmal als Old Shatterhand am Kalkberg zu sehen war: Ende der 1970er Jahre gab es neben der regulären Spielzeit auch eine Inszenierung in der nur Kinder auftraten – Winnetou wurde damals sogar von einem Mädchen verkörpert. Erik Rüffler war in späteren Jahren noch in verschiedenen Positionen am Kalkberg mit dabei.

Die Villa wurde in drei Teilen in die Arena gebracht und spektakulär mit einem Kran zusammengesetzt. An allen Ecken und Enden ist die Kulisse mit Leben gefüllt, man weiß in den Massenbildern gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Der Zweikampf zwischen Winnetou und Ik Senanda ist besonders in den Abendstunden ein großes Highlight, wenn rund herum in der Arena Fackeln aufleuchten. Die Pyrotechnik sowie auch das Stuntteam haben sehr viel zu tun. Selbst die Statisten im Hintergrund sind reichlich gefordert.

Das Kostüm des Dr. Hartley erinnert an das des „Pinguin“ von 1992 aus dem Film „Batmans Rückkehr“ – mit Zylinder und Frack.

Text: Nathalie