Kammertheater Karlsruhe: Bis dass der Tod…

Das Kammertheater Karlsruhe feiert sein 70. Jubiläum und beginnt die neue Spielzeit mit fulminanten Stücken. In der Spielstätte K1 stellt sich die Frage, welche Methode zur Beendigung einer Ehe am sinnvollsten zu wählen ist, während im K2 das neue ABBAhus seine Türen zur Party im legendären und erfolgreichen Bällebad geöffnet hat. Auch die folgenden Stücke versprechen schon jetzt eine abwechslungsreiche und hochkarätige Spielzeit, auf welche sich das Publikum sehr freuen kann.
Die Ehe ist für viele die Krönung ihrer Liebe. Doch ist es nicht mit einem einfachen „Ja“ getan, denn nach diesem wichtigen Wort ist man nicht nur Mann und Frau, nein ab diesem Zeitpunkt treten rechtliche und bürokratische Regeln in Kraft. Verschiedene Möglichkeiten wie z.B. ein Ehevertrag oder eine Gütertrennung, können im Vorhinein Klarheit bringen , sollte eine Scheidung unvermeidbar sein.
Doch was tun, wenn die Liebe so groß war, dass man die Gütergemeinschaft gewählt hat und so alles geteilt wird. Im schlimmsten Fall müssen so von 22 Million € 11 Millionen € an den nicht mehr so geliebten, untreuen Ehemann abgetreten werden. Genau in dieser Situation findet sich Helena wieder. Ihr Mann Gregor war wohl schon immer hauptsächlich auf ihren Reichtum aus und nun, wo sie die Scheidung möchte um frei zu seinen für ihren Geliebten Pascal, müsste sie die Hälfte ihres Vermögens , stolze 11 Millionen € an Gregor abtreten.
Dies will Helena so einfach nicht hinnehmen, es muss doch einen anderen Weg geben. Pascal, ehemals der beste Freund von Gregor sowie Anwalt, sieht aus rechtlicher Sicht keine andere Möglichkeit. Doch Helena denkt an eine andere Methode um den lästigen Ehemann los zu werden, er soll sterben. Pascal soll ihr bei diesem Vorhaben helfen und anstelle von Gregor die 11 Millionen € sowie ihr Testament erhalten um dann endlich ein glückliches Leben mit ihr führen zu können.
Während Helena sich mit ihrer Idee schon fast am Ziel sieht, ist auch Gregor am überlegen wie er an die Millionen kommen kann. Auch ihm erscheint der Tod seiner Gattin, als unkompliziertester Weg und so bietet er Pascal für seine Mithilfe 3 Millionen € an. Pascal sichert beiden seine Hilfe zu, denn auch er ist nur auf das Vermögen aus und so sieht er es als genialen Plan, Gregor und Helena von einem Auftragskiller , ermorden zu lassen.
So engagiert er den Kleinkriminellen Arno , den Doppelmord auszuführen. Zu Beginn läuft alles nach Plan und Gregor wird das erste Opfer von Arno. Doch als Helena nach Hause kommt, beginnen die unerwarteten Momente und der Plan läuft komplett aus dem Ruder. Als dann auch noch Helenas naive und schusselige Cousine Yvette, die Wohnung betritt nimmt das Chaos seinen Lauf.
Pascals vermeintlich perfekter Plan „zwei Menschen, zwei Kugeln“, ist in seiner Ursprungsform aus verschiedenen, unvorhergesehenen Wendungen gescheitert und so kommt es, wie es kommen muss, beim Geld hört die Freundschaft auf. Zwei Kugeln werden die Tatwaffe verlassen, doch wer von den übrigen Protagonisten wird noch sein Leben lassen müssen?
Dies lässt sich bei mörderisch guter Unterhaltung bis zum 12.10.2025 im K1 des Kammertheater Karlsruhe herausfinden. In diesem schwarz humorigen, kurzweiligen Theaterstück erhält man einen ganz anderen und neuen Blick auf die Ehe und was passieren kann, wenn die Liebe nicht mehr vorhanden ist.
Die Methode, welche in „Bis dass der Tod…“ gewählt wird, ist mit Abstand die abwegigste und ungewöhnlichste. Doch ist es definitiv die witzigste, skurrilste und absurdeste Art und Weise, welche dieses Stück erzählt, um seinen Partner los zu werden. Es wird nicht nur auf das Mordobjekt geschossen, die Lachmuskeln werden dauerhaft mit witzigen Dialogen bombardiert. Freunde des schwarzen Humor kommen hier voll und ganz auf ihre Kosten.
Als Zuschauer findet man sich zwischen einfach nur lachen und ab und an dem Gedanken „das hat er jetzt nicht gesagt“ wieder. Es war ein sensationell, mörderisch unterhaltsamer Abend mit großartigen Darstellern und perfekt gezielten Pointen und Dialogen.

Alle Darstellenden füllten ihre Rollen hervorragend aus und boten dem Publikum so Theater auf hohem Niveau. Das Zusammenspiel gelang allen mühelos und alle Pointen zündeten auf Grund der perfekten Darstellung. Man wurde in dieses Stück hineingezogen und konnte sich dank der hervorragenden schauspielerischen Leistungen, der Geschichte nicht entziehen. Stefan Schneider spielte sich als , der wohl sympathischste Mörder, sofort in die Herzen des Publikums. Man konnte ihn einfach nur mögen. Auch wenn er eigentlich für das Morden zuständig war und so der Bösewicht des Stückes verkörperte, zog er die Lacher des Publikums auf sich.
Die vermögende Helena wurde von Judith Speckmaier verkörpert, welche diese Rolle mit Bravur ausfüllte. Energisch, resolut und dennoch verletzlich, zeigte sie viele Facetten dieser Figur und überzeugte durch Leidenschaft und Freude auf der Bühne.
Patrick Dollmann spielte den begünstigten Ehemann Gregor, der allerdings nur an den Millionen und wenig an seiner Gattin interessiert war. Es machte große Freude ihm bei der Darstellung dieses Charakters auf der Bühne zu zusehen, auch wenn er auf Grund der Thematik des Stückes , leider nach einer gewissen Zeit nicht mehr aktiv am Stück teilnehmen konnte. Doch auch eine Leiche will gekonnt gespielt sein und dies vermochte Dollmann sehr gut.
Pascal, der Geliebte von Helena wurde von Markus Schöttl verkörpert. Dem Publikum am Anfang als der sympathische Geliebte und Anwalt präsentiert, wandelte sich diese Figur zum rücksichtslosen, geldgierigen Egoisten und so bot so wohl die größten Veränderungen. Schöttl zeigte eine brillante Darbietung und überzeugt mit viel Leidenschaft. Die Verwandlung von gut zu böse gelang ihm fantastisch.

Die etwas verrückte, chaotische und naive Cousine Yvette wurde mit viel Energie, Leidenschaft und dem richtigen Maß an Verrücktheit von Elisabeth Ebner gespielt. Sie sprühte vor purer Freude auf der Bühne und brachte das Publikum mit ihrer bunten, schrillen und mit viel Herz geprägten Darstellung, zum Lachen. Mühelos spielte sie sich in die Herzen der Zuschauer.
Das Bühnenbild, welches die elegante Wohnung der vermögenden Eheleute Gregor und Helena darstellte, passte hervorragend zum Inhalt des Stückes.
Ein mehr als gelungener Auftakt in die neue Spielzeit im K1 des Kammertheater Karlsruhe. Wir freuen uns schon auf die weiteren Stücke der Jubiläumsspielzeit und gratulieren dem Kammertheater Karlsruhe zu 70. Jahren „Kammer machen , Kammer lachen“. Auf noch viele weitere fantastische Theaterjahre in diesen beiden wundervollen Spielstätten.
- Gregor : Patrick Dollmann
- Yvette : Elisabeth Ebner
- Arno : Stefan Schneider
- Pascal : Markus Schöttl
- Helena : Judith Speckmaier
- Inszenierung : Frank- Lorenz Engel
- Ausstattung : Tom Grasshof
- Regieassistenz : Katinka Kratzert
- Disposition Kostüme/ Requisiten : Mihaela Schönfelder
- Technik : Jakob Graf zu Dohna, Liam Hanke, Negin Mozafari, Peter Schmitt, Ramon Schönfelder
- Aufführungsrechte : Thomas Sessler Verlag