Interview mit Saskia Hirschberg zu: Will You Heal My Heart

©Catharina Zintel Fotografie
©Reverie

Interview mit Saskia Hirschberg zu:

Will You Heal My Heart

Saskia Hirschberg bezeichnet sich selbst als hemmungslose Tagträumerin, die sich gerne in den unterschiedlichsten Geschichten verliert. Sie ist Bestseller-Autorin, Ghostwriterin und Texterin – es passt also, zu behaupten, ihr Leben drehe sich um die Liebe zu Texten. Saskia Hirschberg ist im Bereich der Belletristik ebenso zu finden wie bei Sach- oder Kinderbüchern.

Ende letzten Jahres zog mit Will You Hold My Hand der erste Teil ihrer neuen Dilogie nicht nur in die Regale der Buchhandlungen, sondern auch in mein Bücherregal ein. Eine Geschichte, die ich als authentisch, gefühlvoll und ehrlich wahrgenommen habe – mit einer schönen Portion Liebe, ohne dabei kitschig zu wirken. Es wurden sensible Themen, wie Trauer und Verlust behandelt, die Saskia Hirschberg jedoch mit so viel Fingerspitzengefühl integriert hat, dass sie gut verträglich waren. Aber auch die Bedeutung von Freundschaft und der Weg zu innerer Heilung, fanden ihren Platz. Am Ende hat dich Geschichte mein Herz berührt und mich mit einem warmen Gefühl zurückgelassen.

Bevor am 23. September mit Will You Heal My Heart der finale Teil erscheint, durften hatten wir die Möglichkeit, der Autorin ein paar Fragen zu stellen.

Nach Will You Hold My Hand erscheint jetzt mit Will You Heal My Heart der finale Teil deiner Dilogie. Was können deine Leser:innen erwarten? Herzen zu heilen, klingt ja erst einmal vielversprechend.

Sie bekommen auf jeden Fall einen tieferen Einblick in Alicks Leben – und damit meine ich nicht nur in sein Innerstes. (Das allerdings wird definitiv harter Tobak, Leute.) Ich meine auch im geographischen Sinn: Wir reisen zu Orten, die Alicks Leben geprägt haben.

Zum Beispiel geht es endlich auf das Forbes-Anwesen. Außerdem besuchen wir einige Stationen aus seiner Kindheit – etwa die Boys’ School in Helensburgh, von der wir in Band 1 nur aus den Erzählungen der geschwätzigen (aber liebenswerten) Haushälterin der Familie Forbes erfahren haben.

Und wir dürfen gespannt sein, wie es bei Sienna weitergeht. Denn nur, weil sie ihre Trauer in Band 1 so einigermaßen überwunden hat, ist ihre Geschichte noch nicht zu Ende erzählt – ich sag nur: Es gibt ein Wiedersehen mit bekannten Gesichtern – aber eine Person erwartet ihr ganz sicher nicht …

Der Spielort ist in Glasgow. Warst du selbst schon dort?

Jawohl, ich war mehrfach vor Ort – schon für Band 1, um die Stadt kennenzulernen, und auch wieder während der Schreibphase von Band 2. Bei meinem letzten Besuch hat es mich auch in die Highlands verschlagen, in die Gegend um Fort Augustus – dem „Sechshundert-Seelen-Kaff“, wie Sienna ihren Heimatort nennt. Verschlafen und wunderschön gelegen am letzten Zipfel des Loch Ness, wie es in der Geschichte immer wieder so schön heißt – mit seinen Schleusen und Booten und dem mystisch anmutenden Frühnebel, der über den Berggipfeln hängt.

Und ich war natürlich am Loch Lomond, wo die Forbes-Familie ihr Anwesen hat – also Alicks Adoptivfamilie. Ich will nicht zu viel verraten, aber dorthin entführe ich euch in der Geschichte schon ganz zu Anfang, und wir werden einen unvergesslichen Sommer erleben: mit Festivals, Ruderregatten, Konzerten und dem ein oder anderen romantischen Moment …

Wie würdest du Sienna und Alick auf den ersten Blick beschreiben? Und wie, wenn man genauer hinsieht?

Sienna wirkt auf den ersten Blick relativ schüchtern, ich würde sagen, zu Beginn in Band 1 sogar fast verängstigt – was kein Wunder ist, nachdem, was sie erlebt hat. Im Verlauf der Geschichte zeigt sich aber, dass sie auf ihre eigene leise Art sehr mutig ist. Alick formuliert das in Band 2 an einer Stelle sehr schön: „… mir wird klar, dass ich niemanden kenne, der so bereitwillig wie Sienna immer wieder seinen Mut zusammenkratzt, damit das Leben sich doch noch von seinen besten Seiten zeigen kann.“ In Band 2 lernen wir dann eine viel selbstbewusstere und stabilere Sienna kennen.

Bei Alick hat man am Anfang das Gefühl, dass er nicht sehr nahbar ist. Das liegt zum einen daran, dass er von Kindesbeinen an von der Person im Stich gelassen wurde, die ihm am nächsten hätte stehen sollen – seiner Mutter – und daran (Achtung Spoiler), dass er häufig wechselnde Pflegefamilien hatte. Sprich: Nähe zu Menschen aufzubauen, die man bald wieder verliert … nun ja, dann vielleicht erst gar nicht zu vertraut werden …

Punkt 2 ist aber – und der überwiegt bei genauerem Hinsehen -, dass Alick sich durchaus öffnet, jedoch nur für ausgewählte Menschen oder Interessen. Und das hat nichts mit Arroganz zu tun, sondern schlichtweg mit seinem Fokus. Er investiert so viel Zeit und Herzblut in die Menschen, die von der Gesellschaft ausgeschlossen und/oder benachteiligt werden, dass gar nicht so viel Kapazität oder das Bedürfnis nach tausenden neuen Freundschaften bleibt.

In Band 2 verbringt er viel Zeit mit den Kindern und Jugendlichen aus G20, einem Jugendclub in einem eher unterprivilegierten Viertel. (Den gibt es übrigens wirklich und ich habe ihn während meiner letzten Recherchereise besucht.) Der Arbeit mit den Kids verschreibt Alick sich mit Leib und Seele und engagiert sich über die Grenzen seiner Zuständigkeit als Betreuer hinaus – was ihm vielleicht sogar zum Verhängnis werden könnte … just saying.

©Reverie

Ist es möglich, Band 2 ohne Vorkenntnisse zu lesen oder hängen sie zusammen?

Ich sag mal so: Man kann der Handlung in Band 2 definitiv folgen, ohne Band 1 gelesen zu haben. Die wichtigsten Ereignisse aus der Vorgeschichte werden – wo nötig – kurz umrissen und in Erinnerung gerufen. Aber es macht eindeutig mehr Spaß, wenn man Band 1 kennt und miterlebt hat, wie sich Sienna und Alick entwickeln – zusammen und getrennt voneinander.

Sind sie in Band 2 überhaupt noch zusammen? Und was ist aus den anderen Charakteren geworden? Wer taucht wieder auf – vielleicht sogar mit einer größeren Rolle? Welche Fäden und Andeutungen aus Band 1 werden aufgegriffen und aufgelöst? Und wie sehen die Orte aus, die wir bisher nur vom Hörensagen kannten, aber nie zuvor bereist haben – wie zum Beispiel Alicks altes Viertel …

Hast du einen heimlichen Favoriten der Geschichte?

Bei Band 1 kam oft die Frage auf: Alick oder doch sein Adoptivbruder Jes? Auch Siennas beste Freundin Hailey ist mit ihrer fürsorglichen und positiven Art bei den Lesern sehr beliebt. Mein Herz hat jedoch jemand ganz anderes mittlerweile gewonnen: Isobel, Alicks Adoptivmutter. Sie hat so viel Anmut und Stärke und dabei ein Herz, das unerschöpflich an Liebe ist – sie ist meine geheime Heldin der Geschichte. Und dann ist da noch Liv: Sie ist sexy (auch und vor allem vom Charakter her), unerschrocken und sehr selbstbewusst. Ich glaube, sie ist der Inbegriff dessen, was die Leute aktuell „eine wahreQueen“ nennen – eine starke, selbstbewusste Frau, die für sich einsteht und ihre Persönlichkeit authentisch lebt. Liv werden die Leser in Band 2 ebenfalls sehr lieben.

In den Beschreibungen deiner Dilogie taucht immer wieder die Formulierung „Rescue Romance“ auf. Was hat es damit auf sich?

In der Literatur, vor allem im Genre New Adult, tauchen so genannte Tropes auf – das sind wiederkehrende Erzählmuster oder Charaktertypen, die sich durch verschiedene Geschichten ziehen. Sie sind sozusagen die „Bausteine“ des Geschichtenerzählens. Der „I can fix them“-Trope ist ein sehr beliebtes Muster, bei dem eine Person versucht, ihren gebrochenen oder traumatisierten Partner durch Liebe zu „heilen“ oder zu „reparieren“. Meist ist es die eine Person, die rettet, während die andere gerettet wird. In meiner Geschichte ist es anders: Bei Sienna und Alick funktioniert das nicht nach diesem klassischen Schema. Hier retten sie sich gegenseitig – mal ist die eine stark, wenn der andere schwach ist, dann wieder umgekehrt. Sie finden in ihrer Liebe Ablenkung von ihren jeweiligen Problemen und haben in der anderen Person einen Gesprächspartner auf Augenhöhe, von dem sie sich ernst genommen fühlen. Es ist keine einseitige Rettungsaktion, sondern eine gleichberechtigte Partnerschaft, in der beide ihre Stärken und Schwächen haben und sich abwechselnd gegenseitig stützen. Das macht ihre Beziehung viel authentischer und gesünder als das typische „Liebe kann dich retten-Muster“.

Klappentext zu Will You Heal My Heart

Sienna hätte nie gedacht, dass sich Liebe so anfühlen kann – wie der erste tiefe Atemzug nach einem langen Sturm. Endlich ist sie angekommen: an der Uni, in Glasgow und an Alicks Seite. Vor ihnen liegt ein unbeschwerter Sommer. Doch ein Vorfall im Jugendclub, in dem Alick sich ehrenamtlich engagiert, bringt plötzlich alles ins Wanken, was sie sich gerade erst aufgebaut haben. Denn eine Begegnung konfrontiert Alick mit seiner Vergangenheit und stellt ihn vor eine lebensverändernde Entscheidung. Sienna will für ihn da sein. Aber als ihre beste Freundin Hailey zum Semesteranfang nicht aus den Highlands an die Uni zurückkehrt, steht Sienna plötzlich selbst vor der Frage: Holt uns die Vergangenheit so lange ein, bis wir den Mut finden, ihr entgegenzutreten?

Persönliches Fazit

Will You Hold My Hand war mein erstes Buch von Saskia Hirschberg – und obwohl ich sehr viel lese, ist ihre Geschichte eine, die bis heute in mir nachhallt. Ich kann sie jedem, der sich mit schmerzhaften, aber auch angenehmen Themen in einem Wohlfühlambiente auseinandersetzen möchte, nur wärmstens ans Herz legen.

Auf der ersten Ebene erzählt der Roman die Geschichte von Alick und Sienna. Auf den zweiten Blick können die Leser:innen jedoch so viel mehr aus dieser authentischen Geschichte mitnehmen. Zum Beispiel ein Verständnis für Trauerprozesse oder mögliche Trigger. Manchmal gibt es Ereignisse, die für den Großteil der Menschen eine Banalität darstellen – für andere hingegen nicht. Wenn Trauerprozesse unverarbeitet sind oder eine Seele traumatisiert ist, reagieren Menschen anders. Und genau das macht die Geschichte so wundervoll authentisch. Es müssen nicht immer die großen, für jeden offensichtlichen Situationen sein, für die sensibilisiert wird.

Die Entwicklung der Charaktere ist so gestaltet, dass ihr Verhalten nach und nach immer mehr Sinn ergibt. Am Ende der Geschichte gab es keine Situation mehr, die für mich unschlüssig wirkte. Unterschiedliche Erfahrungen, Prägungen und finanzielle Hintergründe führen zu unterschiedlichen Verhaltensweisen und Glaubenssätzen. Wer das erkennt, wird sich nicht nur in Alick und Sienna, sondern auch in die anderen Personen verlieben. Und vielleicht auch etwas über sich selbst oder einen Menschen aus dem persönlichen Umfeld lernen.

Weitere Neuerscheinung der Autorin

Das Wunder aus der Wunschbaumklinik: Das Bilderbuch über eine Kinderwunschreise von Anna Adamyan mit Saskia Hirschberg – erscheint am 26.09.2025 für Kinder ab dem 4. Lebensjahr mit Illustrationen von Alexandra Götz.

Wir bedanken uns bei der Autorin für das ausführliche Interview.

Interview: Sandra