Hinter den Kulissen: Interview mit Dirk van der Koelen – Q Events
„Inklusion leben“ statt es als bloßes Schlagwort zu benutzen

Enorme Preiserhöhungen, eine für viele mittlerweile unbezahlbare 1. Reihe sowie zwar kontinuierlich fortschreitende Anpassungen für mobilitätseingeschränkte Menschen – die allerdings nach wie vor optimierungsbedürftig aussehen – sind in der Musicalbranche keine Seltenheit.
Personen, die aufgrund einer Einschränkung in der ersten Reihe sitzen müssen – sei es aufgrund einer Beeinträchtigung des Sehvermögens oder einer anderen Einschränkung – müssen tief in die Tasche greifen. Genau hier setzt Dirk van der Koelen mit seinem Konzept an. Erschwingliche Ticketpreise sowie die Möglichkeit einer individuellen Unterstützung gewährleisten eine gleichberechtigte Teilnahme. Die 1. Reihe ist für Menschen mit Einschränkungen reserviert – ohne Mehrkosten. Sie sind nicht nur willkommen, sondern ganz besondere Ehrengäste. Denn echte Teilhabe bedeutet mittendrin zu sein, nicht nur dabei.
Im Interview hat Dirk van der Koelen uns verraten, wie er auf die Idee gekommen ist, was Q-events so einzigartig macht und wie die ersten Rückmeldungen seitens der Zuschauenden ausgefallen sind.
Q Events – Culture, Arts, Music – Was hat dich motiviert, eine Eventagentur zu gründen?
Ich habe für die Gemeinde Weeze (meinem Hauptarbeitgeber) das 1.Weezer Adventssingen veranstaltet. Die jetzige Q-Events Philosophie für das Adventssingen entwickelt und mit Janneke Ivankova (die zu der Zeit noch als Elsa im Erfolgsmusical „Die Eiskönigin“ auf der Bühne stand) besetzt. Dieses Event ging komplett durch die Decke: die Menschen waren glücklich, begeistert und vollkommen fasziniert von der Qualität, die Janneke als Darstellerin mitbringt. Daraus habe ich anschließend das „Produkt“ von der Thematik „Weihnachten“ befreit. Die aktuellen Charity-Shows, die – zunächst zumindest – hier bei uns am Niederrhein zu sehen sind, basieren auf derselben Philosophie.

Was ist für dich der entscheidende Unterschied zwischen „Inklusion bewerben” und „Inklusion leben”?
Ich habe oft das Gefühl, dass der Begriff „Inklusion“ als Marketinginstrument genutzt wird – den betroffenen Menschen jedoch keinen wirklichen Vorteil bietet. Meistens überhaupt keinen. Mittlerweile gibt es zumindest bei einem GdB von 70 % gewisse Zugeständnisse, aber den hat ja auch nicht jeder. Wir setzen stattdessen auf einen tatsächlichen Mehrwert. Bei uns haben unsere Gäste das Recht auf einen Platz in der 1. Reihe – unabhängig vom GdB bzw. dem Grad der Einschränkung. Darüber hinaus betreuen wir unsere „Inklusions-Gäste“ bei Bedarf auch im Theater oder am Platz. Der Aspekt ist uns so wichtig, dass er ein zentraler Punkt der Q-Events-Philosophie ist. Beim Adventssingen haben wir beispielsweise ein Podest mit einer Rampe seitlich vor die Bühne gebaut, um Menschen mit eingeschränkter Mobilität eine perfekte Sicht auf die Bühne zu ermöglichen. Dabei hatten wir die Unterstützung eines Partners, der für warme Decken und Getränke gesorgt hat.
Dein Konzept beruht auf den 3 Säulen: Kulturelle Nähe, Zugang für alle, Gelebte Inklusion. Was können wir uns darunter vorstellen?
Bedauerlicherweise zeigt der Trend der letzten Jahre, eine explosionsartige Preissteigerung bei Musicalbesuchen. Hinzu kommen die Reisekosten. Wir kommen vom Niederrhein und müssen – „Starlight Express“ und Düsseldorf einmal ausgenommen – nach Hamburg, Berlin oder Stuttgart reisen, um große und berühmte Produktionen wie „Tarzan“, „We Will Rock You“ oder „Die Eiskönigin“ live erleben zu können. Mittlerweile sind auch die Benzinpreise enorm gestiegen, sodass diese finanzielle Belastung für viele Menschen schlichtweg nicht mehr tragbar ist.
Unsere Strategie bildet einen Gegenentwurf: erschwingliche Ticketpreise für jedermann und die großen Stars wie Andreas Bongard oder Jessica Kessler direkt vor der Haustür. Auf diese Weise schaffen wir einen Zugang für jeden, der es möchte und schließen niemanden aufgrund fehlender finanzieller Voraussetzungen aus. Kunst und Kultur sind Allgemeingut und sollten grundsätzlich für jeden erlebbar sein. Das Konzept der Inklusion habe ich bereits in der vorherigen Frage dargestellt. Soziale Gerechtigkeit ist einer unserer zentralen Werte und hier möchten wir unbedingt Verantwortung übernehmen und ein Zeichen setzen. Ich bin sehr glücklich, dass es immer mehr Darstellerinnen und Darsteller gibt, die diese Idee und Philosophie mittragen und supporten.
Am 8. und 9. Mai findet in Goch die Charity-Gala „A Musical Journey” mit den Musical-Stars Jessica Kessler, Christina Maria Brenner, Carl van Wegberg und Andreas Bongard statt. Worauf können die Besuchenden sich freuen? Welche Songs erwarten uns?

Zu den Songs möchte ich an dieser Stelle noch gar nicht so viel verraten. Aber ich glaube, man kann sich auf eine Reise durch alle Facetten der Musicalwelt freuen: alt und neu, traditionell und modern, klassisch und experimentell, Uptempo und Ballade – und vor allem sensationelle Sängerinnen und Sänger mit unglaublichen Stimmen. Mit dabei ist Nadja Bach, eine Pianistin, die in Kevelaer bereits dafür gesorgt hat, dass beide Shows durch Standing Ovation – mitten in einem Song – für sie unterbrochen wurden. Diese Frau ist eine Sensation am Flügel! Eins verrate ich: Es beginnt mit einem jungen Mann, dessen Herz seiner artfremden Mutter gehört 😉
Was bedeuten Musicals für dich ganz persönlich?
Musical bedeutet für mich erstklassige Unterhaltung mit unglaublich gut ausgebildeten Menschen, die viel zu häufig unterschätzt werden. Es gibt Shows, die eine gewisse Zeit meines Lebens bestimmt haben, weil ich dort privat stark involviert war. Es gibt Shows, die mich einfach umhauen und Darsteller, die ich aufgrund ihrer fantastischen Leistung wirklich bewundere – aber es gibt auch Produktionen, die mich gar nicht berühren. Was jedoch immer bleibt, ist mein voller Respekt den Menschen auf und hinter der Bühne gegenüber. Es ist zum Teil schlichtweg sensationell, was dort geleistet wird und wie hart daran gearbeitet wird, damit für die Zuschauenden alles ganz einfach aussieht. Gerade deshalb bemühen wir uns bei Q-Events, unseren Darstellenden eine Wohlfühloase zu bieten, solange sie bei uns sind.
Welche ersten Rückmeldungen gab es von den Besuchenden?
Die Resonanz auf die Premiere in Kevelaer im Oktober 2025 war grandios. Es gab minutenlange Standing Ovations und das Publikum wollte unsere fünf Künstlerinnen und Künstler – Anna Thorén, Gerd Achilles, Carl von Wegberg, Christina Maria Brenner und Nadja Bach – einfach nicht von der Bühne lassen. Das hat mich unglaublich stolz gemacht, denn meine Idee, dass wir zumindest hier am Niederrhein eine solche Qualität auf den Bühnen nicht gewohnt sind, wurde absolut bestätigt. Wir hatten am Samstag einen Run auf die Abendkasse – und das allein dank Weiterempfehlungen der Menschen, die am Freitag in der Show waren. Das war schon etwas ganz Besonderes.
„lebendig. vielfältig. atmosphärisch“ – das ist mehr als nur ein Motto, oder?
Ja, es ist Teil einer Q-Events-Show, dass alle Künstler und Künstlerinnen direkt nach der Show nach draußen ins Publikum kommen und für die Gäste ansprechbar sind. Es fällt nicht gleich der Vorhang und alles ist zu Ende, sondern es entsteht ein besonderer Moment: direktes Feedback und die Möglichkeit für die Zuschauenden, die Darstellenden auch als Menschen zu erleben. Das ist etwas Besonderes, von dem beide Seiten – Darstellende und Gäste – zehren. Es verringert die Distanz zwischen dem Star auf der Bühne und dem „Normalo“ im Publikum. So entsteht ein wunderbarer Austausch.
Gewinnspiel
Damit alle, die jetzt auf den Geschmack gekommen sind, ebenfalls einen unvergesslichen Abend erleben können, haben wir eine tolle Neuigkeit: Für den 9. Mai verlosen wir jeweils 2 Tickets für „A Musical Journey“ in Goch. Die Teilnahme am Gewinnspiel ist über Instagram und Facebook möglich. Das Gewinnspiel startet am 29. April und endet bereits am 03. Mai! Also schnell unsere Kanäle checken und in den Lostopf hüpfen!
- Weitere Informationen sind auf der Homepage: Q Events | zu finden.
Wir bedanken uns bei Dirk van der Koelen für das ausführliche Interview und die Bereitstellung der Tickets für das Gewinnspiel.
Interview von Sandra