Hinter den Kulissen: Ein neues Theater entsteht – Kammertheater Leipzig

Aus Alt mach Neu mit starken Partner

Im Herbst 2023 hat in der Leipziger Innenstadt das Theater „Funzel“ nach 32 Jahren seine Türen geschlossen. Zentral gelegen, unweit der Nikolaikirche, in der Strohsack-Passage bespielte bisher Schauspieler Thorsten Wolff (u.a. bekannt aus TIERÄRZTIN DR. MERTENS) die Bühne mit seinem Team und brachte das Publikum zum lachen. Nun kommt es im Oktober 2025 zu einer Neueröffnung des Theaters. Darsteller Patrick Cambiaghi-Nitschke eröffnet an genau diesem Ort das Kammertheater Leipzig.

v.l.n.r.: Patrick Cambiaghi-Nitschke & Bernd Gnann; © Kammertheater Leipzig

Moment mal? Kammertheater? Die Kombination kommt uns doch bekannt vor! Cambiaghi-Nitschke wird Intendant des Theaters in Leipzig und hat mit Bernd Gnann einen starken Geschäftsführer an seiner Seite. Gnann unterhält nämlich auch das Kammertheater Karlsruhe (Intendant: William Danne) und die Komödie am Klosterplatz in Bielefeld (mit René Heinersdorff). Also ein wahrlich starker Partner, der in den letzten Jahren durch zahlreiche Eigenproduktionen glänzen konnte und nicht zuletzt selbst als Schauspieler tätig ist. 

Das hat zur Folge, dass nun Eigenproduktionen nicht nur in Karlsruhe und Bielefeld gezeigt werden können, sondern auch in Leipzig. Dies passiert direkt in der ersten Spielzeit mit „ABBA – Waterloo im Bällebad“, „Achtsam Morden“ oder auch dem „Traumschöff“. Ebenso gastieren Sonderveranstaltungen in Leipzig, wie das gerade in Karlsruhe gefeierte „Ach, leck mich doch“ mit Kate Hall, Dorothea Kriegl und Alessandra Meyer-Wölden.

Aber auch eigene Formate werden ihren Platz im Kammertheater Leipzig finden. Spannend wird es vermutlich beim DUELL DER SÄNGER, einem Gameshow-Konzert welches bereits am 18. Dezember, 19. März und 18 Juni geplant ist. Welche Sänger*innen dabei mitmachen werden, ist bisher noch nicht bekannt. 

Außerdem lädt das Theater ab dem 06. November immer einmal im Monat zum AFTER WORK APERITIVO in die Theaterbar. Hier sollen die Gäste bei leckeren Drinks abschalten können und bei Live-Musik den Arbeitsalltag hinter sich lassen. 

Im Vorfeld der Eröffnung des Kammertheaters Leipzig haben wir Patrick Cambiaghi-Nitschke ein paar Fragen gestellt, denn er selbst steht beim Kammertheater Karlsruhe mit SHOW MUST GO ON auf der Bühne und wird auch in seinem eigenen Theater in der ein oder anderen Produktion zu sehen sein.

v.l.n.r.: Patrick Cambiaghi-Nitschke, Nick Harras, Anne Leßmeier in SHOW MUST GO ON © Nora Zimmer

Was ist das Faszinierende an SHOW MUST GO ON?

SHOW MUST GO ON begleitet mich nun schon seit acht Jahren und ich bin immernoch fasziniert. Die Rolle des Peter Freestone hat mich sogar zu einer Nominierung als beliebtester Newcomer geführt. Das Stück ist eine emotionale Achterbahnfahrt: Die Songs von Queen haben eine große Energie, aber die Geschichte dahinter zeigt auch die Zerbrechlichkeit eines Genies wie Freddy Mercury. Diese Spannung ist für mich als Darsteller unglaublich berührend. Es ist mehr als ein Musical, es ist eine Hommage an das Künstlerdasein selbst.

Wie gelingt ein gutes Maß an Achtsamkeit und Resilienz einem selbst gegenüber?

Für mich bedeutet Resilienz, immer wieder aufzustehen, mit Neugier, nicht mit Druck. Ich finde meine Kraft tatsächlich in der Arbeit selbst. Wenn ich kreativ bin, Dinge entstehen lasse, mit Menschen im Austausch bin, dann gibt mir das Energie. Natürlich achte ich darauf, bewusst Pausen einzubauen, aber ich brauche keine Stille, um bei mir zu sein. Achtsamkeit bedeutet für mich, ehrlich mit mir umzugehen und zu spüren: Was tut mir gut und was nicht. Und dann danach zu handeln.

Was ist das Besondere an diesen drei Tätigkeiten: Musicaldarsteller, Künstleragent, Theaterintendant?

Alle drei Rollen haben eines gemeinsam: Sie brauchen Leidenschaft und ein feines Gespür für Menschen. Als Darsteller erzähle ich Geschichten auf der Bühne. Als Künstleragent, eine Tätigkeit, die ich drei Jahre lang mit viel Herzblut ausgeübt habe, durfte ich Karrieren begleiten, Verträge verhandeln und vor allem viel über Menschen und strategisches Denken lernen. Dieser Erfahrungsschatz hilft mir jetzt enorm als Intendant. Denn letztlich geht es in allen drei Bereichen darum, Räume zu schaffen, in denen Kunst möglich wird. Für das Kammertheater Leipzig habe ich den Agenturjob bewusst aufgegeben, um mich mit voller Energie diesem Herzensprojekt zu widmen.

Beschreibe deine Tätigkeit als Intendant in 3 Worten:
Gestalten. Ermöglichen. Inspirieren.
 
Wird es ein Spagat für dich, auf der Bühne zu stehen und gleichzeitig Intendant zu sein?

Definitiv. Aber einer, den ich liebe! Ich kenne die Bühne und liebe sie, und genau deshalb möchte ich als Intendant nicht in einer rein administrativen Position sein. Ich bin Teil des Teams, Teil des Abends. Natürlich erfordert das Disziplin und ein gutes Zeitmanagement, aber es gibt mir auch unmittelbares Feedback, was beim Publikum funktioniert. Das ist unbezahlbar. Bei ABBA – Waterloo im Bällebad, werde ich nicht alle Vorstellung spielen, da dies doch etwas zu viel Spagat in der ersten Hälfte der ersten Spielzeit wäre. Timothy Roller wird die Premiere und einen Großteil der Vorstellungen spielen. Allgemein freue ich mich auf die tolle Cast: Mareike Zwahr, Lasarah Sattler und Manuel Dengler werden dabei sein.

Welches Arbeitsutensil darf bei dir im Theater nicht fehlen?

Mein Notizbuch. Ich schreibe alles von Geistesblitzen bis To-do’s dort hinein. Tatsächlich habe ich aktuell drei. Eins für den Schreibtisch, ein Kleineres für unterwegs und eins für Ideen und schnelle Notizen.

Wie bist du auf die Idee des besonderen Bewertungssystems gekommen?

Eigentlich wollte ich nur ein kleines spielerisches Gimmick für die Homepage, etwas, das den Zuschauer*innen eine humorvolle Orientierung bietet, besonders bei Stücken, die man vielleicht noch nicht kennt. Da unser Programm sehr vielfältig ist, von Schlagermusicals über Krimikomödien bis hin zu ABBA, war schnell klar: Ein klassisches Bewertungssystem passt nicht zu uns. Also haben wir etwas entwickelt, das eher ein Augenzwinkern ist als eine echte Bewertung. Es geht nicht um „gut“ oder „schlecht“, sondern um Stimmung, Genre und Erwartung, mit einem Schuss Selbstironie.

Alle weiteren Informationen, sowie Tickets gibt es unter www.kammertheater-leipzig.de!

Wir bedanken uns bei Patrick Cambiaghi-Nitschke für das Interview!


Artikel & Interview von Anna-Virginia