HIMMEL & KÖLLE: Wiederaufnahme in der Volksbühne am Rudolfsplatz 2025

„Willkommen [zurück] in Kölle!“- Ein himmlischer Angriff auf die Lachmuskeln mit ganz viel Herz
 
© Thomas Brill

Medienpremiere & rezensierte Vorstellung: 28. Oktober 2025

Fünf Jahre ist es her, dass sich der Vorhang für „Himmel und Kölle“ zum allerersten Mal hob. Inzwischen ist dieses Stück längst zum Kult geworden und aus Köln nicht mehr wegzudenken, ganz ähnlich wie die „Heiße Ecke“ aus Hamburg. Als sich nach ca. 450 erfolgreichen Vorstellungen und etlichen eingeheimsten Preisen Pfarrer Elmar und seine Freunde vorläufig aus der Volksbühne am Rudolfsplatz verabschieden mussten, machte sich spürbar Enttäuschung breit, es hätte gerne noch eine Weile weitergehen dürfen…. Leider war dies aber zunächst aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich. Umso größer war die Freude dann über die Nachricht, dass es eine dritte Wiederaufnahme geben würde.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Das Stück macht noch genauso viel Spaß wie eh und je, vielleicht sogar noch ein bisschen mehr! Ob das nun an der intelligent gemachten und wahnsinnig witzigen Story liegt, die keineswegs billig oder banal erscheint, sondern augenzwinkernd und mit viel Herz sämtliche Klischees über Köln aufs Korn nimmt, an den mitreißenden Songs, dem liebevoll gestalteten Bühnenbild oder den durchweg großartigen DarstellerInnen, denen man ihre Begeisterung für das Stück anmerkt, das lässt sich gar nicht so genau sagen, wahrscheinlich an allem zusammen!

Doch der Reihe nach: Neu ist zwar nicht das Theater, der Spielort ist glücklicherweise derselbe geblieben, aber das Foyer der unter Denkmalschutz stehenden Volksbühne wurde für die neue Spielzeit komplett umgestaltet und mit einer modernen LED-Installation versehen, mit deren Hilfe man als Besucher in Form einer immersiven Erlebnisreise eine Stadtführung vorbei an den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Kölns unternehmen und so schon vor der Vorstellung ganz in die Welt von „Himmel und Kölle“ eintauchen kann. Wer genau hinschaut, kann auch Figuren aus dem Stück entdecken, die an der ein oder anderen Stelle durchs Bild laufen… Bei der Medienpremiere gab es zusätzlich im Eingangsbereich beim Betreten des Foyers jede Menge Bühnennebel, den man erstmal durchschreiten musste, so dass man sofort das Gefühl hatte, jetzt eine andere Welt zu betreten und die Realität hinter sich vor der Tür des Theaters zu lassen, eine wirklich hübsche Idee!

Die Story stammt aus der Feder von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob, die beide über vielfältige Erfahrungen als Autoren für Theater und Fernsehen verfügen und im Comedy-Bereich zum Beispiel Texte für beliebte TV-Formate wie „extra 3“, die „heute-show“ oder „Die Wochenshow“ verfassen und Kabarettprogramme für Künstler wie Jochen Busse, Christian Ehring oder Jürgen Becker geschrieben haben. Unterstützung fürs Textbuch erhielten sie daneben von Alistair Beaton, der als einer der führenden britischen Dramatiker und Satiriker gilt und für zahlreiche Textbücher für Musicals im Londoner West End verantwortlich war bzw. ist. Die Zusammenarbeit der drei Profis zahlt sich aus: Die zugegebenermaßen etwas verrückte Geschichte wirkt an keiner Stelle lieblos-platt oder billig, sondern macht auf unterhaltsame Weise einfach Spaß, die Dialoge sind urkomisch, die Gags sind genau an den richtigen Stellen platziert und zünden, auch wenn man sich in Köln und mit Kölsch – sei es nun in der Sprachform als Dialekt oder in der flüssigen Variante – vielleicht nicht so gut auskennt. Ganz ernst nehmen darf man den Abend natürlich nicht, wer einen anspruchsvollen Abend über die Kölner Stadtgeschichte und die Sehenswürdigkeiten der Stadt erwartet, ist bei „Himmel und Kölle“ definitiv falsch. Wer dagegen aber einen lustigen Abend erleben möchte, an dessen Ende man die Stadt mit ganz anderen Augen sieht, der ist in der Volksbühne goldrichtig und wird seinen Spaß haben – und trotzdem vielleicht das ein oder andere Detail über Köln lernen, das er / sie vorher noch nicht wusste, versprochen!

 

Die Story: Der junge Pfarrer Elmar wird aus der streng katholischen Provinz ausgerechnet in die Großstadt Köln versetzt, wo er prompt den Kulturschock seines Lebens erlebt. Und das nicht nur, weil es im Kühlschrank im Pfarrhaus statt Wasser nur Kölsch gibt, sondern weil er es bei seiner Ankunft gleich mit den unterschiedlichsten Gestalten zu tun bekommt, die in der Kölner City ihr Unwesen treiben, vom Touristen bis zum Taschendieb ist so ziemlich alles dabei. Selbstverständlich darf da auch ein Junggesellinnen-Abschied nicht fehlen, schließlich sind die besonders an den Wochenenden nicht aus dem Kölner Stadtbild wegzudenken. Er stolpert förmlich und nicht ganz freiwillig in den Junggesellinnen-Abschied von Braut Kathy hinein, die am nächsten Morgen ihren Verlobten Mattes heiraten soll, aber ein ganz großes Problem hat… Als Mann der Kirche fühlt er sich dazu berufen, ihr seine Hilfe anzubieten… Und gerät dabei auf einen abenteuerlichen Trip kreuz und quer durch das nächtliche Köln, der ihn an ihm bislang unbekannte Orte wie Brauhäuser oder Shisha-Bars führt und sogar für unheimliche Begegnungen mit unsterblichen kölschen Legenden sorgt. Und seinem Leben eine völlig unerwartete Wendung gibt… Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten!

Kein Musical ohne Musik, und die stammt in diesem Falle vom Kölner Komponist, Pianist und Musikproduzent Andreas Schnermann, der einen mitreißenden Mix aus Songs geschaffen hat, der das kölsche Lebensgefühl ziemlich gut trifft, von nach Karneval klingenden Mitschklatsch-Songs bis hin zu romantischen Balladen. Songs wie „Dat ruckelt sich zuräch“ oder „In Köln will ich leben“ gehen ins Ohr und setzen sich da auch noch auf dem Heimweg vom Theater nach Hause hartnäckig fest. Unterstützung bekommt Schnermann, der auch für die Leitung des Orchesters verantwortlich ist, von Jürgen Grimm, den Einheimische aus der Region bzw. Musicalfans als musikalischen Leiter der Musicalproduktionen in Bonn kennen dürften.

Übrigens ebenso wie (Erfolgs-) Regisseur Gil Mehmert, der mit „Himmel und Kölle“ eine weitere gelungene Regiearbeit abliefert und parallel gerade auch an der Oper Bonn „Tootsie“ und an der Oper Dortmund „Grease“ inszeniert hat. Völlig zu Recht wurde er bei der anschließenden Castpräsentation als einer der besten, wenn nicht der beste Regisseur überhaupt, von seinem Ensemble gefeiert.

Die Choreografien sind schmissig und stammen von Yara Hassan und Bernd Paffrath (Stepptanz).

© Himmel & Kölle

Besonders erwähnenswert ist das originelle und charmante Bühnenbild von Illustrator FuFu Frauenwahl im Comic-Stil, bei dem ein paar liebevoll bemalte Pappkulissen und Möbel nebst Requisiten völlig genügen, um das Publikum in Elmars Wohnung, auf die Hohenzollernbrücke mit ihren Liebesschlössern oder auf eine wilde Taxi-Fahrt durch Köln mitzunehmen. Hier sind sogar die Bierflaschen aus Pappe und man trinkt Kölsch aus Pappgläsern! Ein kreativer Einfall, der prima den Humor der Geschichte unterstützt und ein bisschen das Gefühl vermittelt, man würde gerade in einem Wimmel-Buch über Köln blättern…

Die Kostüme von Judith Peter sind ebenfalls hübsch anzuschauen und passen gut zu den Figuren, egal, ob Elmars Pfarrer- Outfit, die karierten Anzüge der Mäner, die rosa Junggesellinnen-T-Shirts der Frauen, die etwas altbackenen Klamotten von Haushälterin Moni oder Jackett und Mütze des Taxifahrers, alles unterstreicht den Charakter der jeweiligen Figur und ist, wenn auch vielleicht ein bisschen überzeichnet, gar nicht mal so unrealistisch, sondern spiegelt das jeweilige Klischee treffend wider.

Doch was wäre das alles ohne die DarstellerInnen, die auf der Bühne mit ihrem Talent die Geschichte zum Leben erwecken? Es gibt nicht nur ein Wiedersehen mit vielen vertrauten Gesichtern aus der vergangenen Spielzeit, auch dem bewährten Konzept, dass Kölner Promis an ausgewählten Terminen eine Gastrolle im Ensemble übernehmen und damit auf ihre eigene Art dem Publikum einheizen und dabei für die ein oder andere Überraschung sorgen, ist man treu geblieben.

In der aktuellen Spielzeit sind die Stars Henning Krautmacher, der ehemalige Frontmann der „Höhner“ (der schon in der letzten Spielzeit als „kölsche Köbes“ debütierte), Sängerin Isabel Varell, die KomikerInnen und SchauspielerInnen Tom Gerhard, Mirja Boes, Tanja Schumann, Kalle Pohl und Kabarettist Jürgen Becker dabei. Infos zu den jeweiligen Terminen findet man auf der Homepage und in den sozialen Medien.

Die Medienpremiere gehörte aber ganz allein den Musicalprofis: Als sächselnder „Taxifahrer“ (und daneben in anderen kleineren Rollen) stand wieder Daniel Berger auf der Bühne und sorgte erneut mit seinem Ärger darüber, dass man in Köln einfach nicht links abbiegen darf, für Lacher. Als „Meike“ unterstützte Jana Luisa Band ihre Freundinnen tatkräftig beim Junggesellinnen-Abschied, zusammen mit der großartigen Nadine Kühn als „Jenny“ – die ich in der letzten Spielzeit bereits als „Kathy“ sehen durfte, es war sehr spannend, sie jetzt mal in ihrer zweiten Rolle zu erleben, auch wenn sie in der natürlich nicht ganz so viel von ihrem Talent zeigen darf wie in der weiblichen Hauptrolle als „Kathy“ – genau der richtige Support für die Braut. Florian Sigmund überzeugte wie gewohnt mit Witz, Charme und Gespür für das richte Timing als „Schwaadlappe“, seines Zeichens Kumpel und Geschäftspartner von Bräutigam „Mattes“. Der wurde am Abend der Medienpremiere von Maximilian Lochmüller verkörpert, der für den während der Probenzeit erkrankten Raphael Grosch einsprang. Lochmüller ist neu als Swing dabei und meisterte den recht kurzfristigen Einsatz hervorragend, man nimmt ihm den mehr an seiner Firma und seinem Ruf als an seiner Braut interessierten Bräutigam definitiv ab.

Als unglückliche Braut „Kathy“ stand an diesem Abend Sharon Isabell Rupa auf der Bühne, die bereits seit der Uraufführung Teil der „Himmel und Kölle“-Familie ist und abwechselnd mit Nadine Kühn die Rollen „Kathy“ und „Jenny“ übernimmt. Sie überzeugt mit ihrer starken Bühnenpräsenz und ihrer ausdrucksstarken Stimme, man fühlt sofort vom ersten Moment an mit ihrer „Kathy“ mit und wünscht ihr ein Happy End. Das sie diesmal, ohne spoilern zu wollen, auch bekommt. Denn im vergangenen Sommer war sie bei den Thuner Seespielen als „Esmeralda“ in der Open-Air-Produktion von „Disneys Der Glöckner von Notre-Dame“ zu sehen, eine Rolle, die sie ebenfalls überzeugend und berührend spielte, bei der ihr allerdings kein Happy End vergönnt war.

Kleiner Insider für „Glöckner“-Fans: Auch bei „Himmel und Kölle“ trifft sie in einer bekannten großen Kirche auf einen Mann Gottes im Priestergewand, nur ist der diesmal kein Bösewicht…

Als Pfarrhaushälterin „Moni“ begeisterte einmal mehr Vera Bolten mit Witz und frecher Klappe, die Rolle macht ihr immer noch sichtlich Spaß. Dass sie zwei Tage vorher erst als „Sandy Lester“ in „Tootsie“ an der Oper Bonn Premiere gefeiert hatte und zwischendurch mal eben schnell nach Berlin gedüst war, um dort absolut verdient den Deutschen Musical Theaterpreis für ihr eigenes Musical „Die weiße Rose“ entgegen zu nehmen, merkte man ihr nicht an, sie ist einfach eine Powerfrau und ein absolutes Multitalent!

© Thomas Brill

Last but not least gab es ein Wiedersehen mit Markus Schneider als „Elmar“ und sein Pfarrer ist im wahrsten Sinne des Wortes einfach göttlich! Er hat eine tolle Stimme und spielt mit viel Gefühl und dem richtigen Gespür für die Situationskomik, seine Mimik ist herrlich, darüber hinaus hat er eine umwerfende Bühnenpräsenz und jede Menge Charme, der dafür sorgt, dass ihm nicht nur Kathys Herz zufliegt, ein Pfarrer zum Verlieben eben!!!

Nach der Vorstellung wurden alle Beteiligten frenetisch vom Publikum bejubelt, spätestens bei der Zugabe hielt es niemanden mehr auf seinem Platz, alle klatschten und schunkelten begeistert mit.

Auf der anschließenden Premierenfeier wurde ausgiebig gefeiert, um den gelungenen Abend angemessen ausklingen zu lassen. Nicht unerwähnt bleiben sollten dabei die passend zur Show gestalteten leckeren Häppchen und die Goodies in Form von Papp-Rosensträußen und kleinen „Himmel und Kölle“-Pralinen, die sich jeder Gast als Erinnerung an den Besuch mitnehmen durfte. Dieses ganze sehr liebevoll gestaltete Drumherum (an dem sich so mancher großer Konkurrent mal ein Beispiel nehmen dürfte!) macht einmal mehr deutlich, mit wieviel Liebe und mit welcher typisch kölschen Herzlichkeit alle Beteiligten hinter dieser Produktion stehen!

Fazit: Das Stück macht auch bei der dritten Wiederaufnahme einfach Spaß! Anschauen lohnt sich!
 
Weitere Vorstellungen gibt es immer Do-So bis zum 29.03.26. Tickets gibt es an allen bekannten VVK-Stellen oder direkt über www.himmelundkoelle.de!
 
Danke an das „Himmel und Kölle“-Team für die Einladung, man hat sich wirklich in Kölle willkommen gefühlt!

Artikel von Andrea G