Freilichtbühne am Roten Tor Augsburg 2025 – Evita
Premiere: 21. Juni 2025 – rezensierte Vorstellung: 05. Juli 2025
Das Staatstheater Augsburg zeigt diesen Sommer auf der Freilichtbühne am Roten Tor EVITA von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice (deutsche Übersetzung Michael Kunze), erstmals in Deutschland in der neuen sinfonischen Version.Die Inszenierung stammt von Florian Mahlberg.

Das Musical beginnt mit dem großen Trauerzug für Eva Perón (Katja Berg), von vielen auch Evita genannt. Nur Che (Hannes Staffler), der eher kritische Beobachter und Erzähler der Geschichte zeigt keine Trauer. In der Rückblende wird Evas Lebensgeschichte erzählt, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen lernt sie mit 15 den bekannten Tangosänger Augustin Magaldi (Gerhard Werlitz) kennen und überredet ihn, sie mit nach Buenos Aires zu nehmen. Dort angekommen trennt sie sich aber direkt von ihm und nutzt Bekanntschaften zu einigen anderen Männern für ihren sozialen Aufstieg. Bei einer Wohltätigkeitsgala lernt Eva schließlich den ehrgeizigen Militärführer Juan Perón kennen und beide erkennen, dass sie sich gegenseitig nützlich sein könnten.
Eva verdrängt Peróns Geliebte und ebnet ihm mit ihrem strategischem Geschick und Charisma den Weg zur Präsidentschaft. Eva wird zur strahlenden First Lady und die beiden sonnen sich im Glanz des Erfolges. Aber Che verweist auch auf die Schattenseiten des Ruhms. Eva geht auf ihre sogenannte „Regenbogentour“ durch Europa, bei der sie bei Weitem nicht überall gut ankommt. Zurück in Argentinien gründet sie eine eigene Stiftung, mit der sie ihren Mythos weiter aufbaut, aber auch Spendengelder unterschlägt. Beim einfachen Volk wird sie trotzdem als so etwas wie eine Heilige verehrt, aber in der Oberschicht regt sich Widerstand gegen sie, besonders als sie das Amt der Vizepräsidentin anstrebt. Doch eine schwere Krankheit lässt Evas Kräfte schon seit einiger Zeit schwinden. In ihrem letzten öffentlichen Auftritt bekundet sie nochmal ihre unvergängliche Liebe zu Argentinien und nimmt Abschied. Kurz darauf verstirbt sie.

Katja Berg spielt Evita ausdrucksstark und die verschiedenen Facetten ihrer Persönlichkeit stellt sie großartig und glaubwürdig dar. Auch stimmlich überzeugt sie in vielen unterschiedlichen Facetten von emotional über charmant, aber auch stolz und kraftvoll bis hin zu berechnend. Besonders mit ihrem „Weine nicht um mich, Argentinien“ begeistert sie das Publikum.
Hannes Staffler ist als Che quasi ein Erzähler des Stückes, aber auch ein Begleiter der Rolle der Evita. Er repräsentiert das einfache Volk Argentiniens und hinterfragt die von Anderen so sehr verehrte Evita auch ein ums andere Mal. Er hat stets eine gute Präsenz und seinem angenehmen, warmen Gesang hört man gerne zu. Er bringt auch eine gewisse Leichtigkeit in manchen Szenen auf die Bühne.
Alexander Frantzen geht als Perón buchstäblich über Leichen und spielt den knallharten, machtbessenen Politiker sehr überzeugend und mit starker Bühnenpräsenz. Er wirkt meist ziemlich autoritär und gefühllos, zeigt aber zum Ende hin doch auch eine emotionale Seite, wenn er Evita bittet aus gesundheitlichen Gründen auf das Amt der Vizepräsidentin zu verzichten.
Gerhard Werlitz spielt Agustin Magaldi passend etwas schmierig arrogant und stets auf Blendung bedacht.
Untermalt wird die Show von einem tollen, großen Ensemble, bestehend aus dem Ballett Augsburg und dem Opernchor des Staatstheaters, das vor allem beim Trauerzug, den großen Tanzszenen und der Aufstandsszene toll in Szene gesetzt wird.
Musik und Choreografien

Die Musik ist geprägt von lateinamerikanischen Tangoanleihen, aber auch einigen Walzerklängen. Sie beinhaltet viele emotionale Facetten und erinnert einen an manchen Stellen auch an ein vorheriges Werk von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice, Jesus Christ Superstar. Dargeboten wird die Musik eindrucksvoll von den Augsburger Philharmonikern, unter der Leitung von Sebastiaan van Yperen, die im Seitenteil der Bühne sichtbar platziert sind.
Die Choreografien von Ricardo Fernando sind sehr lebendig, dynamisch und energiegeladen, passend zu den südamerikanischen Rhythmen. Die großen Tanzszenen des ganzen Ensembles wirken sehr homogen und beeindruckend.
Bühnenbild und Licht

Das Bühnenbild von Karel Spanhak besteht aus einer dezent farbigen Häuserfront, die die Bühnenbreite gut ausfüllt und je nach Tageszeit von innen stimmungsvoll beleuchtet wird. Im zweiten Akt fährt die Häuserzeile in der Mitte auseinander und es kommt im Hintergrund der argentinische Präsidentenpalast zum Vorschein, samt Balkon, der während Evitas „Weine nicht um mich Argentinien“ nach vorne in die Mitte der Bühne gefahren wird um Evita noch mehr in den Mittelpunkt des Geschehens zu rücken.
Kostüme

Die Kostüme von Nora Johanna Gromer sind größtenteils farbenfroh, aus leichten Stoffen und verleihen lateinamerikanische Atmosphäre. Evita hebt sich ab ihrer Zeit in Buenos Aires hervor durch stilvolle, hochwertige Kleidung und dann später auch im typischen, auffälligen weißen Glitzerkleid. Che ist eher dezent gekleidet in hellblauer Stoffhose und Weste, mit weißem Hemd. Perón sieht man meist in Uniform. Augustin Magaldi trägt ein auffällig glitzerndes Sakko.
Dem Staatstheater Augsburg ist mit Evita eine schöne Inszenierung mit starker Besetzung gelungen, die einen unterhaltsamen Abend bietet. Gespielt wird noch bis 01. August 2025 auf der Freilichtbühne am Roten Tor, Tickets gibt es über die Homepage des Staatstheaters Augsburg.
Cast & Crew
- Musikalische Leitung: Sebastiaan van Yperen
- Inszenierung: Florian Mahlberg
- Choreografie: Ricardo Fernando
- Bühne: Karel Spanhak
- Kostüme: Nora Johanna Gromer
- Licht: Ron Heinrich
- Dramaturgie: Sophie Walz, Dr. Nicolas Léwy
- Einstudierung des Chores: Katsiaryna Ihnatsyeva-Cadek
- Eva Perón: Katja Berg
- Che: Hannes Staffler
- Juan Perón: Alexander Franzen
- Agustín Magaldi: Gerhard Werlitz
- La Vida: Nina-Noelle Ingiliz O
- Ensemble: Marco Beck, Helena Sturm, Mitglieder Young Stage e.V.
- Ballett Augsburg
- Opernchor des Staatstheater Augsburg, Kinderchor Young Stage e.V.
- Augsburger Philharmoniker
Wir bedanken uns beim Staatstheater Augsburg für die Einladung!
Artikel von Claudia