Freies Musical Projekt: The Mad Ones

Deutschsprachige Erstaufführung & Regiedebut von Elisabeth Köstner

© Tim Müller

Premiere: 29. Oktober 2025 (Hildesheim) – rezensierte Vorstellung: 10. Mai 2026 (Hamburg)

Vor kurzem durften wir die Vorstellung von THE MAD ONES im Ernst Deutsch Theater in Hamburg besuchen. Das Musical von Kait Kerrigan und Bree Lowdermilk wurde in der deutschen Version von Patrik Keufen, Hans Tilmann Rose und Hanna Konrad aufgeführt. Die Rechte für dieses Musical sicherte sich Elisabeth Köstner und feiert damit ihr Regiedebut auf der anderen Seite der Bretter, die die Welt bedeuten.

Worum geht es?

Das Musical THE MAD ONES erzählt die Geschichte der schüchternen Highschool-Absolventin Samantha Brown, die an einem Wendepunkt ihres Lebens steht: Soll sie den sicheren Weg gehen, den ihre Mutter Beverly für sie geplant hat – oder endlich ihrem eigenen Herzen folgen? Zwischen den Erwartungen ihrer Mutter, ihrer ersten großen Liebe Adam und ihren eigenen  Träumen wird sie immer wieder von Erinnerungen an ihre beste Freundin Kelly heimgesucht – Kelly war das genaue Gegenteil von Samantha: wild, impulsiv und voller Lebensfreude. Gemeinsam erlebten die beiden eine intensive Freundschaft voller Roadtrips, Träume und Rebellion gegen das „normale“ Leben. Sie träumten von Freiheit und davon, einfach auszubrechen. Doch ein tragisches Ereignis verändert alles und zwingt Samantha dazu, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Mit mitreißender Musik, viel Herz und einer guten Portion jugendlichem Wahnsinn erzählt THE MAD ONES von Freundschaft, Verlust und der schwierigen Frage, wer man eigentlich sein möchte, wenn plötzlich alle Wege offenstehen.

Gespielt wurde im Ernst Deutsch Theater nicht im großen Saal, sondern in der zweiten Spielstätte, der Plattform. Dieser fensterlose, dunkel gestrichene Raum ohne Bühne im klassischen Sinne gehört zur Jugendarbeit des Theaters und bietet eine intime Spielstätte.

© Tim Müller

Nicht nur die Bühne fehlte, sondern auch ein Vorhang samt typischem Bühnenbild. Was uns zunächst etwas befremdlich vorkam, entpuppte sich im Nachhinein als äußerst kreative Idee. Statt auf große Kulissen oder aufwendige Technik beim Bühnenbild zu setzen, bestand die gesamte Bühne nahezu ausschließlich aus einfachen Umzugskartons. Diese wurden jedoch auf überraschend vielseitige Weise genutzt und verwandelten sich je nach Szene in unterschiedliche Orte und Situationen. Einige Kartons wurden geöffnet und enthielten passende Requisiten, wodurch immer wieder neue kleine Details entdeckt werden konnten. Selbst ein Tisch sowie eine Flipchart-Wand wurden aus Pappe gebaut und fügten sich perfekt in das minimalistische Konzept ein.

Gerade diese Reduktion machte die Inszenierung so besonders: Obwohl kaum klassische Bühnenelemente vorhanden waren, wurde die Geschichte jederzeit klar und nachvollziehbar erzählt. Das kreative Konzept ließ viel Raum für Fantasie und zeigte eindrucksvoll, dass es kein großes Bühnenbild braucht, um starke Bilder und Emotionen entstehen zu lassen.

Gerade bei einer so reduzierten Inszenierung wurde deutlich, wie wichtig starke Darstellerinnen und Darsteller sind, um die Emotionen der Geschichte wirklich auf die Bühne zu bringen – und genau das ist dem Ensemble gelungen. Judith Bloch spielte Sams Mutter Beverly mit viel Feingefühl und großer Glaubwürdigkeit. Besonders die Mischung aus Fürsorge, Sorge um ihre Tochter und dem Wunsch, alles „richtig“ machen zu wollen, brachte sie sehr authentisch auf die Bühne.

Auch Julian Stöcklein blieb als Adam definitiv im Gedächtnis. Er spielte die Rolle herrlich komödiantisch und wirkte dabei bewusst etwas dümmlich und einfältig, ohne die Figur ins Lächerliche zu ziehen. Gerade dadurch entstanden viele unterhaltsame Momente. Umso schöner war es, dass sich gegen Ende zeigte, dass Adam eigentlich viel mehr versteht und wahrnimmt, als man ihm zunächst zutraut.

© Tim Müller

Laura Saleh überzeugte als Sam vor allem durch ihre natürliche und emotionale Darstellung. Sie schaffte es, Sams innere Zerrissenheit und ihre Unsicherheit spürbar zu machen und trug die Geschichte mit viel Gefühl durch den Abend.

Ein echtes Highlight war außerdem Lisa Maria Hörl als Kelly. Mit ihrer energiegeladenen, frechen und gleichzeitig verletzlichen Art zog sie das Publikum sofort in ihren Bann. Besonders in den emotionaleren Szenen zeigte sie eine große Bühnenpräsenz und sorgte immer wieder für echte Gänsehautmomente.

Zusammen machte das Quartett den Abend zu etwas Besonderem und bewies eindrucksvoll, dass starke Schauspielkunst oft viel wichtiger ist als ein aufwendiges Bühnenbild. Auch gesanglich war der Abend durchweg beeindruckend. Da die Inszenierung bewusst auf ein großes Bühnenbild verzichtete, lag der Fokus dadurch umso mehr auf den Darstellerinnen und Darstellern – und natürlich auch besonders auf ihren Stimmen.

Laura Saleh überzeugte als Sam mit einer sehr gefühlvollen und ehrlichen Stimme. Vor allem in den emotionalen Songs schaffte sie es, Sams Zweifel und innere Zerrissenheit spürbar zu machen. Ihre musikalischen Momente wirkten nie aufgesetzt, sondern sehr natürlich und nahbar. Lisa Maria Hörl brachte als Kelly unglaublich viel Energie auf die Bühne. Mit ihrer kraftvollen Stimme und ihrer starken Bühnenpräsenz zog sie das Publikum sofort mit. Gleichzeitig konnte sie in den ruhigeren Szenen auch die verletzliche Seite der Figur zeigen und sorgte damit immer wieder für emotionale Momente. Auch Julian Stöcklein passte gesanglich perfekt zur Rolle des Adam. Mit viel Charme und einer angenehmen Stimme verlieh er der Figur genau die richtige Mischung aus Humor und Gefühl. Gerade dadurch wirkte Adam trotz seiner oft etwas unbeholfenen Art sehr sympathisch. Zu guter Letzt überzeugte Judith Bloch mit einer ausdrucksstarken und sehr emotionalen Gesangsleistung. Besonders in den Szenen zwischen Beverly und Sam wurde deutlich, wie viel Gefühl sie in ihre Rolle legte und wie stark sie die Konflikte der Figur auch musikalisch transportieren konnte. Gemeinsam harmonierte das Ensemble sowohl schauspielerisch als auch gesanglich hervorragend und machte die emotionalen und musikalischen Momente des Musicals besonders glaubwürdig und mitreißend.

© Tim Müller

Die Inszenierung von THE MAD ONES hat eindrucksvoll gezeigt, dass es nicht immer ein großes Bühnenbild oder spektakuläre Effekte braucht, um ein Publikum zu berühren. Mit einfachen Mitteln, viel Kreativität und einem starken Ensemble entstand ein Abend, der vor allem durch seine Emotionalität und Ehrlichkeit lebte.

Besonders die vier Darstellerinnen und Darsteller trugen die Geschichte mit spürbarer Leidenschaft. Man merkte ihnen an, wie viel Herzblut in der Produktion steckt – sowohl schauspielerisch als auch gesanglich. Dadurch fühlten sich die Figuren und ihre Geschichten jederzeit echt und nahbar an. Die Mischung aus humorvollen Szenen, emotionalen Momenten und der mitreißenden Musik machte den Abend abwechslungsreich und berührend zugleich. Vor allem die enge Verbindung zwischen Sam und Kelly blieb lange im Gedächtnis.

So wurde THE MAD ONES in Hamburg zu einer Aufführung, die nicht durch Größe beeindrucken wollte, sondern durch Gefühl – und genau das ist ihr gelungen.

Die nächsten Spieltermine:

  • 19.-21. November 2026: Kulturhaus Schwartzsche Villa Berlin

Cast des Abends

  • Judith Bloch: Beverly Brown
  • Julian Stöcklein: Adam
  • Laura Saleh: Sam(antha) Brown
  • Lisa Maria Hör: Kelly

Kreativteam

  • Elisabeth Köstner: Regie/Projektleitung/Choreografie
  • Lukas Voß: Musikalische Leitung/Klavier
  • Johannes Euler: Geige
  • Kati Heidebrecht: Choreografie
  • Lina Jung:  Assistenz/Grafik Design
  • Janine Christ: Licht
  • Jule Glogar: Ton

Wir bedanken uns beim Team von THE MAD ONES für die Einladung!


Artikel von Mareike & Heidi