First Stage Theater – Fame 2025

Junge Träume treffen auf harte Realität

© Dennis Mundkowski

Premiere: 03. September 2025 – besuchte Vorstellung (Preview): 02. September 2025

Mit der aktuellen Neuinszenierung des Musical-Klassikers FAME bringt das First Stage Theater Hamburg frischen Wind in die bewegende Geschichte über große Träume, harte Arbeit und die Schattenseiten des Erfolgs. Das Stück erzählt vom Alltag junger Talente an der berühmten High School of Performing Arts in New York – einer Schule, an der der Weg zum Ruhm mit Disziplin, Leidenschaft und Entbehrungen gepflastert ist. Dies müssen auch die Neuankömmlinge erfahren. Sie alle kämpfen nicht nur um ihren Platz auf der Bühne, sondern auch mit persönlichen Herausforderungen, gesellschaftlichen Erwartungen und ihren eigenen Grenzen.

Die Hamburger Inszenierung überzeugt mit einer modernen Umsetzung, temporeichen Tanznummern und beeindruckenden stimmlichen Leistungen. Besonders hervorzuheben ist die Nähe zur Lebenswirklichkeit junger Künstlerinnen und Künstler: Themen wie Leistungsdruck, Selbstfindung, Bodyshaming und mentale Gesundheit werden sensibel, aber eindringlich inszeniert.

Mit viel Energie, Emotion und einem starken Ensemble gelingt es dem First Stage Theater FAME als zeitloses Bühnenereignis neu zu interpretieren – leidenschaftlich, intensiv und absolut sehenswert.

© Dennis Mundkowski

In der Hauptrolle der Carmen glänzt Victoria Kerbl, die mit ihrer beeindruckenden Stimme und leidenschaftlichen Performance das Publikum fesselte. An ihrer Seite steht Marc Verhaelen als der introvertierte Musiker Schlomo, dessen ruhige Präsenz und gefühlvolle Darbietung viel zum Gelingen des Abends beiträgt. Besonders hervorzuheben ist Jeslord Akuoko als Tyrone, der rebellische Tänzer, dessen energiegeladene Showeinlagen und charismatische Ausstrahlung das Ensemble perfekt ergänzen. Auch mit seinem schauspielerischen Talent konnte er überzeugen, nahm man ihm doch die Rolle des Analphabeten zweifellos ab. Ihm an der Seite steht Iris Kelly, die von Rose Vandrey verkörpert wurde. Gemeinsam gelingt es dem jungen Tanzpaar das Publikum durch ihre geschmeidigen Bewegungen und die perfekte Harmonie im Tanz zu begeistern.

Mit komödiantischem Timing, frechem Charme und spürbarer Energie sorgt Babak Malekzadeh als Joe Vegas für zahlreiche Lacher – ohne je ins Klischee abzurutschen. Besonders in seinen Solo-Momenten zeigt er, dass hinter dem Spaßmacher auch echtes Talent steckt. Ilka Kottkamp als Serena Katz gelingt gekonnt eine Balance aus komödiantischen Momenten und emotionaler Tiefe. Sie bringt mit ihrer Art Herz und Wärme in Szenen, in denen sonst Leistungsdruck und Ehrgeiz dominieren. Christopher Dederichs verkörpert den ehrgeizigen Nick Piazza nicht nur glaubwürdig, sondern vor allem vielschichtig. Er trifft genau den richtigen Ton zwischen dem selbstbewussten jungen Mann, der unbedingt „verzaubern“ will und dem sensiblen Künstler, der sich gleichzeitig mit Selbstzweifeln und echten Gefühlen herumschlägt. Besonders in den Szenen mit Ilka Kottkamp zeigt er eine authentische, feinfühlige Seite, die der Figur Tiefe verleiht, ohne ins Klischeehafte abzurutschen.

Daniela Tweesmann glänzt an diesem Abend als Mabel Washington mit viel Witz, Charisma und einer tollen Portion Selbstironie. Sie bringt Mabels innere Kämpfe charmant und glaubwürdig auf die Bühne – und sorgt mit ihrem Song und ihrer Präsenz für echte Highlights.

© Dennis Mundkowski

Wenn Kerstin Ibald als Miss Sherman die Bühne betritt, dann ist sofort klar: Diese Lehrerin hat das Sagen. Mit ihrer ruhigen Autorität, ihrer klaren Haltung und einer Prise trockenen Humors bringt sie genau das auf die Bühne, was diese Rolle braucht. Der absolute Gänsehaut-Moment ihres Auftritts ist das Solo „Ich seh die Kinder“. Hier öffnet sich Miss Sherman, und wir sehen die Welt für einen Moment durch ihre Augen: Die Sorgen, die Verantwortung – aber auch die tiefe Zuneigung, die sie für ihre Schüler empfindet. Kerstin Ibald singt dieses Lied mit einer solchen Ehrlichkeit und emotionalen Wucht, dass es im Saal plötzlich ganz still wird. Keine große Show, kein Drama – nur eine Frau, die kämpft, weil sie glaubt, dass ihre Schüler mehr verdient haben als falsche Träume.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass das Ensemble von FAME eine Performance abliefert, die das Publikum von der ersten Minute an mitreißt. Tanz, Gesang, Schauspiel – alles sitzt, alles wirkt lebendig, leidenschaftlich und voller Hingabe. Man spürt in jeder Szene: Hier steht nicht nur ein Haufen talentierter Einzelpersonen auf der Bühne, sondern ein echtes Team, das sich gegenseitig trägt, antreibt und glänzen lässt, das Zusammenspiel funktioniert nahtlos und beeindruckt durch Timing, Ausdruck und Spielfreude. Jeder Charakter bekommt seinen Moment, aber keiner drängt sich in den Vordergrund – das Gleichgewicht stimmt, und genau das macht die Inszenierung so stark.

Besonders beeindruckend ist, mit wie viel Herzblut und Persönlichkeit das Ensemble die berühmte Botschaft des Musicals transportiert: Träume, Leidenschaft und der Mut, man selbst zu sein. Das ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch bewegend – und bleibt hängen.

© Dennis Mundkowski

Das Bühnenbild der Neuinszenierung von FAME im First Stage Theater Hamburg ist bewusst schlicht und funktional gehalten, um den Fokus auf die Charaktere und ihre intensiven Geschichten zu lenken. Die Bühne bleibt statisch, was der Inszenierung eine klare Struktur verleiht, wobei nur wenige, geschickt platzierte bewegliche Elemente für eine Veränderung der Szenen sorgen. Die Musik in FAME ist ein zentrales Element, das die emotionalen Höhen und Tiefen der Charaktere perfekt widerspiegelt. Die bekannten Songs des Musicals, die weltweit zu Hymnen für junge Künstlerinnen und Künstler und ihre Träume geworden sind, wurden auch in der Hamburger Neuinszenierung mit viel Liebe und Leidenschaft von einer überaus talentierten Cast auf die Bühne gebracht. Besonders hervorzuheben ist, dass einige der ikonischen Lieder eine deutsche Übersetzung erhielten, um noch näher am Publikum zu sein.

Der kraftvolle Song „Fame“ – die Hymne des Musicals – verbleibt allerdings auch in der deutschen Version im englischen Original und stellt, wie zu erwarten, einen Höhepunkt der Inszenierung dar. Die Darstellerinnen und Darsteller bringen die Sehnsucht nach Ruhm und Anerkennung mit einer unverwechselbaren Energie zum Leben. „Ich will sie verzaubern“, die deutsche Variante von „I Want to Make Magic“, wird durch die Übersetzung noch persönlicher und fängt die Zerrissenheit und den Wunsch nach Erfolg im Künstlerleben intensiv ein (großartig dargeboten von Christopher Dederichs). Die emotionalen Balladen wie „Denk an Meryl Streep“ (Original: „Think of Meryl Streep“) „Ich seh` die Kinder“ (Original: „These are my Children“) und „Schau nur nach vorne“ (Original: „Bring on Tomorrow“) bekommen durch die deutsche Textfassung eine neue Tiefe, die besonders bei den bewegenden Szenen der Inszenierung zur vollen Geltung kommt.

© Dennis Mundkowski

Durch die Übersetzung (Frank Thannhäuser & Iris Schumacher) werden die Herausforderungen und Träume der Figuren für das Publikum noch greifbarer und authentischer. Doch auch die lebendigeren Songs kommen in der deutschen Version genauso mitreißend und voller Lebensfreude daher, wie es die Originale in englischer Sprache tun. Die Mischung aus poppigen Rhythmen, eingängigen Melodien und tiefgründigen Texten sorgt dafür, dass die Lieder in FAME sowohl emotional berühren als auch die Energie und den Enthusiasmus der Schülerinnen und Schüler auf der Bühne lebendig machen.

Wer sich dieses mitreißende Stück nicht entgehen lassen will, hat dazu noch bis zum 12. Oktober 2025 Gelegenheit dazu. Tickets gibt es direkt über das First Stage Theater.

Cast
Serena Katz Ilka Kottkamp,
(Selina Kullmann)
Nick Piazza Christopher Dederichs,
(Jan Großfeld)
Joe Vegas Babak Malekzadeh,
(Jan Großfeld
Max Kikken)
Coco Ruby Smeets
Carmen Diaz Victoria Kerbl,
(Selina Kullmann
Ann-Kathrin Amborn)
Tyrone Jackson Jeslord Akuoko,
(Philip Kretschmann)
Iris Kelly Rose Vandrey,
(Charlotte Beba)
Mabel Washington Daniela Tweesmann,
(Ruby Smeets)
Beatrice / Dance Captain Lina Sbaita
Peter Dominik Wojtasik
Schlomo Metzenbaum Marc Verhaelen,
(Jan Großfeld)
Grace Lamb Viola Bremer,
(Selina Kullmann)
Goodman King Dominik Krumschmidt,
(Dominik Wojtasik)
Kira Charlotte Beba
Percy Iman Khaleghi
Miss Sherman Kerstin Ibald,
(Daniela Tweesmann)
Miss Bell Ann-Kathrin Amborn,
(Viola Bremer)
Andre / Mister Sheinkopf Max Kikken,
(Philip Kretschmann)
Mister Meyers Stefan Reil,
(Max Kikken)
 
Band
  • Nicolas Mischke (Keyboard)
  • Jonas Stadelmaier (Schlagzeug)
  • Phil Stehen (Bass)
  • Florian Kemper (Gitarre)
Kreativteam
  • David De Silvia (Idee und Entwicklung)
  • Erik Petersen (Regie)
  • Sabine Arthold (Choreographie)
  • Nicolas Mischke (Musikalische Leitung)
  • Imke Wynants (Assistant Director)
  • Klara Riefenstahl (Hair & Make-Up Design)
  • Florian Bänsch (Costume Design)
  • Dennis Schulze (Producer)
  • Felix Wienbürger (Technical Director, Set Design, Light Design)
  • Evelyn Rilling (Head of Production)
  • Anja Viering (Head of Production)
  • Nils Steincamp (Sound Design)
  • Bennet Jorre (Sound Design)