First Stage 2025: The Prom – Semesterprojekt 2. Jg.
Jung, frisch und voller Herz – THE PROM überzeugt auf ganzer Linie

Premiere & rezensierte Vorstellung: 29. Juli 2025
Vom 29.07.2025 bis 10.08.2025 läuft am First Stage Theater Hamburg das Musical THE PROM in deutscher Übersetzung als Semesterprojekt. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass die Studierenden des künftigen 3. Jahrgangs der Stage School das Musical komplett in Eigenregie erarbeitet und auf die Bühne gebracht haben. Dabei werden alle Rollen vom Choreographen bis hin zum Bühnenbildner und natürlich den Darstellern für das Stück innerhalb der eigenen Reihen besetzt. Aufgrund des branchenweiten Männermangels und der Tatsache, dass einige Jungs aus dem künftigen 3. Jahrgang zeitlich nicht am Projekt teilnehmen konnten, erhielten die Studierenden für die Umsetzung männliche Unterstützung aus Jahrgang 1 der Stage School. Und was soll man sagen? Entstanden ist ein wunderbares Musical, dass bis ins kleinste Detail liebevoll geplant und umgesetzt wurde.
THE PROM ist dabei weit mehr als nur ein klassisches Broadway-Musical – es ist eine mitreißende, humorvolle und zutiefst berührende Feier von Liebe, Toleranz und Selbstakzeptanz. Mit ihrer deutschsprachigen Inszenierung (Übersetzung von Nico Rabenald) des Musicals beweisen die Studierenden des 2. Jahrgangs der Stage School Hamburg eindrucksvoll, wie viel künstlerisches Potenzial und Leidenschaft bereits in der Nachwuchsgeneration steckt. Als Semesterprojekt auf die Bühne gebracht, sprüht die Produktion im First Stage Theater nur so vor Energie, Spielfreude und einer klaren Botschaft: Liebe ist Liebe – und jede und jeder verdient es, gesehen und akzeptiert zu werden.

Im Mittelpunkt der Handlung steht die mutige Schülerin Emma Nolan (Samira Janssen), die in einer konservativen Kleinstadt in Indiana dafür kämpft, ihre Freundin Alyssa Greene (Antonia Opp) zum Abschlussball mitnehmen zu dürfen. Als die vier in die Jahre gekommenen Broadway-Stars Dee Dee Allen (Lilli van Lochum), Barry Glickman (Marek Blaß), Angie Dickinson (Victoria Flecke) und Trent Oliver (Henk Nagel) von ihrer Geschichte erfahren, beschließen sie, ihr zu helfen – und bringen damit nicht nur Emmas Welt durcheinander, sondern auch ihre eigene. Unterstützung im Kampf gegen die rückständige Elternschaft, allen voran Mrs. Greene (Josefin Lüder) erhalten sie durch den Schulleiter von Emma, Tom Hawkins (Philip Kretschmann) und die PR-Agentin Sheila (Hannah Westebbe). Die Geschichte trifft auch im deutschen Kontext voll ins Schwarze. Die Inszenierung bringt nicht nur jede Menge Witz und Tempo auf die Bühne, sondern auch viele berührende Momente, die das Publikum spürbar mitnehmen. Die Balance zwischen schriller Broadway-Satire und emotionalem Kern gelingt dabei überraschend reif und nuanciert. Mit einer perfekten Mischung aus schillerndem Glamour, pointiertem Witz und einer klaren gesellschaftlichen Botschaft gelingt es der Show, das Publikum zu begeistern und emotional zu bewegen.
Die Musik von Matthew Sklar ist eingängig, abwechslungsreich und emotional auf den Punkt gebracht – von mitreißenden Ensemble-Nummern bis zu leisen, intimen Momenten. Besonders hervorzuheben ist die kraftvolle Ballade „Mein Herz weiß, was es will“, die als musikalisches Herzstück für viele Gänsehautmomente sorgt (sehr einfühlsam vorgetragen durch Samira Janssen). Das Buch von Bob Martin und Chad Beguelin glänzt mit intelligentem Humor und einer feinen Balance zwischen Satire und Empathie. Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet und wachsen dem Publikum schnell ans Herz – ob es nun die überdrehten Broadway-Diven oder die zurückhaltende Emma selbst sind.

Die Darsteller und Darstellerinnen zeigen nicht nur gesanglich, sondern auch schauspielerisch ein erstaunliches Maß an Präsenz, Charaktertiefe und Bühnenpräsenz. Es ist spürbar, wie sehr sich jeder Einzelne mit dem Stoff identifiziert – und diese Echtheit macht die Inszenierung so besonders. Besonders hervorzuheben sind die Hauptdarsteller und Hauptdarstellerinnen – allen voran Samira Janssen (Emma), deren leise Stärke und authentische Darstellung viele im Publikum zu Tränen rührte. Mit ihrer warmen und kraftvollen Stimme zieht sie das Publikum gleich zu Beginn in ihren Bann und so fiebert jeder im Saal mit ihr mit.
Extravagant, schillernd und mit einer außerordentlich starken Bühnenpräsenz brilliert Marek Blaß in seiner Rolle als Barry Glickmann. Fast scheint es so, als wäre diese Rolle eigens für ihn geschaffen worden. Ebenso überzeugend verkörpert Lilli van Lochum ihre Rolle als Dee Dee Allen. Stimmgewaltig und mit viel Sinn fürs komödiantische Timing überzeugt sie das Publikum. Philip Kretschmann bringt als Tom Hawkins glaubwürdige Autorität auf die Bühne und überzeugt mit warmer Ausstrahlung und starker Stimme.

Hank Nagel (Trent Oliver) gehört nicht nur auf die Bühne – er lebt dafür. Mit charismatischer Präsenz und spielerischem Feingefühl stiehlt er in jeder Szene fast unauffällig die Show – besonders in „Liebt den Nächsten“, wo der moralische Zeigefinger charmant gegen den Spiegel getauscht wird. Antonia Opp zeigt in der Rolle der Alyssa Greene eine spürbare Entwicklung – vom angepassten Teenager hin zu einer jungen Frau, die den Mut findet, für sich selbst einzustehen. Josefin Lüder überzeugt als Mrs. Greene mit kontrollierter Strenge und einem inneren Konflikt, den sie glaubhaft und berührend auf die Bühne bringt.
Victoria Flecke bringt Angie Dickinson als toughe, aber liebenswerte Broadway-Veteranin mit viel Humor und Herz zum Leben. Ihr gelingt der Spagat zwischen Witz und Wärme mühelos – am Ende bleibt man mit einem Lächeln und einem kleinen Kloß im Hals zurück. Hannah Westebbe wiederum sorgt als PR-Agentin Sheila für bissige Kommentare und bringt das Publikum mit ihrer trockenen Art regelmäßig zum Lachen.

Auch technisch überzeugt die Produktion: Bühnenbild, Licht und Choreografie sind kreativ umgesetzt und unterstützen die Geschichte ohne sie zu überlagern. Hier wurde mit begrenzten Mitteln viel Atmosphäre geschaffen – und das mit einer Professionalität, die man bei einem Projekt von Studierenden nicht zwingend erwarten würde.
Was THE PROM besonders macht, ist seine Botschaft: In einer Welt, die oft noch von Ausgrenzung und Vorurteilen geprägt ist, setzt das Musical ein klares Zeichen für Gleichberechtigung, Vielfalt und die Kraft, zu sich selbst zu stehen. Ohne zu belehren, lädt es dazu ein, über gesellschaftliche Normen nachzudenken – und dabei trotzdem Spaß zu haben.
Fazit
THE PROM ist ein bewegendes Musical mit Herz, Humor und Haltung. Wer es sieht, verlässt den Theatersaal mit einem Lächeln – und vielleicht auch mit einem nachdenklichen Blick auf die Welt. Absolut empfehlenswert! Das Musical läuft nur noch bis zum 10.08.2025. Wer es sehen will, muss also schnell sein.
Cast & Crew
- Emma Nolan: Samira Janssen, Kim Hanfland (Cover)
- Alyssa Greene: Antonia Opp, Josephine Förster (Cover)
- Dee Dee Allen: Lilli van Lochum, Mercedes Feeling (Cover)
- Barry Glickman: Marek Blaß, Leo Riegger (Cover)
- Angie Dickinson: Victoria Flecke, Polina Batschurin (Cover)
- Trent Oliver: Henk Nagel, Lennard Ney (Cover)
- Mrs Greene: Josefin Lüder, Charlaine Sophie Grube (Cover)
- Tom Hawkins: Philipp Kretschmann, JOhan Quartier (Cover)
- PR-Agentin Sheila: Hannah Westebbe, Gina Müller (Cover)
- Kaylee: Amelie Huber, Elena Krieft (Cover)
- Shelby: Finja Ditz, Marilena Schulz (Cover)
- Kevin: Tobias Remmel, Frederick Ristow (Cover)
- Nick: Johan Quartier, Chase Tolbert (Cover)
- Fosse Girls: Elena Krieft, Kim Hanfland, Polina Batschurin, Alexa Drews, Josephine Förster
- Ensemble: Timon Strick, Fiona Röhrig, Luisa Dieterle, Milan Kirchhoff, Helena Rabea Hartmann
Wir bedanken uns bei der Stage School für die Einladung!
Artikel von Mareike & Heidi