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Die Kulturszene & Corona – Im Gespräch mit Chris Murray

Anfang März wurden aufgrund von Corona alle Veranstaltungen abgesagt. Wie hast du diesen Moment erlebt?

Es war ein ziemlicher Einschnitt. Erst war ich in den Endproben meiner Titanic-Inszenierung und durfte wegen einem möglichen Kontakt mit jemandem, der Kontakt hatte, 2 Wochen in Selbstquarantäne in meinem kleinen Hotelzimmer sitzen. Das war nicht so prickelnd und als es sich dann als Fehlalarm herausstellte, haben wir Titanic fertig geleuchtet und eingerichtet und haben alles abgebrochen. Die Unsicherheit, Ziellosigkeit und der enorme Arbeitsaufwand, zwei Teenager im Homeschooling zu haben, war schon belastend.

Wie fühlt es sich an, monatelang zuhause sein zu müssen und nicht arbeiten zu können?

Naja, es war nicht das Nicht-arbeiten, es gibt ja viel zu tun zuhause und es wurden viele Arbeiten für eine neue CD gemacht, aber die Ungewissheit war belastend und keinesfalls ein „Urlaub“.  Die Bestimmungen gleichen ja einem Berufsverbot und die Fortzahlung der Löhne war durchaus nicht gegeben und wurde aktiv verweigert….. eine überraschende und belastende Situation.

Womit beschäftigst du dich?

Mit den Aufnahmen für eine neue CD, mit einem sehr erfolgreichem Onlinekonzert, das wir per Crowdfunding finanziert haben, mit Wunschgrüßen und Aufnahmen für das Staatstheater Augsburg usw….

Ist es eine Belastung für die Familie, wenn Mama/Papa plötzlich so lange daheim sind?

Eine Belastung? Mitnichten. Es ist eine wunderbare Sache gewesen, zusammen zu sein.

Es gibt immer ein Licht am Ende des Tunnels! Wie sieht dein Licht aus?

Die Normalität kehrt langsam wieder ein, aber es ist noch ein weiter Weg. Die Zahlen sind gut in Sachen Corona und das macht hoffnungsvoll. Manchmal hat man den Eindruck beim Lesen mancher Kommentare und Medien, dass eine bestimmte Enttäuschung existiert bei manchen, dass die Welt doch nicht untergegangen ist…..

Hat diese Zwangspause auch etwas Gutes gebracht? 

Unsere Katzen fragen sich, was die da die ganze Zeit in ihrer Wohnung tun…..

Wie beurteilst du die finanzielle Unterstützung durch die Regierung. Wurden die freischaffenden Künstler vergessen?

Ich kann nicht für andere Länder sprechen, aber in Berlin war die Soforthilfe sehr gut und es wurde sich gekümmert. Die DGBA hat einen hervorragenden Dienst geleistet für die Inklusion der Gäste in der Kurzarbeitregelung mit den Theatern. Nichtsdestotrotz ist es eine sehr schwierige Situation für freischaffende Künstler, die nicht an öffentlichen Theatern arbeiten. Die Corona-Situation hat ein Riesendefizit ans Licht gebracht, dass in der Kunst- und Kulturwelt in Deutschland eine riesige Gruppe von Scheinselbstständigen existiert und ausgebeutet wird ohne jegliche berufliche und soziale Absicherung. Ich empfinde diese Verträge als extrem schwierig und diskussionswürdig, dass sie überhaupt in dieser Form existieren. Die Standardverträge gehören auf den Prüfstand, um auf Moralverträglichkeit und Scheinselbstständigkeit abgeklärt zu werden.


Interview & Foto von Ingrid

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