Capitol Mannheim: CABARET
„Leben und leben lassen“
Premiere: 11. September 2025 – rezensierte Vorstellung: 28. Dezember 2025
„Willkommen, Bienvenue, Welcome“ hieß es für uns an diesem Abend im wunderschönen Capitol in Mannheim. Wir durften eintauchen in die schillernde, aber auch nachdenkliche Welt der Eigenproduktion von CABARET. Ein wundervoller Abschluss für das Jahr 2025.
Die Handlung
Anfang der 1930er Jahre reist der junge, amerikanische Schriftsteller Cliff Bradshaw nach Berlin um dort seinen Roman zu vollenden. Früh macht er Bekanntschaft mit Ernst Ludwig, welcher ihm seine Hilfe bei der Zimmersuche sowie seine Freundschaft anbietet. Bei der liebenswerten Fräulein Schneider erhält Cliff tatsächlich, wie es Ernst im zugesagt hatte, eine günstige Unterkunft.
Auch das Nachtleben bleibt ihm durch Ernst nicht fern und so trifft er im Cabaret Club auf Sally Bowles, den Star des Clubs. Als Sally überraschend gefeuert wird, zieht sie Hals über Kopf bei Cliff ein. Erst überrumpelt und nicht begeistert von dieser Tatsache, entsteht zwischen den Beiden eine Liebesbeziehung. Als Sally schwanger wird und Cliff als Vater in Betracht kommt, malen sich beide eine gemeinsame Zukunft aus.
Die Veränderung der politischen Lage wird währenddessen immer spürbarer. Fräulein Schneider, welche sich mit dem Obst- und Gemüseverkäufer Herrn Schultz verlobt hat, muss während der Verlobungsfeier feststellen, dass ihr zukünftiger Mann Jude ist und das Leben in der aktuellen politischen Lage nicht einfach sein würde. Als auch noch ein Anschlag auf Herrn Schultz´ Laden ausgeübt wird, löst Fräulein Schneider die Verlobung.
Auch Cliff ist sich der schwierigen Lage und dessen was noch kommen kann bewusst und möchte mit Sally das Land verlassen und zurück nach Amerika gehen. Diese wiederum möchte Kind und Karriere unter einen Hut bringen und träumt weiter davon, wieder der Star im Cabaret zu werden. Als sie dort wieder arbeiten darf, trifft sie eine schwerwiegende Entscheidung und lässt das Kind abtreiben. Während Cliff erkennen muss, dass Ernst Ludwig zu den Nationalsozialisten gehört und seine Freundin auch noch das Kind abgetrieben hat, auf welches er sich so gefreut hatte, hält ihn nichts mehr in Berlin.

Jeder muss mit sich und seinem Leben zurecht kommen, auch wenn für jeden eine andere, ungewisse Zukunft wartet.
Mit CABARET hat das Capitol Mannheim eine großartige Eigenproduktion auf die Bühne gebracht. Ein Musical, welches leider aktueller ist, als es einem lieb sein kann. Politische Unruhen, eine Gesellschaft im Wandel und auch das Wegschauen sind leider auch heute sehr präsent.
Dieses Stück begeistert nicht nur durch die tollen Songs, energetischen Choreografien und den brillanten Gesang, sondern auch durch die Botschaften, welche es vermittelt: Jeder sollte leben und lieben dürfen wie und wen er möchte. Einander helfen und nicht ausgrenzen.
Das Theater hat schon immer die Menschen in eine andere, bunte Welt entführt. Es vereint verschiedene Nationalitäten, Religionen und verbindet Menschen. Es lässt uns träumen und den Alltag vergessen, doch schafft es auch Anregungen zum Nachdenken, vielleicht auch zum Umdenken und genau das wird in dieser Produktion vermittelt.
Es war bunt, es war magisch und doch war es auch sehr tiefgründig und nachdenklich. Das ist Theater auf hohem Niveau.
Tolle Kostüme, sowie Requisiten. Ein durchdachtes, eher schlichtes Bühnenbild, welches die Szenen aber dennoch immer gut darstellte und ein grandioses Ensemble sorgten für einen rundum gelungenen Theaterabend.

Die wundervolle Jennifer Siemann verzauberte uns als Sally Bowles. Mit einer starken Bühnenpräsenz verlieh sie dieser Rolle so viele Facetten. Mit Leidenschaft und Hingabe sang und spielte sie jede Szene auf ihre einzigartige Weise und begeistere so das Publikum. Gänsehautmomente schaffte sie durch ihre wunderschöne Stimme, welche sie in den starken aber auch in den ruhigen Liedern perfekt ein zusetzten wusste. Sie gab Sally Stärke, Verträumtheit aber auch Zerbrechlichkeit. Man fühlte mit ihr in ihrer Zerrissenheit zwischen Bühne und geordnetem Leben. Siemann machte Sally zum Star in diesem Musical.
Durch den Abend führte Andrea Matthias Pagani als Conférencier. Herzlich, bunt und zum Nachdenken anregend erschuf er diese Rolle und brachte dem Publikum so die Geschichte des Cabaret näher. Pagani ist ein so vielseitiger Darsteller, der jeder Rolle seine eigene Note verleiht. Gesanglich und schauspielerisch überzeugte er in jeder Szene.

Die liebenswerte Fräulein Schneider wurde von Susan Horn gespielt. Diese Rolle wurde dank der bezaubernden Darstellung von Horn zur Herzensrolle des Stückes. Berliner Dialekt, mal resolut, mal herzlich und liebevoll ließen Fräulein Schneider einzigartig auf der Bühne erscheinen. Es machte als Zuschauer viel Freude diesem Charakter auf der Bühne zuzusehen. Auch der Zwiespalt zwischen der Zuneigung zu Herrn Schultz aber auch der Angst was die Zukunft bringen würde, wenn das politische Geschehen sich ändert, spielte und sang sie authentisch und einfühlsam.
Den jungen, amerikanischen Schriftsteller Cliff Bradshaw verkörperte Sascha Stead. Hoffnungsvoll, kreativ und am Ende doch ernüchtern spielte Stead diese Rolle. Bradshaw, welcher auf der Suche nach einem Lebensziel ist, durch Sally aber auf einmal die Aussicht auf Familie hat und am Ende doch Haltung gegen die Nationalsozialisten einnimmt, wurde von Stead authentisch in jeder Ebene seines Charakters schauspielerisch sowie gesanglich dargestellt.
Tilman Madaus spielte den liebenswerten Obst-und Gemüseverkäufer Herr Schultz. Freundlich, höflich, einfühlsam und immer an das Gute glaubend hauchte er dieser Rolle Leben ein. Man konnte Herrn Schultz nur mögen. Doch litt man auch mit ihm, als seine Rolle durch seinen religiösen Hintergrund die Verlobung gelöst wurde und dann auch noch um seinen Laden bangen musste. Auch in seinen Gesangparts lag so viel Wärme, Zuversicht und Hoffnung.
Ernst Ludwig wurde von Tim Stolberg auf die Bühne gebracht. Diese wohl unsympathischste Rolle des Stückes spielte er überzeugend und authentisch. Man nahm ihm ab, dass seine Rolle von seinen Werten und Gedankengut absolut überzeugt war und sein Fehlverhalten als Richtig annahm. Er verlieh der Rolle den notwendigen negativen Touch.
Das fantastische Ensemble komplettierten Tina Podstawa (Fräulein Kost), Katharina Meissner (Helga), Felicitas Hadzik (Rosie), Isabel Thouw (Lulu), Niklas Hofmann ( Matrose), Tobias Kraus (Matrose) und Daniel Höhr (Matrose).

Fazit
Diese Produktion ist auf allen Ebenen auf hohem Niveau großartig gestaltet und inszeniert und steht den Produktionen in großen Häusern in nichts nach. Der Theatersaal des Capitol versprüht eine besondere Atmosphäre und die Nähe zur Bühne vermag es, den Zuschauer noch mehr in die Geschichte mit hinein zu nehmen.
Einzig die Belüftungsanlage/ Klimaanlage war an unseren Plätzen stark wahrzunehmen , dies ist aber nur ein kleiner Kritikpunkt.
CABARET ist auch 2026 im Spielplan des Capitol zu finden. Doch sollte man schnell sein, die Tickets sind völlig zu recht schnell vergriffen. Auch wir durften eine ausverkaufte Vorstellung erleben.
KREATIVTEAM
- Buch : Joe Masterhoff
- Gesangstexte : Fred Ebb
- Musik : John Kander
- Produzentin : Yvonne Geiger
- Regie : Jens Daryousch Ravari
- Musik, Leitung, Arragements : Marcos Padotzke
- Choreographie : Doris Marlis
- Kostümbild : Sybille Gänsslen-Zeit
- Maske : Daniela Werner
- Bühnenbild, Lichtdesign : Michel Honold, Paul Hermann
Wir bedanken uns beim Capitol Mannheim für die Einladung.
Artikel von Rebecca G.
Wir empfehlen zur Produktion diesen Beitrag unseres Kollegen Michael Bergmann