Bücherwelt: Lesen mit Erwartungen

Erwartungshaltungen können für positive Überraschungen oder ernüchternde Enttäuschung sorgen

In dem heutigen Beitrag möchten wir euch zeigen, wie Erwartungen an eine Geschichte sich auf das Lesevergnügen auswirken können. Dafür habe ich zwei Bücher ausgewählt: Eins konnte meine Erwartungen leider nicht erfüllen, das andere hat sie sogar übertroffen.

Enttäuschungen sprechen nicht zwangsläufig für eine »schlechte« Story: Zum einen sind Geschmäcker verschieden und zum anderen können der Klappentext, oder das Marketing, Erwartungen wecken, die nicht erfüllt wurden.

Ein Buch das meine Erwartungen nicht erfüllt hat

Inhalt

© Penguin Random House

Die Atherton Academy ist die beste Privatschule in Manhattan und zieht nur die Reichen und Mächtigen an. Morgan, Belle und Frost, ein Power-Trio aus New Yorker Geldadel und neureichen Trophy Wives, regeln das gesellschaftliche Leben an der Schule. Zwischen Pilatesstunde und Mimosa-Lunch genießen sie es, dass die anderen Eltern voller Ehrfurcht und Neid zu ihnen aufblicken.

Doch als am ersten Schultag die geheimnisvolle Sofia aus Miami auftaucht, gerät die perfekte Welt der drei ungekrönten Königinnen ins Wanken. Sofia integriert sich schnell in die Clique, was nicht jedem gefällt. Plötzlich häufen sich merkwürdige und unschöne Vorfälle. Bedauernswerte Zufälle oder gezielte Sabotage? Bald müssen sich die Freundinnen fragen: Hat es jemand auf sie abgesehen? Ist der Neid ihrer Freundinnen in Hass umgeschlagen? Und was, wenn eine von ihnen eine eiskalte Soziopathin ist?

Was habe ich erwartet?

Ich habe mich auf eine von Intrigen und Skandalen geprägte Story gefreut, die mich als Leserin miträtseln lässt, wer hinter dem Ganzen steckt. Entsprechend groß war meine Vorfreude. Spätestens seit der »Manhattan-Elite« -Reihe von Tami Fischer kann ich gar nicht genug von Büchern voller Intrigen aus der schillernden Welt der High Society bekommen! (Wir haben die Reihe bereits vorgestellt: Bücherwelt: Spannende Titel in der High Society – Bühnenlichter.de )
»Eat the rich« – das ist das Erste, das mir in den Sinn gekommen ist. Gemeint ist eine Person, die es den Reichen und Schönen zeigt. Die den glitzernden Schein der Schillerwelt zum Zerplatzen, und die ungeschminkte Wahrheit ans Licht bringt.

Was habe ich bekommen?

Eine Geschichte, in der das Hauptaugenmerk auf den teuren Kleidungsstücken, dem Aussehen und der Beschreibung verschiedener Straßenzüge liegt. Zunächst passiert auf den ersten 140 Seiten so gut wie gar nichts. Zwar tauchen es hier und da kleine Unannehmlichkeiten auf, die von einem echten Skandal jedoch weit entfernt gewesen sind. Die gesamte Geschichte hat ca. 350 Seiten, sodass ich mich nach der Hälfte gefragt habe, wann es denn endlich losgeht. Außerdem kommen so viele unterschiedliche Namen vor, die dann aber nie wieder auftauchen, dass es schwierig ist, einen Überblick zu gewinnen. Leider wurden obdachlose Personen als gefährlich und übelriechend dargestellt. Da hätte ich mir eine differenziertere Darstellung ohne stigmatisierende Zuschreibungen gewünscht.

Für wen ist die Geschichte geeignet?

Wer gerne humorvolle Geschichten liest, in denen nicht der Spannungsanteil im Fokus steht, wird schöne Lesestunden haben.
Die Atherton Academy als Schauplatz sowie die Personenbeschreibungen sind detailliert ausgearbeitet. Die Gedankengänge der Charaktere haben mir das ein oder andere Schmunzeln entlockt. Insgesamt ist es eine lockere Geschichte, die einige Überraschungen bereithält.

Ein Buch das meine Erwartungen übertroffen hat

© Sandra Großhausmann

Inhalt

Prinzessin Aella, einst aus dem Palast verstoßen, wächst mit anderen Waisenkindern bei einem Orden auf. Doch die Schule, die sie dort besucht, bildet alle im Geheimen zu Spionen des Königreichs aus. Nach Abschluss ihrer Prüfungen wird Aella in das Elite-Team der Absolventen berufen, das ausgerechnet Raven anführt. Alles an ihm zieht sie seit jeher an, er ist mutig, loyal – und tödlich. Die erste Mission ihres Teams wird sie beide an ihre Grenzen führen. Und Alleas Rolle dabei ist so entscheidend wie schwierig: Getarnt als die Prinzessin, die sie einst war, soll sie im Nachbarkönigreich die Gunst und Hand des Prinzen erringen, damit ihr Team hinter den Kulissen spionieren kann. Doch die Geheimnisse, die sie enthüllen, stellen alles infrage, woran sie bisher geglaubt haben …

Der bezaubernde Auftaktband einer episch-romantischen Fantasy-Trilogie von einem jungen Ausnahmetalent!

Was habe ich erwartet?

Nach dem vielversprechenden Klappentext habe ich mich auf eine atmosphärische, magische und düstere Geschichte voller Spannung und einer starken Protagonistin gefreut.

Was habe ich bekommen?

Ich habe eine weitaus komplexere Fantasywelt bekommen, als erwartet – und das im allerbesten Sinne.
Das umfangreiche Magiesystem und die gesamte Fantasywelt sind anfangs nicht leicht zu durchschauen, was hier aber als Kompliment gemeint ist. Nachdem ich verstanden habe, was es mit der Voliere genau auf sich hat und wie die gesamte Welt aufgebaut ist, hat sie mich komplett in ihren Bann gezogen.

Wer glaubt, dass Jugendbücher keine komplexen Charaktere oder wichtige Botschaften vermitteln können, wird hier eines Besseren belehrt: Aella ist eine verstoßene Prinzessin gefangen in einer Lüge, die in einem Waisenhaus aufgewachsen ist. Allerdings handelt es sich nicht um ein gewöhnliches Waisenhaus, sondern um eine Schule, in der Spione ausgebildet werden. Es wird düster, geheimnisvoll und brutal. Auch ich als Leserin wusste nie, wem noch zu trauen ist – da ging es mir nicht besser als den Charakteren.
Raven sieht nicht nur unglaublich gut aus, sondern ist auch gefährlich.

Und die Dynamik? Es knistert gewaltig und das, ganz ohne übermäßig viele spicy-Szenen. Mit dem Ende habe ich absolut nicht gerechnet und ich warte jetzt sehnsüchtig auf die Fortsetzung.

Für wen ist die Geschichte geeignet?

Wenn komplexe und atmosphärisch aufgebaute Fantasywelten euch begeistern, werdet ihr dieses Buch definitiv lieben.

Fazit

Ob uns ein Buch zusagt oder nicht, hängt unter anderem von unseren Erwartungen, den Versprechungen und unserer aktuellen Stimmung ab.

Ein großes Dankeschön geht an die Penguin Random House Verlagsgruppe, die uns die Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt hat.


Artikel von Sandra