Bücherwelt: Kathryn Stockett – Der Club der Unbeugsamen

Ich durfte den Roman „Der Club der Unbeugsamen“ von Kathryn Stockett bereits ein paar Tage vor dem offiziellen Erscheinungsdatum lesen. Nach nur wenigen Seiten hat das Buch mich komplett in den Bann gezogen.
Es ist die Zeit der Wirtschaftskrise und wir befinden uns mit den Protagonistinnen im Jahr 1933 in Oxford, Mississippi. Der Roman bringt uns in eine Zeit, die geprägt von Ungleichheiten ist: reich gegen arm, Schwarz gegen Weiß aber auch Männer gegen Frauen. Frauen haben in dieser Zeit nichts zu sagen. Der Mann ist der Herr im Haus, die Frau hat sich zu fügen. Männer sitzen in der Politik, sind Ärzte, Banker, Großgrundbesitzer usw. Frauen werden allgemein unterschätzt und klein gehalten.
In dieser Zeit treffen wir die 11-jährige Meg, deren Mutter von einen auf den anderen Tag nicht mehr da ist. Meg kommt in ein Waisenhaus in Oxford. Dort ist sie eine der Großen. Jeden Tag muss sie aufs Neue bitter erfahren, dass sie sich selbst in ihren jungen Jahren auf niemanden verlassen kann und, dass vor allem die Babys sehr begehrt sind, die Großen Mädchen hingegen nur sehr selten. Wenn sich mal jemand für sie interessiert, dann eigentlich nur als Arbeitshilfe im Haushalt oder zum Kinderhüten für die eigenen, kleineren Kinder. Meg ist schlau und aufgeweckt, was in dem christlichen Waisenhaus, vor allem aber bei der garstigen Vorsteherin des Hauses Miss Garnett, regelmäßig Missbilligung hervorruft. Wobei es Meg so vorkommt, als würde Miss Garnett vor allem zu ihr sowohl besonders streng als auch unfair sein. Trotz der Ungerechtigkeiten und der Härte, derer sie tagtäglich ausgesetzt ist, gelingt es Meg einfach nicht, den Mund zu halten, wodurch sie sich erst recht in Schwierigkeiten bringt. Bis eines Tages unverhofft Birdie in das Waisenhaus spaziert und ihre Wege sich kreuzen.
Was uns zur zweiten Hauptprotagonistin bring: Birdie, die sich aus Geldnot aus ihrem kleinen Dorf auf den Weg zu ihrer Schwester nach Oxford macht, welche dort reich geheiratet hat. Mit ihren 24 Jahren gilt sie als alte Jungfer, weil sie noch keinen Mann hat und sich um Ihre Mutter und um ihre Meemaw kümmert, seit ihr Vater vor ein paar Jahren verstorben ist. Sie ist die einzige mit einem Job, in dem sie als Frau selbstverständlich weniger verdient als der picklige-, aber männliche Teenager, der im Gegensatz zu ihr, sogar lediglich als Aushilfe arbeitet.
In Oxford bei ihrer Schwester Frances angekommen, trifft sie auf eine High Society die voller Lügen, Scheinheiligkeit und Intoleranz ist, geprägt von sozialen Zwängen und den gesellschaftlichen Konventionen. Birdie selbst ist bodenständig, geradeheraus, mitfühlend und fleißig. Und vor allem ist sie nicht auf den Kopf gefallen. Ihre etwas lose Zunge ist ihrer Schwester und so manchem Mann ein Dorn im Auge. Es gehört sich schließlich nicht für eine Frau, viel zu sagen bzw. groß mitzudenken. Das ist einer der Gründe, der sie rasch bemerken lässt, dass in dem Haushalt ihrer Schwester doch nicht alles so rosig ist wie es zunächst scheint. Als dann noch Frances Mann plötzlich mit sämtlichen Wertsachen spurlos verschwindet und sowohl seine Frau als auch seine Mutter in dem großen Herrenhaus hochverschuldet zurücklässt, ist Birdie gezwungen, sich etwas einfallen zu lassen, denn dazu sind weder ihre Schwester noch deren Schwiegermutter imstande. Sie mussten schlichtweg noch nie etwas selbst entscheiden. Als sich durch Zufall Birdies Weg mit der verschwiegenen Charlie und ein paar weiteren Frauen kreuzt, die auch nichts mehr zu verlieren haben – aber viel zu gewinnen – wagen sie gemeinsam das Undenkbare, um für ihre eigene Zukunft und finanzielle Sicherheit zu kämpfen. Charlie selbst hat auch einige dunkle und grausamen Geheimnisse, die aber nach und nach ans Licht kommen, als sie beginnt, Birdie ihr volles Vertrauen zu schenken. Nochmal spannend wird es, als plötzlich und sehr unverhofft ein interessanter Mann in Birdies Leben tritt. Das kommt ihr in der Situation absolut ungelegen und könnte das gemeinsame Projekt der Frauen doch noch gefährden.
Der Roman besticht durch seine vielschichtigen Charaktere. Der Autorin gelingt es gekonnt, jeden einzelnen Charakter aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten die notwendige Tiefe und Reife zu geben. Trotz der oft schwierigen Themen, die einen fassungslos machen können, da sie in der heutigen Zeit schlichtweg unvorstellbar sind, ist der Roman sehr kurzweilig geschrieben, hat einen wundervollen Humor, warmherzige Momente und emotionalen Tiefgang, der ans Herz geht.
Die über 800 Seiten sind nur so dahingeflogen und ich habe das Buch kaum zur Seite legen können, sodass es viel zu schnell zu Ende gelesen war. Es ist eine fesselnde und mitreißende Geschichte, über den Zusammenhalt von Frauen, Female Empowerment, die fantastisch von der Autorin erzählt wird.
- Was man alles schaffen kann, wenn man zusammenhält und etwas wagt, das unmöglich scheint.
- Was geschehen kann, wenn man sich über gesellschaftliche Konventionen hinwegsetzt.
- Was passieren kann, wenn man ein Ziel hat und dafür kämpft.
Das Buch hat mich in vielen Momenten tief berührt, zum Lachen aber auch zum Nachdenken gebracht. Unvorstellbar wie anders unsere Welt noch vor knapp 100 Jahren gewesen ist, insbesondere für Frauen. Dass diese von heute auf morgen gekündigt werden konnten, damit ein Mann den Job bekam, weil es während der Wirtschaftskrise nicht genug Arbeit gegeben hat. Frauen durften zwangssterilisiert werden, wenn sie z.B. als schwachsinnig oder unzüchtig galten oder auch der „Rassenmischung“ bezichtigt wurden. Im Nachwort erfahren wir von Katrhryn Stockett weiteres Interessante Details inkl. der Quellenangaben. Ein Gesetz erlaubte es z.B. der Polizei, Frauen in Gewahrsam zu nehmen, um sie auf sexuell übertragbare Krankheiten zu testen. Ein halbes Jahrhundert lang wurden Zigtausenden amerikanische Frauen festgenommen (manchmal einfach unverhofft als die Frauen zu Fuß unterwegs waren) und „zwangsuntersucht“. Zeigten die Frauen sich ungehörig, durften diese geschlagen, mit kaltem Wasser übergossen, in Einzelhaft gesteckt oder sogar sterilisiert werden. In abgewandelter Form sind diese Gesetzte noch heute in allen amerikanischen Bundesstaaten offiziell gültig. Ein Fakt der mich sprachlos gemacht hat. Wir denken so oft, dass wir in einer modernen Welt leben, in der Gerechtigkeit und Gleichberechtigung herrschen.
Kathryn Stockett erinnert uns mit diesem Roman daran, dass es nicht immer so war (und es auch in vielen Ländern der Welt immer noch nicht ist!).
Ich kann den Roman jedem empfehlen, der Lust auf eine Geschichte mit historischem Hintergrund hat, in der wundervolle, vielschichtige und interessante Frauen vorkommen. Eine Geschichte, die einen mitreißt und in eine Zeit entführt, in der vieles eben nicht selbstverständlich gewesen ist. In eine heuchlerische Zeit, in der die Freiheit von Frauen nicht selbstverständlich war und selbst der kleinste Akt der Rebellion eine große Gefahr für die dargestellt hat.
Inhalt

Oxford, Mississippi, 1933. Während die Wirtschaftskrise die Welt in Atem hält, kreuzen sich in einer kleinen Stadt die Wege dreier ungewöhnlicher Frauen. Sie erkennen, dass sie gemeinsam etwas bewegen können, vielleicht sogar die Regeln ihrer Zeit verändern. Um ihre Ziele zu erreichen, gehen sie erstaunliche Risiken ein. Denn sie haben eines gemeinsam: Sie haben wenig zu verlieren.
Die elfjährige Meg, deren Mutter einst an Weihnachten verschwand, hat auf die harte Tour gelernt, sich auf niemanden zu verlassen. Nun zählt sie zu den »großen Mädchen« im Waisenhaus und kämpft jeden Tag um ihre Würde. Birdie Calhoun, unverheiratet und unverblümt, ist nach Oxford gekommen, um ihre wohlhabende Schwester um etwas Geld zu bitten. Doch sie merkt schnell: Das High-Society-Leben ist nichts als ein Geflecht aus Lügen. Dann begegnet Birdie Charlie, einer Frau, die mit dem Rücken zur Wand steht. Als sich die Schicksale der drei kreuzen, schmieden sie einen kühnen Plan, um einzufordern, was ihnen zusteht. Doch in einer heuchlerischen Zeit, in der die Freiheit von Frauen zerbrechlich ist, kann selbst der kleinste Akt des Widerstands gefährliche Folgen haben.
Ein Roman, der mitten ins Herz trifft. Und eine Hymne an alle unterschätzten Frauen, die den Mut haben, für ihre Ideale zu kämpfen.
Fazit
Ein Roman, der uns an all die unterschätzten Frauen erinnern soll, die den Mut hatten, für sich, ihre Ideale, ihr Recht und auch ihre Freiheit zu kämpfen und einfach gegen den Strom geschwommen sind …
„Der Club der Unbeugsamen“ von Kathryn Stockett ist am 27. Mai 2026 im btb Verlag erschienen.
Vielen Dank an den btb Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
Gastbeitrag von Alex