Bücherwelt: Justine Pust zu ihrem neuen New-Adult-Suspense-Roman »Was die Nacht nie vergisst«

Mit ihren Geschichten gelingt es Justine Pust, ihre Leserschaft in den Bann zu ziehen und tief zu berühren. Ein besonderes Augenmerk legt sie dabei auf Themen im Bereich der mentalen Gesundheit sowie der realistischen Darstellung sogenannter Female Rage („Frauenwut” oder „Zorn der Frauen”). In ihrem neuen Suspense-Roman „Was die Nacht nie vergisst“ gelingt es ihr besonders, letzteres eindrucksvoll darzustellen. Durch ihren Einsatz zur Enttabuisierung gesellschaftlich wichtiger Themen stärkt sie viele betroffene Frauen darin, über sexualisierte Gewalt zu sprechen. Schließlich sind es nicht die Opfer, die aus Scham schweigen sollten, sondern die Täter – und diese müssen zur Rechenschaft gezogen werden!

© Justine Pust

Aber das ist noch nicht alles! Denn die sympathische Autorin schreibt nicht nur spannende Romane, sondern ist auch ein großer Musicalfan. Dabei teilen wir sogar die Liebe zu einem bestimmten Musical. Warum sie nach den berührenden Liebesgeschichten mehr spannungsgeladene Anteile in ihre Geschichten integrieren wollte, wie sie mit dem Druck in der Buchbranche umgeht und welches ihr Lieblingsmusical ist, verrät sie im folgenden Interview.

Zuletzt sind deine berührenden Liebesromane im Droemer Knaur Verlag erschienen. Gab es einen bestimmten Impuls, der dich dazu bewegt hat, einen Roman mit einem ordentlichen Suspense-Anteil zu schreiben?

Ich schreibe schon länger im Thriller Bereich – bisher haben es allerdings nur Kurzgeschichten in die Veröffentlichung geschafft. Bei Romantic Suspence hat mich gereizt, eine Verbindung zwischen der Romance und der Spannung zu schaffen. Thriller haben ja selten ein Happy End, da ist man in einem Genre Mix etwas freier. Außerdem liebe ich Female Rage – und das hat sich hier natürlich angeboten.

Deine Widmung hat sofort meine Neugier geweckt. Magst du uns erklären, was es mit den Worten auf sich hat?

Für alle, denen nicht geglaubt wurde:

Ich glaube dir.

Dieses Buch ist für dich. Und es ist für mich.

Keines meiner Worte wird etwas ändern, aber

wir werden weiter dort hinsehen, dort laut sein, wo

Männer versuchen, uns zum Schweigen zu bringen

Der #metoo hat damals mein Leben verändert, weil ich mich als Opfer von sexualisierter Gewalt endlich gesehen gefühlt habe. Und nach vielen Jahren auch selbst bereit war, darüber zu sprechen. Die meisten von uns Frauen und weiblich gelesenen Personen haben Erfahrungen, und gemeinsam das Schweigen zu brechen hilft uns nicht nur bei der Verarbeitung, sondern auch dabei endlich politische Veränderungen anzustreben und Druck dort auszuüben, wo noch viel zu selten hingesehen wird.

Mental Health Themen liegen dir immer sehr am Herzen. Welche Überschrift würdest du den Themen in diesem Roman geben?

Ich denke hier ist es besonders der Umgang und die Verarbeitung von Traumata. Gerade auch kollektiven Traumata.

Mona nimmt an einer Reality-TV-Show teil – mit geheimen Absichten. Wie würdest du ihren Charakter beschreiben?

Sie ist unbequem, manchmal auch unsympathisch – aber mit dem Herz am richtigen Fleck.

Was bedeutet das Schreiben für dich?

Schreiben ist für mich die pure Verarbeitung. Da wo ich im Alltag oft gezwungen bin meine Gefühle herunterzuschlucken, um weiter machen zu können, gehe ich beim Schreiben tief in sie rein.

Das zwingt mich dazu mich mit vielem auseinanderzusetzen. Und auch wenn das seltsam klingen mag, hilft mir das enorm mit allem zurecht zu kommen und mich weniger hilflos zu fühlen. Gerade auch bei dem Thema #metoo.

In den letzten Wochen haben immer mehr Autor*innen über den immensen Druck in der Buchbranche berichtet. Wie schaffst du es, damit umzugehen und immer wieder solch grandiose Geschichten zu schreiben?

Die meisten von uns haben kein Problem mit dem Schreiben. Sondern mit dem Veröffentlichen. Ja, ich weiß 😀 Ein HotTake.

Das Schreiben ist – zumindest bei mir – ein Reflex. Ich schreibe einfach. Manchmal entsteht dabei ein Buch, das veröffentlicht wird und manchmal nicht. Der Druck kommt immer erst dann, wenn es um letzteres gibt. Mein Umgang damit ist inzwischen sehr klar und lässt sich etwas unterteilen:

Social Media:

Ich poste nur noch was und wann ich möchte, wenn ein Verlag möchte das ich intensive Werbung mache und das auch über einen bestimmten Zeitraum hinweg, erfrage ich das genaue Budget. Das heißt: Mehrarbeit möchte ich auch vergütet bekommen. Klingt erstmal sehr hart, hat bisher aber ganz gut funktioniert. Auch weil dann klar und offen über Dinge wie Positionierung und Co gesprochen wird.

Privat gebe ich Social Media nicht mehr so viel Macht.

Im Buchmarkt macht das Ganze in Verkäufen irgendwas zwischen 10-20% aus. Klar kann ein viraler Hit alles ändern, aber der ist selten. Also verlagre ich mich hier eher auf Spaß und mache es so, wie ich es machen möchte, ohne mich an anderen zu messen.

Bei allem anderen wie Deadlines, Verkaufsdruck und Co. versuche ich mich abzugrenzen. Ich kann nicht mehr als mein Bestes geben. Und das tue ich.

Und (ganz wichtig): Es ist nicht nur meine Verantwortung, ein Buch gut zu verkaufen. Das nimmt den Druck etwas.

Ich weiß, dass du ein großer Musical-Fan bist. Welches Musical hat einen besonderen Stellenwert in deinem Herzen?

Hamilton!

In meinen Augen eines der besten Musicals der Welt. Einer meiner größten Wünsche wäre es, es noch einmal sehen zu dürfen. Bis es so weit ist, lebe ich in meinem Hamilton Pulli und nerve jeden meiner Arbeitskolleg*innen mit dem Musical in Dauerschleife. (Inklusiver schiefen Mitsingen und schlechter Choreo).

Persönliche Worte

Nun ist auch das Geheimnis um eines meiner Lieblingsmusicals gelüftet. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich Justine Pust im Jahr 2023 beim Community Day des Musicals „Hamilton” im Stage Operettenhaus erstmals getroffen habe. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht viel über ihre Bücher. Seither verfolge ich ihren Instagram-Account und bewundere ihre offene, ehrliche Art, die sie nicht nur in Bezug auf ihre Bücher, sondern in vielen weiteren Bereichen an den Tag legt. Manch einer mag sich vielleicht fragen, woher die Ideen für unsere Buchwelt kommen: Manchmal sind es Bücher oder auch bestimmte Autoren und Autorinnen, die ich gern lese, oder eben solche Begegnungen, die im richtigen Moment wiederaufleben. 

Justine Pust ist eine herzliche und emotionale Frau – na gut, wer hat bei „Hamilton” bitte nicht geweint?!? Das Musical hat andere Themen behandelt, und doch passen sie in gewisser Hinsicht zur Handlung ihres Romans. Denn auch in der Welt der Musicals werden viele Künstler:innen aufgrund ihrer Hautfarbe bis heute angefeindet. Dabei darf Rassismus in unserer Kultur keinen Platz mehr haben und erst recht nicht geduldet werden.

Ebenso sind viele Frauen bis heute Anfeindungen ausgesetzt. Und das nicht, weil sie etwas falsch gemacht haben. Sondern einzig und allein, weil sie sind, wer sie nun einmal sind: Frauen! Weder unsere Hautfarbe, unser Geschlecht noch unsere sexuelle Neigung wählen wir bewusst. 

Selbst wenn viele es nicht wahrhaben wollen: All das gehört für viele selbst im Jahr 2025 traurigerweise immer noch zum Alltag.

Inhalt »Was die Nacht nie vergisst«*

© Droemer Knauer

Eine Reality-TV-Show. Zwei Teilnehmende mit einem ganz bestimmten Plan. Eine Liebe, die nicht nur ihre Herzen in höchste Gefahr bringt …

In dem New-Adult-Suspense-Roman »Was die Nacht nie vergisst« erzählt Justine Pust von den dunklen Abgründen hinter der schillernden Kulisse einer Reality-TV-Show in Finnland – und von einer Liebe mit hohen Einsätzen.

Mona ist eine der Auserwählten für die zweite Staffel der Reality-TV-Show Celebrity Cache. Zusammen mit fünf anderen wird sie in Finnland an einer GPS-Schnitzeljagd teilnehmen, deren gut versteckte Hinweise und Challenges zu 500.000 Euro führen. Aber weder das Geld noch der Ruhm treiben Mona an. Sie will herausfinden, was sich hinter der Kulisse der Reality-Show abspielt, denn ihre Freundin Fine nahm an der ersten Staffel teil und ist seitdem nicht mehr dieselbe. Um die dunklen Machenschaften aufzudecken, ist Mona (fast) jedes Mittel recht. Nur mit Samu rechnet sie nicht, als sie einen Tag vor Drehbeginn nach Helsinki fliegt. Aus einem harmlosen Flirt wird eine heiße Nacht. Dann stellt sich heraus, dass auch Samu an der Show teilnimmt – und um jeden Preis gewinnen will. Wie Mona scheint er eine eigene Mission zu verfolgen …

New Adult Suspense rund um ein Spiel mit hohen Einsätzen

Bei den Challenges werden die Teilnehmenden mit ihren größten Ängsten konfrontiert. Doch das ist nicht die eigentliche Gefahr …

Erster Leseeindruck

Wie im Interview bereits erwähnt, war es die Widmung, die sofort meine Neugier geweckt hat. Sie macht deutlich, dass Justine Pust allen Frauen Kraft und Trost spenden möchte, aber gleichzeitig anerkennt, dass keine Worte der Welt echten Schmerz stillen können. Doch vielleicht fühlt sich die eine oder andere Frau mit ihren Erfahrungen nicht mehr ganz allein – und vor allem gesehen.

Von der ersten Seite an ist die Geschichte fesselnd und führt die Lesenden ohne Umschweife in die Handlung ein. Schnell wird deutlich, was Mona antreibt, diesen Schritt zu wagen an einer Reality-Show teilzunehmen, obwohl sie diese zutiefst verteufelt. Was allerdings Samu konkret dazu bewegt, bleibt zunächst geheim. Erzählt wird die Geschichte sowohl aus Monas als auch aus Samus Perspektive.

Doch welches Geheimnis verbirgt sich wirklich hinter dem Vorfall? Welche Wahrheit konnte Fine ihrer Freundin nicht erzählen? Es ist grandios, wie Justine Pust uns häppchenweise immer mehr Details zukommen lässt. In kurzen Auszügen werden Fines Notizen eingeblendet, die nach und nach ein vollständiges Bild ergeben.

Auch die Klatschpresse darf in dieser Geschichte natürlich nicht fehlen – sie heizt die Gerüchteküche ordentlich an. Integriert wird der Klatsch durch eigenständige Artikel, die zwischen den Kapiteln platziert sind.

Wo beginnt ein Übergriff? Ist es ein bloßer Blick? Ein Wort? Eine Berührung? Das Überschreiten einer Grenze? Oder ist es vielleicht das alles?

Wer sich auf eine fesselnde und bewegende Reise begeben möchte, trifft mit diesem Buch die passende Wahl. Dabei beschränkt sich die Handlung jedoch nicht ausschließlich auf diese Themen. Schließlich handelt es sich nicht um einen Thriller, sondern um einen Romance-Suspense-Roman, in dem es, wie die Autorin es so schön formuliert hat, auch Happy Ends geben darf.

Ob es hier aber auch eines gibt? Wer weiß …

“Was die Nacht nie vergisst” erscheint am 01.12.2025 im Knaur Verlag.

Weitere Bücher der Autorin

  • Meet Me Under the Mistletoe 24 romantische Storys für eine zauberhafte Weihnachtszeit und Silvester-Special | Adventskalender-Buch, erschienen im Knaur Verlag (mit weiteren Geschichten von u.a. Valentina Fast, Antonia Wesseling, Basma Hallak uvm.)
  • Wo die Sterne uns sehen – Band 1 einer berührenden Dilogie, erschienen im Knaur Verlag
  • Whispers of Destiny 28.11.2025 im Piper Verlag

Wir bedanken uns bei der Autorin für das ausführliche Interview!


Artikel von Sandra; *Inhalt: Klappentext