Bücherwelt: Interview mit Marie Weis
Neuerscheinung: Words like feathers

Marie Weis, eine Autorin aus Bonn, die es geschafft hat Leser*innen mit ihren Worten zu berühren. Sie ist ausgebildete Buchhändlerin und hat eindrücklich bewiesen, dass sie nicht nur gern in Geschichten versinkt, sondern auch Geschichten zu schreiben imstande ist, in die ihre Leserschaft versinkt.
Nachdem sie 2022 ein Buch mit Gedichten und Texten veröffentlichte, erschien 2024 ihr Debüt Roman To my Sunflower. Er beinhaltete wichtige Mental Health Thematiken wie Selbstliebe und einen gesunden Umgang mit dem eigenen Körperbild.
In ihrem neuen Roman Words like feathers bleibt sie ihrem Wunsch, wichtige Themen der mentalen Gesundheit gekonnt zu integrieren, treu. Zeitgleich entführt sie uns in die schottischen Highlands zu einem Retreat für Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Schauspiel und Musical.
Musical? Bei der Thematik wollten wir es uns nicht nehmen lassen, der Autorin ein paar Fragen zu stellen.
Ob Marie Weis selbst ein Musicalfan ist, welches ihr Favorit ist und worauf die Leser*innen sich freuen können? Dies und mehr haben wir im nachfolgenden Interview gefragt.
Ich freue mich immer, wenn Bücher ein Musicalsetting haben. Bist du auch ein Musicalfan?
Ja, ich bin definitiv ein Musicalfan, habe aber ehrlich gesagt noch gar nicht so viele Musicals gesehen! Das möchte ich in Zukunft auf jeden Fall ändern. Ich war aber schon immer ein großer Fan von Musikfilmen, ich glaube damit hat es auch angefangen. Früher High School Musical, Camp Rock und Hannah Montana, heute Filme wie La La Land, Singin‘ in the Rain und Moulin Rouge. Aber es ist auch nochmal ein ganz anderes Gefühl sowas live auf der Bühne zu erleben!
Welches Musical hat bei dir einen besonderen Eindruck hinterlassen?
Auf jeden Fall Wicked. Nachdem ich den Kinofilm letztes Jahr abgöttisch geliebt habe, war ich diesen Februar mit meiner besten Freundin in London und habe dort dann das Musical live gesehen. Das war einfach absolut magisch und unvergesslich.
Die Geschichte spielt in den schottischen Highlands. Warst du selbst vor Ort?
Ich war letztes Jahr mit meiner Familie in den schottischen Highlands, was auch der Grund dafür ist, dass Words Like Feathers dort spielt. Zuerst sollte die Geschichte nämlich in Edinburgh spielen, aber als ich dann im Glencoe stand, vor mir diese unendliche, grüne, beeindruckende Weite – da wusste ich, dass es die Highlands sein müssen. Ein Ort, der sich definitiv im Herzen einprägt.
Auf welche Atmosphäre können die Leser*innen sich einstellen?
Die Geschichte ist sehr ruhig, aber auch emotional, es geht viel um die Liebe zum Film, um Freundschaft, Mental Health und die Frage danach, ob eine gescheiterte Liebe nicht manchmal doch eine zweite Chance verdient hat. Eine Leserin hat geschrieben, dass es sich um ein warmes Buch handelt, das sich wie eine Umarmung anfühlt – ich hoffe, so geht es vielleicht anderen auch beim Lesen 🙂
Wie würdest du Olivia und Tristan mit je drei Worten beschreiben?
<palign=“justify“>Die Frage fällt mir immer sehr schwer!
- Olivia: Cineastin, Sturkopf, Gefühlschaos.
- Tristan: Empathie, Kreativ, Allesfühler.
Der Titel Words like feathers allein klingt schon spannend. Er wird ergänzt durch den Satz: Weil federleicht nicht immer schwerelos bedeutet. Kannst du erläutern, wie es zu dem Titel kam?
Der Titel Words Like Feathers ist tatsächlich beim Brainstorming mit meiner Lektorin entstanden. Ich wusste, dass Emily Dickinson und ihre Gedichte in der Geschichte eine wichtige Rolle spielen werden, vor allem ihr berühmtes Gedicht Hope is the thing with feathers. Und dann habe ich darüber nachgedacht, dass es Olivia schwerfällt über ihre Gefühle zu sprechen und dass Worte eben leider nicht immer so federleicht sind. Tja und dann kam der Titel zustande, den ich auch wirklich sehr liebe.
Mit welchen drei Argumenten würdest du neue Leser*innen von deiner Geschichte überzeugen wollen?
Ein Argument wäre auf jeden Fall das Setting: die schottischen Highlands, Edinburgh, Bath, London – alles Orte, an denen ich schon war und von denen ich versucht habe, die Atmosphäre so gut wie möglich darzustellen und für Fernweh zu sorgen.
Ein weiteres Argument wäre, dass die Geschichte sanft, ehrlich, leise und verletzlich ist – etwas, das man ja auch vielleicht mal braucht, bei all dem Lärm um uns herum.
Und das dritte Argument: es spielt in einem Künstler-Retreat!
Camp Rock Vibes also!!!!!!! 😊

Klappentext Words like feathers
Weil federleicht nicht immer schwerelos bedeutet.
Für Olivia erfüllt sich ein Traum: Sie darf am CineStage Hills, einem Retreat für Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Schauspiel & Musical, teilnehmen.
Womit sie jedoch nicht gerechnet hat, ist Tristan Kingsley – Stargast des Events, bekannter Musicaldarsteller, älterer Bruder ihrer besten Freundin und der Mann, dem sie einst das Herz gebrochen hat.
Auch wenn Olivia ihre Entscheidung von damals mittlerweile bereut, ist Tristan abweisend, und die unausgesprochenen Gründe für die Trennung thronen noch immer wie eine Mauer zwischen ihnen. Aber da sind auch heimliche Blicke, fliegende Funken und eine unerschütterliche Anziehungskraft, die es beiden zunehmend schwerer machen, ihre Vergangenheit zu ignorieren…
Persönlicher Leseeindruck
Die Geschichte wird aus Olivias Perspektive erzählt. Direkt auf der ersten Seite wird deutlich, dass gleichbleibende Routinen und Ordnung für sie wichtig sind. Doch nicht in einem gesunden Rahmen. Denn was passiert, wenn die Vase mit den Blumen ausgerechnet an dem Tag, der Olivia hoffentlich die lang ersehnte Zusage für das CineStage Hills bescheren soll, nicht akkurat in der Mitte des Tischs platziert ist?
Besonders hervorzuheben, ist die gekonnt lockere Art mit der Marie Weis diese Themen integriert. Manchmal mit einer Prise Humor, in den Gedanken. Teilweise tief emotional und berührend. Aber zu jederzeit gut verträglich und eher Mut machend als zu belastend. Zumindest habe ich es so empfunden.
Dem Schreibstil der Autorin deutlich anzumerken, dass sie neben Büchern auch Gedichte schreibt. Die Formulierungen sind angenehm zu lesen, sie nutzt viele Bilder und wählt die Worte so, dass ich ein warmes Gefühl beim Lesen hatte.
Oft ist es wichtig, zu verstehen, warum die Charaktere sich so verhalten. Dafür wurden Rückblicke eingebaut, die es den Leser*innen erlauben, auch die Vergangenheit kennen- und das Verhalten verstehen zu lernen.
Die Musikthematik war für mich als Musicalliebhaberin natürlich das i-Tüpfelchen.
Seine Berührung ließ Hoffnung in mir aufflammen. Hoffnung, dass wir vielleicht eines Tages wieder mehr als Fremde sein konnten. Die Hoffnung war winzig klein, wie eine Pflanze, die gerade erst die Erde durchbrochen hatte. Sie traute sich noch nicht so recht, aufzublühen und sich weiter vorzuwagen, aber sie war da. (Words like feathers)
Fazit
Mit Words like feathers liefert Marie Weis erneut einen Roman, der wichtige Themen integriert und ans Herz geht. Nach ihrer Erläuterung, was es mit dem Titel auf sich hat, habe ich lange nachgedacht. Und ja – er passt perfekt.
Weil eben nicht alles leicht ist. Weil es Olivia schwerfällt, sich und ihre Gefühle durch Worte auszudrücken.
Und vielleicht ist loslassen manchmal auch schwerer als festzuhalten.
Oder?
Words like feathers ist im Reverie Verlag und am 24.06. Erschienen.
Wir bedanken uns bei Marie Weis für das ausführliche Interview und beim Reverie Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
Interview von Sandra