Bücherwelt: Die Puppe von Holly Black
Drei Kinder an der Schwelle zum Erwachsen werden.
Eine unheimliche Puppe.
Und ein letztes großes Abenteuer.

Der Roman erschien erstmals im September 2013 unter dem Namen: Die Puppenkönigin – Das Geheimnis eines Sommers. Auch wenn der am 24.Juni 2026 neu aufgelegte Roman von Holly Black als Fantasy – Jugend Roman ab 11 Jahren deklariert ist, lief es mir, mit Mitte 40, beim Lesen mitunter eiskalt über den Rücken.
Wer kennt es nicht: Alte Porzellan Puppen – meistens bei älteren Menschen zu finden. Oft als Sammlerstücke in Vitrinen. Manchmal aber auch kunstvoll in Ecken drapiert oder sogar auf der Couch sitzend.
Sie haben alle eines gemeinsam: Sie sind unheimlich und erwecken den Anschein, einen immer mit den Augen zu verfolgen.
So geht es auch den drei Hauptcharakteren in der Geschichte.
Zum Inhalt

Die 12-jährigen Zach, Alice und Poppy leben in einem kleinen, ärmlichen Dorf. Sie kennen sich bereits seit ihrer frühesten Kindheit, besuchen die gleiche Schule und verbringen ihre freie Zeit am liebsten gemeinsam. Denn dann erfinden sie fantastische Geschichten in einer magischen Welt, die sie mit Actionfiguren zum Leben erwecken. Innerhalb dieser Spiele erleben sie seit Jahren spannende Abenteuer voller Gefahren, Heldentum, gefährlicher Monster und einer „bösen Königin“.
Allerdings hat sich in der letzten Zeit etwas in der Freundschaft des Trios verändert. Plötzlich stehen zuvor nie dagewesene Geheimnisse zwischen ihnen. Vor allem Zach wird immer häufiger von seinen Freunden gehänselt, weil er „immer noch mit Mädchen spielt“. Vor seinen Basketball Team versucht er all das zu verheimlichen. Doch auch ihm fällt auf, dass Alice sich in der Schule in Gegenwart ihrer Freundinnen seltsam verhält, sobald er in ihre Nähe kommt: Es wird gekichert und hinter vorgehaltener Hand getuschelt – was ihn verwirrt.
Auch Alices‘ Verhalten verändert sich. Seit dem Tod ihrer Eltern, lebt sie bei ihrer strengen Großmutter. Statt Widerworte zu geben, nimm Alice all das klaglos hin und bemüht sich, stets artig zu sein. Doch ihren beiden Freunden entgeht nicht, dass sich eine neue Spielfigur, die ganz anderes als die rosafarbene Barbie mit der sie bisher ihre Abenteuer bestritten hat ist, in ihre gemeinsame Geschichte geschlichen hat. Jene Figur ist furchtlos und frech und lässt sich nichts vorschreiben.
Kurz gesagt: Poppy ist das genaue Gegenteil von Alice. Sie IST furchtlos und frech. Oft gibt sie den Ton an und prescht vor, wo ihre Freunde noch zögern. Dadurch wird sie zur prädestinierten Bösewichtin innerhalb der Rollenspiele. Ihren Eltern ist alles egal: Während sie den ganzen Tag über arbeiten, überlassen die Kinder sich selbst, sodass Poppy und ihre Geschwister tun und lassen können, was sie wollen.
Regeln? Ordnung? Fehlanzeige! Nur eine verschlossene Glas – Vitrine ist absolut tabu!
In jener Vitrine in Poppys Haus sitzt seit vielen Jahren eine seltsame Porzellan Puppe, die ihre Mutter einst auf einem Flohmarkt erstanden hat. Den Kindern ist es strengstens untersagt, mit der fest verschlossen Vitrine zu spielen. Dennoch hat die Puppe eine ganz besondere Anziehungskraft das Trio: Permanent schleicht sie sich in ihre Gedanken und insbesondere Poppy hat mehrfach seltsame Träume. Es ist also kaum verwunderlich, dass die Puppe sich als „böse Königin“ in die Abenteuer der Kinder einschleicht.
Die Geschichte nimmt Fahrt auf, als Zachs Vater unverhofft meint, seinen Sohn zum Mann zu machen und sämtliche seiner geliebten Action Figuren in den Müll wirft. Die Figuren sind nicht mehr zu retten. Zach ist einerseits natürlich wütend und traurig über den Verlust, andrerseits aber auch die ungerechte Behandlung seines Vaters. Wie soll der seinen beiden Freunden nur erklären, dass ihre Abenteuer ohne die Figuren nicht mehr weitergehen können? Um dem Ganzen ein Ende zu setzen, behauptet er, kein Interesse mehr zu haben und zieht sich komplett zurück.
In der folgenden Nacht stehen plötzlich Poppy und Alice mit der verbotenen Porzellan Puppe um Mitternacht vor seinem Fenster. Poppy erzählt eine unheimliche Geschichte von seltsamen Träumen. Sie schwört, dass die Puppe ihrer Mutter von der Seele eines ermordeten Mädchens heimgesucht und sie jetzt gezwungen wird die Puppe an den Ort des Verbrechens zu bringen, um sie dort zu beerdigen. Nur so könne diese ihrenFrieden finden kann. Andersfalls wird sie die drei Freunde verfolgen – bis in alle Ewigkeit!
Zach und Alice sind sich nicht sicher, ob sie an tote Mädchen und Geister glauben sollen, erklären sich aber bereit, gemeinsam mit Poppy die Puppe an ihren weit entfernten Bestimmungsort zu bringen. Wenn alles nach Plan funktioniert, sollten sie es bis zum nächsten Abend wieder zurückschaffen, sodass ich Fehlen unbemerkt bleibt. Nachdem der Plan steht, packen sie schnell ein paar Habseligkeiten zusammen, hinterlassen den Eltern wird eine Nachricht und brechen mitten in der Nacht zu ihrem eigenen großen Abenteuer auf.
Und was für eins: Sie treffen auf seltsame nächtliche Busreisende, viel zu aufmerksame Wachmänner und lernen, dass ausgedachte Abenteuer sich leichter anhören als sie wirklich sind. Während sie unterwegs sind, kommen allerdings auch verstörende Geheimnisse ans Licht, die die Freundschaft auf eine harte Probe stellen. Auch die Puppe verhält sich gruselig und es geschehen seltsame Dinge, die Alice und Zach zweifeln lassen. Was, wenn es doch Geister gibt? Und was, denn die Puppe zu viel Einfluss auf ihre Freundin hat……
Fazit
Das Buch ist mit 250 Seiten eher dünn, dafür aber vollgepackt mit gruseligen, Geheimnissen und unerwarteten Wendungen, die es schwer machen, das Buch aus der Hand zu legen. Es ist spannend geschrieben und lässt sich leicht und flüssig lesen. Holly Black stellt die Unsicherheiten der Kinder, die an der Schwelle zum Erwachsen werden stehen, wundervoll dar. Ich fühlte mich direkt an meine eigene Jugend erinnert: Wenn Unsicherheiten darüber auftreten, wie man sich dem anderen Geschlecht gegenüber verhalten soll. Wie Verwirrung und Zerrissenheit einkehren und man selbst nicht versteht, was mit einem los ist. Im Verlauf der Geschichtedurchlaufen die Charaktere eine Weiterentwicklung und auch das Geheimnis der Puppe kommt erst nach und nach ans Licht.
Ein packendes Jugendbuch, dass auch Erwachsenen tolle Lesestunden bereitet. Trotzdem an dieser Stelle der Hinweis: Auch wenn es ein Jugendbuch ist, wird es ganz schön gruselig. Selbst mir wurde an einigen Stellen mulmig zu Mute 😉.

Die Puppe ist am 24. Juni bei cbj Kinderbücher erschienen.
Ein herzliches Dankeschön an den Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars.
Gastbeitrag von Alexandra