Bücherwelt: Books, she said

Interview mit Natalie Erlach und Storygeberin Nicole List

Der Heartlines Verlag gehört zur renommierten Penguin Random House Verlagsgruppe und zeichnet sich durch sein ganz besonderes Konzept aus.

© Penguin Random House

Getreu dem Motto „Jede Geschichte ist es wert, erzählt zu werden” ermöglicht er einen sicheren Erfahrungsaustausch zwischen Autor*innen und jungen Menschen aus der Community, die bereit sind, persönliche Erlebnisse zu teilen. Die Autor*innen schreiben – inspiriert von den wahren Geschichten und Persönlichkeiten der Storygeber*innen – tiefgründige Romane. Das Herzstück bilden Figuren, die inspirieren sowie Lovestorys, die das Herz höher schlagen lassen.

Mit „Books, she said” erscheint ein Buch, das allein aufgrund des Titels schon großen Anklang bei den meisten Bookies finden dürfte. Wer jetzt allerdings eine seichte, plätschernde Storyline erwartet, wird rasch eines Besseren belehrt.

Die Handlung basiert auf Nicole Lists Lebensgeschichte und erzählt unter anderem von einer starken Frau, die ihren Traum von der eigenen Buchhandlung wahr werden lässt – aber auch vom Ausbruch aus einer toxischen Beziehung und dem Mut, für sich selbst einzustehen. Natürlich darf auch eine große Portion Buchliebe nicht fehlen.

Im Sommer 2025 haben wir bereits ein Interview mit der Autorin Natalie Erlach (damals zu ihrer „Shore-Mana”-Reihe) veröffentlicht. Auch dieses Mal durften wir der Autorin sowie Storygeberin Nicole List spannende Fragen stellen: neben thematischen Schwerpunkten der Geschichte, haben wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, uns nach den schönsten Sehenswürdigkeiten in Wien zu erkundigen – neben den tollen Musicals gibt es dort nämlich auch wundervolle Leseorte.

Interview

Natalie, wie war es für dich diese Geschichte zu schreiben?

Die Arbeit an „Books, she said” war auf vielen Ebenen besonders für mich. Nicht nur, weil ich auf eine ganz gewisse Art sensibel vorgehen wollte, denn immerhin basiert die Geschichte auf einem wahren Hintergrund, sondern auch, weil die Themen schwer genug wiegen. Und doch ist mir das Schreiben leicht gefallen, denn zwischen all den Zeilen stecken neben Nicoles Erfahrungen auch meine eigenen Erinnerungen und Gefühle. „Books, she said” ist und bleibt ein Herzensprojekt für mich.

Nicole, wie hat es sich angefühlt, deine Erfahrungen Revue passieren zu lassen und zu teilen?

Einerseits sehr leicht – weil Natalie es mir sehr leicht gemacht hat und sehr respektvoll mit allem umgegangen ist. Andererseits wird mir denk ich erst jetzt bewusst, dass es dennoch eine wirklich intensive Zeit war und jetzt rund um das Erscheinen auch ist, immerhin teile ich sehr viel Privates aus meinem Leben und gleichzeitig hat mich der Prozess natürlich immer wieder an vieles erinnert.

Aber ich denke, wenn das Buch erschienen ist, wird es sich auch ein bisschen wie ein abschließen und loslassen anfühlen.

Nathalie Erlach © privat

Wut ist ja ein verdammt wichtiges Gefühl. Sie tritt beispielweise auf, wenn unsere Bedürfnisse verletzt oder gar übergangen werden. Wenn wir uns entweder nicht gehört oder nicht respektiert fühlen. Um Wut zu empfinden, müssen wir uns selbst erst als wichtig und gleichberechtigt genug erachten. Wie leicht fällt es euch im Alltag, wütend zu sein?

Nicole List: Leicht. Ich bin sehr oft wütend, ich habe ja auch einen feministischen Essay geschrieben und auch dort behandle ich das Thema Wut. Ich denke, punktuell und situationsbedingt ist es auch gut, wütend zu sein. Und manchmal sind wir das vielleicht auch zu wenig.

Was ich jedoch nicht möchte, ist, dass mein Leben davon bestimmt wird, lieber verwandle ich die Wut in etwas Schönes.

Natalie Erlach: „Wir dürfen wütend sein“ ist ein Satz, der mir sehr oft über die Lippen kommt, denn ich habe eine vierjährige Tochter, die mitten in der Autonomiephase steckt und deren Wut ich nahezu täglich begleite, auffange und bei der Regulation helfe. Auch ich bin manchmal wütend – und darf es auch sein. Es kommt immer darauf an, wie man mit seiner Wut umgeht, denn man sollte mit dieser niemand anderen verletzen.

Nicole, was möchtest du allen Frauen, die in einer toxischen Beziehung stecken mit auf den Weg geben?

Vertraut euch jemanden an. Ich weiß, es scheint manchmal unmöglich und ich verstehe das, aber sprecht mit jemanden darüber. Und, dass ich weiß, wie schwierig es ist sich aus so einer Beziehung zu befreien. Aber ihr seid stärker und mutiger als ihr vielleicht denkt. Und: vertraut immer eurem Gefühl.

Natalie, die Geschichte greift schwere Themen auf. Können wir uns dennoch auf die für deine Bücher typischen Elemente freuen?

Selbstverständlich! 😊 In meinen Büchern findet man immer cozy Elemente, so auch in Books, she said. Die Geschichte spielt im Jahreszeitenwechsel von Sommer zu Herbst. Es wird kühler draußen, wärmer in der Buchhandlung und bunte Blätter fallen in Wien. Es duftet nach Apfelkuchen, nach Blaubeermuffins und der Duft von frisch gebrühten Kaffeespezialitäten wabert durch die Lüfte.

Was bedeutet für euch: Support innerhalb der Buchwelt?

Nicole List: Ich bin generell ein Mensch, der viel Wert auf Solidarität untereinander legt. Ich glaube, dass eine Gemeinschaft stärker ist als das Individuum. Deshalb versuche ich auch in der Buchwelt solidarisch zu sein: also andere Autor*innen zu pushen, Sichtbarkeit auf Social Media zu geben aber auch zum Beispiel in anderen unabhängigen Buchhandlungen einzukaufen, wenn ich in einer anderen Stadt bin, zum Beispiel. Jede Kleinigkeit zählt, gerade jetzt in Zeiten wo der Buchhandel stark kämpft.

Nicole List © photogralex

Können toxische Menschen sich von Grund auf verändern?

Nicole List: Nein. Ich denke, sie können sich bessern, aber aus meiner Erfahrung ist es sehr unwahrscheinlich, Verhaltensmuster vollständig abzulegen. Da gehört wirklich viel Arbeit dazu und ein starker Wille.

Natalie Erlach: Diese Frage kann und möchte ich nicht mit einem Ja oder einem Nein beantworten, denn weder bin ich Psychologin noch glaube ich, dass es darauf eine allgemeingültige Antwort gibt. Ich schätze, dass es vor allem darauf ankommt, warum Menschen sich toxisch verhalten. Wichtig ist aber, dass Menschen eigene Muster erkennen und Verantwortung übernehmen, indem sie sich professionelle Unterstützung holen und daran arbeiten.

Was sollten wir uns Herbst bei Wochenendtrip in Wien auf keinen Fall entgehen lassen?

Nicole List: Einen Besuch in meiner Buchhandlung? Haha. Nein, aber im Ernst. Wien hat so viele richtig coole Buchhandlungen, die sind immer einen Besuch wert! Ich weiß nicht, ob ich hier auch mein neues Buch erwähnen darf, es beschäftigt sich mit den schönsten Leseorten in Wien, also da ist sicher für jeden was dabei. Alternativ auch eine Wanderung in den Weinbergen. Immer sehr schön im Herbst!

Welche 3 Emotionen beschreiben die Geschichten am besten?

Nicole List: Schmerz. Mut. Inspiration.

Natalie Erlach: Angst, Wut, aber auch Hoffnung.

Wer jetzt neugierig geworden ist, aufgepasst: Auf Instagram könnt ihr ein Exemplar von „Books, she said” gewinnen.

Klappentext

„Ich kaufe die Buchhandlung!“ Als Nova diesen Entschluss fasst, ist sie von ihrem eigenen Mut überrascht. Aber sie will es durchziehen, denn ein Leben ohne Bücher ist für sie unvorstellbar. Nicht alle stehen hinter Novas Plan: Ihr Freund Phil belächelt ihre Ambitionen. Doch sein Spott spornt Nova an, bis sie nicht nur beruflich ihren eigenen Weg geht, sondern auch die Beziehung zu Phil beendet. Zum Glück ist auf ihre beste Freundin Verlass, die Nova in ihrer WG unterkommen lässt. Dort begegnet sie Dante, der so ganz anders ist als ihr Ex! Unterstützend, positiv – auch wenn ein Schatten auf seiner Seele zu liegen scheint. In Novas Herz haben Gefühle jedoch gerade keinen Platz, ihr Traum von der Buchhandlung hat Vorrang. Und plötzlich bietet sogar Phil seine Hilfe an.

Menschen können sich eben ändern … oder etwa nicht?

Books, She Said ist am 26. August erschienen.

Kurzer Leseeindruck

Ich bin von der ersten Seite an in die Geschichte eingetaucht, was sicherlich auch dem wunderbaren Schreibstil von Natalie Erlach zu verdanken ist. Die Geschichte beschreibt eine mutige Frau, die nicht aufgibt, und verdeutlicht, dass unser Leben jederzeit eine neue Richtung einschlagen kann – dass ein Neuanfang und die Befreiung aus bestehenden Strukturen jederzeit möglich sind. Eine riesengroße Leseempfehlung!

Ein Zitat bringt es besonders gut auf den Punkt:

»Und vielleicht ist das am Ende das Schönste an Büchern: dass sie uns zeigen, dass selbst nach den dunkelsten Kapiteln noch ein neuer Abschnitt beginnen kann. Dass nicht jede Geschichte dem Plot folgt, den wir uns für unser Leben ausgemalt haben und dass Happy Ends manchmal ganz anders aussehen, als wir es erwartet hätten.«

Vielen Dank an den Heartlines Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars und natürlich an Natalie Erlach und Nicole List für die Offenheit und das ehrliche Interview.


Artikel & Interview: Sandra